Thrombophlebitis: Definition
Eine Thrombophlebitis ist eine Venenentzündung direkt unter der Haut, die durch ein Blutgerinnsel (Thrombus) verursacht wird. Die Erkrankung ist auch unter dem Namen oberflächliche Venenthrombose, kurz OVT, bekannt. Betroffen sind, wie es der Name verrät, oberflächliche Venen in Beinen und Armen.(1)(2)
Unterschied zwischen der oberflächlichen und tiefen Venenthrombose
Eine oberflächliche Venenthrombose (Thrombophlebitis) geht mit einer plötzlichen beziehungsweise akuten Entzündung einher, durch die sich das Blutgerinnsel fest an die Venenwand anheftet.
Bei der tiefen Venenthrombose (Phlebothrombose) entsteht dagegen nur eine leichte Entzündung. Hier besteht die Gefahr, dass ein Blutgerinnsel sich ablöst und zum Beispiel in die Lunge wandert, wo es eine lebensbedrohliche Lungenembolie auslösen kann.
Thrombophlebitis: Ursachen
Es gibt verschiedene Ursachen für eine oberflächliche Venenthrombose:(2)
- Krampfadern: Krampfadern verlangsamen den Blutstrom, sodass es leichter zu Verklumpungen des Blutes (Thromben) und in der Folge zu Entzündungen kommen kann.
- Einschnürungen: Langes Sitzen, enge Kleidung oder das Übereinanderschlagen der Beine über längere Zeit, drücken die Venen zusammen. Die Folge ist, dass die Gefäßwand gereizt und der Blutfluss verlangsamt wird. So erhöht sich das Risiko einer Thrombophlebitis.
- Gerinnungsstörungen: Eine Gerinnungsstörung ist oft erblich bedingt. Sie wird zum Beispiel durch Autoimmun- oder Krebserkrankungen hervorgerufen.
- Verletzungen: Das Anlegen einer Infusionsnadel oder andere Venenverletzungen machen den Weg frei für Keime. In der Folge kann es zu Entzündungen kommen, die dann eine oberflächliche Venenthrombose auslösen. Vor allem Verweilkanülen können für derartige Infektionen sorgen.
Für eine Thrombophlebitis am Bein sind in den meisten Fällen Krampfadern verantwortlich.
An einer Thrombose im Arm sind dagegen häufig Verletzungen, vor allem von Verweilkanülen, Schuld.
Thrombophlebitis: Risikofaktoren
Es gibt bestimmte Faktoren, die das Risiko für eine oberflächliche Venenthrombose erhöhen können. Sogenannte Risikofaktoren für eine OVT sind:
- Flüssigkeitsmangel
- Langes Stehen oder Sitzen
- Bewegungsmangel
- Bereits erlittene Venenentzündungen oder -thrombosen
- Große (orthopädische) Operationen
- Krampfadern
- Lebensalter über 50 Jahre
- Verletzungen der Venen (etwa durch Verweilkanülen)
- Erkrankungen wie zum Beispiel eine Herzschwäche
- Infektionskrankheiten (zum Beispiel Lyme-Borreliose)
Diese Risikofaktoren müssen nicht unbedingt zu einer Thrombophlebitis führen. Trotzdem können Sie aktiv einigen von ihnen schon frühzeitig entgegenwirken. Indem Sie zum Beispiel ausreichend trinken, langes Sitzen mit verschränkten Beinen vermeiden und sich regelmäßig bewegen, verringern Sie aktiv Ihr Thromboserisiko.
Aber auch von den nicht beeinflussbaren Risikofaktoren zu wissen, wie etwa Krampfadern oder bestimmte Erkrankungen, kann Ihnen helfen. Denn wenn Sie Ihr Risiko kennen, können Sie bei ersten Krankheitsanzeichen einer Thrombose schneller reagieren.
Thrombophlebitis: Symptome
In den meisten Fällen entstehen oberflächliche Thrombosen im Bein oder Arm.
