Folgen eines Schlaganfalls nach betroffener Hirnregion
Wenn das Gehirngewebe plötzlich nicht mehr ausreichend durchblutet wird, sterben Hirnzellen ab mit teils bleibenden Folgen. Welche Beeinträchtigungen nach einem Schlaganfall auftreten, hängt stark davon ab, welcher Bereich des Gehirns betroffen ist.
Meist zeigen sich die Folgen einseitig: Arm, Hand, Bein, Fuß oder das Gesicht einer Körperseite sind betroffen, manchmal zusätzlich Sprache, Sprechen oder Sehen.
Folgen im Großhirn
Bei einem Schlaganfall in der rechten Gehirnhälfte kommt es häufig zu Orientierungsstörungen und Einschränkungen der räumlichen Wahrnehmung. Auch Persönlichkeitsveränderungen wie eine Depression können auftreten. Eine besondere Folge ist der sogenannte Neglect: Betroffene nehmen eine Seite ihres Körpers oder ihrer Umgebung nicht mehr richtig wahr.
Bei einem Schlaganfall in der linken Gehirnhälfte stehen häufig Sprachstörungen (Aphasie) oder ein Sprachverlust im Vordergrund, da das Sprachzentrum bei den meisten Menschen links sitzt. Auch hier können halbseitige Lähmungen auftreten.
Folgen im Kleinhirn
Ein Schlaganfall im Kleinhirn kann zu folgenden Beeinträchtigungen führen:
- Koordinationsstörungen
- Gleichgewichtsstörungen
- Zittern
- Sprechstörungen
Folgen im Stammhirn
Ein Schlaganfall im Stammhirn kann unter anderem folgende Folgen haben:
- Sehstörungen
- Bewusstseinsstörungen
- Schwindel und Erbrechen
- Unkontrollierte Bewegungen
- Lähmungen an Arm und Bein
- Sprech- und Schluckstörungen
Mögliche Komplikationen nach einem Schlaganfall
Neben den unmittelbaren Folgen einer betroffenen Hirnregion können nach einem Schlaganfall weitere Komplikationen auftreten:
- Aufmerksamkeitsstörungen: Zum Beispiel mangelnde Konzentrationsfähigkeit
- Gedächtnisstörungen: Nicht zu verwechseln mit einer Demenz
- Störungen der Sinnesempfindungen: Manche Betroffene können Kälte- oder Wärmereize nicht mehr richtig wahrnehmen oder unterscheiden
- Schluck- und Atemwegsprobleme: Schluckstörungen können zu einer Aspirationspneumonie (spezielle Form einer Lungenentzündung) führen
- Thrombosen und Embolien: Vor allem bei eingeschränkter Beweglichkeit steigt das Risiko für Thrombosen in den Bein- und Beckenvenen sowie für Lungenembolien
- Harnwegsinfekte und Druckstellen: Wer sich nach einem Schlaganfall kaum bewegen kann, hat ein erhöhtes Risiko für Harnwegsinfekte und Wundliegen (Dekubitus)
- Schwaches Immunsystem: Der Körper ist nach einem Schlaganfall oft geschwächt, sodass auch harmlose Infektionen schnell gefährlich werden können
Eine frühzeitige Behandlung auf einer spezialisierten Stroke Unit sowie sogenannte Prophylaxen in der Pflege können das Risiko für solche Komplikationen deutlich senken.
Inkontinenz nach einem Schlaganfall
Eine Harninkontinenz zählt zu den häufigsten Folgen eines Schlaganfalls: Direkt nach dem Ereignis ist etwa jeder zweite Betroffene davon betroffen.
Drei Monate später berichten noch rund die Hälfte der Patienten über entsprechende Beschwerden, nach sechs Monaten sind es ohne gezielte Behandlung noch etwa 20 bis 30 Prozent.
