Darmkrebsvorsorge

Darmkrebsvorsorge

Bösartige Tumore in Dick- oder Enddarm sind in Deutschland wie auch weltweit die zweithäufigste Krebserkrankung bei Frauen und die dritthäufigste bei Männern.(1) (2) Je früher der Darmkrebs festgestellt wird, desto besser stehen die Chancen für eine erfolgreiche Behandlung. Deshalb gibt es in Deutschland das gesetzlich geregelte Darmkrebs-Früherkennungsprogramm.

pflege.de informiert Sie in diesem Ratgeber darüber, welche Untersuchungen es zur Darmkrebs-Früherkennung gibt und wie diese ablaufen. Außerdem erfahren Sie, ab welchem Alter die Teilnahme für Frauen und Männer empfohlen wird, wie die Kostenübernahme geregelt ist und welche weiteren Untersuchungsmöglichkeiten es bei Darmkrebs gibt.

Inhaltsverzeichnis

Wichtiger Hinweis Darmkrebs meint Dickdarmkrebs

Dieser Ratgeber informiert über die Untersuchungen zur Krebsvorsorge des Dickdarms, wozu auch der Enddarm gehört. Die Untersuchungen beziehen sich nicht auf die Diagnose von Dünndarmkrebs

Diagnose & Erkennung von Darmkrebs

Um Darmkrebs möglichst frühzeitig zu erkennen, gibt es in Deutschland ein gesetzlich geregeltes Darmkrebs-Früherkennungsprogramm. Es umfasst die Darmspiegelung, auch Koloskopie genannt, und den Stuhltest.(3) Die Darmspiegelung gilt nach heutigem medizinischen Stand als die verlässlichste Untersuchungsmethode um Dickdarmkrebs, Enddarmkrebs und Krebsvorstufen – sogenannte Darmpolypen – zu erkennen.(4)

Darmkrebsvorsorge: Darmspiegelung / Koloskopie

Während der Darmspiegelung wird die gesamte Dickdarmschleimhaut von innen mit einem langen Schlauch, der eine kleine Kamera an der Spitze hat, auf Veränderungen und Auffälligkeiten untersucht. Dieses Gerät wird Koloskop genannt. Mit dieser Untersuchung können auch nicht blutende Tumore entdeckt werden.

Darmpolypen gelten als Risikofaktor für Darmkrebs beziehungsweise als Krebsvorstufe. Dabei handelt es sich um kleine Vorwölbungen der Darmschleimhaut, die in den Darmtrakt hineinragen. Sie können während der Darmspiegelung gesichtet und entfernt werden, bevor sich daraus ein bösartiger Darmtumor entwickelt.(4)

Welcher Arzt führt die Darmspiegelung durch?

Die Darmspiegelungen zur Darmkrebs-Früherkennung dürfen nur von speziell ausgebildeten Ärzten durchgeführt werden. Die Untersuchung findet in der Regel bei einem Facharzt für Innere Medizin statt, der sich auf den Magen-Darm-Trakt spezialisiert hat. Dieser medizinische Schwerpunkt nennt sich Gastroenterologie, der Facharzt Gastroenterologe.(3)

Wie läuft eine Darmspiegelung ab?

Die Darmspiegelung erfordert etwas Vorlaufzeit, weil über die Untersuchung aufgeklärt und der Darm gereinigt werden muss.

Das Aufklärungsgespräch zur Darmspiegelung

Mindestens 24 Stunden vor der Darmspiegelung findet ein Aufklärungsgespräch statt, bei dem Sie über die Untersuchung und mögliche Komplikationen aufgeklärt werden. Hier haben Sie auch die Möglichkeit, Ihre Fragen zu stellen. Notieren Sie also am besten all Ihre Fragen vorab auf einem Zettel, den Sie zum Aufklärungsgespräch mit Ihrem Arzt mitbringen. So bleibt keine Ihrer Fragen offen. Um ausreichend Vorbereitungszeit zu haben, wird das Gespräch oftmals auf eine Woche vor der Untersuchung angesetzt.

