Ernährung bei Krebs

Ernährung bei Krebs

Eine Krebserkrankung selbst oder Nebenwirkungen der Krebstherapie können dem Betroffenen das Essen und Trinken erschweren bzw. den Appetit hemmen. Dann besteht die Gefahr für eine Mangelernährung bis hin zur starken Gewichtsabnahme. Worauf sollten Betroffene und Angehörige also bei der Ernährung achten? Welche Ernährungsformen sind sinnvoll und ‚krebsgerecht‘? Wie lässt sich der Appetit anregen und mit welchen Rezepte können Sie den Speiseplan bereichern? pflege.de gibt praktische Tipps, mit welchen einfachen Mitteln Sie Ihren krebskranken Angehörigen beim Essen unterstützen können.

Inhaltsverzeichnis

Erschwerte Ernährung & Essen bei Krebs

Aus unterschiedlichen Gründen kann die Ernährung bei Krebs erschwert sein. Folgende Ursachen können das Essen, Trinken und die Nahrungsverwertung während einer Krebserkrankung beeinträchtigen:

  • verändertes Geschmacksempfinden
  • verändertes Geruchsempfinden
  • verfrühtes Sättigungsgefühl
  • Appetitlosigkeit
  • die Lage des Tumors – z. B. am Mageneingang oder im Darm – erschwert den Weg der Nahrung
  • Schmerzen
  • Luftnot
  • Erschöpfung (sog. Fatigue)
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Durchfall oder Verstopfung
  • Kau- oder Schluckbeschwerden, Schluckstörungen
  • trockene, gereizte oder entzündete Mundschleimhaut
  • Pilzinfektionen der Mundschleimhaut (sog. Soor)
  • Entzündungen des Zahnfleischs (s. Quelle 1, 2 & 3)

Ausreichend viel zu trinken und zu essen, fällt im Alter – auch unabhängig von einer Krebserkrankung – oftmals schwer. So kommt es, dass viele ältere Krebspatienten schon vor der Krebsdiagnose zu wenig Flüssigkeit, Energie und Nährstoffe in ihrem Alltag zu sich nehmen. Kommt eine Krebserkrankung hinzu, steigt das Risiko für eine Mangelernährung. Diese wirkt sich oftmals negativ auf den Krankheitsverlauf aus (s. Quelle 4).

Mangelernährung bei Krebs und Tumorkachexie

Mangelernährung tritt bei etwa der Hälfte aller Krebspatienten im Laufe der Erkrankung auf. Neben den oben beschriebenen Ursachen, die das Essen erschweren, haben Untersuchungen gezeigt, dass etwa ein Viertel aller Krebskranken einen höheren Energieverbrauch haben (s. Quelle 1).

Wenn der ungewollte Gewichtsverlust durch die Mangelernährung weit fortgeschritten ist, spricht man von Tumorkachexie. Dabei kommt es zu einem Abbau von Fett- und Muskelmasse. Darunter leidet nicht nur die Lebensqualität und die Leistungsfähigkeit des Betroffenen – auch die Anfälligkeit für Erkrankungen wie Lungenentzündung, Harnwegsinfekte und Wundheilungsstörungen nimmt zu (s. Quelle 1 & 2).

Ernährung bei Krebs & Tumorkachexie

Ziel der Ernährung bei krebsbedingter Mangelernährung und Tumorkachexie ist in erster Linie, das Wohlbefinden des Betroffenen zu steigern. Hinzu kommt, das Risiko für weitere Erkrankungen zu reduzieren. Je nach Ausprägung der Mangelernährung und dem allgemeinen Gesundheitszustand kommen unterschiedliche Ernährungsformen in Frage, wie. z. B.

  • hochkalorische Trinknahrung: Die sog. Astronautenkost ist einfach zu trinken und ermöglicht eine schnelle Gewichtszunahme. Sie versorgt Betroffene mit notwendigen Nährstoffen, deckt den Energiebedarf und kann gezielt krankheitsbedingte Ernährungsmängel ausgleichen.
  • Sondennahrung: Die sog. enterale Ernährung wird z. B. dann eingesetzt, wenn ein erhöhter Nährstoffbedarf besteht oder Betroffene unter Schluckstörungen leiden.
  • Ernährung über die Venen: Die sog. parenterale Ernährung ist eine künstliche Form der Ernährung, bei der der Mund-Rachen-Raum und Magen-Darm-Trakt umgangen werden. Der Betroffene erhält eine Nährstofflösung über die Venen. Hinweis: Bei parenteraler Ernährung müssen pflegende Angehörige zu notwendigen Techniken und Routinen geschult werden. Sie müssen Hygienerichtlinien einhalten, weil es sonst zu Infektionen kommen kann. Nützlich dafür sind Pflegehilfsmittel wie Desinfektionsmittel und Handschuhe, die eine hygienische Versorgung ermöglichen.

