Phlebothrombose: Definition
Eine Phlebothrombose – besser bekannt als tiefe Venenthrombose oder kurz TVT – entsteht, wenn sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) in einer tief liegenden Vene bildet. Dieses Gerinnsel verschließt die Vene teilweise oder sogar komplett.
Am häufigsten tritt eine TVT in den großen Beinvenen auf, seltener in den Beckenvenen. Deshalb sprechen viele auch von einer tiefen Beinvenenthrombose, kurz TBVT.(1)
Hintergrundwissen: Tiefe und oberflächliche Beinvenen
Unser Körper ist von einem dichten Netz aus Blutgefäßen durchzogen. Es gibt zwei Arten:
- Arterien bringen Sauerstoff zu den Zellen.
- Venen transportieren das sauerstoffarme Blut zurück zum Herzen und von dort zur Lunge, wo es sich wieder mit Sauerstoff anreichert.
In den Beinen liegen die großen Venen tief im Gewebe. Sie sind durch Muskeln und Bindegewebe von den kleineren Oberflächenvenen getrennt, die direkt unter der Haut verlaufen. An einigen Stellen verbinden sogenannte Perforansvenen (oder Verbindungsvenen) die tiefen und oberflächlichen Beinvenen miteinander.
Die tieferen Venen sind besonders wichtig für den Rückfluss des Blutes. Sie transportieren große Mengen Blut in Richtung Herz. Dabei werden sie von den Muskeln unterstützt, die wie eine Pumpe wirken.
Ist der Blutfluss in diesen Venen gestört – zum Beispiel aufgrund von Bewegungsmangel oder Verletzungen – steigt das Risiko, dass sich ein Blutgerinnsel bildet. Und diese Gerinnsel können dann eine tiefe Venenthrombose verursachen.
Phlebothrombose: Ursachen
Grundsätzlich sind drei maßgebliche Gründe für die Entstehung einer tiefen Venenthrombose verantwortlich. In der Medizin spricht man von der sogenannten Virchow-Trias:(2)
- Verminderte Strömungsgeschwindigkeit des Blutes: Fließt das Blut langsamer durch das Gefäßsystem, begünstigt das seine Gerinnungsneigung. Das ist etwa bei Bewegungsmangel, langem beengten Sitzen oder erweiterten Venen (Krampfadern) der Fall.
- Störungen der Blutgerinnung: Blutgerinnungsstörungen können entweder erblich bedingt sein oder durch andere Krankheiten (zum Beispiel Krebs) hervorgerufen werden.
- Schäden an der Gefäßwand: Verändern sich die Innenwände von Venen, erhöht sich die Neigung des Blutes zu gerinnen. Schäden können beispielsweise durch eine Verletzung, Operation, Infektion, Entzündung oder einen Tumor in der Nähe der Vene entstehen.
Phlebothrombose: Risikofaktoren
Es gibt bestimmte Faktoren, die das Risiko für eine Phlebothrombose erhöhen können. Zu sogenannten Risikofaktoren für eine TVT gehören:(2)(3)
- Orthopädische oder größere Operation, beispielsweise an Knie oder Hüfte
- Gipsverbände
- Ausgeprägtes Krampfaderleiden
- Vergangene Venenthrombose-Erkrankung
- Diabetes mellitus
- (Genetisch bedingte) Störung der Blutgerinnung
- Krebserkrankung
- Zunehmendes Alter (insbesondere über 60 Jahre)
- Herzinsuffizienz
- Akute Infektionen
- Schwangerschaft und Hormone (beispielsweise die Anti-Baby-Pille oder Hormonersatzpräparate gegen Wechseljahresbeschwerden)
All das sind Risikofaktoren, die sich nur bedingt ausschalten lassen.
Andere Risikofaktoren hingegen betreffen den Lebensstil, auf den wir durchaus Einfluss haben können:
- Übergewicht
- Rauchen
- Bewegungsmangel
- Übermäßiger Alkoholkonsum
Phlebothrombose: Symptome
Nicht jede tiefe Venenthrombose macht laut auf sich aufmerksam. Viele Betroffene merken die typischen Symptome einer Phlebothrombose im Anfangsstadium nicht einmal.
Anzeichen wie Schmerzen treten mitunter erst nach Jahren auf. Oft entdecken Ärzteteams eine Thrombose rein zufällig, beispielsweise bei einer Ultraschalluntersuchung.