Am Tag des Aufklärungsgesprächs wird der Arzt Ihnen eventuell Blut abnehmen. Es folgt die Information über die Darmreinigung, die vor der Koloskopie gemacht werden muss. Nur wenn der Darm während der Untersuchung entleert ist, ist es möglich, die Darmschleimhaut genau zu beurteilen.

Tipp
Klären Sie die Medikamenteneinnahme

Wenn Sie zum Beispiel morgens regelmäßig Tabletten einnehmen, besprechen Sie mit dem Arzt, ob Sie die Medikamente am Morgen der Darmspiegelung wie gewohnt einnehmen sollen oder nicht.

Die Darmreinigung: So bereiten Sie sich auf die Darmspiegelung vor

Sie erhalten ein Rezept für das Mittel zur Darmreinigung, das Sie in der Apotheke abholen können. Hierbei handelt es sich um ein Abführmittel, das Sie mit reichlich Flüssigkeit einnehmen.

Das beschriebene Vorgehen ist eine allgemeine Information und kann im Einzelfall abweichen. Führen Sie die Darmreinigung deshalb so durch, wie es Ihnen erklärt wurde und wie es in der Packungsbeilage des Abführmittels beschrieben ist. Beachten Sie hierbei auch die Vorgabe, ab welchem Zeitpunkt Sie nichts mehr essen sollten.

  • Ab wann nichts mehr essen? In der Regel müssen Sie im Zeitraum von drei Stunden vor der Darmreinigung, also vor dem Trinken des Abführmittels, bis nach der Darmspiegelung auf feste Nahrung verzichten. Empfehlenswert ist in den meisten Fällen folgendes Vorgehen: Wenn Sie das Abführmittel abends vor der dem Untersuchungstag trinken, sollten Sie mittags das letzte Mal etwas gegessen haben. Am Tag vor der Untersuchung ist ein leichtes Frühstück empfehlenswert, mittags eine klare Brühe ohne Einlage und dann bis nach der Darmspiegelung nichts mehr.(3)
  • Welche Getränke sind erlaubt? Während der Darmreinigung sind Wasser ohne Kohlensäure, klare Brühen, heller Tee und Säfte ohne Fruchtfleisch erlaubt. Auf Milch sollten Sie verzichten.(3)
  • Wie lange dauert die Darmreinigung? Wie lange eine Darmreinigung dauert, hängt unter anderem vom Abführmittel ab. Erfragen Sie bei der Vorbesprechung, wann Sie das letzte Mal feste Nahrung essen dürfen. Wichtiger als die Reinigungsdauer ist die Tatsache, dass der Darm am Tag der Darmspiegelung sauber und entleert ist. Während der Darmreinigung kommt es zu mehreren Toilettengängen. Der Stuhlgang wird immer flüssiger. Wenn er flüssig, klar und hell wie Kamillentee ist, ist der Darm sauber.
Tipp
Gönnen Sie sich Ruhe

Gönnen Sie sich am Tag der Darmreinigung ausreichend viel Ruhe und bleiben Sie am besten zuhause. Die Einnahme des Abführmittels mit den anschließenden Toilettengängen kann anstrengend sein. Deshalb planen Sie für diesen Tag keine weiteren Termine ein und halten Sie sich in der Nähe einer Toilette auf. Legen Sie sich hin, wenn es Ihnen danach ist. Schwindel kann ein Zeichen dafür sein, dass Sie zu wenig Flüssigkeit aufgenommen haben.

Der Untersuchungstag: So wird die Darmspiegelung gemacht

Wichtig ist, dass Sie am Tag der Untersuchung nüchtern erscheinen, das heißt, dass Sie nichts gegessen haben.

Die Darmspiegelung selbst dauert etwa 20 Minuten. Werden zusätzlich Polypen abgetragen oder Gewebeproben entnommen, kann sich die Untersuchungsdauer auf 60 Minuten erhöhen.

Info

Autofahren nach der Darmspiegelung

In der Regel wird ein Beruhigungs- oder Narkosemittel verabreicht, damit Sie die Untersuchung nicht mitbekommen. Dafür ist es wichtig, dass Sie im Vorfeld klären, wer Sie nach Hause fährt oder begleitet. Auto- oder Fahrradfahren ist an diesem Tag nicht mehr erlaubt, weil die Fahrtüchtigkeit eingeschränkt ist.