Die Wahl sollte immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt und einer Ernährungsberatung erfolgen – und dem Wunsch des Patienten entsprechen (s. Quelle 3).

Wer trägt die Kosten für eine Ernährungsberatung bei Krebs?

Mit einer Verordnung vom Arzt können die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für eine Ernährungsberatung (anteilig) übernehmen. Wie hoch der Zuschuss ist, ist abhängig von der Krankenkasse des Krebspatienten.

Damit sich die gesetzlichen Krankenkassen an den Kosten beteiligen, gibt es gewisse Anforderungen. Diese Kostenbeteiligung ist eine Art der Krebshilfe, die finanziell entlastet:

  • Verordnung nach § 20 SGB V: Um Krankheitsrisiken zu verhindern und zu vermindern (sog. primäre Prävention) oder zur Gesundheitsförderung, beteiligen sich gesetzliche Krankenkassen an den Leistungen, die den allgemeinen Gesundheitszustand verbessern.
    Hinweis: Damit sich die gesetzlichen Krankenkassen an den Kosten beteiligen, muss die Ernährungsberatung eine Anbieterqualifikation nachweisen. Erkundigen Sie sich also immer bei der Ernährungsberatung, ob sie mit der Krankenkasse abrechnen darf.
  • Verordnung nach § 43 Abs. 1 Nr. 2 SGB V: Die Kostenerstattung für eine Ernährungstherapie ist möglich, wenn eine medizinische Notwendigkeit besteht. Das betrifft v. a. chronisch Kranke wie etwa Betroffene, die an Diabetes mellitus oder Osteoporose leiden.
Tipp
Ernährungsberatung per Verordnung

Schritt 1: Lassen Sie sich eine Verordnung für Ernährungsberatung vom behandelnden Arzt ausstellen. Die Verordnung wird auch „ärztliche Notwendigkeitsbescheinigung“ genannt.

Schritt 2: Weil der Begriff in Deutschland nicht geschützt ist, gibt es auch unseriöse Anbieter. Erkundigen Sie sich am besten bei Ihrem Arzt nach qualifizierten Ernährungsberatern. Alternativ finden Sie über die Seite der Deutschen Ernährungsgesellschaft (DGE) Ernährungsberater, die nach offiziellen Richtlinien der DGE beraten. Dort sehen Sie in einer Postleitzahlenübersicht, welche Berater in Ihrer Nähe sind und zu welchen Themenschwerpunkten sie beraten.

Schritt 3: Bevor Sie die Beratung beginnen, sprechen Sie mit dem Ernährungsberater darüber, ob er die Kosten über die Krankenkasse abrechnen kann.

Schritt 4: Mit einem Kostenvoranschlag des Beraters und der ärztlichen Verordnung beantragen Sie die Bezuschussung bei Ihrer gesetzlichen Krankenkasse. Die Krankenkasse wird Sie darüber informieren, ob bzw. in welchem Umfang sie die Kosten erstatten wird.

Kalorienreiche Ernährung bei Krebs

Damit sich Körper- und Muskelmasse nicht weiter abbauen, braucht es eine kalorienreiche Ernährung für Krebspatienten, die mindestens den täglichen Energiebedarf deckt. Ist die Kachexie bereits weit fortgeschritten, ist eine Gewichtszunahme wichtig, damit die Organfunktionen aufrechterhalten werden. Um 1 Kilogramm zuzunehmen, braucht der Körper rund 7000 Extrakalorien (s. Quelle 5).

Tipp
Pflegewissen für pflegende Angehörige: Mit diesen Tipps steigern Sie die Kalorienzufuhr
  • Häppchen bereitstellen: Stellen Sie kleinere Zwischenmahlzeiten in Griffweite Ihres Angehörigen. Dafür eignen sich z. B. geschnittenes Obst, Nüsse und Joghurt.
  • Trinkverhalten anpassen: Vor und während der Mahlzeit sollte Ihr Angehöriger möglichst wenig trinken. Ausreichend Flüssigkeit ist zwar sehr wichtig, füllt aber den Magen – und macht somit schneller satt.
  • Essen anreichern: Rühren Sie in die Speisen fetthaltige Lebensmittel unter, z. B. etwas Sahne, Crème fraîche, Butter oder kaltgepresste Pflanzenöle.
  • Kalorienreiche Getränke: Stellen Sie Ihrem Angehörigen zuckerhaltige Getränke für zwischendurch bereit. Dafür eignen sich Säfte, Kakao oder gesüßter Tee.