Eine TVT tritt meist im Ober- oder Unterschenkel auf, manchmal im Knie, selten auch in einer Beckenvene. Sie gehen mit typischen Symptomen in der betroffenen Körperstelle einher:(2)
- Schmerzen
- Hautveränderungen
- Gefühlsstörungen
Ein besonderes Merkmal einer Phlebothrombose ist, dass sie in der Regel nur in einem Bein auftritt, selten in beiden gleichzeitig.
In unserem Ratgeber Thrombose im Bein informieren wir Sie über mögliche Symptome bei einer Beinthrombose.
Phlebothrombose: Komplikationen
Die meisten Beinvenenthrombosen heilen wieder vollständig ab, vorausgesetzt die Erkrankung wurde frühzeitig entdeckt und behandelt. Allerdings besteht meist ein erhöhtes Risiko, erneut eine Thrombose der Beine zu entwickeln, die sogenannte Rezidiv-Thrombose.
Darüber hinaus bleiben in vielen Fälle nach einer TVT dauerhafte Schäden in der Vene zurück: Zum Beispiel kann die Gefäßwand nachhaltig in Mitleidenschaft gezogen werden. Es kann auch sein, dass die Venenklappe nach der Phlebothrombose nicht mehr richtig funktioniert, was in der Folge zu Krampfadern führen kann – wiederum ein Risikofaktor für TVT.(3)
Lungenembolie durch tiefe Venenthrombose
Die wohl gefürchtetste Komplikation einer tiefen Venenthrombose (TVT) ist eine Lungenembolie. Sie entsteht, wenn sich ein Teil des Blutgerinnsels (Thrombus) von einer Venenwand im Bein oder Becken ablöst und mit dem Blutstrom über das Herz in die Lunge gelangt. Dort kann das Blutgerinnsel die für die Atmung lebenswichtige Ader verschließen.
Luftnot, Herzrasen, Brustschmerzen oder eine plötzliche Bewusstlosigkeit – und das zusätzlich zu den Beinbeschwerden – sind deutliche Alarmzeichen für eine Lungenembolie. Bei derartigen Symptomen müssen Sie sofort Ihren Arzt kontaktieren oder den Notruf alarmieren.(4)
Postthrombotisches Syndrom
Auf lange Sicht ist das postthrombotische Syndrom die häufigste Spätfolge einer Thrombose. Es entsteht, wenn sich in den Thrombose-geschädigten Gefäßen das Blut dauerhaft staut. Dadurch weiten sich die Venen und die Venenklappen können nicht mehr richtig funktionieren.
Die Flüssigkeit aus den Venen kann dann in das Gewebe austreten, sich sammeln und Ödeme bilden oder Schwellungen in Unterschenkel, Knöchel und Fuß verursachen.
Weitere Symptome sind:
- Schwere- und Spannungsgefühl
- Hautveränderungen (bräunliche Verfärbung)
- Waden- und Fußkrämpfe
- Krampfadern
Im schlimmsten Fall tritt ein offenes Bein (Ulcus cruris) auf, wenn die Blutversorgung in der Extremität zu stark beeinträchtigt ist.
Das postthrombotische Syndrom ist nicht heilbar. Allerdings lassen sich die Beschwerden lindern und das Fortschreiten der Erkrankung verhindern. Betroffene sollten sich an einen Venenspezialisten wenden.(3)
Phlebothrombose: Diagnose
Die Diagnostik der tiefen Venenthrombose beginnt wie bei jedem Arztbesuch mit dem Anamnese-Gespräch. Das Ärzteteam erkundigt sich über Ihre Beschwerden und Vorerkrankungen. Außerdem versucht es, mögliche Risikofaktoren zu erkennen.
In der Regel ermittelt es anschließend mittels Fragebogen den sogenannten Wells-Score. Er zeigt, wie wahrscheinlich es ist, dass Sie tatsächlich an einer tiefen Beinvenenthrombose leiden.(1)
Es folgt die körperliche Untersuchung. Verhärtet sich der Verdacht einer TVT, veranlasst das Ärzteteam darüber hinaus eine Blutuntersuchung. Hier kann der sogenannte D-Dimer-Test Aufschluss geben: Ist der D-Dimer-Wert erhöht, ist das ein Hinweis auf eine akute Phlebothrombose.
Bildgebende Verfahren bei einer tiefen Venenthrombose
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einer TVT mit bildgebenden Verfahren nachzuspüren.
