Demenzforschung: Was wird erforscht?
In der Demenzforschung liegt der Fokus vor allem auf der Alzheimer-Krankheit, da sie mit 60 bis 70 Prozent aller Demenz-Fälle die häufigste Demenzform darstellt.
Somit ergeben sich zwei zentrale Forschungsschwerpunkte im Bereich der Demenz:
- Alzheimer-Diagnose: Früherkennung und einfache Diagnose der Krankheit
- Alzheimer-Behandlung: Die Heilung der Krankheit mit Medikamenten oder zumindest die Bekämpfung der Symptome
Alzheimer-Forschung: Aussicht auf Heilung?
Über 100 Jahre sind seit der Entdeckung der Alzheimer-Krankheit vergangen. Seitdem ist die Forschung damit beschäftigt, die Krankheit zu verstehen. Zwar ist Alzheimer derzeit noch nicht heilbar, aber es konnten wichtige Meilensteine in der Forschung verbucht werden.
Wichtige Meilensteine der Alzheimer-Forschung:
- Entdeckung krankmachender Ablagerungen durch bestimmte Proteine im Gehirn (unter anderem Beta-Amyloid-Plaques).
- Verbesserte bildgebende Verfahren, die die krankhaften Veränderungen im Gehirn sichtbar machen (PET-Positronen-Tomografie).
- Durch die Untersuchung des Genmaterials konnten zudem bestimmte genetische Anfälligkeiten festgestellt werden und somit das individuelle Risikoprofil geschärft werden.
- In der jüngsten Vergangenheit wurden Medikamente entwickelt, die das Fortschreiten der Krankheit verzögern sollen.
Kurz gesagt: Die wissenschaftliche „Feinbeobachtung“ findet aus vielen Blickwinkeln statt. Das ist gut, denn erst, wenn die Mechanismen der Krankheit verstanden wurden, können sie gezielt bekämpft werden.
Das kurzfristige Forschungsziel ist es nicht, die Krankheit durch die Erfindung einer „Wunderpille“ zu heilen. Das Etappenziel lautet vielmehr: Alzheimer früher erkennen und besser behandeln.
Erblichkeit und Genetik bei Alzheimer
Ein besonderes Augenmerk wird in der Demenzforschung auf den Einfluss unserer Gene und deren Mutationen gelegt. Bestimmte Gene können die Entstehung von Alzheimer nämlich begünstigen.
Tatsächlich vermuten Forschende, dass das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, höher ist, wenn ein Verwandter ersten Grades erkrankt ist.
Experten gehen davon aus, dass es bei rund 30 Prozent der Alzheimer-Patienten weitere Betroffene in der engeren Verwandtschaft gibt. Genetische Faktoren sind jedoch nur in drei Prozent der Fälle der alleinige Auslöser.(1)
- Für Verwandte ersten Grades (zum Beispiel Kinder oder Geschwister) besteht eine Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent, später an einer Alzheimer-Demenz zu erkranken.
- Für Verwandte zweiten Grades (zum Beispiel Neffen oder Nichten) liegt die Erkrankungs-Wahrscheinlichkeit bei zehn Prozent. Zum Vergleich: In der übrigen Bevölkerung liegt die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer zu erkranken, bei fünf Prozent.
Risiko bei Familiärer Alzheimer-Krankheit (FAD) bei 50 Prozent
Eine Form der Alzheimer-Krankheit ist die Familiäre Alzheimer-Krankheit (FAD), die allerdings nur etwa 5 Prozent aller Fälle umfasst.
Inzwischen sind zumindest drei Gene identifiziert worden, die dazu führen können, dass Menschen bereits im jüngeren Alter (unter 60 Jahren) an Alzheimer erkranken. Bei einer vererbbaren Alzheimer-Demenz weisen diese Gene bestimmte Veränderungen (Mutationen) auf.(2)
Angehörige ersten Grades haben eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit, die Mutation ebenfalls zu tragen und an einer Alzheimer-Demenz zu erkranken.(3)
Welche anderen Demenzformen sind vererbbar?
Demenzielle Veränderungen haben sehr viele unterschiedliche Ursachen. Es gibt viele Demenzformen. Oft liegen auch Mischformen vor. Dies erschwert die Diagnose und Behandlung.
Durch die Erforschung der spezifischen Krankheitsformen können zum Teil sicherere Aussagen zur Wahrscheinlichkeit des Erblichkeitsrisikos gemacht werden.
Frontotemporale Demenz: Vererbungsrisiko gegeben
Bei etwa 15 Prozent aller Demenzformen handelt es sich um eine Frontotemporale Demenz (FTD). Diese Demenzform ist auch als Picksche Krankheit bekannt.
