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Pflegezusatzversicherung: finanzielle Vorsorge für die Pflegebedürftigkeit

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Die soziale Pflegeversicherung wird oft als Teilkasko-Versicherung bezeichnet. Das heißt: Die Leistungen der sozialen Pflegeversicherung reichen in der Regel bei Weitem nicht aus, um die Kosten für die Pflege und Versorgung vollständig zu decken. Die Folge: Wer später zum Pflegefall wird, muss einen erheblichen Teil der Pflegekosten aus eigener Tasche bezahlen. Um die sog. Versorgungslücke ganz oder teilweise zu schließen, kann der Abschluss einer Pflegezusatzversicherung sinnvoll sein. pflege.de erklärt, welche Pflegezusatzversicherungen es gibt und worauf Verbraucher vor dem Abschluss achten sollten.

Inhaltsverzeichnis

 

Pflegezusatzversicherung: Leistungen und Varianten im Überblick

Wer in Deutschland stationär gepflegt wird, muss häufig auf Erspartes zurückgreifen, ist auf die Unterstützung seiner Kinder oder Leistungen des Sozialamtes angewiesen. Die Unterbringung in einem Pflegeheim in Deutschland schlägt im Schnitt mit 3.000 Euro pro Monat zu Buche – der Betrag kann jedoch je Einrichtung und Region stark variieren. Ein grober Richtwert für den Eigenanteil sind ca. 1.500 Euro pro Monat. Auch bei der ambulanten Pflege zu Hause können zusätzliche Kosten für den Pflegebedürftigen anfallen. Zwar zahlt die soziale Pflegeversicherung unterschiedliche Pflegeleistungen für die ambulante Pflege und Betreuung, die sich mit steigendem Pflegegrad erhöhen. Jedoch reichen diese Leistungen nicht immer aus, um den notwendigen Bedarf zu decken.

Wer für den Pflegefall vorsorgen will, kann die mögliche Versorgungslücke mit einer privaten Pflegezusatzversicherung schließen.Dabei unterscheidet man zwischen drei Formen:

  1. Pflegetagegeldversicherung
  2. Pflegekostenversicherung
  3. Pflegerentenversicherung

Grundsätzlich gilt: Die Höhe der fälligen Versicherungsprämie ist abhängig von dem Gesundheitszustand und dem Alter bei Antragsstellung. Je jünger und gesünder der Versicherte zum Zeitpunkt des Abschlusses der Pflegezusatzversicherung ist, desto geringer ist die Prämie, die er einzahlen muss. Einzige Ausnahme: Beim Pflege-Bahr, der geförderten Pflegetagegeldversicherung, darf der Gesundheitszustand des Antragsstellers keine Rolle spielen, das Alter allerdings schon. Experten raten daher, eine Pflegezusatzversicherung bereits in jungen Jahren abzuschließen.

Tipp
Versicherte sollten richtige Angaben machen

Aus Angst vor Risikoaufschlägen verschweigen manche Versicherungsnehmer ihrer Versicherung Krankheiten. Das kann jedoch teuer werden: Kommen die falschen oder fehlenden Angaben nach Versicherungsabschluss ans Licht, zahlt die Pflegezusatzversicherung im Pflegefall keine oder stark reduzierte Leistungen aus.

 

1. Die Pflegegeldversicherung

Eine Pflegetagegeldversicherung (PTG) kommt für ein festgelegtes Pflegetagegeld auf, das zum Beginn des Versicherungsabschlusses definiert wird. Üblich sind Tagessätze zwischen zehn und 100 Euro, die mit 30 multipliziert den monatlich auszuzahlenden Betrag ergeben. Mit diesem Geld stocken Versicherte die Leistungen aus der sozialen Pflegeversicherung auf, unabhängig davon, ob sie im Pflegeheim oder zu Hause betreut werden. Das Pflegetagegeld ist in der Regel an den Pflegegrad gekoppelt und analog zu den Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung gestaffelt: Mit steigendem Pflegegrad erhöht sich auch der von der Versicherung ausgezahlte Betrag.

Wie viel Pflegetagegeld der Versicherte mit Pflegegrad 1, Pflegegrad 2, Pflegegrad 3, Pflegegrad 4 oder Pflegegrad 5 erhält, hängt davon ab, welchen Tarif er gewählt hat:

  • Bei einem starren Tarif legt die Versicherung ausgehend vom Maximalbetrag bei Pflegegrad 5 prozentual fest, wie viel die Versicherten in den jeweiligen unteren Pflegegraden erhalten.
  • Bei einem flexiblen Tarif können die Versicherten selbst für jeden Pflegegrad die Höhe des Pflegetagegelds festlegen. Jedoch darf das Tagegeld bei einer höheren Stufe nicht geringer ausfallen als bei einer niedrigeren Stufe. Es ist allerdings möglich, alle Stufen mit dem Maximalbetrag zu versichern. Solch ein nicht gestaffeltes oder anders gestaffeltes Pflegetagegeld hat auch entsprechend höhere Prämien zur Folge.
Info

Beitragspflicht bei Pflegetagegeldversicherung

Bei manchen Pflegetagegeldversicherungen müssen Versicherte auch noch Beiträge zahlen, wenn sie bereits pflegebedürftig sind – auf solche Klauseln gilt es bei der Wahl der Versicherung zu achten.

Vor allem für jüngere Versicherungsnehmer empfiehlt es sich, eine Dynamik sowohl bei den Beiträgen als auch bei den Leistungen einzubauen. Gemeint ist damit eine dynamische, meist jährliche Erhöhung der Beiträge und Leistungen eines Versicherungsvertrages. Ziel dieser Dynamik ist es, die über die Jahre wirkende Geldentwertung auszugleichen sowie eine Änderung des Bedarfs zu berücksichtigen.