Das Koloskop wird über den After in den Enddarm eingeführt. Der eingeführte Schlauch ist flexibel und biegt sich mit den Darmwindungen. Beim Zurückziehen des Schlauches wird die Dickdarmschleimhaut genau betrachtet. Für eine bessere Sicht kann der Darm mit etwas Luft geweitet werden. Sollten Stellen der Schleimhaut auffällig erscheinen, können direkt und schmerzfrei Gewebeproben entnommen werden. Sowohl Polypen als auch Gewebeproben werden im Anschluss im Labor auf Krebszellen untersucht.(3)

In der Regel dürfen Sie nach der Darmspiegelung wieder normal essen – es sei denn, der Arzt gibt Ihnen spezielle Anweisungen.

Die Befundbesprechung

Nach der Koloskopie teilt der Arzt Ihnen in der Regel mit, wie die Untersuchung verlaufen ist, ob beispielsweise Auffälligkeiten gefunden oder Gewebeproben entnommen wurden. Der Facharzt übermittelt den fertigen Befundbericht an Ihren Hausarzt.

Darmkrebsvorsorge: Stuhltest

Der Stuhltest findet im Rahmen der Darmkrebsvorsorge statt. Er gibt Hinweise auf Blut im Stuhl, das mit bloßem Auge nicht zu erkennen ist. Dieser Test wird angeboten, weil Darmschleimhaut, in der ein Tumor wuchert, häufiger blutet als die gesunde Darmschleimhaut. Weil es auch andere Darmerkrankungen gibt, die Blutungen hervorrufen, kann mit diesem Test allein keine gesicherte Diagnose gestellt werden.

Wenn der Stuhltest Blut nachweist, wird eine Darmspiegelung empfohlen, um die Ursache der Blutung festzustellen. Darmkrebs sicher zu erkennen oder auszuschließen, ist daher ohne Darmspiegelung nicht möglich.(3) (4)

Welcher Arzt führt einen Stuhltest durch?

Der Stuhltest zur Darmkrebsvorsorge kann von folgenden Ärzten angeboten werden:

  • Fachärzte für Allgemeinmedizin, also Hausärzte
  • Fachärzte für Innere Medizin, also Internisten
  • Fachärzte für Urologie, also Spezialisten für Harn- und Geschlechtsorgane
  • Fachärzte für Gynäkologie, also Frauenärzte

Wie läuft ein Stuhltest ab?

  1. Sie erhalten das Röhrchen für den Stuhltest in der Arztpraxis.
  2. Die Entnahme der Stuhlprobe führen Sie zuhause durch und bringen den Test anschließend wieder zurück in die Praxis.
  3. Von dort aus wird die Stuhlprobe in ein Labor geschickt und auf Blutspuren untersucht.
  4. Findet das Labor keine Blutspuren, passiert nichts weiter. In der Regel informiert Sie der Arzt lediglich darüber, wenn der Stuhltest auffällig war. Dann wird mit Ihnen das weitere Vorgehen besprochen.(3)

Darmkrebsvorsorge: Stuhltest für zuhause sinnvoll?

Der Stuhltest, der im Rahmen des gesetzlich geregelten Darmkrebs-Früherkennungsprogramms durchgeführt wird, unterliegt gewissen Qualitätskriterien. Das ist notwendig, damit der Test ein zuverlässiges Ergebnis liefert.(3)

Im Internet werden beispielsweise diverse Darmkrebs-Selbsttests für zuhause zum Kauf angeboten. Diese Tests erfüllen unter Umständen jedoch nicht die gleichen Qualitätsanforderungen. Deshalb kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob diese Selbsttests zu einem zuverlässigen Ergebnis kommen.

Tipp
Verdacht ärztlich abklären lassen

Wenn Sie den Verdacht auf eine Darmerkrankung bei sich oder Ihrem zu pflegenden Angehörigen haben, gehen Sie lieber auf Nummer sicher und vereinbaren Sie einen Termin beim Arzt. Hier können Untersuchungen durchgeführt werden, die Ihnen ein verlässliches Ergebnis liefern.

