Pneumonieprophylaxe: Definition
Die Pneumonieprophylaxe soll einer Lungenentzündung (Pneumonie) vorbeugen. Dazu werden verschiedene pflegerische Maßnahmen eingesetzt, die beispielsweise dafür sorgen, dass die Lunge gut belüftet wird oder Sekretstau und Infektionen vermieden werden.
Pneumonieprophylaxe: Für wen ist sie geeignet?
Jeder Mensch kann an einer Lungenentzündung erkranken. Doch besonders gefährdet sind ältere und pflegebedürftige Personen sowie Menschen mit einem geschwächten Immunsystem.(1)
Entsprechend ist eine Pneumonieprophylaxe für folgende Personengruppen besonders wichtig:
- Bettlägerige Menschen
- Menschen mit einer Herzerkrankung
- Personen mit eingeschränkter Motorik aufgrund von Demenz, Parkinson, Multipler Sklerose oder Ähnlichem
- Immungeschwächte Menschen, beispielsweise wegen einer Krebstherapie oder Mangelernährung
- Menschen mit einer Schluckstörung (Dysphagie)
- Patienten mit Schonatmung (etwa nach einer Operation, schmerzbedingt oder wegen eines schlechten Allgemeinzustands)
- Patienten mit Atemstörungen (zum Beispiel aufgrund von Asthma, Mukoviszidose oder COPD)
- Patienten mit einer Beeinträchtigung der oberen Atemwege, etwa nach einem Schlaganfall
- Beatmete Patienten
Warum ist Pneumonie für Senioren so gefährlich?
Ab dem 60. Lebensjahr steigt nicht nur das Risiko für eine Lungenentzündung, sie verläuft auch häufiger tödlich.
Ein schwächeres Immunsystem, nachlassende Abwehrfunktionen der Atemwege und eine sich verändernde Lungenstruktur macht ältere Menschen anfälliger für schwere Infektionen.
Hinzu kommen chronische Vorerkrankungen, Schluckbeschwerden und eine erhöhte Anfälligkeit für Aspiration, also die Gefahr, Essensreste oder Speichel einzuatmen. Das alles kann die Ausbreitung von Krankheitserregern begünstigen.
Ein weiteres Problem ist, dass die Symptome oft nicht eindeutig sind. Statt Fieber und Husten sind viele Senioren oder Menschen mit mehreren chronischen Erkrankungen gleichzeitig mit Pneumonie eher verwirrt und haben Durchfall, was zunächst eine andere Erkrankung vermuten lässt.
Pflegestandard zur Pneumonieprophylaxe
Weil pflegebedürftige und ältere Menschen besonders gefährdet sind, an einer Lungenentzündung zu erkranken, zählt die Pneumonieprophylaxe zu den gängigen Prophylaxen in der Pflege.
Schließlich sind in Pflegeeinrichtungen Notrufe wegen Pneumonien der zweithäufigste Grund für ärztliche Einsätze.(1)
Werden die eine Lungenentzündung vorbeugenden Maßnahmen konsequent durchgeführt, kann das Risiko einer Pneumonie deutlich sinken.
Pneumonieprophylaxe: Ziele
Das Hauptziel der Pneumonieprophylaxe ist es, eine Lungenentzündung zu vermeiden. Um das zu erreichen, müssen folgende Punkte in der Pflegeplanung berücksichtigt werden:(1)
- Für eine gute Belüftung der Lunge sorgen.
- Eine Ansteckung vermeiden.
- Sekret aus den Atemwegen mobilisieren und abtransportieren (Sekretmanagement).
- Eine Aspiration (Verschlucken) verhindern.
Pneumonieprophylaxe: Maßnahmen in der Pflege
Es gibt verschiedene Maßnahmen, die pflegebedürftige und ältere Menschen vor einer Lungenentzündung schützen können. Sie folgen dem sogenannten LISA-plus-Prinzip:(1)
- L steht für „Lungenbelüftung“
- I steht für „Infektion vermeiden“
- S steht für „Sekretmanagement“
- A steht für „Aspiration vermeiden“
- Plus steht für ergänzende medizinische Maßnahmen
Lungenbelüftung
Eine starke Lunge schützt vor einem schweren Verlauf der Lungenentzündung. Deshalb ist ein wichtiger Bestandteil der Pneumonieprophylaxe die sogenannte Lungenbelüftung.
Um diese zu fördern, setzen Pflegeexperten auf drei Aspekte:
- Mobilisation
- Atemübungen
- Spezielle Positionierungstechniken
Mobilisation
Regelmäßige Bewegung fördert die Lungenfunktion. Deshalb ist es wichtig, in seinen Alltag kleine Bewegungseinheiten wie etwa Treppensteigen oder Spaziergänge – möglichst an der frischen Luft – einzubauen.