Das Institut für Humangenetik der Universität Bonn schätzt, dass etwas zehn bis 15 Prozent der FTD vererbbar sind. In diesen Fällen wird oft beobachtet, dass mehrere Mitglieder der Familie von der Erkrankung betroffen sind.
Die Symptome einer FTD treten typischerweise im Lebensabschnitt zwischen 50 und 60 Jahren auf.(3)
Vaskuläre Demenz: Prinzipiell nicht vererbbar
Eine vaskuläre Demenz ist die Folge von Beschädigungen an Blutgefäßen im Gehirn. Ursächlich dafür ist in vielen Fällen ein Schlaganfall, Bluthochdruck oder andere Grunderkrankungen wie Diabetes und Herzerkrankungen. Diese können genetische Gründe haben oder die Folge von Umwelteinflüssen wie ungesunder Ernährung oder Rauchen sein.
Es gibt eine genetische Mutation, die das Risiko für eine vaskuläre Demenz stark erhöht. Träger dieser Mutation erkranken mit einer 50 prozentigen Wahrscheinlichkeit an CADASIL, einer erblichen (also genetischen) Störung der Blutgefäße im Gehirn, die zu Schlaganfällen und dem Verlust von Nervenzellen im Gehirn führt.(4)
Lewy-Body-Demenz: Geringes Risiko einer Vererbung
Bislang sind keine Risikofaktoren für eine Lewy-Body-Demenz bekannt. In wenigen Familien wird die Lewy-Body-Demenz allerdings infolge von Veränderungen im Erbgut hervorgerufen. Dabei sind die gleichen Gene betroffen, deren Veränderungen (also Mutationen) auch zur Parkinson-Krankheit führen.(5)
Bewegung ist ein wesentlicher Faktor, um das Risiko für eine Demenz zu verringern. Man kann damit sogar eine erblich bedingte Veranlagung ausgleichen.

Bluttests auf Alzheimer
Die jüngste Alzheimer-Forschung für den Diagnose-Bereich konnte nennenswerte Erfolge verbuchen: Zwei Bluttests zur Alzheimer-Diagnose sind auf dem Weg zur Marktreife beziehungsweise stehen kurz davor:(6)
Der Precivity AD-Bluttest erfasst unter Berücksichtigung des Alters und einer genetischen Komponente das Verhältnis zweier Proteinvarianten von Amyloid-Beta – dem giftigen Protein, das sich bei Alzheimer-Patienten im Gehirn ablagert. Der Test gilt als zuverlässig und übertrifft in seiner Genauigkeit viele bildgebende Verfahren, die die Krankheit oft erst spät erkennen.
Der Elecsys pTau181-Test hat inzwischen ebenfalls eine EU-Zulassung erhalten. Beide Tests werden derzeit in spezialisierten Einrichtungen ergänzend zu etablierten Diagnoseverfahren eingesetzt, stehen jedoch noch nicht flächendeckend zur Verfügung.
Warum ist noch kein flächendeckender Einsatz möglich?
Eine Studie der Universitätsmedizin Halle hat gezeigt, dass die vielversprechendsten Biomarker für Bluttests nicht so krankheitsspezifisch für Alzheimer sind wie ursprünglich angenommen: Auch bei Menschen mit ALS sind diese Werte erhöht.
Für ein verlässliches Screening der Allgemeinbevölkerung müssen demnach noch genauere Tests entwickelt werden. Bluttests sind daher heute ein wertvolles Werkzeug in der Facharztpraxis – aber noch kein Instrument für die Regelversorgung.(7)
Was bringt ein Frühtest, wenn Alzheimer nicht heilbar ist?
Ein früher Testbefund ermöglicht es, die Medikamentengabe rechtzeitiger einzusetzen und denjenigen Entwarnung zu geben, deren Risiko gering ist.
Forschung zur Alzheimer-Behandlung
Die Alzheimer-Demenz kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht geheilt werden. Aber: In der Demenz-Therapie gibt es Maßnahmen, die die Symptome lindern und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen sollen.
Dazu zählen zum Beispiel Gedächtnistraining, die Förderung von sozialen Aktivitäten, die demenzgerechte Raumgestaltung oder Kunsttherapie – und erstmals auch Medikamente, die gezielt in den Krankheitsprozess eingreifen.
Medikamente gegen Alzheimer im Frühstadium
Die Alzheimer-Forschung hat in jüngster Zeit bedeutende Fortschritte erzielt: Erstmals stehen Medikamente zur Verfügung, die nicht nur Symptome lindern, sondern gezielt in den Krankheitsprozess eingreifen: Leqembi und Kisunla.
Leqembi (Lecanemab)
Am 15. April 2025 erhielt das Alzheimer-Medikament Leqembi (Wirkstoff: Lecanemab) die EU-Zulassung. Seit September 2025 steht Lecanemab in Deutschland zur Behandlung einer frühen Alzheimer-Krankheit zur Verfügung.