Achtung: Versicherte können im Versicherungsfall frei über die Mittel der Pflegetagegeldversicherung verfügen. Manche Versicherer beschränken ihre Tagegeldzahlungen jedoch nur auf die stationäre Pflege. Wer noch nicht sicher ist, welche Form der Pflege die richtige sein wird, sollte lieber eine Pflege-Zusatzversicherung wählen, die auch bei einer ambulanten Pflege von pflegenden Angehörigen oder einem Pflegedienst zu Hause zahlt.

 

Das Wichtigste in Kürze: Pflegetagegeldversicherung

  • Je nach Tarif wird bei Kriterien-Erfüllung (Erteilung eines bestimmten Pflegegrades) ein vordefinierter Betrag ausbezahlt.
  • Die Höhe des ausgezahlten Tagegelds richtet sich auch nach dem Pflegegrad.
  • Je nach eingezahltem Beitrag kann das ausgezahlte Tagegeld niedriger oder höher als die eigentlichen anfallenden Kosten sein.
  • Eine PTG-Versicherung wird in Form des Pflege-Bahrs staatlich bezuschusst, zudem ist dann ein Abschluss ohne Gesundheitsprüfung des Versicherungsnehmers möglich.
  • Es gibt auch Kombiprodukte, in denen Pflege-Bahr und ungefördertes Pflegetagegeld zusammen angeboten werden.
Pflegetagegeldversicherung
  • Versicherte können die Beitragshöhe je nach gewünschtem Leistungsumfang bestimmen.
  • Die Leistungen sind nicht zweckgebunden, die Art der pflegerischen Versorgung kann der Versicherte (meist) selbst wählen.
  • Die Beitragssätze sind im Vergleich zu anderen Pflegeversicherungen eher günstig.
  • Mit dem Pflege-Bahr gibt es eine Pflegetagegeldversicherung ohne Gesundheitsfragen, die besonders für Personen mit Vorerkrankungen interessant ist.
  • Bei Tod oder vorzeitiger Kündigung der Versicherung (ohne eingetretenen Leistungsfall) gibt es keine anteilige Beitragsrückzahlung.
  • Es sind Risikomehrbeiträge oder Ausschlüsse bei Vorerkrankung möglich.
  • Die Beitragshöhe ist nicht garantiert und kann vom Versicherungsunternehmen angepasst werden, z.B. bei einem höheren Pflegerisiko durch eine steigende Lebenserwartung.
  • Eine Weiterzahlung der Beiträge auch während der Bezugszeit von Tagegeldzahlungen (bei den meisten Gesellschaften) ist üblich.
  • Die Leistungen des Pflege-Bahr decken die anfallenden Kosten in den meisten Fällen nicht ab.

 

 

Tipp
Pflegezusatzversicherung nicht zu früh abschließen

Günstige Tarife für jüngere Versicherungsnehmer sollten nicht zu einem vorschnellen Abschluss einer Pflegezusatzversicherung verleiten! Denn nur die wenigsten Versicherer erlauben eine beitragsfreie Unterbrechung des Vertrags. Wer die Beiträge zwischendurch nicht zahlen kann, riskiert die Kündigung des Vertrags und den Verlust des Geldes.

  • Sonderform: Der Pflege-Bahr als geförderte Pflegetagegeldversicherung

Wer eine Pflegezusatzversicherung ohne Gesundheitsprüfung wünscht, z. B. weil ein Anbieter die Versicherung bereits abgelehnt hat, der kann auf eine staatlich geförderte Pflegezusatzversicherung ausweichen, dem sog. Pflege-Bahr. Die geförderte Pflegezusatzversicherung soll auch Menschen mit Vorerkrankungen, Personen mit geringerem Einkommen oder höheren Alters die Möglichkeit zur privaten Pflegevorsorge geben. Bei der Absicherung durch einen Pflege-Bahr dürfen die Prämien nicht aufgrund eines schlechten Gesundheitszustandes steigen, sehr wohl jedoch aufgrund eines höheren Eintrittsalters mit Aufschlägen versehen werden. Ein weiterer Vorteil kann die staatliche Förderung sein: Wer mindestens zehn Euro monatlich als Prämie einzahlt, wird vom Staat mit fünf Euro pro Monat bezuschusst. Beim Pflege-Bahr besteht zwischen dem Zeitpunkt des Abschlusses und der Inanspruchnahme von Leistungen eine Wartezeit von bis zu fünf Jahren.

Der Pflege-Bahr
Ratgeber
Pflege-Bahr – Finanzielle Vorsorge für die Pflege

2. Die Pflegekostenversicherung

Eine Pflegekostenversicherung kann die tatsächlich anfallenden Kosten, die nicht von der gesetzlichen oder privaten Pflegeversicherung gedeckt sind, für eine ambulante oder stationäre Pflege nach vorab definierten Kriterien erstatten. Voraussetzung für die Pflegekostenversicherung ist, dass jegliche Kosten rund um die Pflege mit Belegen nachgewiesen und eingereicht werden. Erst dann erhalten Versicherte die Beträge wieder, mit denen sie für angefallene Pflegekosten in Vorleistung gegangen sind. Zwei Varianten sind möglich:

  • Der Versicherer erstattet die Kosten bis zu einem vorher festgelegten jährlichen Höchstbetrag.
  • Der Versicherer erstattet einen vereinbarten Prozentsatz der Kosten für die angefallenen Pflegeleistungen.

Auch hier müssen die Versicherungsnehmer meist die Prämien nach Eintritt der Pflegebedürftigkeit weiterzahlen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Angefallene Pflegekosten, die nicht durch die gesetzliche Pflegeversicherung gedeckt sind, werden ermittelt und (teil-)erstattet.
  • Alle aufkommenden Kosten müssen deshalb nachgewiesen werden.
  • Der Umfang der Erstattung richtet sich nach den Vereinbarungen: bis zu einem jährlichen Höchstbetrag oder ein Prozentsatz der anfallenden Kosten.