Eiweißreiche Ernährung bei Krebs

Eiweiße – sog. Proteine – sind lebensnotwendige Nährstoffe, die in unserem Körper eine Reihe von Prozessen bewirken: Sie sind wichtig für den Aufbau und Erhalt von Muskeln, Organen, Haut, Hormonen, Enzymen und Abwehrstoffen. Außerdem bilden sie den roten Blutfarbstoff Hämoglobin, der für den Transport von Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid im Blut wichtig ist.

Wenn die Krebserkrankung zu Gewichtsverlust führt oder die Krebstherapie den Körper schwächt, ist der Eiweißbedarf erhöht. Bei einem gesunden Erwachsenen ab 65 Jahren liegt der tägliche Eiweißbedarf i. d. R. bei 1 Gramm je Kilogramm Körpergewicht. So sollte ein 65-Jähriger mit 70 Kilogramm Körpergewicht, 70 Gramm Eiweiß pro Tag zu sich nehmen. Bei einer Krebserkrankung steigt der tägliche Eiweißbedarf auf 1,2 bis 2 Gramm je Kilogramm Körpergewicht. In diesem Fall sollte der krebserkrankte 65-Jährige mit 70 Kilogramm Körpergewicht eine eiweißreiche Kost mit 84 bis 140 Gramm Eiweiß pro Tag zu sich nehmen.

Eiweiße sind in vielen tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln vorhanden. In der Regel ist das Eiweißangebot in tierischen Lebensmitteln umfangreicher. Folgende Lebensmittel enthalten viele Eiweiße:

Tierische Eiweiße Pflanzliche Eiweiße
Fleisch Hülsenfrüchte (z. B. Soja, Linsen und Erbsen)
Fisch Getreideprodukte (z. B. Dinkelkleie, Haferflocken, Grünkern, Hirse)
Milchprodukte Walnüsse
Eier Kürbiskerne (s. Quelle 1, 6, 7 & 8)

Tipps für den Pflegealltag: So regen Sie den Appetit an

Wahrscheinlich kennen Sie diese verzwickte Situation aus eigener Erfahrung: Einerseits schwindet das Gewicht und damit die Kraft Ihres krebskranken Angehörigen. Andererseits möchte er aufgrund seiner Beschwerden nichts oder nur sehr wenig essen. Da kann das Thema Ernährung zu einer echten Alltags-Herausforderung werden. Mit diesen Tipps und Tricks können Sie versuchen, seinen Appetit anzuregen.

  1. Vorlieben beachten: Die Auswahl der Speisen und Getränke orientieren sich an den Vorlieben des Betroffenen. Dabei sollten Sie auf eine ausgewogene Nährstoffversorgung achten. Stellt der Arzt gewisse Mangelerscheinungen fest, müssen die fehlenden Nährstoffe entsprechend ergänzt werden.
  2. Abneigungen berücksichtigen: Gibt es Gerüche oder Geschmäcker, gegen die der Betroffene eine Abneigung hat? Versuchen Sie, beim Kochen darauf Rücksicht zu nehmen. Wenn der Geruch dennoch stört, bieten Sie lieber kalte Gerichte an. Die Sinneswahrnehmungen des Krebskranken können sich stetig verändern – je nach Behandlungsmethode. Reagieren Sie entsprechend flexibel und gelassen auf die täglichen Vorlieben bzw. Abneigungen Ihres Angehörigen.
  3. Essensumgebung anpassen: Die Essensumgebung spielt eine wichtige Rolle. Braucht der Betroffene Ruhe und Zeit zum Essen oder wird Ablenkung bevorzugt, z. B. durch Hörbücher, Radio, Fernsehen oder Gesellschaft?
  4. Kleine Mahlzeiten bereitstellen: Reichen Sie lieber fünf bis sechs kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt anstelle der klassischen drei großen Hauptmahlzeiten.
  5. Gewürze verwenden: Verwenden Sie appetitanregende Gewürze, z. B. Anis, Basilikum, Dill, Fenchel, Rosmarin und Schnittlauch.
  6. Positive Atmosphäre schaffen: Versuchen Sie keinen Druck auszuüben, sondern bestärken Sie den Betroffenen in jeder gegessenen Menge.
  7. Beim Essen unterstützen: Bieten Sie Hilfe an, wenn der Betroffene zu schwach ist, um allein zu essen. Manchmal reicht es schon, wenn die Speisen mundgerecht zubereitet sind (s. Quelle 4).
Tipp
Pflegebedürftig bei Krebs? Stellen Sie einen Antrag auf Pflegegrad