Doch auch bettlägerige Patienten sollten so häufig wie möglich mobilisiert werden. Das können je nach Möglichkeiten zum Beispiel das Sitzen auf der Bettkante oder sogar das Aufstehen und Gehen sein.
Einfache Übungen wie das Strecken der Arme nach oben oder zur Seite, kombiniert mit bewusstem Ein- und Ausatmen, regen darüber hinaus die Atmung an.
Integrieren Sie die Mobilisation in den Tagesplan. Zum Beispiel direkt vor der Morgenpflege oder vor dem Frühstück. Schon ein kurzes Aufsetzen im Bett oder kurze Gehversuche reduzieren das Pneumonierisiko deutlich.

Atemübungen
Spezielle Atemtechniken helfen, das Lungenvolumen zu trainieren und festsitzendes Sekret zu lösen. Das kann beispielsweise das bewusste, tiefe Atmen in den Bauchraum sein. Diese Übung bezieht das Zwerchfell mit ein und steigert so die Lungenaktivität.
Die dosierte Lippenbremse hilft dagegen, die Bronchien bei der Ausatmung zu stabilisieren und sie geweitet zu halten. Legen Sie dafür die Lippen entspannt aufeinander, atmen Sie durch die Nase ein und langsam durch die locker geschlossenen oder gespitzten, „gebremsten“ Lippen wieder aus.(3)
Atemübungen können auch Spaß machen: Singen, Lachen oder das Pusten eines Wattebausches beziehungsweise Luftballons über einen Tisch führen dazu, dass der Mensch kräftig ausatmet und in der Folge auch tiefer einatmet.
Positionierungstechniken
Für bettlägerige Patienten bieten sich spezielle Positionierungstechniken an, die die Atmung erleichtern und die Lungenbelüftung unterstützen.
Mehr über Techniken wie die Oberkörperhochlagerung, VATI-Lagerung, Drehdehnlagerung oder den Kutschersitz lesen Sie in unserem Ratgeber Positionierung & Transfer in der häuslichen Pflege.
Infektion vermeiden
Am besten ist es natürlich, wenn man sich gar nicht erst mit einem Pneumonie-Keim ansteckt. Infektionsprophylaxe ist hier das Stichwort. Konsequente Hygienemaßnahmen sind dabei besonders wichtig.
Außerdem schützt eine gründliche Mundpflege – mindestens zweimal täglich – vor Infektionen. Insbesondere Mundsoor kann unbehandelt eine Lungenentzündung auslösen.
Eine gewissenhafte Nasenpflege gewährleistet dagegen freie Nasenwege und erleichtert den Betroffenen das Atmen.
Achten Sie bei der Infektionsprophylaxe auf eine einwandfreie Hygiene. Dazu zählt neben der Mundhygiene des Patienten auch die Hygiene der pflegenden Person. Das heißt, regelmäßiges Händewaschen mit anschließender Händedesinfektion und gegebenenfalls Mundschutz. Hygieneprodukte wie diese zählen zu den sogenannten Pflegehilfsmitteln zum Verbrauch. Achten Sie außerdem auf saubere Inhalationsgeräte, falls Kochsalzlösung inhaliert wird.

Sekretmanagement
Für eine gute Belüftung der Lunge sollte die Lunge frei von Sekret sein. Doch besonders immobilen Menschen fällt es schwer, das Sekret auszuhusten. Deshalb sieht es die Pneumonieprophylaxe vor, das Sekret möglichst zu verflüssigen, damit es leichter ausgehustet werden kann.
Ausreichend Flüssigkeit – mindestens zwei Liter täglich, je nach individuell empfohlener Trinkmenge – und Inhalationen mit Kochsalzlösung können hier helfen. Ob Wasser, ungesüßter Tee oder Suppen – mit bunten Variationen können Sie die regelmäßige Flüssigkeitsaufnahme abwechslungsreicher gestalten.
Manchmal müssen Pflegebedürftige dann aufgefordert werden, abzuhusten. Einige benötigen dabei Unterstützung.
Mit einer Klopf- oder Vibrationsmassage unterstützen Sie das gezielte Abhusten und können die Durchlüftung der Lunge verbessern. Klopfen Sie dafür die Lungenabschnitte mit Fingerspitzen oder Handkante rhythmisch ab. Je nach Patientenzustand kann dies mehrere Minuten erfolgen.