 

 

Tipp

Versicherte, die sich zu Hause pflegen lassen wollen, sollten darauf achten, dass im Tarif auch die Leistungen von nicht in Deutschland ausgebildeten Pflege- bzw. Betreuungskräften enthalten sind, sog. Polnischen Pflegekräfen. Voraussetzung ist natürlich auch, dass diese legal beschäftigt werden.

Pflegekostenversicherung
  • Auch wenn die Pflegekosten steigen, sind diese durch die Pflegekostenversicherungen zumindest weitgehend gedeckt.
  • Die Beiträge sind vergleichsweise niedrig.
  • Versicherungsnehmer müssen die Kosten anhand von Rechnungen belegen. Erfolgt die Pflege durch Angehörige und Freunde, werden die Kosten nicht oder nur in geringem Maße erstattet.
  • Die sog. Hotelkosten, die aufgrund der Verpflegung und der Unterbringung des Patienten bei der vollstationären Pflege entstehen, werden nicht übernommen.
  • Der Versicherte darf die Zahlungen vor Eintritt der Pflegebedürftigkeit weder unterbrechen noch einstellen, sonst verfällt jeglicher Anspruch auf Leistungen – selbst wenn er jahrelang in die Versicherung eingezahlt hat.

 

3. Die Pflegerentenversicherung

Eine Pflegerentenversicherung ist ähnlich einer Lebensversicherung aufgebaut: Versicherungsnehmer sparen Kapital an und erhalten im Pflegefall eine monatliche, lebenslange Pflegerente oder eine Einmalzahlung. Die volle Pflegerente erhalten Versicherte erst mit dem Pflegegrad 5. Versicherten mit einem niedrigeren Pflegegrad zahlt die Versicherung einen niedrigeren Prozentsatz aus, der sich bei steigendem Pflegegrad erhöht. Die tatsächliche Höhe der Pflegerente hängt davon ab, welche Gewinne der Versicherer aus den gezahlten Beiträgen über die Laufzeit erwirtschaftet. Bei erfolgreichen Kapitalanlagen zahlt die Versicherung einen Überschussbetrag aus. Bei schlechten wirtschaftlichen Bedingungen wird ein Mindestbetrag garantiert, unter den die Pflegerente nicht fällt.

Pflegefall
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Das Wichtigste in Kürze

  • Bei Kriterien-Erfüllung wird eine vordefinierte monatliche Summe ausbezahlt.
  • Ähnlich wie bei einer Lebensversicherung wird ein Mindestbetrag garantiert, Überschusszahlungen sind möglich, werden aber nicht garantiert.
Pflegerentenversicherung
  • Im Pflegefall muss der Versicherten keine Zahlungen mehr leisten.
  • Beitragszahlungen können für eine bestimmte Zeit ausgesetzt werden.
  • Über die Verwendung der Pflegerente entscheidet der Pflegebedürftige selbst, so können auch Service- oder Sachleistungen damit bezahlt werden.
  • Der Versicherte ist nicht auf die Zuerkennung eines Pflegegrades angewiesen, sondern kann sich nach einer Liste der Aktivitäten des täglichen Lebens einstufen lassen.
  • Die zu zahlenden Beiträge bleiben in der Regel stabil.
  • Versicherte erhalten durch das Bilden eines Rückkaufswerts einen Teil ihrer gezahlten Prämien zurück, sollten sie den Vertrag vorzeitig kündigen.
  • Die Höhe der im Pflegefall zu erwartenden Leistungen ist nicht garantiert und kann durch die Bindung an die Kapitalentwicklung des Unternehmens stark schwanken.
  • Pflegerentenversicherungen sind vergleichsweise teuer.

 

Ist eine Pflegezusatzversicherung sinnvoll oder nicht?

Nicht jede Art von Pflegezusatzversicherung ist für jeden Versicherungsnehmer gleich gut geeignet. Deshalb sollten Interessenten prüfen und vergleichen, welche Pflegezusatzversicherung am besten geeignet ist. Ein Gesamtüberblick über die Vorteile und Nachteile der verschiedenen Varianten kann dabei helfen:

Pflegetagegeldversicherung
Vorteile Nachteile Geeignet für …
  • PTG zahlt vereinbarte Tagespauschale unabhängig vom Ort der Pflege.
  • Der Pflegebedürftige kann frei nach seinem Willen über Gelder verfügen.
  • Kein Nachweis der tatsächlichen Kosten nötig.
  • Vergleichsweise günstige Beiträge.
  • Freie und bedarfsgerechte Vertragsgestaltung.
  • Teilweise Weiterzahlung der Prämien nach Eintritt des Pflegefalls.
  • Beiträge können sich erhöhen.
  • Gesundheitszustand und Alter bei Antragsstellung haben Einfluss auf Höhe der Prämie.
  • Keine anteilige Beitragsrückzahlung bei Tod, unterbrochener Beitragszahlung oder vorzeitiger Kündigung (ohne eingetretenem Leistungsfall).
  • Risikomehrbeiträge oder Ausschlüsse bei Vorerkrankung möglich.
  • Die Beitragshöhe kann vom Versicherungsunternehmen angepasst werden.
  • Häufig Weiterzahlung der Beiträge auch während der Bezugszeit.
Menschen ohne gesundheitliche Probleme, die schon in jüngeren Jahren für den Pflegefall vorsorgen, jedoch möglichst frei über die Mittel verfügen möchten.