Typische Symptome einer Thrombophlebitis sind:(1)(2)
- Die betroffene Stelle schwillt an und verfärbt sich rötlich.
- Der Venenabschnitt wird als geschwollener Strang sichtbar.
- Gleichzeitig ist eine Verhärtung tastbar.
- Die Haut fühlt sich warm oder heiß an.
- Leichter Druck oder die Anspannung der umliegenden Muskeln verursachen stechende, brennende Schmerzen.
In der Regel verschwinden die OVT-Symptome in den Extremitäten innerhalb weniger Tage. Manchmal nehmen sie sogar von allein ab. Ist dies allerdings nicht der Fall und bleibt die OVT unbehandelt, kann es zu Komplikationen kommen.
Thrombophlebitis: Komplikationen
Eine oberflächliche Venenthrombose kann verschiedene Komplikationen verursachen. Dies sind zusätzliche Probleme, die den Verlauf schwieriger oder gefährlicher als ursprünglich erwartet machen.
Eine ernste Gefahr ist, dass sich das Blutgerinnsel von der oberflächlichen Vene auf die tiefen Venen ausbreitet. Dadurch kann eine tiefe Venenthrombose entstehen. Besonders gefährlich ist dies, wenn das Gerinnsel nahe an den Übergängen zu den tiefen Venen liegt. Aus einer tiefen Venenthrombose kann sich eine lebensbedrohliche Lungenembolie entwickeln, wenn sich Teile des Gerinnsels lösen und in die Lunge gelangen.
Außerdem kann sich die betroffene Vene entzünden und dauerhaft geschädigt werden. In manchen Fällen bleiben Hautveränderungen wie Verfärbungen zurück. Gelangen Bakterien in die Vene, kann es zu einer schweren Infektion kommen, im ungünstigsten Fall sogar zu einer Blutvergiftung.
Langfristig können wiederholte Thrombosen zu chronischen Venenproblemen führen, zum Beispiel zu Schwellungen, Hautveränderungen oder offenen Beinen. Zudem haben Betroffene ein erhöhtes Risiko für erneute Thrombosen, weshalb eine sorgfältige Behandlung und Abklärung wichtig ist.
Thrombophlebitis: Diagnose
Die Diagnostik beginnt mit einem Anamnese-Gespräch mit dem Arzt über die Krankengeschichte, Risikofaktoren und Beschwerden des Patienten.
In der darauffolgenden körperlichen Untersuchung kann das Ärzteteam eine OVT in der Regel auf den ersten Blick erkennen, da die Körperstelle meist gerötet ist und sich ein verhärteter Venenstrang zeigt.
Bildgebende Verfahren und Labortests
Ein Ultraschall zeigt dann, ob tatsächlich ein Blutgerinnsel und eine nicht-infektiöse Entzündung im Gewebe vorliegt. Um eine tiefe Venenthrombose auszuschließen, weitet das Ärzteteam die Ultraschalluntersuchung auch auf die tiefer gelegenen Venen aus.
Um zu klären, ob eine schwerwiegende Erkrankung Auslöser für die Thrombophlebitis ist, können weitere Untersuchungen folgen. Dann kommen beispielsweise eine Computertomografie (CT) oder eine Blutuntersuchung hinzu.(2)
Thrombophlebitis: Therapie
Eine zügige Behandlung der Thrombophlebitis soll verhindern, dass sich daraus eine tiefe Venenthrombose entwickelt. Diese Art der Thrombose kann nämlich schwerwiegende Folgen haben.
Grundsätzlich richtet sich die Thrombophlebitis-Therapie danach, wo sie in welcher Form auftritt und wie stark sie ausgeprägt ist.
Es kommen folgende Therapie-Maßnahmen zum Einsatz:(2)
- Kühlen der betroffenen Stelle: Hier werden zum Beispiel kühle Kompressen direkt auf das betroffene Hautareal gelegt.