Vor allem wenn Krebs im Alter auftritt, werden viele Betroffene im Verlauf der Erkrankung von ihren Angehörigen gepflegt. Wenn dies über einen längeren Zeitraum geschieht oder voraussichtlich geschehen wird, steht oftmals ein Pflegegrad zu. Unser Tipp: Stellen Sie frühzeitig einen Antrag auf Pflegegrad bei der Pflegekasse. Mit einem Pflegegrad profitieren Sie von finanzieller Unterstützung, die Sie für Pflege, Betreuung, Haushaltshilfe sowie für Pflegehilfsmittel einsetzen können. Mit dem Pflegegradrechner können Sie überprüfen, ob Aussicht auf Erfolg bei der Antragstellung besteht.

„Krebsdiäten“: Spezielle Ernährungskonzepte bei einer Krebserkrankung?

Einerseits kann es sein, dass sich die betroffene Person vor der Krebsdiagnose mit einer kohlenhydratarmen, vegetarischen oder gar veganen Ernährung gut gefühlt hat. Berechtigterweise stellt sich hier die Frage, ob sich diese Ernährungsformen weiterhin für krebskranke Menschen eignen. Zum Beispiel sollten Krebspatienten mit Normalgewicht auf Ernährungsweisen verzichten, die eine Gewichtsabnahme bezwecken. Sprechen Sie bitte immer mit Ihrem behandelnden Arzt darüber, ob eine spezielle Ernährung in Ihrer besonderen Situation geeignet ist.

Andererseits gibt es sog. Krebsdiäten. Gemeint sind spezielle Ernährungskonzepte, denen eine unterstützende bis heilende Wirkung bei der Krebsbehandlung zugesprochen wird – oder gar die Krebsentstehung verhindern sollen. pflege.de stellt im Überblick vier Konzepte vor.

Krebs aushungern durch ketogene Ernährung?

Eine ketogene Ernährung, eine Form der „Low Carb-Diät“, zeichnet sich durch eine kohlenhydratarme und fettreiche Kost aus. Sie wird meist von Menschen angewendet, die Gewicht verlieren wollen. Der niedrige Kohlenhydratgehalt soll den Stoffwechsel anregen.

Seit einiger Zeit wird die ketogene Ernährung auch als „Anti-Krebsdiät“ angepriesen. Demzufolge soll sie das Tumorwachstum verlangsamen und die Wirksamkeit einer Chemotherapie oder Strahlentherapie verbessern. Grund für die Annahme, dass eine ketogene Ernährung auch bei Krebs helfen kann, ist der sog. Warburg-Effekt. Dieser besagt, dass Tumorzellen ihren Energiebedarf hauptsächlich aus Zuckermolekülen beziehen. Würde der Tumorzelle also der Zucker bzw. die Kohlenhydrate entzogen, wüchse sie langsamer. Man geht also davon aus, dass der Tumor wortwörtlich ausgehungert werden könne.

Dieser Effekt, die Krebszellen auszuhungern, konnte aber bislang in keiner Studie nachgewiesen werden. Die Arbeitsgemeinschaft Prävention und Integrative Onkologie (PRIO) und die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) warnen hingegen in ihrer gemeinsamen Stellungnahme zur ketogenen Ernährung bei Krebs vor den möglichen Nebenwirkungen.

Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören z. B.

  • Übelkeit,
  • Appetitmangel und fehlendes Durstgefühl,
  • Mangelernährung und Gewichtsverlust,
  • Verstopfung,
  • erhöhte Blutfettwerte,
  • Gefäßverkalkung (sog. Arteriosklerose),
  • erhöhte Cholesterinwerte,
  • Nierensteine und
  • Entzündung der Bauchspeicheldrüse (s. Quelle 9).
Wichtiger Hinweis Krebsexperten raten von ketogener Diät ab

Weil eine positive Wirkung auf die Krebserkrankung nicht nachgewiesen ist und vergleichsweise viele Nebenwirkungen drohen, sprechen die Arbeitsgemeinschaft Prävention und Integrative Onkologie (PRIO) und die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) keine Empfehlung für eine ketogene Diät für Menschen mit Krebs aus (s. Quelle 9).