 

Geförderte Pflegetagegeldversicherung (Pflege-Bahr)
Vorteile Nachteile Geeignet für …
  • Pflegezusatzversicherung ohne Gesundheitsfragen.
  • Keine Risikozuschläge.
  • Keine Leistungseinschränkungen möglich.
  • Schließt bei Einzahlung der Mindestprämie die Versorgungslücke nicht.
  • Fünf Jahre Wartezeit (entfällt bei unfallbedingten Pflegefällen).
Menschen mit gesundheitlichen Problemen, höherem Eintrittsalter und/oder geringerem Einkommen.
   Pflegekostenversicherung
 Vorteile  Nachteile  Geeignet für …
  • Volle Übernahme der tatsächlichen Pflegekosten möglich.
  • Beiträge sind vergleichsweise niedrig.
  • Rechnungen als Nachweis nötig.
  • Pflege durch Angehörige oder Freunde wird nicht abgedeckt.
  • Teilweise Weiterzahlung der Prämien nach Eintritt des Pflegefalls.
  • Keine Unterbrechung der Beitragszahlungen möglich.
  • Gesundheitszustand und Alter bei Antragsstellung haben Einfluss auf Höhe der Prämie.
  • Die sog. Hotelkosten (für Verpflegung und Unterbringung des Patienten) bei der vollstationären Pflege werden nicht übernommen.
Menschen mit gesundheitlichen Problemen, höherem Eintrittsalter und/oder geringerem Einkommen.
Pflegerentenversicherung
Vorteile Nachteile Geeignet für …
  • Beitragszahlungen können ohne Kündigung der Versicherung einige Jahre lang ausgesetzt werden.
  • Stabile Prämien.
  • Keine Beitragszahlung bei Pflegebedürftigkeit.
  • Auszahlung eines Teils des Kapitals an Angehörige nach dem Tod des Versicherungsnehmers möglich.
  • Über die Verwendung der Pflegerente entscheidet der Pflegebedürftige selbst.
  • Keine Zuerkennung eines Pflegegrades notwendig, Einstufung erfolgt aufgrund von einer Liste der Aktivitäten.
  • Bei vorzeitiger Kündigung: Rückzahlung eines Teils der gezahlten Prämien möglich (Rückkaufwert).
  • Nur die garantierte Rente ist sicher (die Leistungen der Kapitallebensversicherung sind vom Kapitalmarkt abhängig).
  • Sehr teuer.
Menschen, die im späteren Pflegefall möglichst frei über die Mittel verfügen möchten und sicher gehen wollen, dass bei vorzeitiger Kündigung das eingezahlte Geld nicht verloren geht.

Pflegezusatzversicherung: Kosten

Die Frage „Was kostet eine Pflegezusatzversicherung?“ ist pauschal nicht zu beantworten, denn die Beitragssätze aller Varianten sind von mehreren Faktoren abhängig. Grundsätzlich gilt: Die Kosten der privaten Pflegeversicherung steigen, je älter die Versicherten zum Zeitpunkt des Versicherungseintritts sind. Zum Vergleich: Ein 40-jähriger Mann, der heute eine Pflegetagegeldversicherung mit einem vereinbarten Pflegetagegeld von 50 Euro abschließt, zahlt rund 25 Euro im Monat an Prämie. Ein 50-Jähriger muss für die gleiche Pflegezusatzversicherung 38 Euro monatlich ausgeben.

Die günstigste Variante einer Versicherung für die private Pflegevorsorge ist der geförderte Pflege-Bahr. Diesen können Versicherte schon mit einem monatlichen Beitragssatz von zehn Euro abschließen, fünf Euro staatliche Förderung kommen hinzu. Jedoch ist der Leistungsumfang im Pflegefall sehr begrenzt und kann die Pflege-Lücke nicht schließen.
Generell fallen die Beitragssätze auch für das ungeförderte Pflegetagegeld sowie für die Pflegekostenversicherung meist deutlich günstiger aus als die Beiträge für eine Pflegerentenversicherung. Allerdings unterscheiden sich die Versicherungsvarianten erheblich in ihrem Leistungsumfang.

Tipp
Pflegezusatzversicherung von der Steuer absetzen

Die Beiträge für eine freiwillige Pflegezusatzversicherung können Versicherte steuerlich geltend machen. Durch die vergleichsweise geringen steuerlich absetzbaren Höchstbeiträge von 1.900 Euro für Beamte und Angestellte bzw. von 2.800 Euro für Selbstständige bleibt die steuersenkende Wirkung allerdings meist gering. Dennoch sollten Versicherte das Geld nicht verschenken und die Ausgaben für die private Pflegeversicherung bei ihrer Steuererklärung angeben.

 

Pflegezusatzversicherung: Tarifrechner helfen beim Vergleich

Vor der Auswahl einer privaten Pflegeversicherung sollten Interessierte die Tarife und Leistungsangebote ausführlich vergleichen. Im Internet finden sich einige Pflegezusatzversicherung-Vergleichsrechner, die verschiedene Versicherungen anhand der wichtigsten Faktoren gegenüberstellen. Um einen ersten Überblick über die Leistungen und Beiträge zu erhalten, kann ein solcher Pflegezusatzversicherung-Rechner gute Dienste leisten. Da jedoch für die Höhe des Beitrags auch individuelle Faktoren wie der Gesundheitszustand des Antragsstellers eine Rolle spielen, kann ein reiner Online-Vergleich mit Standarddaten keine verbindlichen Aussagen liefern. So verlangen manche Versicherer etwa Risikoaufschläge bei Vorerkrankungen wie Bluthochdruck oder Inkontinenz, andere verweigern bei schwerwiegenden Erkrankungen den Abschluss gänzlich.