Ursache ist meist eine sogenannte Dranginkontinenz: Durch die Schädigung im Gehirn geht die Kontrolle über die Blase teilweise verloren, sodass Betroffene den Harndrang erst sehr spät oder gar nicht mehr rechtzeitig wahrnehmen.
Auch sprachliche oder kognitive Einschränkungen können dazu beitragen, dass Betroffene ungewollt Urin verlieren – etwa, weil sie sich nicht mehr verständlich machen können, wenn sie zur Toilette müssen.
Die gute Nachricht: Bei vielen Patienten bessert sich die Inkontinenz im Laufe der Rehabilitation wieder. Unterstützend können zum Beispiel ein Blasentraining mit festen Zeiten, Beckenbodentraining oder (bei stärkerer Beeinträchtigung) auch Medikamente helfen.
Lähmungen nach einem Schlaganfall
Eine Halbseitenlähmung (auch Hemiparese genannt) gehört zu den häufigsten Folgen eines Schlaganfalls. Dabei ist eine Körperhälfte in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt, zum Beispiel Arm, Bein oder Gesicht. In der ersten Zeit nach dem Schlaganfall ist die betroffene Extremität meist schlaff. Fachleute sprechen von einer pseudoschlaffen Lähmung. Häufig beginnt die Muskulatur erst nach Wochen oder Monaten wieder zu arbeiten.
Bei vielen Betroffenen entwickelt sich im Laufe der Zeit eine sogenannte Spastik: eine erhöhte, oft schmerzhafte Muskelspannung, die Bewegungen zusätzlich erschwert. Eine Spastik kann auch erst Wochen oder Monate nach dem Schlaganfall auftreten und macht weitere gezielte Therapien notwendig.
Epilepsie nach einem Schlaganfall
Ein Schlaganfall kann auch epileptische Anfälle auslösen, da es im Gehirn zu einer Narbenbildung kommt. Je nach Studie entwickeln etwa 5 bis 16 Prozent der Schlaganfall-Betroffenen mindestens einen epileptischen Anfall. Bei einem Hirninfarkt liegt das Risiko bei rund 5 Prozent, bei einer Hirnblutung bei rund 8 Prozent.
Ein einzelner epileptischer Anfall bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sich daraus eine dauerhafte Epilepsie entwickelt: Vor allem frühe Anfälle innerhalb der ersten zwei Wochen führen selten zu einer chronischen Epilepsie. Anfälle, die später auftreten, gelten dagegen häufiger als Hinweis auf eine sogenannte Post-Stroke-Epilepsie und sollten ärztlich abgeklärt werden.
Treten während eines Schlaganfalls epileptische Anfälle auf, muss dies nicht sofort heißen, dass sich daraus auch eine dauerhafte Epilepsie entwickelt. Der Arzt sollte hierüber auf jeden Fall informiert werden. Von dem Risiko weiterer epileptischer Anfälle hängt ab, ob eine dauerhafte Medikation notwendig wird.

Persönlichkeitsveränderungen nach einem Schlaganfall
Ein Schlaganfall kann sich nicht nur körperlich, sondern auch auf die Persönlichkeit der betroffenen Person auswirken. Besonders häufig passiert das, wenn der Frontallappen (Stirnlappen) geschädigt wird – jener Bereich des Gehirns, der maßgeblich für Impulskontrolle, Antrieb und soziales Verhalten zuständig ist.
Je nachdem, wie sich die Schädigung auswirkt, zeigen sich zwei gegensätzliche Verlaufsrichtungen:
- Rückzug und Antriebslosigkeit: Apathie, Teilnahmslosigkeit, depressive Verstimmung
- Enthemmung und Impulsivität: Reizbarkeit, Aggressivität, distanzloses Verhalten
Fachleute sprechen je nach Ausprägung auch von einem Frontalhirnsyndrom.
Häufig kommt es zudem zu einer sogenannten Post-Stroke-Depression: Etwa ein Drittel aller Schlaganfall-Patienten ist betroffen. Auch Angstzustände treten bei mehr als 20 Prozent der Betroffenen auf.