- Kompressionstherapie: Kompressionsstümpfe oder -verbände unterstützen das erkrankte Venensystem. Durch den Druck von außen wird der Rückfluss des Bluts Richtung Herz gefördert. Die Kompressionstherapie kann gleichzeitig eine tiefe Venenthrombose verhindern.
- Bewegung: Grundsätzlich wird eine oberflächliche Bein- oder Armvenenthrombose nicht durch Ruhe kuriert, sondern durch gezielte und angepasste Bewegung. Denn die Muskelbewegung sorgt für einen besseren Blutfluss. Dem gelegentlichen Hochlagern der betroffenen Extremität spricht allerdings nichts entgegen.
In einigen Fällen greifen Ärzteteams auch zu einer radikaleren Thrombophlebitis-Therapie: Sie entfernen das Gerinnsel operativ unter örtlicher Betäubung.
Medikamentöse Thrombophlebitis-Behandlung
Meist reichen Kühlen, Kompression und Bewegung aus, um eine OVT zu behandeln. Doch manchmal müssen zusätzlich Medikamente eingenommen werden.
So können die Einnahme von schmerzlindernden und antientzündlichen Medikamenten Beschwerden lindern. Bei einer sehr großflächigen Thrombophlebitis werden außerdem Heparin oder andere Blutgerinnungshemmer verordnet, um die Blutgerinnung zu vermindern.(2)
Risikofaktoren minimieren
Sind Krampfadern der Grund für eine Thrombophlebitis? Dann sollten Sie Ihre Krampfadern behandeln lassen, sobald die OVT abgeklungen ist. Damit senken Sie das Risiko einer erneuten Venenthrombose.
Außerdem ist es sinnvoll, sich mit Maßnahmen der Thromboseprophylaxe auseinanderzusetzen. Das gilt insbesondere, wenn Sie ein erhöhtes Thrombose-Risiko haben oder zuhause eine Person pflegen, die zu Thrombosen neigt. In einem Pflegekurs können Sie sich das nötige Grundwissen aneignen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist eine Thrombophlebitis?
Als Thrombophlebitis bezeichnen Mediziner die Entzündung einer oberflächlichen Vene, die durch ein Blutgerinnsel in dem betroffenen Blutgefäß ausgelöst wurde. Die Thrombophlebitis ist auch unter dem Begriff Oberflächliche Venenthrombose (kurz: OVT) bekannt. Sie kann grundsätzlich überall im Venensystem auftreten, kommt aber in den meisten Fällen in den Beinen und manchmal auch in den Armen vor.
Wie bekommt man eine Thrombophlebitis?
Der Hauptgrund für eine oberflächliche Venenthrombose sind Krampfadern. Aber auch häufiges Einschnüren der Venen, etwa durch Sitzen mit übereinandergeschlagenen Beinen, begünstigen eine Thrombophlebitis. Außerdem können Gerinnungsstörungen und Venenverletzungen zu einer oberflächliche Venenthrombose führen.
Was ist der Unterschied zwischen einer oberflächlichen und tiefen Venenthrombose?
Je nachdem, wo der Thrombus im Venensystem des Körpers sitzt, unterscheiden Mediziner zwischen einer oberflächliche Venenthrombose (OVT) oder Thrombophlebitis und einer tiefen Venenthrombose (TVT) oder Phlebothrombose. Sie unterscheiden sich grundsätzlich in den Ursachen, ihrem Verlauf und der Behandlung.
Ist eine Thrombophlebitis lebensgefährlich?
Eine oberflächliche Venenthrombose bildet sich in der Regel ohne Komplikationen wieder vollständig zurück, sofern sie frühzeitig behandelt wird. Daher sollten Betroffene bei einem Verdacht zeitnah ihren Arzt aufsuchen. Wird eine Thrombophlebitis nicht rechtzeitig behandelt, kann aus ihr eine tiefe Venenthrombose entstehen. Diese kann in der Tat lebensgefährlich werden, wenn sie etwa schlimmstenfalls zu einer Lungenembolie führt.

