Inkontinenzeinlagen: Material, Aufbau, Funktion
Inkontinenzeinlagen gehören zu den aufsaugenden Inkontinenz-Hilfsmitteln. Sie eignen sich für leichte bis mittlere Inkontinenz.
Inkontinenzeinlagen fangen flüssige Ausscheidungen auf und halten sie sicher im Kern zurück. Dafür sind sie mit einem sogenannten Superabsorber ausgestattet. Darüber liegt eine meist antibakterielle, pH-neutrale Verteilerauflage. Sie schützt die Haut vor Reizungen. Ein flüssigkeitsabweisender Auslaufschutz an der Außenseite der Einlage verhindert, dass doch etwas durchsickert.
Es gibt Inkontinenzeinlagen in verschiedenen Ausführungen. Zum einen sind sie an die weibliche und männliche Anatomie angepasst. So sind Einlagen für Männer eher wie eine Tasche geformt.
Zum anderen ist die anatomische Form bei Stuhlinkontinenzeinlagen auf die sichere Aufnahme von Stuhl ausgerichtet. Hier sorgt etwa eine breitere Rückseite dafür, dass im hinteren Bereich nichts ausläuft. Auch die Geruchsbindung spielt eine wichtige Rolle bei Stuhlinkontinenzeinlagen.
So wenden Sie Inkontinenzeinlagen an
Inkontinenzeinlagen sind sehr einfach anzuwenden. Frauen wird es vertrauter sein als Männern, denn sie erinnern nicht nur vom Aussehen her an eine Slipeinlage oder Damenbinde, sie werden auch ähnlich benutzt:
- Nehmen Sie eine Inkontinenzeinlage zur Hand und entfernen Sie den Schutzstreifen von der Klebefläche.
- Befestigen Sie sie nun gerade und längs ausgerichtet im Schrittbereich Ihrer Unterwäsche. Achten Sie auf die richtige Positionierung, damit keine Ausscheidungen daneben gehen. Das gelingt am besten, wenn Sie sitzen.
- Ist die Einlage feucht oder verschmutzt oder tragen Sie sie bereits eine Weile, ziehen Sie sie einfach ab und entsorgen sie in den Hausmüll. Werfen Sie die gebrauchten Einlagen nicht in die Toilette, da diese sonst leicht verstopfen kann.
Für wen sind Inkontinenzeinlagen geeignet?
Inkontinenzeinlagen eignen sich vor allem für mobile Menschen mit leichter bis mittlerer Harninkontinenz oder leichter Stuhlkontinenz, die sich selbstständig versorgen können. Ihr Vorteil gegenüber anderen Inkontinenz-Produkten wie etwa Windelhosen ist, dass sie sehr diskret, unproblematisch zu wechseln und damit besonders alltagstauglich sind.
Bei schweren Formen von Harninkontinenz (mehr als 200 Milliliter Urin alle vier Stunden), mittlerer bis schwerer Stuhlinkontinenz oder für die Versorgung von bettlägerigen Patienten sind Inkontinenzeinlagen weniger geeignet. In diesen Fällen können zum Beispiel Inkontinenzvorlagen in Kombination mit einer Fixierhose oder Windeln zum Einsatz kommen.
Einlagen bei Harninkontinenz / Blasenschwäche
Je nachdem, wie schwer Ihre Harninkontinenz ist, können Sie zwischen verschiedenen Formen und Größen an Einlagen bei Blasenschwäche wählen. Die Saugfähigkeit reicht je nach Modell von 60 Millilitern bis hin zu knapp einem Liter Flüssigkeit. Sie ist auf der Verpackung durch Tropfen gekennzeichnet: Je mehr Tropfen ausgefüllt sind, desto saugstärker ist das Produkt.
Manchmal braucht es ein paar Anläufe, bis Sie die richtige Passform und Größe für sich gefunden haben. Probieren Sie also ruhig mehrere Modelle aus. Da unnötig dicke Inkontinenzeinlagen Ihre Haut belasten können, sollten Sie dabei Schritt für Schritt vorgehen.