Die gute Nachricht: Viele dieser Persönlichkeitsveränderungen bilden sich im Laufe der Zeit wieder zurück.
Wichtig für Angehörige: Die Person verhält sich nicht absichtlich anders. Die Veränderungen sind in den meisten Fällen Ausdruck der körperlichen Schädigung, nicht der „eigentlichen“ Persönlichkeit.

Persönlichkeitsveränderung nach einem Schlaganfall
Pflegebedürftigkeit nach einem Schlaganfall
Ein Schlaganfall zählt zu den häufigsten Ursachen für eine neu eintretende Pflegebedürftigkeit. Wie wir bereits in der Einleitung gesehen haben: Rund ein Drittel der Betroffenen ist langfristig auf Unterstützung im Alltag angewiesen, ein Viertel bleibt dauerhaft in erheblichem Umfang pflegebedürftig.
Welcher Pflegegrad ist nach einem Schlaganfall typisch?
Grundsätzlich sind nach einem Schlaganfall alle fünf Pflegegrade möglich. Häufig sind es jedoch Pflegegrad 3 bis 5, abhängig vom Schweregrad der Lähmungen und vom Erfolg der Rehabilitation. Pflegegrad 1 oder 2 kommen eher bei leichteren, vorübergehenden Einschränkungen vor.
Ob und in welchem Umfang ein Pflegegrad bewilligt wird, entscheidet die Pflegekasse auf Basis eines Pflegegutachtens.
Pflege-Maßnahmen und Unterstützung im Alltag
Wie die Pflege nach einem Schlaganfall am besten organisiert wird, hängt stark vom individuellen Hilfebedarf ab. Folgende Fragen können bei der Orientierung helfen:
- Kann ausreichend ambulante Unterstützung organisiert werden, damit die betroffene Person zuhause wohnen bleiben kann?
- Können Angehörige, Freunde oder Nachbarn bei der täglichen Pflege helfen, oder lässt sich zusätzlich eine stundenweise Betreuung organisieren?
- Sind Umbaumaßnahmen notwendig, um Barrieren im Zuhause abzubauen?
- Können Hilfsmittel dazu beitragen, die Selbstständigkeit wiederherzustellen oder zu fördern?
Mit einem anerkannten Pflegegrad stehen Ihnen verschiedene Leistungen der Pflegeversicherung zur Verfügung, die Ihren Pflegealltag erleichtern sollen.
Anlaufstellen und Beratung nach einem Schlaganfall
Ein Schlaganfall trifft selten nur eine Person allein. Auch Angehörige stehen plötzlich vor neuen Herausforderungen. Folgende Anlaufstellen können dabei Orientierung geben:
- Sozialdienst im Krankenhaus oder in der Reha-Klinik: Erste Ansprechpartner für die Organisation der Versorgung nach der Entlassung.
- Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe: Bietet telefonische Beratung, Kontakte zu bundesweit rund 450 Selbsthilfegruppen sowie 30 Regionalbüros als feste Anlaufstellen für Betroffene.
- Pflegestützpunkte: Neutrale, kostenlose Beratungsstellen in Ihrer Nähe, die bei allen Fragen zur Pflege unterstützen: von der Antragstellung bis zur Leistungsübersicht.
- Pflegeberatung: Gesetzlich verankerter Anspruch auf persönliche Beratung.
- Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen oder Angehörigen kann helfen, mit der neuen Lebenssituation besser zurechtzukommen. Es gibt auch spezielle Gruppen für jüngere Betroffene, Angehörige oder Menschen mit Aphasie.
Lebenserwartung und Prognose nach einem Schlaganfall
Ein Schlaganfall ist nach wie vor eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland – dennoch überleben die meisten Betroffenen bei rechtzeitiger Behandlung. Mehr als 80 Prozent erleben das erste Jahr nach dem Schlaganfall, bei unter 50-Jährigen überlebt mehr als die Hälfte auch die nächsten fünf Jahre.