Die gängigste Methode ist die Sonografie – also ein Ultraschall. Moderne Ultraschallgeräte können den Blutfluss in den Venen und mögliche Verschlüsse sichtbar machen.(1)
Dazu kombiniert das Untersuchungsteam zwei Ultraschallmethoden miteinander: die Kompressions- und Duplexsonografie. Auf diese Weise verfolgen sie die tiefen Leitvenen mit dem Ultraschallkopf von der Leistenregion bis in den Unterschenkel in kleinen Schritten.
Folgende weitere Möglichkeiten der Bildgebung gibt es:
- Phlebografie: Für die Phlebografie wird Kontrastmittel in die Vene gespritzt und dann das Bein geröntgt. Sie wird heute allerdings nur noch in Ausnahmen durchgeführt, etwa wenn die Ultraschalluntersuchung kein eindeutiges Ergebnis liefern konnte.
- Computertomografie (CT): Muss die exakte Ausdehnung einer Thrombose beispielsweise in der Beckenvene bestimmen werden, liefert das CT gute Bilder. Auch vor einer Operation wird manchmal ein CT gemacht.
- Magnetresonanztomografie (MRT): Ein MRT wird ebenfalls vor einer Operation angeraten, um ein hochaufgelöstes 3D-Bild zu erhalten. Außerdem kann das Untersuchungsteam damit das Alter des Blutgerinnsels bestimmen, was hilfreich für weitere Therapieoptionen ist.
Phlebothrombose: Therapie
Da eine tiefe Venenthrombose im Bein schwerwiegende Folgen haben und lebensbedrohliche Komplikationen nach sich ziehen kann, muss sie umgehend behandelt werden.
Folgende Therapie-Maßnahmen stehen den Ärzteteams zur Verfügung:
- Medikamente
- Kompressionstherapie
- Operation
Medikamente bei tiefer Venenthrombose
In der akuten Phase bekommen Menschen mit einer diagnostizierten TVT zunächst ein gerinnungshemmendes Medikament unter die Haut gespritzt. Meist kommen hier Heparine zum Einsatz.(4)
Damit verhindert das Behandlungsteam, dass das Blutgerinnsel weiter wächst und mindert so das Risiko für eine Lungenembolie. Auch das Blut kann wieder ungehindert fließen.(1)(4)
Die sogenannte Antikoagulanzien-Therapie, mit der eine TVT behandelt wird, ist in drei Phasen unterteilt:(1)
- Phase 1 (für 5 bis 21 Tage) übernimmt die Initialtherapie.
- Phase 2 (für mindestens 3 bis 6 Monate) ist eine sogenannte Erhaltungstherapie.
- Phase 3 (3 bis 6 Monate oder unbefristet) gilt als Sekundärprophylaxe.
In allen drei Phasen setzen die Behandlungsteams vorzugsweise auf Medikamente, die über den Mund (oral) eingenommen werden. Dabei verabreichen sie in der Initialtherapie höhere Dosierungen als in der Erhaltungsphase.
Phase 3 soll verhindern, dass sich erneut eine Thrombose bildet. Die Dosis und wie lange der Gerinnungshemmer verabreicht wird, richtet sich nach den individuellen Voraussetzungen der Patienten. Entscheidet das Ärzteteam, ihnen dauerhaft Antikoagulanzien zu geben, müssen sie jedes Jahr neu bewerten, wie die Therapie fortgesetzt wird.
Kompressionstherapie bei tiefer Venenthrombose
Neben der Einnahme von Gerinnungshemmern ist eine frühzeitige Kompressionstherapie (innerhalb von 24 Stunden) die zweite Säule der Behandlung einer tiefen Beinvenenthrombose.
Hierzu tragen die Betroffenen tagsüber einen Kompressionsstrumpf oder -verband an dem betroffenen Bein. Nach drei bis sechs Monaten bewertet das Behandlungsteam neu, ob die Therapie fortgeführt werden muss.
Die Kompressionstherapie mindert zum einen die Schmerzen und Schwellungen im Bein. Zum anderen soll es ein posttraumatisches Syndrom verhindern oder wenigstens abmildern. Darüber hinaus fördert der äußere Druck allgemein den Rückfluss des Blutes zum Herzen.(1)(4)
Operation bei tiefer Venenthrombose
Die medikamentöse Behandlung verhindert zwar, dass das Blutgerinnsel weiter wächst, es löst den bestehenden Thrombus aber nicht auf. In der Regel ist das auch nicht notwendig.