Beginnen Sie also zunächst mit der kleinstmöglichen Größe entsprechend Ihrem individuellen Urinverlust. Sollte der Schutz nicht ausreichen, können Sie die nächste Größe ausprobieren. Das ideale Modell sollte Ihnen ein sicheres Gefühl geben, angenehm zu tragen sein und im Alltag nicht verrutschen.
Inkontinenzeinlagen für Männer
Als Mann haben Sie die Wahl zwischen Unisex-Einlagen und speziellen Inkontinenzeinlagen für Männer. Unisex-Einlagen haben eine ähnliche Form wie Damenbinden, die Einlagen für Männer sind vorn etwas ausgebeutelt – wie eine kleine Tasche, in der der Penis ausreichend Platz findet.
Auch hier lässt sich nicht pauschal sagen, welche Variante für wen am besten geeignet ist. Das hängt von der Art der Inkontinenz, den Bewegungsgewohnheiten und der persönlichen Anatomie ab. Deshalb gilt auch hier: Probieren Sie verschiedene Modelle aus.
Inkontinenzeinlagen für Frauen
Inkontinenzeinlagen für Frauen ähneln normalen Damenbinden. Es gibt sie ebenfalls in unterschiedlichen Stärken und Formen, sind aber im Gegensatz zu Menstruationsbinden in ihrer Beschaffenheit speziell darauf ausgerichtet, auch größere Mengen Urin sicher aufzufangen und einzuschließen.
Hier gilt ebenfalls: Beginnen Sie eher mit einer kleineren Einlage und probieren Sie sich so lange durch das Sortiment, bis Sie eine geeignete Inkontinenzeinlage für sich gefunden haben.
Einlagen bei Stuhlinkontinenz
Stuhlinkontinenzeinlagen sind eine dezente Möglichkeit, kleinere Mengen flüssigen Stuhls aufzufangen. Im Gegensatz zu Einlage für Blasenschwäche sind sie so geformt, dass sie großflächiger das Gesäß bedecken. Auf diese Weise bieten sie Schutz und Sicherheit, sind aber gleichzeitig gut für einen aktiven Alltag geeignet.
Einlagen für Stuhlinkontinenz sind nur für Menschen mit einer leichten Stuhlinkontinenz geeignet. Denn mehr als geringe Mengen flüssigen Stuhls kann eine Inkontinenzeinlage nicht auffangen. Für die Versorgung bei stärkerer Stuhlinkontinenz können Sie auf andere Inkontinenz-Hilfsmittel zurückgreifen, wie beispielsweise Inkontinenzhosen.
Waschbare Inkontinenzeinlagen
Waschbare Inkontinenzeinlagen sind die nachhaltige Alternative zu den herkömmlichen Wegwerfprodukten. Ihr Nachteil ist, dass Sie nicht sehr saugfähig sind. Deshalb können sie nur bei leichter Inkontinenz eingesetzt werden. Auch hier gibt es Modelle für Männer und für Frauen.
Sie bestehen in der Regel aus Baumwolle oder anderen Naturfasern und können in der Waschmaschine bei 60 bis 90 Grad gereinigt werden. Damit nichts durchnässt, ist ihre Unterseite meist mit einer wasserdichten, aber atmungsaktiven Schicht, etwa aus Polyurethan-Laminat, kurz PUL, versehen.
Damit die Einlage in der Unterwäsche nicht verrutscht, sind einige Modelle zusätzlich mit einen Silikonstreifen oder einer rutschfesten Gummierung versehen. Andere setzen auf Flügel, die um den Schrittbereich herumgelegt und dort mit einem kleinen Druckknopf aus weichem Plastik fixiert wird.