Anspruch auf Darmkrebsvorsorge

Der Anspruch auf Darmkrebsvorsorge richtet sich nach dem Alter und dem Geschlecht. Männer können etwas früher als Frauen eine Darmspiegelung durchführen lassen.

Darmkrebsvorsorge bei der Frau

Frauen erhalten ab dem 50. Lebensjahr von ihrer Krankenkasse einen Brief mit einer Einladung zur Darmkrebs-Früherkennungsuntersuchung.

  • Im Alter zwischen 50 und 54 Jahren haben sie die Möglichkeit, jährlich einen Stuhltest durchzuführen.
  • Ab dem Alter von 55 Jahren können Frauen auswählen zwischen
    • einem Stuhltest, der alle zwei Jahre durchgeführt wird, oder
    • einer Darmspiegelung. Sollte die Untersuchung unauffällig gewesen sein, wird die zweite Darmspiegelung frühestens nach zehn Jahren wieder angeboten.(3)
Tipp
Weitere Untersuchungen zur Krebsvorsorge für Frauen

Lesen Sie im Krebsvorsorge-Ratgeber, welche weiteren Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung bei der Frau angeboten werden.

Darmkrebsvorsorge beim Mann

Männer erhalten ab dem 50. Lebensjahr einen Brief von der Krankenkasse mit einer Einladung zur Darmkrebs-Früherkennungsuntersuchung.

  • Im Alter zwischen 50 und 54 Jahren können sie direkt zwischen einer Darmspiegelung oder einem jährlichen Stuhltest wählen.
  • Ab 55 Jahren können Männer auswählen zwischen
    • einem Stuhltest, der alle zwei Jahre durchgeführt wird, oder
    • einer Darmspiegelung, falls vorher noch keine Darmspiegelung zur Krebsvorsorge durchgeführt wurde. Männer haben, genauso wie Frauen, Anspruch auf insgesamt zwei Darmspiegelungen im Abstand von mindestens zehn Jahren.(3)
Tipp
Weitere Untersuchungen zur Krebsvorsorge für Männer

Lesen Sie im Krebsvorsorge-Ratgeber, welche weiteren Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung beim Mann angeboten werden.

Darmkrebsvorsorge: Ab welchem Alter?

Gesetzlich versicherte Männer und Frauen haben ab dem 50. Lebensjahr Anspruch auf Darmkrebs-Früherkennungsuntersuchungen. Die privaten Krankenversicherungen orientieren sich ebenfalls am Darmkrebs-Früherkennungsprogramm. Der individuelle Anspruch richtet sich jedoch nach dem jeweiligen Versicherungsvertrag.

Die gesetzlichen Krankenkassen verschicken Einladungsschreiben und Informationsmaterial zur Untersuchung zum 50., 55., 60. und 65. Lebensjahr. Ab dem Alter von 75 Jahren wird in der Regel keine Darmspiegelung zur Krebsfrüherkennung angeboten, denn das Risiko für Komplikationen steigt mit zunehmendem Alter zum Beispiel aufgrund von Vorerkrankungen.(3) Sollte allerdings der Verdacht auf Darmkrebs bestehen, wird eine Darmspiegelung angeboten.

Frauen Männer
50-54 Jahre Jährlich ein Stuhltest Wahl zwischen

  • einer Darmspiegelung oder
  • jährlichem Stuhltest
Ab 55 Jahren Wahl zwischen

  • zwei Darmspiegelungen in zehn Jahren oder
  • Stuhltest alle zwei Jahre
Wahl zwischen

  • zwei Darmspiegelungen in zehn Jahren oder
  • Stuhltest alle zwei Jahre
Wichtiger Hinweis Vorgegebene Untersuchungsabstände gelten für unauffällige Befunde

Sollte Blut im Stuhl gefunden werden oder eine Darmspiegelung Auffälligkeiten gezeigt haben, folgen entsprechend weitere Schritte. Beispielsweise wird im Anschluss an einen auffälligen Stuhltest eine Darmspiegelung empfohlen, um die Ursache für die Blutung zu finden.(4) Ein veränderter Anspruch auf die Vorsorgeuntersuchungen kann auch dann bestehen, wenn ein erhöhtes Risiko für die Krebsentstehung  besteht – etwa bei einer Vorbelastung innerhalb der Familie.