Nur in seltenen Fällen kann die operative Entfernung des Gerinnsels in der Akutphase der TVT sinnvoll sein. Das gilt insbesondere, wenn die tiefe Beckenvene betroffen ist und die Patienten noch sehr jung sind. Aber auch, um einem stark ausgeprägten postthrombotischen Syndrom entgegenzuwirken, kann eine Operation angesetzt werden.(1)
Es kommen verschiedene operative Eingriffe in Frage: So kann die Vene operativ geöffnet und das Blutgerinnsel entfernt werden. Oder es geschieht mithilfe eines Katheters, der über die Leiste in die Vene geleitet wird.(5)
Phlebothrombose: Prävention
Um einer Thrombose und ihren Komplikationen vorzubeugen, sollten sich Betroffene eingehend mit Maßnahmen der Thromboseprophylaxe auseinandersetzen.
Die wohl wichtigste Präventionsmaßnahme ist die regelmäßige Bewegung. Das gilt übrigens auch für gesunde Menschen. Insbesondere Sportarten, bei denen die Beinmuskeln beansprucht werden, sind gut für die Venengesundheit. Denn durch das Anspannen der Beinmuskulatur wird die Muskelpumpe aktiviert, die das Blut zum Herzen transportiert.
Bei bettlägerigen Menschen oder frisch Operierten helfen dagegen Kompressionsstrümpfe oder nach ärztlichem Ermessen eine medikamentöse Prophylaxe.
Häufig gestellte Fragen
Was ist eine Phlebothrombose?
Eine Phlebothrombose ist der medizinische Begriff für eine tiefe Venenthrombose (TVT). Dabei bildet sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) in einer tief liegenden Vene meist in einer großen Beinvene, seltener in einer Beckenvene.
Wie erkennt man eine tiefe Venenthrombose?
Oft verläuft eine Phlebothrombose zunächst vollkommen unbemerkt. Erst Folgeerscheinungen wie eine Lungenembolie weisen auf die Thrombose hin. Zu den häufigsten Symptomen einer tiefen Venenthrombose im Bein zählen Schwellungen, Schwere- und Wärmegefühl, muskelkaterähnliche Schmerzen sowie eine bläulich verfärbte und glänzende Haut. Hat sich bereits ein Teil des Gerinnsels abgelöst und ist mit dem Blutfluss in die Lunge gelangt, kommen Atembeschwerden hinzu. Eine Lungenembolie droht. Spätestens jetzt sollten Sie einen Notarzt rufen.
Wie bekommt man eine Phlebothrombose?
Die Ursachen einer Phlebothrombose lassen sich auf das sogenannte Virchow-Trias zurückführen: verminderte Strömungsgeschwindigkeit des Blutes, Störungen der Blutgerinnung und Schäden an der Gefäßwand. Häufige Auslöser sind langes Sitzen oder Liegen, Operationen, Übergewicht, hormonelle Verhütungsmittel und angeborene Gerinnungsstörungen.
Wie fühlt sich eine tiefe Venenthrombose an?
Bei einer tiefen Venenthrombose im Bein verspüren Betroffene häufig ein Schwere- und Spannungsgefühl des betroffenen Beinabschnitts. Diese Beschwerden lassen meist nach, sobald Sie das Bein hochlagern. Hinzu kommt, dass sich das betroffene Bein deutlich wärmer anfühlt als das gesunde Bein. Die Schmerzen beschreiben Betroffene als Muskelkater-ähnlich.
Was tun bei einer Phlebothrombose?
Eine tiefe Beinvenenthrombose kann schwerwiegende Komplikationen, wie etwa eine Lungenembolie, mit sich ziehen. Daher gilt bereits bei ersten Anzeichen für eine Thrombose im Bein, schnellstmöglich mit Ihrem Arzt zu sprechen. Wird die Thrombose sofort behandelt, kann sie meist vollständig ausheilen.
Wie wird eine tiefe Venenthrombose behandelt?
Eine Phlebothrombose-Therapie baut vor allem auf zwei Säulen auf: Der Verabreichung von gerinnungshemmenden Medikamenten und der Kompressionstherapie. In seltenen Fällen ist auch eine operative Entfernung des Blutgerinnsels sinnvoll.