Krebs verhindern mit basischer Ernährung?

Das Konzept der basischen Ernährung ist im alternativmedizinischen Bereich angesiedelt. Hinter den Empfehlungen für eine basische Ernährung bei Krebs verbirgt sich die Annahme, dass eine Übersäuerung des Körpers alle möglichen Krankheiten, darunter auch Krebs, verursachen könne.

Diese Übersäuerung würde durch die Ernährung mit sauren Lebensmitteln entstehen – z. B. durch Fleisch, Fisch, Wurst, Zucker und Alkohol. Mit einer basischen Ernährung soll also die Übersäuerung des Körpers verhindert werden. Als basisch gelten folgende Lebensmittel: Obst, Gemüse, Nüsse, Vollkornprodukte.

Wichtiger Hinweis Basische Ernährung nicht notwendig

Für die Annahme, dass eine Übersäuerung krank machen kann, gibt es jedoch keine wissenschaftlichen Belege. Tatsächlich ist es so, dass der Körper selbst in der Lage ist, den Säure-Basen-Haushalt im Gleichgewicht zu halten. So werden z. B. überschüssige Säuren mit dem Urin ausgeschieden. Demzufolge ist laut den Ernährungsmedizinern des Tumorzentrums München keine basische Ernährung bei Krebs notwendig (s. Quelle 10).

Vegane Ernährung bei Krebs?

Die vegane Ernährung ist rein pflanzlich und verzichtet auf Fleisch und alle weiteren tierischen Produkte, wie z. B. Eier, Milch und Honig.

Wird während einer Krebserkrankung mit einer veganen Ernährung begonnen, führt dies meist zu Beginn zu einem Gewichtsverlust. Deshalb sollte eine vegane Ernährung bei einer Krebserkrankung in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen (s. Quelle 11). Es empfiehlt sich, auf eine ausreichende Aufnahme von allen wichtigen Nährstoffen zu achten.

Fasten bei Krebs?

Beim Fasten wird für eine bestimmte Zeit komplett auf Nahrung verzichtet. Beim Heilfasten dürfen je nach Ansatz verschiedene Tees oder Säfte in diesem Zeitraum getrunken werden. Beim Intervallfasten gegen Krebs wechseln sich Zeiten, in denen gegessen werden darf, mit Zeiten ohne Nahrung ab. Häufig gehen diese Fastenkuren einher mit dem Versprechen, den Körper zu „entgiften“ oder zu „entschlacken“.

Tatsächlich ist es so, dass der Körper über eigene Mechanismen verfügt, wie er z. B. Medikamente abbaut und aus dem Körper leitet. Fasten und damit der Verzicht auf Kalorien und lebenswichtige Nährstoffe, kann während einer Krebserkrankung zu rascher Gewichtsabnahme und damit zum Kräfteverlust führen.

Wichtiger Hinweis Krebsexperten raten vom Fasten bei Krebserkrankung ab

Der Krebsinformationsdienst schätzt Fastenkuren bei Krebs als gefährlich ein (s. Quelle 11). Auch in der S3-Leitlinie „Klinische Ernährung in der Onkologie“ werden alle Krebsdiäten abgelehnt, die eine Einschränkung der Nahrungsaufnahme vorschreiben, weil diese potenziell schädlich sein können (s. Quelle 12).

Tipp
Mit Patientenverfügung und Vollmacht rechtlich vorsorgen

Grundsätzlich ist es nie zu früh, sich um seine eigenen Vorsorgedokumente zu kümmern – denn es gibt viele Situationen, die uns daran hindern können, eigene Entscheidungen mitzuteilen. Aber vor allem wenn es uns an Gesundheit fehlt, wird uns plötzlich bewusst, wie wichtig Vorsorgedokumente sind.

In einer Patientenverfügung entscheiden Sie selbst, welche medizinischen Maßnahmen ergriffen werden sollen und nehmen Ihren Angehörigen die schwierige Entscheidung ab. In einer Vorsorgevollmacht halten Sie wiederum fest, wer in Ihrem Sinne handeln soll, wenn Sie dazu nicht mehr in der Lage sind.

Rezepte: Essen für Krebskranke

Was koche ich heute bloß? Rezepte und Küchentipps für Krebspatienten finden Sie in der kostenlosen App „HealthFood“. Sie wurde gemeinsam von Ernährungsberatern am Tumorzentrum München und Sterneköchen entwickelt. Dabei werden die speziellen Anforderungen bei Krebserkrankungen berücksichtigt. So bietet die App z. B. energiereiche Rezepte, Ideen für kleine Mahlzeiten und eiweißreiche Speisen (s. Quelle 13).