Private Pflegezusatzversicherung: Vergleich/Test

Wer eine Pflegezusatzversicherung abschließen möchte, sollte – nach einer Vorauswahl von in Fragen kommenden Varianten – einige konkrete Angebote einfordern. Es empfiehlt sich, mindestens drei Versicherungen in die engere Wahl zu nehmen, die sich hinsichtlich der Pflegezusatzversicherungs-Leistungen und Beitragszahlungen ungefähr gleichen. Neben der Höhe der Prämien können Interessenten folgende Kriterien für die Entscheidungsfindung heranziehen:

 

  • Leistungsumfang: Zahlt die Versicherung bei allen Pflegegraden sowohl bei Aufenthalt im Pflegeheim als auch bei einer Pflege zu Hause? Wie hoch sind die Leistungen im Pflegefall?
  • Eintritt der Pflegebedürftigkeit: Folgt die Versicherung der Einstufung des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK; bei gesetzlich Versicherten) bzw. von MEDICPROOF (bei privat Versicherten) oder legt sie zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit eigene Untersuchungen zugrunde?
  • Wartezeit: Gibt es eine Wartezeit bis zum Beginn der Leistungspflicht der Versicherung oder verzichtet die Versicherung darauf?
  • Beitragsbefreiung: Müssen die Beiträge im Versicherungsfall weitergezahlt werden oder nicht?
MDK der medizinische Dienst der Krankenversicherung
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MDK – Der medizinische Dienst der Krankenversicherung

Test: Pflegetagegeldversicherungen im Vergleich

Die Stiftung Warentest hat Pflegezusatzversicherungen zuletzt in der Ausgabe 5/2015 der Zeitschrift Finanztest Pflegetagegeldtarife unter die Lupe genommen. Die Tester prüften private Pflegeversicherungen mit und ohne staatliche Förderung sowie Kombinationsangebote anhand von Beiträgen und Leistungen. 2015 galten allerdings noch drei Pflegestufen, die Test­ergeb­nisse sind deshalb nicht auf die seit 2017 geltenden Pflegegrade übertragbar.

Pflegegrade
Ratgeber
Pflegegrade 1 bis 5: Der große Überblick

Ein Rating von Pflegetagegeld-Tarifen aus dem Jahr 2017 liefert das Institut für Vorsorge und Finanzplanung: Dazu untersuchte das Unternehmen 23 Angebote, die Leistungen für alle fünf Pflegegrade anbieten und nicht staatlich gefördert werden. Verglichen wurden 65 Kriterien in vier Teilbereichen: das Preis-Leistungs-Verhältnis wurde mit 50 Prozent gewichtet, die Unternehmensqualität mit 25 Prozent, die Flexibilität mit 15 Prozent und der Bereich Service/Transparenz mit zehn Prozent. Kalkulationsgrundlage waren 50 Euro Tagegeld bei Pflegegrad 5, 40 Euro Tagegeld bei Pflegegrad 4, 30 Euro Tagegeld bei Pflegegrad 3, 20 Euro Tagegeld bei Pflegegrad 2 und 10 Euro bei Pflegegrad 1.

Die fünf besten Angebote im Überblick:

Unternehmen/Tarif Gesamtnote
Allianz private Krankenversicherung/
Allianz PflegetagegeldBest
1,1
DKV Deutsche Krankenversicherung/
Pflege Tagegeld PTG
1,4
Hallesche Krankenversicherung/
OLGAflex
1,4
Württembergische Krankenversicherung/
Pflegetagegeld PremiumPlus
1,4
Union Krankenversicherung
PflegePRIVAT Premium Plus
1,4

Das hier angeführte Rating ist ein Beispiel für eine von mehreren Bewertungen. Die Ergebnisse anderer Ratings können durchaus anders ausfallen.

Doch wie schon bei den Pflegezusatzversicherung-Tarifrechnern gilt auch hier: Wer an einer privaten Pflegeversicherung interessiert ist, sollte prüfen, ob die favorisierte Variante überhaupt zur eigenen Lebenssituation – Alter und Erkrankungsgeschichte – passt. Ein solcher Pflegeversicherung-Test kann daher allenfalls einen ersten Eindruck über die üblichen Konditionen verschaffen.

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Interview

„Ein Pflegefall? Zu weit weg!“ – Das denken viele

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Bianca Berthold
Im Interview
Bianca Berthold
Betriebswirtin

Bianca Berthold ist ausgebildete Bürokauffrau und staatlich geprüfte Betriebswirtin. Seit 18 Jahren ist sie für die Barmenia Versicherungen tätig und leitet dort den Bereich Pflegeversicherung.

Wie groß ist die Versorgungslücke im Pflegefall, wenn man keine Pflegezusatzversicherung hat? Waru ist es so wichtig, frühestmöglich eine Zusatzversicherung abzuschließen? Warum schieben wir den Gedanken an die eigene Pflegebedürftigkeit so weit vor uns her und von uns weg? „Ein Pflegefall kann jeden treffen“, so Bianca Berthold von den Barmenia Versicherungen. pflege.de sprach im Interview mit ihr über die immense finanzielle Lücke, die zwischen Pflegepflichtversicherungen und den tatsächlichen Pflegekosten klafft.

Frau Berthold, von Pflegezusatzversicherungen hat sicher jeder schon einmal gehört, die wenigsten setzen sich aber intensiv mit einer solchen Ergänzungsversicherung für sich selbst auseinander. „Ein Pflegefall? Zu weit weg!“ –  Das denken viele. Warum ist eine Pflegezusatzversicherung grundsätzlich sinnvoll?

Eine Pflegezusatzversicherung ist für jeden und für jeden Lebensabschnitt sinnvoll, also auch vom Babyalter an. Ein Pflegefall kann jeden von uns treffen – auch in jedem Alter. Man muss nicht erst alt sein, um zum Pflegefall zu werden.

Eine Pflegezusatzversicherung ist dazu da, damit der Eigenanteil, den jeder durch die Pflege hat, gedeckt werden kann. Diese Restkosten können zwar meistens nicht zu 100 Prozent durch eine Pflegezusatzversicherung gedeckt werden, abhängig von der Höhe der Pflegezusatzversicherung, aber der Eigenanteil wird auf jeden Fall verringert.

Für wen macht eine Pflegezusatzversicherung denn am meisten Sinn?