Anspruch auf Darmkrebsvorsorge bei familiärer Vorbelastung

Es gibt Familien, in denen Darmkrebs vermehrt auftritt. Verwandte ersten Grades – also Eltern, Kinder, Geschwister – des Erkrankten haben ein erhöhtes Risiko, ebenfalls an Darmkrebs zu erkranken. Bei familiärer Vorbelastung kann ein Gespräch mit dem Arzt Aufschluss darüber geben, ob es bereits vor dem 50. Lebensjahr sinnvoll ist, an den Untersuchungen der Darmkrebsvorsorge teilzunehmen.

Das Erkrankungsalter der betroffenen Person kann als Richtwert für die erste Darmspiegelung gelten: Die Vorsorgeuntersuchung sollte bei den Verwandten ersten Grades zehn Jahre vor dem Erkrankungsalter des Betroffenen stattfinden.(4) (6)

Kosten für die Darmkrebsvorsorge

Die Kosten für die Darmspiegelung und den Stuhltest zur Darmkrebsvorsorge übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen. Die privaten Krankenversicherungen orientieren sich bei der Kostenübernahme auch am gesetzlich geregelten Darmkrebs-Früherkennungsprogramm. Im Einzelfall richtet sich die Kostenübernahme jedoch nach dem jeweiligen Versicherungsvertrag.

Alle weiteren Diagnostikmethoden, die teilweise als Darmkrebsvorsorge angeboten werden, sind nicht Teil des Darmkrebs-Früherkennungsprogramms. Dazu gehört beispielsweise der sogenannte M2-PK-Stuhltest. Dabei handelt es sich um eine individuelle Gesundheitsleistung (kurz: IGeL), deren Kosten vom Patienten selbst übernommen werden muss. Der Nutzen und die Verlässlichkeit dieser Diagnostikverfahren sind nicht ausreichend wissenschaftlich belegt. Deshalb werden die Kosten dafür nicht von den gesetzlichen Krankenkassen getragen.(5)

Weitere Untersuchungsmöglichkeiten bei Darmkrebs

Es gibt weitere Diagnostikmethoden, die aber nicht zum regulären Darmkrebs-Früherkennungsprogramm gehören. Diese Untersuchungen helfen dabei, das Darmkrebsrisiko einzuschätzen, den Darmtumor vor der Krebstherapie in besonderen Fällen zu untersuchen oder den Krebs nach erfolgreicher Behandlung zu überwachen.

Die folgenden Untersuchungen werden im Einzelfall vom Arzt veranlasst, wenn ein medizinisch begründeter Fall vorliegt oder aber zur weiteren Untersuchung, wenn die Diagnose Darmkrebs bereits feststeht. Dazu zählen unter anderem:

  • Gentests bei familiärer Vorbelastung
  • Blutuntersuchungen und Bestimmung von Tumormarkern
  • Bildgebende Verfahren wie Ultraschall, MRT oder CT

Gentest bei familiärer Vorbelastung: Einschätzung des Darmkrebsrisikos

Es gibt Genveränderungen, die ein deutlich erhöhtes Risiko für Darmkrebs mit sich bringen. Dazu gehört zum Beispiel das HNPCC-/Lynch-Syndrom. Dabei ist auch das Risiko für bösartige Neubildungen außerhalb des Darms erhöht. Kinder von Betroffenen haben ein 50-prozentiges Risiko, diese genetische Veränderung zu erben und damit ebenfalls einem erhöhten Darmkrebsrisiko ausgesetzt zu sein.(6)