Inkontinenzeinlagen auf Rezept: Kostenübernahme durch die Krankenkasse
Inkontinenzeinlagen sind im Hilfsmittelverzeichnis gelistet. Das heißt, dass Versicherte einen gesetzlichen Anspruch auf eine Finanzierung durch die Krankenkasse haben. Dazu müssen die Einlagen allerdings ärztlich verordnet werden. Außerdem übernimmt die Krankenkasse die Kosten erst ab einer mittleren Harninkontinenz. (1)
Auf dem Rezept müssen folgende Informationen vermerkt sein:
- Diagnose einer mindestens mittleren Blasenschwäche oder einer Stuhlinkontinenz
- Medizinische Notwendigkeit der Verwendung von Hilfsmitteln
- Die Art des geeigneten Inkontinenzmaterials
- Der monatliche Bedarf
- Die voraussichtliche Behandlungsdauer
Versorgung mit Inkontinenzeinlagen
Das Rezept sollten Sie dann innerhalb von vier Wochen bei Ihrer Krankenkasse einreichen, sonst verfällt es. Oft haben Krankenkassen Exklusivverträge mit bestimmten Versorgern und übernehmen nur dort die Kosten.
Für das Inkontinenzmaterial müssen Sie die übliche gesetzlich vorgeschriebene Zuzahlung von zehn Prozent der Kosten pro Packung leisten. Allerdings zahlen Sie maximal zehn Euro pro Monat. (2) Unter Umständen besteht die Möglichkeit, dass Sie sich von der Zuzahlung befreien können. Mehr Informationen dazu finden Sie im Ratgeber Zuzahlungsbefreiung.
Körperhygiene und Hautpflege
Die Nutzung von Inkontinenzeinlagen ist einfach und wird schnell zur Routine. Doch bevor sie mit der Versorgung beginnen und die ersten Einlagen ausprobieren, sollten Sie sich informieren, welche Hygienemaßnahmen Sie beachten sollten und wie Sie Ihre Haut schützen können.
Drei Hygienetipps für Inkontinenzeinlagen
Wenn Sie Inkontinenzeinlagen verwenden, ist Hygiene ein besonders wichtiges Thema. Indem Sie bestimmte Hygieneregeln einhalten, vermeiden Sie Infektionen mit Bakterien oder Pilzen ebenso wie schlechte Gerüche.
Auch Ihre Haut wird es Ihnen danken, wenn Sie diese drei wichtigen Hygienetipps berücksichtigen:
- Versuchen Sie, die Innenseite der Einlage beim Einsetzen nicht zu berühren.
- Legen Sie die Inkontinenzeinlage von vorne an und entfernen Sie sie nach hinten.
- Warten Sie nicht zu lange mit dem Wechseln der Einlage.
Hautpflege beim Tragen von Inkontinenzeinlagen
Inkontinenz und die Verwendung entsprechender Hilfsmittel bedeuten eine größere Belastung für die Haut. Denn der Kontakt mit Reizstoffen in Urin und Stuhl sowie das besondere Mikroklima zwischen Haut und Einlage kann die Haut angreifen.
Die Folge können Hautirritationen oder Hautreizungen sein. Im Fachjargon heißt das Inkontinenz-assoziierte Dermatitis, kurz IAD. Oder es entsteht sogar eine Pilzinfektion.
Reinigen Sie die Haut im Intimbereich deshalb regelmäßig mit Wasser und pH-neutralen Reinigungsprodukten. Gehen Sie dabei sanft vor, um die Haut nicht zusätzlich zu reizen und tupfen Sie am Ende Ihre Haut vorsichtig aber gründlich trocken. Auch beim Wechsel der Einlagen sollten Sie dafür sorgen, dass keine Ausscheidungsrückstände mehr auf der Haut bleiben.
Vor- und Nachteile von Inkontinenzeinlagen
Mit dem richtigen Inkontinenz-Hilfsmittel können Sie sich sicher und ohne Einschränkungen durch Ihren Alltag bewegen. Ob Einlagen für Sie die beste Lösung sind, hängt von vielen Faktoren ab. pflege.de fasst für Sie die wichtigsten Vor- und Nachteile zusammen.