Eine Pflegezusatzversicherung macht für jeden Bürger Sinn. Weil jeder zum Pflegefall werden kann. Man muss weder alt sein noch viele Erkrankungen haben – eine Pflegebedürftigkeit kann schließlich auch aus einem Spaziergang heraus oder bei einem Fahrradunfall passieren. Es muss auch noch nicht mal jemand dran beteiligt oder schuld daran sein. Ich kann ja auch einfach einen Moment unachtsam sein, blöd fallen und daraus kann unter Umständen eine Querschnittslähmung resultieren. Und dadurch werde ich zum Pflegefall, unabhängig vom Alter.

Von daher würde ich auf jeden Fall sagen, dass eine Pflegezusatzversicherung wirklich für jeden sinnvoll ist!

Eine Pflegezusatzversicherung ist wirklich für jeden sinnvoll
Bianca Berthold

Also sollten sich auch junge Menschen frühzeitig um eine Pflegezusatzversicherung kümmern? Viele sagen in jungen Jahren ja noch „So etwas passiert mir ja nicht. So eine Versicherung brauche ich nicht“ Aber Sie sagen es ja: Spazierengehen und Fahrradfahren macht jeder.

Ja, genau, es ist einfach altersunabhängig. Und je jünger ich bin, umso geringer sind auch noch die Beiträge der Pflegezusatzversicherung.

Warum sollte man eine Pflegezusatzversicherung möglichst frühzeitig abschließen? Nur weil die Beiträge in einem jungen Alter noch günstiger sind?

Ein Pflegefall kann aufgrund einer unvorhersehbaren Situation in jedem Alter eintreten.
Bianca Berthold

Auch deswegen. Zum einen sind die Beiträge in jungen Jahren noch geringer, das stimmt. Zum zweiten kann aber wie gesagt einfach der Leistungsfall, sprich der Pflegefall, aufgrund einer unvorhersehbaren Situation in jedem Alter eintreten. Daher muss ich mit einer solchen Versicherung nicht warten, bis ich alt bin.

Als Beispiel einmal die monatlichen Beiträge in einem unserer Tarife im Überblick:

Abschluss der Pflegezusatzversicherung ab Geburt ab dem 25. Lebensjahr ab dem 50. Lebensjahr
Pflegemonatsgeld 500,00 Euro 500,00 Euro 500,00 Euro
Monatlicher Beitrag 4,60 Euro 13,85 Euro 41,10 Euro

Welche Bereiche sollte eine Pflegezusatzversicherung abdecken?

Eine Pflegezusatzversicherung sollte sowohl den häuslichen Bereich als auch den stationären Bereich, das Pflegeheim, abdecken. Zudem sollte eine Pflegezusatzversicherung monatlich ein vereinbartes Budget x zur freien Verfügung stellen. Das heißt: Wenn Sie vereinbart haben, dass Sie im Pflegefall monatlich den Betrag x erhalten, sollten Sie diesen Betrag frei verwenden können, so wie Sie ihn für sich benötigen oder wie es Ihnen hilfreich erscheint.

Es hat einfach nicht jeder die Möglichkeit, sich nur zuhause pflegen zu lassen, sei es aufgrund der Wohnsituation oder aufgrund der familiären Verhältnisse. Dann hilft Ihnen die Flexibilität, den Betrag auch für die stationäre Pflege im Pflegeheim zu nutzen.

Das heißt, bei den meisten Versicherungen muss ich mich entscheiden, ob die Versicherung im Pflegefall nur für den ambulanten oder den stationären Bereich greift?

Genau, das ist bei manchen Versicherungen so. Wir von der Barmenia bieten zum Beispiel die Lösung an, dass ich mich als Versicherungsnehmer für ein monatliches Budget entscheide, das im Pflegefall ausgezahlt wird und das ich zur freien Verfügung habe. Ich bekomme es ausgezahlt und kann es entweder für die ambulante Pflege oder zur Bezahlung des Eigenanteils in einem Pflegeheim nutzen.

Eine gute Pflegezusatzversicherung sollte ab Pflegegrad 1 einspringen und die Leistungen sowohl für die ambulante als auch stationäre Versorgung auszahlen.
Bianca Berthold

Ich finde diese Flexibilität sollte jeder für sich selbst haben. Oder, wenn ich selbst nicht mehr entscheiden kann, sollten diese Entscheidungsfreiheit meine Angehörigen oder mein Betreuer haben.

Ältere Pflegeergänzungsversicherungen haben noch die Klausel in den Verträgen drin, dass sie nur im Falle der häuslichen Pflege oder nur im Falle der stationären Pflege greifen. Dann kann eine Pflegezusatzversicherung unter Umständen nutzlos sein.

Woran erkenne ich eine gute Pflegezusatzversicherung?

Eine gute Pflegezusatzversicherung erkenne ich immer daran, dass

  • Leistungen bereits ab Pflegegrad 1 zur Verfügung gestellt werden.
  • ich eine flexible Handhabung der Leistungen habe, wie eben bereits gesagt. Dass ich also mein Budget sowohl für die stationäre als auch die ambulante Versorgung nutzen kann.
  • in der Pflegezusatzversicherung auch sog. Assistance-Leistungen enthalten sind. Das heißt, dass Versicherungsunternehmen im plötzlichen Pflegefall z. B. auch einen Pflegedienst vermittelt oder bei der Suche nach einem Pflegeheimplatz hilft. Es hilft Familien und Pflegebedürftigen selbst, wenn sie sich in dem Falle nicht um alles alleine kümmern müssen, weil sie in dem Moment ohnehin völlig überrannt sind. Und dann ist es ganz schön, wenn ich noch die Möglichkeit habe, eine Assistance in Anspruch zu nehmen.

Und woran erkenne ich hingegen eine schlechte Pflegezusatzversicherung?