Um festzustellen, ob die Genveränderung weitervererbt wurde, gibt es die Möglichkeit, einen Gentest durchzuführen. Vorher muss eine umfassende genetische Beratung mit einer Aufklärung über die Art und die Aussagekraft des Gentests stattfinden. Die Teilnahme am Gentest ist freiwillig, das „Recht auf Unwissen“ darf nicht verletzt werden. So ist es im Gendiagnostikgesetz geregelt. Die sogenannte S3-Leitlinie „Kolorektales Karzinom“ ist eine Empfehlung für Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Darmkrebs. Ihr Ziel ist es, eine angemessene Gesundheitsversorgung nach aktuellen Erkenntnissen der Medizin zu empfehlen. Diese Leitlinie empfiehlt, die genetische Beratung zwischen dem 18. und 25. Lebensjahr durchzuführen.

Wenn eine genetische Veränderung festgestellt wurde, wird eine engmaschige Kontrolle empfohlen, um bösartige Tumore möglichst frühzeitig zu erkennen.(4)

Info

Psychosoziale Beratung für Risikopatienten

Für Erkrankte und Risikopersonen gibt es die Möglichkeit, eine psychosoziale Beratung durch Psychoonkologen in Anspruch zu nehmen. Denn das Wissen um ein deutlich erhöhtes Krebsrisiko kann zu einer starken psychischen Belastung werden.

Tumormarker in der Krebstherapie

Tumormarker sind Substanzen im Blut, die bei Krebserkrankungen in erhöhter Konzentration vorhanden sein können. Sie sind aber nicht nur bei Krebserkrankungen erhöht, sondern können auch auf andere Erkrankungen wie Entzündungen hinweisen. Allein mit einer Blutuntersuchung kann Darmkrebs also nicht nachgewiesen werden. Deshalb werden Tumormarker nicht bei der Darmkrebsvorsorge bestimmt, sondern erst, wenn sich die Diagnose Darmkrebs bestätigt hat. Dann dient die Bestimmung des Tumormarkers CEA zur weiteren Verlaufskontrolle. Der Tumormarker CA 19-9 kann ein Anhaltspunkt für Rezidive im Rahmen der Darmkrebsnachsorge sein.(4)

 

Untersuchung des Blutbildes bei Darmkrebs

Darmkrebs kann Auswirkungen auf das Blutbild haben, wenn zum Beispiel die Entzündungswerte erhöht sind. Die Untersuchung des Blutbildes ist jedoch nicht die vorrangige Diagnostikmethode bei Darmkrebs. Dennoch wird im Erkrankungsfall zur weiteren Verlaufskontrolle das Blut in regelmäßigen Abständen untersucht. (7)

Ultraschall, MRT und CT vor der Krebsbehandlung

Eine Ultraschall-Untersuchung von Bauch und Darm findet in der Regel vor der Darmkrebstherapie statt, bei der operiert werden soll. Die Magnetresonanztomographie (MRT) und die Computertomographie (CT) können den Darm visuell darstellen. Die S3-Leitlinie empfiehlt diese bildgebenden Verfahren, wenn eine gesamte Darmspiegelung vor der Darmkrebs-Operation nicht möglich ist. Grund dafür kann beispielsweise eine Verengung des Darms aufgrund des Tumors sein. CT oder MRT können auch eingesetzt werden, um im Körper nach Tochtergeschwüren zu suchen, sogenannten Metastasen.(4)

Häufig gestellte Fragen

Ab wann hat man Anspruch auf Darmkrebsvorsorge?

Männer und Frauen haben ab dem 50. Lebensjahr Anspruch auf die Darmkrebs-Früherkennungsuntersuchungen. Bei privat Versicherten richtet sich der Anspruch in der Regel auch nach den Vorgaben des gesetzlich geregelten Darmkrebs-Früherkennungsprogramms. Der konkrete Anspruch richtet sich nach dem jeweiligen Versicherungsvertrag. Bei einem erhöhten Darmkrebsrisiko kann ein früherer Beginn der Darmkrebsvorsorge sinnvoll sein.

Welcher Arzt führt die Darmkrebsvorsorge durch?