Häufig gestellte Fragen
Welche Slipeinlagen sind bei Blasenschwäche geeignet?
Bei Blasenschwäche, also leichter bis mittlerer Harninkontinenz, eignen sich Inkontinenzeinlagen. Die gibt es in unterschiedlichen Varianten je nach Geschlecht, Schwere der Inkontinenz und anatomischer Passform. Probieren Sie am besten verschiedene Modelle, bis Sie das passende gefunden haben.
Welche Einlagen sind bei starker Inkontinenz geeignet?
Für starke Inkontinenz sind Inkontinenzeinlagen nicht geeignet. Sie sind das kleinste Produkt unter den aufsaugenden Hilfsmitteln und kommen vor allem bei leichter bis mittlerer Inkontinenz zum Einsatz. Bei starker Inkontinenz sind sogenannte Inkontinenzvorlagen, Inkontinenzhosen oder Windeln besser geeignet.
Welche Einlagen sind bei Stuhlinkontinenz geeignet?
Es gibt spezielle Inkontinenzeinlagen für Stuhlinkontinenz. Grundsätzlich eignen sie sich aber nur bei leichteren Formen. Mit ihrer größeren Fläche im hinteren Bereich bieten sie dann aber ausreichenden Schutz. Für mittlere bis starke Stuhlinkontinenz oder bei Bettlägerigkeit gibt es leistungsfähigere Produkte, wie etwa Windeln.
Werden Inkontinenzeinlagen von der Krankenkasse gezahlt?
Gesetzlich Versicherte haben einen Anspruch auf die Versorgung mit Inkontinenzmaterial. Sofern sie ärztlich verordnet sind, übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Regelversorgung ab einer mittleren Blasenschwäche und bei Stuhlinkontinenz.
Regelversorgung heißt, dass die Kasse das Basismodell bezahlt. Möchten Sie eine höherwertige Inkontinenzvorlage als Ihnen verordnet wurde, müssen Sie die Mehrkosten selbst tragen. Die gesetzliche Zuzahlung von maximal zehn Euro monatlich müssen Sie in jedem Fall selbst zahlen.
Sind Inkontinenzeinlagen Pflegehilfsmittel?
Nein. Inkontinenzeinlagen sind im Hilfsmittelverzeichnis in Gruppe 15 „Inkontinenzhilfen“ geführt. Sie sind damit offizielle Hilfsmittel und können, wenn eine ärztliche Verordnung vorliegt, von der Krankenkasse finanziert werden. Aber sie gehören nicht zu den Pflegehilfsmitteln, die in den Gruppen 50-54 im Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbands aufgelistet werden.
Welche Inkontinenzeinlagen für Männer sind die besten?
Welche Inkontinenzeinlage für Männer für Sie am besten ist, hängt stark vom individuellen Grad Ihrer Blasenschwäche und Ihren persönlichen Bedürfnissen ab. Es gibt verschiedene Produkte, die für unterschiedliche Anforderungen optimiert sind. Hersteller bieten in der Regel mehrere Saugstärken und Passformen an. Probieren Sie sie aus, um die beste für sich zu finden.
Wie oft sollte man Inkontinenzeinlagen wechseln?
Um Ihre Haut zu schützen, sollten Sie Ihre Inkontinenzeinlage alle vier bis sechs Stunden wechseln. Wenn Sie bereits vorher ein nasses Gefühl verspüren, ist ein früherer Wechsel ratsam.
Wie legt man Inkontinenzeinlagen richtig an?
Das Anlegen einer Inkontinenzeinlage ist einfach und erfolgt auf die gleiche Art wie bei Damenbinden. Das heißt, dass Sie die Einlage mit dem Klebestreifen nach unten in die Unterhose kleben. Achten Sie darauf, dass Sie die Einlage gerade in der Unterwäsche platzieren.