Auch das Risiko für einen erneuten Schlaganfall bleibt erhöht: Etwa jeder zehnte Betroffene erleidet innerhalb eines Jahres einen weiteren Schlaganfall.
Wie gut die Prognose ausfällt, hängt von mehreren Faktoren ab:
- Alter: Je jünger die betroffene Person, desto besser die Heilungschancen. Während bei unter 44-Jährigen nur etwa 1 von 100 Patienten innerhalb der ersten Tage im Krankenhaus verstirbt, sind es bei über 90-Jährigen rund 19 Prozent.
- Ursache: An Hirnblutungen versterben kurz- und mittelfristig mehr Menschen als an einem ischämischen Hirninfarkt.
- Schnelligkeit der Behandlung: Wer innerhalb der ersten Stunden auf einer spezialisierten Stroke Unit behandelt wird, hat bessere Überlebens- und Heilungschancen.
Wie geht es nach einem Schlaganfall weiter?
Bei rund 40 Prozent der Betroffenen bleiben erhebliche Beeinträchtigungen bestehen. Etwa jede dritte Person muss ihre berufliche Tätigkeit wechseln, etwa ein Viertel bleibt dauerhaft arbeitsunfähig.
Im schlimmsten Fall kann ein Schlaganfall so schwerwiegend sein, dass Betroffene dauerhaft pflegebedürftig bleiben.
Was die Genesung zusätzlich positiv beeinflussen kann:
- Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Bewegung
- Konsequente Behandlung von Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck
- Unterstützung durch Angehörige bei Therapie und Alltagsbewältigung
- Konsequentes Wahrnehmen von Reha- und Folgeterminen
Häufig gestellte Fragen
Welche Folgen kann ein Schlaganfall haben?
Je nachdem, welche Hirnregion betroffen ist, können Lähmungen, Sprach- und Sprechstörungen, Koordinations- und Gleichgewichtsprobleme, Sehstörungen oder Persönlichkeitsveränderungen nach einem Schlaganfall auftreten. Oft zeigen sich die Symptome einseitig, also auf einer Körperseite.
Ist eine Inkontinenz nach einem Schlaganfall normal?
Direkt nach dem Ereignis ist etwa jeder zweite Betroffene von einer Inkontinenz betroffen. Die Werte sinken im Laufe der Reha deutlich: nach sechs Monaten liegt die Quote ohne gezielte Behandlung noch bei etwa 20 bis 30 Prozent. Blasentraining, Beckenbodentraining oder Medikamente können helfen.
Kann sich nach einem Schlaganfall die Persönlichkeit verändern?
Ja, besonders bei Schädigungen des Frontallappens. Möglich sind Rückzug und Antriebslosigkeit oder umgekehrt Enthemmung und Impulsivität. Auch eine Post-Stroke-Depression (bei etwa einem Drittel der Betroffenen) oder Angstzustände sind häufig. Wichtig: Diese Veränderungen sind nicht absichtlich, sondern Folge der körperlichen Schädigung.
Führt ein Schlaganfall automatisch zu Pflegebedürftigkeit?
Nicht automatisch, aber ein Schlaganfall zählt zu den häufigsten Ursachen für neu eintretende Pflegebedürftigkeit. Etwa ein Drittel der Betroffenen ist langfristig auf Unterstützung angewiesen, ein Viertel bleibt dauerhaft in erheblichem Umfang pflegebedürftig.
Wie stehen die Überlebenschancen nach einem Schlaganfall?
Über 80 Prozent erleben das erste Jahr nach einem Schlaganfall. Alter, Ursache und wie schnell die Behandlung erfolgt, beeinflussen die Prognose stark.
Wo finden Betroffene und Angehörige nach einem Schlaganfall Unterstützung?
Orientierung und Beratung nach einem Schlaganfall bieten beispielsweise die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, der Sozialdienst im Krankenhaus/in der Reha-Klinik oder Pflegestützpunkte.