Ich finde, eine Pflegezusatzversicherung ist dann schlecht,

  • wenn Leistungen erst ab Pflegegrad 3, Pflegegrad 4 oder Pflegegrad 5 zur Verfügung gestellt werden. Weil der Bedarf besteht auch schon ab dem ersten Pflegegrad.
  • wenn man einen festen Leistungsbereich hat. Also wenn die Versicherung wie gesagt nur für die häusliche Pflege oder nur fürs Pflegeheim greift und mir dadurch einfach die komplette Flexibilität fehlt.
  • wenn die Pflegezusatzversicherung nur für Deutschland gilt. Diesen Aspekt finde ich heute nicht unerheblich. Sowohl in jungen Jahren durch Studium und Beruf oder auch im Alter spielt das Ausland eine immer größere Rolle. Viele ältere Menschen gehen im Alter ja auch ins Ausland, weil die Pflege dort günstiger und umfangreicher ist. Eine Pflegezusatzversicherung sollte dann auch für das Ausland greifen und die zugesprochene Unterstützung leisten. Es gibt Pflegezusatzversicherungen, die das Ausland, und gerade das außereuropäische Ausland, nicht mit enthalten haben. Und das ist in der heutigen Zeit wichtig. Daher sollte man vor Abschluss auf diese Klausel achten.

Kommen wir kurz zu den unterschiedlichen Begrifflichkeiten rund um die Pflegeversicherung. Wir merken im Austausch mit Pflegebedürftigen und deren Angehörigen immer wieder, dass viele unterschiedliche Begriffe für eine private Pflegezusatzversicherung kursieren. Viele nennen es nur „Pflegezusatzversicherung“, andere „Private Pflegeversicherung“ oder „Zusatzversicherung für die Pflege“.

Es gibt die Pflegepflichtversicherungen, die jeder hat und die verpflichtend für alle sind. Dabei unterscheidet man zwischen der gesetzlichen bzw. sozialen Pflegepflichtversicherung (SPV) und privaten Pflegepflichtversicherungen (PPV).

Eine private Pflegezusatzversicherung ist hingegen eine Ergänzungsversicherung, die ich freiwillig für mich abschließe, wo ich mich ergänzend zur Pflegepflichtversicherung absichere. Diese Zusatzversicherung heißt „Pflegezusatzversicherung“ und ist immer privat.

Angenommen ich werde zum Pflegefall. Wo springt eine Pflegezusatzversicherung ein? Welche Leistungen deckt die gesetzliche Versicherung ab und wo bleibt eine Lücke, die die private Pflegezusatzversicherung schließen kann?

Als Versicherungsnehmer entscheidet man sich zum Abschluss des Vertrags immer für einen Betrag x, der im Versicherungsfall (bei Eintritt der Pflegebedürftigkeit) monatlich ausbezahlt wird. Bei einem unserer Tarife, z. B. dem Tarif Pflege100, bekomme ich diesen monatlichen Betrag ab Pflegegrad 1 ausbezahlt.

Tritt dann der Pflegefall ein und muss ich versorgt werden, entstehen je nach Art und Umfang meiner Versorgung Kosten, die zum Teil durch die gesetzliche oder private Pflegepflichtversicherung gedeckt werden. Dann kommt der Anteil einer Pflegezusatzversicherung in Höhe x hinzu und der Rest bleibt mein Eigenanteil, den ich tragen muss.

Ein Beispiel: Wir nehmen einen Versicherten im Pflegegrad 4, der im Pflegeheim lebt, weil er nicht mehr zuhause gepflegt werden kann. Für die stationäre Pflege entstehen Kosten von 3.748,66 Euro pro Monat. Die Pflegepflichtversicherung – egal ob sozial oder privat – zahlt bei Pflegegrad 4 1.775 Euro pro Monat. Damit bleibt eine Versorgungslücke von 1.973,66 Euro, die der Versicherte jeden Monat selbst finanzieren muss.

Natürlich gibt es dann noch Sozialämter, aber auf die hat man nicht immer Anspruch, wenn man noch etwas Kapital auf dem Konto hat oder vielleicht eine Immobilie besitzt. Wenn ich jetzt aber mit meiner Pflegezusatzversicherung z. B. eine monatliche Leistung von 1.000 Euro vereinbart habe, muss ich in obigem Beispiel nur noch 973,66 Euro selbst bezahlen und das ist ein ganz anderer Beitrag als die 1.973,66 Euro.

Das heißt: Wie groß bleibt die Lücke zwischen gesetzlicher oder privater Pflegepflichtversicherung und meinem Eigenanteil?

Ich habe im Pflegefall fast IMMER einen Eigenanteil, den ich aus eigener Tasche finanzieren muss.
Bianca Berthold

Die wenigsten Pflege-Einrichtungen und ambulanten Dienste berechnen nur den Betrag, den die Pflegepflichtversicherung zur Verfügung stellt. Ich habe fast IMMER einen Eigenanteil, den ich aus eigener Tasche finanzieren muss. Sowohl in der stationären Pflege im Pflegeheim als auch bei der ambulanten Pflege zuhause.

Sie hatten eben erklärt, dass es bei der Pflegezusatzversicherung der Barmenia einen vereinbarten Geldbetrag gibt, der monatlich ausbezahlt wird und zur freien Verfügung steht. Wie ist das bei anderen Versicherungen? Welche Modelle haben sich da etabliert?

Also es gibt neben der monatlichen Geldleistung zum Beispiel auch das Pflegetagegeld. Da wird jeden Tag ein Betrag x ausbezahlt. Von dem ist man aber mittlerweile ab, weil man doch mehr auf das monatliche Budget geht. Diese beiden Varianten gibt es.

Also lege ich auch bei anderen Versicherungsanbietern immer Budget x fest, das ich im Versicherungsfall tage- oder monateweise ausbezahlt bekomme?

Genau, so ist es.

Wie dramatisch schätzen Sie die Situation um diese Pflegelücke ein? Das Geld aus der Pflichtversicherung reicht nicht aus, in vielen Fällen bleibt eine große finanzielle Lücke zurück. Wie viele Menschen kümmern sich um eine solche Zusatzversicherung, die diese Lücke schließt?