Der Stuhltest zur Darmkrebsvorsorge kann von folgenden Ärzten angeboten werden:

  • Fachärzte für Allgemeinmedizin, also Hausärzte
  • Fachärzte für Innere Medizin, also Internisten
  • Fachärzte für Urologie, also Spezialisten für Harn- und Geschlechtsorgane
  • Fachärzte für Gynäkologie, also Frauenärzte

Die Darmspiegelungen zur Darmkrebs-Früherkennung dürfen nur von ausgebildeten und erfahrenen Ärzten durchgeführt werden. Das sind in der Regel Fachärzte für Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Gastroenterologie, sogenannte Gastroenterologen.

Wie oft sollte man zur Darmkrebsvorsorge?

Die Darmspiegelung kann zwei Mal im Abstand von mindestens 10 Jahren in Anspruch genommen werden. Der Stuhltest kann im Alter zwischen 50 und 54 Jahren einmal jährlich bzw. ab 55 Jahren zwei-jährlich durchgeführt werden, sofern keine Darmspiegelung erfolgt.

Ab wann zahlt die Krankenkasse für die Darmkrebsvorsorge?

Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen die Kosten für die Darmvorsorge für Frauen und Männer ab dem 50. Lebensjahr. Bei privat Versicherten übernimmt die Versicherung in der Regel auch die Kosten. Der konkrete Anspruch richtet sich nach dem jeweiligen Versicherungsvertrag.

Welche Blutwerte sind bei Darmkrebs erhöht?

Erhöhte Tumormarker können auf Darmkrebs hinweisen. Aber sie kommen zum Beispiel auch bei Entzündungen in erhöhter Konzentration im Blut vor. Erhöhte Entzündungswerte, beispielsweise das CRP können ebenfalls ein Anhaltspunkt sein. Allerdings lässt sich Darmkrebs nicht allein anhand von Blutwerten feststellen.

Wie lange dauert eine Darmreinigung?

Wie lange eine Darmreinigung dauert, hängt unter anderem vom Abführmittel ab. Patienten sollten bei der Vorbesprechung klären, wann sie das letzte Mal feste Nahrung essen dürfen. Wichtiger als die Reinigungsdauer ist die Tatsache, dass der Darm sauber und entleert ist. Während der Darmreinigung kommt es zu mehreren Toilettengängen. Der Stuhlgang wird immer flüssiger. Wenn er flüssig, klar und hell wie Kamillentee ist, ist der Darm sauber.

Welche Getränke sind während der Darmreinigung erlaubt?

Während der Darmreinigung sind Wasser ohne Kohlensäure, klare Brühen, heller Tee und Säfte ohne Fruchtfleisch erlaubt. Auf Milch sollten Sie verzichten.

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Erstelldatum: 1202.40.72|Zuletzt geändert: 1202.50.5
(1)
Zentrum für Krebsregisterdaten (ZfKD) & Gesellschaft der Epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e. V. (GEKID) (2020)
www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/kid_2019/krebs_in_deutschland_2019.pdf?__blob=publicationFile (letzter Abruf am 27.04.2021)
(2)
Weltgesundheitsorganisation (WHO) (2020)
https://shop.iarc.fr/products/world-cancer-report-cancer-research-for-cancer-prevention-pdf (letzter Abruf am 27.04.2021)
(3)
Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) (2020)
www.g-ba.de/downloads/62-492-2237/oKFE-RL-2020-06-18-iK-2020-08-28.pdf (letzter Abruf am 27.04.2021)
(4)
Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF) (2019)
www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Kolorektales_Karzinom/Version_2/LL_KRK_Langversion_2.1.pdf (letzter Abruf am 27.04.2021)
(5)
Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. (MDS) (2018)
www.igel-monitor.de/igel-a-z/igel/show/m2-pk-test-zur-frueherkennung-von-darmkrebs.html (letzter Abruf am 27.04.2021)
(6)
Deutsches Krebsforschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft (2020)
www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/darmkrebs/risikofaktoren.php (letzter Abruf am 27.04.2021)
(7)
A. Margulies, T. Kroner, A. Gaisser, I. Bachmann-Mettler (Hrsg.) (2017)
Onkologische Krankenpflege. 6. Auflage, Springer-Verlag.
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