Kann ein Patient gar nicht mehr eigenständig abhusten, muss das Sekret abgesaugt werden.
Aspiration vermeiden
Viele Lungenentzündungen im Alter sind auf Schluckstörungen zurückzuführen.(1)
Speisereste sowie Speichel – und mit ihnen dann Krankheitserreger – werden versehentlich eingeatmet und gelangen in die Lunge.
Eine Aspirationsprophylaxe, die Maßnahmen wie etwa das richtige Sitzen beim Essen und Trinken beinhaltet, kann dem entgegenwirken.
Ergänzende medizinische Maßnahmen
Einige Medikamente hemmen die Speichelproduktion, sedierende Präparate können dagegen das Schlucken beeinträchtigen.
Bei einer umfassenden Pneumonieprophylaxe gilt es, Substanzen zu vermeiden, die sich negativ auf die Atmungs- und Schluckfunktion auswirken.
Generell sollten Medikamente möglichst minimiert und gut aufeinander abgestimmt werden.
Zu den ergänzenden medizinischen Maßnahmen gehören neben einer Anpassung der Medikation auch regelmäßige Schutzimpfungen. Hier empfehlen Fachleute eine Impfung gegen Grippe sowie ab dem 60. Lebensjahr die Pneumokokken-Impfung sowie die Covid-19-Impfung.
Notfallmaßnahme bei akuter Pneumonie
Eine Lungenentzündung ist für alte und pflegebedürftige Menschen eine ernst zu nehmende Lebensbedrohung, vor allem wenn sie über längere Zeit unentdeckt bleibt.
Doch wird sie rechtzeitig erkannt, kann eine Pneumonie in den meisten Fällen erfolgreich behandelt werden.
Deshalb ist es wichtig bei den ersten Anzeichen einen Arzt hinzuziehen.
Schritt 1: Notruf wählen
Schwere akute Symptome wie starke Atemnot, bläuliche Lippen, starker produktiver Husten, plötzliches hohes Fieber, Schüttelfrost oder Verwirrtheit erfordern den sofortigen Notruf unter der 112.
Schritt 2: Person beruhigen
Bis der notärztliche Dienst eintrifft, sollten Sie die betroffene Person erst einmal beruhigen, da Panik die Atemnot zusätzlich verschlimmern kann.
Schritt 3: Kutschersitz
Außerdem sollten Sie ihr möglichst in eine Haltung helfen, die die Atmung erleichtert, zum Beispiel in den Kutschersitz:
- Der Betroffene sitzt aufrecht auf einem Stuhl oder der Bettkante.
- Die Füße sind vollständig auf dem Boden abgestellt.
- Jetzt den Körper leicht nach vorn neigen.
- Die Unterarme liegen auf den Oberschenkeln oder einer Tischplatte, die Hände hängen locker herab.
Schritt 4: Lippenbremse
Dann leiten Sie den Betroffenen zur Lippenbremse an:
1. Durch die Nase einatmen.
2. Durch die leicht geschlossenen oder gespitzten Lippen langsam und kontrolliert wieder ausatmen.
3. Es hilft, zusätzlich beim Ausatmen einen leichten „pf“-Laut zu erzeugen.
Lockern Sie außerdem zu eng sitzende Kleidung und sorgen Sie möglichst für frische Luft im Zimmer.
Häufig gestellte Fragen
Was ist Pneumonieprophylaxe?
Eine Pneumonieprophylaxe beinhaltet Maßnahmen, um eine Lungenentzündung (Pneumonie) zu verhindern. Vornehmliches Ziel dabei ist, Infektionen der Lunge zu vermeiden. Das ist besonders für Risikogruppen wichtig, wie Senioren, Pflegebedürftige, Menschen mit mehreren chronischen Erkrankungen gleichzeitig oder Menschen mit einem krankheitsbedingten geschwächten Immunsystem.
Was sind die Ziele einer Pneumonieprophylaxe?
Ziel der Pneumonieprophylaxe ist es, einer Lungenentzündung vorzubeugen. Dazu muss die Lunge gut belüftet, eine Ansteckung vermieden, Sekret aus den Atemwegen entfernt und das Einatmen von Speiseresten und Speichel (Aspiration) verhindert werden.
Welche Maßnahmen gehören zur Pneumonieprophylaxe?
Zu einer Pneumonieprophylaxe gehören folgende Maßnahmen nach dem sogenannten Lisa-plus-Prinzip: Lungenbelüftung, Infektionen vermeiden, Sekretmanagement, Aspirationsprophylaxe und ergänzende medizinische Maßnahmen.