Stand heute haben sich bisher viel zu wenige Menschen darum gekümmert und vielen ist es auch einfach, glaube ich, nicht bewusst, welche Beträge da im Fall der Pflege einmal auf sie zukommen werden.

Es kann uns alle treffen! Wir wollen das alle nicht, aber passieren kann es bei jedem. Und viel zu viele haben diese Versorgungslücke für sich privat noch nicht abgedeckt.
Bianca Berthold

Fast jeder denkt „Das wird mir nicht passieren“. Und oftmals wird man wachgerüttelt, wenn dann im Familien-, Freundes- oder Bekanntenkreis so etwas passiert. Das will man häufig aber halt nicht wahrhaben. Es geht um Krankheiten, es geht um schwerwiegende Krankheiten. „So etwas passiert uns doch allen nicht“ – ein Gedanke, den viele von uns haben. Das schiebt man gerne von sich weg.

Und das merkt man auch, wenn wir mit Angehörigen von Pflegebedürftigen telefonieren. Die sagen dann auch „Ja, das ist jetzt meiner Mutter passiert. Aber mir selber passiert sowas nicht.“ Und doch! Es kann uns alle treffen! Wir wollen das alle nicht, aber passieren kann es bei jedem. Und von daher haben viel zu viele diese Versorgungslücke für sich privat noch nicht abgedeckt.

Das heißt, man müsste die Gesellschaft noch mehr dafür sensibilisieren, wachrütteln und auf diese Lücke aufmerksam machen?

Ja, unbedingt sollte man die Gesellschaft dahingehend wachrütteln.

Wenn ich jetzt einen Unfall habe oder krank werde, dann kann ich aufgrund einer Krankheit oder aufgrund eines Unfalls ein Pflegefall werden. Dieser Gedanke ist nicht schön, aber nicht total unrealistisch, daher sollte man das nicht vor sich her oder von sich wegschieben.

Sehen Sie auch den Staat und soziale Einrichtungen in der Pflicht, noch mehr von staatlicher Seite für diese finanzielle Pflegelücke zu entwickeln? Altersarmut ist ja auch ein großes Thema. Was machen wir mit unseren Mitbürgern, die sich die eigene Pflege schlichtweg nicht leisten können?

Es sollte mehr in Zahlen dargestellt werden, was Pflege kostet und welche Lücke auf Versicherte zukommt. Die Leute müssen das Schwarz auf Weiß sehen!
Bianca Berthold

Ja. Ich finde, dass es in Deutschland noch viel Potential zur Aufklärung gibt. Es ist einfach nicht jedem Bürger bewusst, welche Kosten auf ihn zukommen, wenn er denn mal zum Pflegefall wird. Das müssen wir ändern und auch der Staat muss sich diesem Problem mehr annehmen. Wir sollten auch mehr über Beträge sprechen. Also dass mal in Zahlen dargestellt wird, was Pflege kostet und welche Lücke für mich als Versicherten entsteht. Die Leute müssen das Schwarz auf Weiß sehen! Dann können sie sich selbst überlegen „Oh, vielleicht sollte ich das machen“ oder „Ach, ich hab so viel Geld auf der Seite, ich brauche so etwas nicht“ – solche Menschen soll es ja auch geben (lacht).

Kann man eine Pflegezusatzversicherung auch wechseln?

Natürlich. Wenn ich innerhalb einer Versicherung den Tarif ändern möchte, habe ich als Versicherungsnehmer ein sog. Umstellungsrecht, ggf. müssen da noch ein paar Prüfungen durchgeführt werden wie z. B. eine neue Gesundheitsprüfung.

Wenn ich in ein anderes Versicherungsunternehmen wechseln möchte, kann ich die Pflegezusatzversicherung ganz normal zu den regulären Kündigungsfristen kündigen. Im neuen Unternehmen wird dann noch einmal eine Gesundheitsprüfung durchgeführt – je nach Tarif und je nach Höhe der Leistungen.

Also ist auch das kein Grund, sich aus Angst vor der lebenslangen Bindung an Anbieter X, keine Pflegezusatzversicherung abzuschließen?

Genau. Alles ist besser als nichts zu machen!

Keiner von uns weiß, was uns ereilt, dass wir ein Pflegefall werden. Wir wollen alle nicht, aber wir wissen es halt nicht.

Welche(n) Tipp(s) würden Sie pflege.de-Lesern gerne mit auf den Weg geben?

Es hilft ein ganz einfaches Gedankenexperiment, um für sich herauszufinden, ob Sie eine Pflegezusatzversicherung brauchen oder nicht. Überlegen Sie für sich: Kann ich mir heute vorstellen, dass ich in x Jahren einen Eigenanteil für meine Pflege von x Euro selbst aufbringen kann?

Setzen Sie sich mit dem Thema auseinander, informieren Sie sich und machen Sie sich bewusst, was die Pflege kostet!
Bianca Berthold

Oder was ist, wenn meinem Kind heute etwas passiert und es mit 4 oder 5 Jahren ein Pflegefall wird? Kann ich das finanzieren? Möchte ich, dass mein Sohn/meine Tochter später einmal jeden Monat schon 1.000 Euro oder mehr von seinem/ihrem Gehalt für meine Pflege aufbringen muss?

Wenn Sie eine oder mehrere Fragen mit „Nein“ beantworten, ist dies ein Indiz für eine Pflegezusatzversicherung und das Zeichen, dass Sie etwas tun müssen, damit Sie auch in späteren Jahren noch die bestmögliche Versorgung für sich herausholen und das finanziert kriegen.

Setzen Sie sich also einmal mit dem Thema der Pflegevorsorge auseinander, informieren Sie sich und machen Sie sich bewusst, was die Pflege kostet!

Vielen Dank für das Interview, Frau Berthold!

Erstelldatum: .13.508102|Zuletzt geändert: .82.509102
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