Häufig gestellte Fragen

Was ist eine krebsgerechte Ernährung?

Es gibt kein Pauschalrezept für die Ernährung bei Krebs. Zu beachten ist immer, dass der Krebspatient ausreichend Nährstoffe und Energie zu sich nimmt.

Wie oft tritt Mangelernährung bei Krebs auf?

Mangelernährung tritt bei etwa der Hälfte aller Krebspatienten im Laufe der Erkrankung auf. Die Ursache dafür kann zum einen daran liegen, wo der Tumor sitzt und welche Folgen die Krebstherapie mit sich bringt. Zum anderen gehen ein Viertel aller Krebserkrankungen mit einem erhöhten Energiebedarf einher.

Gibt es Krebsdiäten, die den Krebs heilen?

Es werden Krebsdiäten mit dem Versprechen angeboten, Krebserkrankungen zu heilen oder gar die Krebsentstehung verhindern können. Nach aktuellem wissenschaftlichem Stand gibt es jedoch keine Diät oder Ernährungsform, die das vermag.

Eignet sich eine Fastenkur bei Krebs?

Nein. Krebsexperten schätzen Fastenkuren bei Krebs als gefährlich ein. Weil viele Krebspatienten einen erhöhten Energiebedarf haben, warnen Experten vor jeder Diät, die eine Einschränkung der Nahrungsaufnahme vorschreibt.

Ist eine vegane Ernährung bei Krebs geeignet?

Eine Krebserkrankung spricht an sich nicht gegen eine vegane Ernährung. Betroffene sollten darauf achten, dass sie mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt werden und der Energiebedarf gedeckt ist. Patienten können mit dem behandelnden Arzt und ggf. einer Ernährungsberatung über vegane Ernährung in ihrem speziellen Erkrankungsfall sprechen.

Kann man Krebs durch eine ketogene Ernährung aushungern?

Krebsexperten raten davon ab, eine ketogene Ernährung als Krebsdiät einzusetzen. Der sog. Warburg-Effekt, Krebszellen „auszuhungern“, konnte in keiner Studie nachgewiesen werden. Er besagt, dass Tumorzellen ihren Energiebedarf vor allem aus Zuckermolekülen beziehen. Würde der Tumorzelle also der Zucker bzw. die Kohlenhydrate entzogen, wüchse sie langsamer.

Kann eine basische Ernährung eine Krebserkrankung verhindern?

Für die Annahme, dass eine Übersäuerung krank machen kann, gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Krebsexperten betonen, dass eine basische Ernährung nicht notwendig ist.

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Erstelldatum: 0202.01.1|Zuletzt geändert: 1202.10.02
(1)
Quelle 1: Stiftung Deutsche Krebshilfe (2020)
www.krebshilfe.de/infomaterial/Blaue_Ratgeber/Ernaehrung-bei-Krebs_BlaueRatgeber_DeutscheKrebshilfe.pdf (letzter Abruf am 01.10.2020)
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Quelle 2: Deutsche Krebsgesellschaft (2015)
www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/bewusst-leben/basis-informationen-krebs-bewusst-leben-ernaehrung/mangelernaehrung-.html (letzter Abruf am 01.10.2020)
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Quelle 3: S. v. Haehling, J. Arends, D. Blum, U. Hacker (2018)
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Quelle 4: Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (2014)
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Quelle 9: N. Erickson, D. Buchholz, J. Hübner (2017)
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Quelle 10: Tumorzentrum München, Eva Kerschbaum (2018)
https://news.tumorzentrum-muenchen.de/2018/11/basische-ernaehrung-was-ist-dran/ (letzter Abruf am 01.10.2020)
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Quelle 12: J. Arens, H. Bertz, S.C. Bischoff, R. Fietkau, H.J. Herrmann, E. Holm, M. Horneber, E. Hütterer, J. Körber, I. Schmid, DGEM Steering Committee (2015)
www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/073-006l_S3_Klin_Ern%C3%A4hrung_in_der_Onkologie_2015-10.pdf (letzter Abruf am 01.10.2020)
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Quelle 13: Tumorzentrum München (o. J.)
www.tumorzentrum-muenchen.de/ernaehrung/rezepte-bei-krebs.html (letzter Abruf am 01.10.2020)
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