Das Medikament richtet sich gegen Amyloid-Ablagerungen im Gehirn und kann den Krankheitsverlauf im frühen Stadium verlangsamen – eine Verbesserung oder gar Heilung bringt es jedoch nicht. Außerdem gibt es Hinweise aus Studien, dass die Wirksamkeit bei Männern höher sein könnte als bei Frauen.
Leqembi kommt nur unter bestimmten Voraussetzungen bei Menschen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen oder im Frühstadium der Alzheimer-Demenz in Frage.(8)
Kisunla (Donanemab)
Im September 2025 hat die Europäische Kommission mit Kisunla (Wirkstoff: Donanemab) ein zweites Antikörper-Medikament gegen Alzheimer zugelassen. Seit dem 4. November 2025 ist es auch in Deutschland verfügbar.(10)
Wie Leqembi kann es den Krankheitsverlauf im frühen Stadium verlangsamen, eine Verbesserung oder gar Heilung bringt es jedoch nicht.
Eine Besonderheit von Kisunla ist, dass die Behandlung beendet werden kann, sobald die krankheitsrelevanten Proteinablagerungen weitgehend entfernt sind – anders als bei Leqembi, das als Dauertherapie angelegt ist.
Ein Vorteil gegenüber Leqembi: Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass Kisunla bei Frauen weniger wirksam ist als bei Männern – was für viele Patientinnen eine relevante Perspektive eröffnet.
Allerdings gelten auch für Kisunla strenge Einschränkungen: Nur ein sehr kleiner Kreis von Erkrankten kann von der Behandlung profitieren.(11)
Impfstoffe gegen Alzheimer
In den letzten Jahren haben immer wieder Studien zu neuen Alzheimer-Impfstoffen Aufsehen erregt. Allerdings bislang ohne durchschlagenden Erfolg: Einen wirksamen Impfstoff gegen Alzheimer oder andere Formen von Demenz gibt es bislang nicht.
Wirkstoff Protollin
Der Wirkstoff Protollin ist ein besonders vielversprechender Kandidat. Der Impfstoff, der über die Nase verabreicht wird, soll körpereigene Abwehrkräfte mobilisieren, um gegen Ablagerungen an Nervenzellen vorzugehen.
Eine erste Humanstudie mit 16 Menschen wurde 2021 in den USA gestartet und ist inzwischen abgeschlossen. Die Ergebnisse, die Ende 2025 veröffentlicht wurden, zeigen, dass Protollin gut verträglich ist und tatsächlich das Immunsystem in der gewünschten Weise aktiviert.
Auf dem Weg zur Zulassung müssen nun größere Folgestudien folgen.(12)
Wirkstoff AADvac1
Etwas weiter vorangeschritten ist die Forschung beim Wirkstoff AADvac1. Bei Alzheimer lagern sich im Gehirn bestimmte Eiweiße – sogenannte Tau-Proteine – zu schädlichen Klumpen zusammen, die Nervenzellen zerstören.
AADvac1 soll das Immunsystem trainieren, genau diese Eiweißklumpen anzugreifen und so den Krankheitsverlauf zu bremsen.
In einer größeren Studie mit 196 Patienten zeigte der Impfstoff insgesamt keine deutliche Verbesserung der Beschwerden.
Allerdings gab es eine wichtige Ausnahme: Bei Patienten, bei denen Alzheimer durch Labortests eindeutig nachgewiesen worden war, verlangsamte sich der geistige und körperliche Abbau spürbar. Das ist ein Hinweis darauf, dass der Impfstoff möglicherweise vor allem dann wirkt, wenn er bei den richtigen Patienten eingesetzt wird.
Die Forschung läuft weiter: Aktuell wird AADvac1 in neuen Studien noch früher getestet – also bei Menschen, bei denen Alzheimer gerade erst beginnt oder sich erst ankündigt. Denn je früher man eingreift, desto größer sind die Chancen, den Krankheitsverlauf wirkungsvoll zu verlangsamen.(13)
Häufig gestellte Fragen
Ist Demenz vererbbar?
Grundsätzlich ist das größte Risiko an einer Demenz zu erkranken das Alter. Genetische Faktoren können die Entwicklung von Demenz jedoch begünstigen. Sind Verwandte ersten Grades (Eltern, Geschwister, Kinder) betroffen, erhöht sich das Risiko. Es gibt einige seltene Demenzformen wie die familiäre Alzheimer-Demenz, bei der das Erkrankungsrisiko hoch ist.
Ist Alzheimer heilbar?
Alzheimer ist derzeit nicht heilbar. Da die Erkrankung immer häufiger vorkommt und eine erhebliche Belastung des Gesundheitssektors zu erwarten ist, wird die Krankheit weltweit ambitioniert erforscht. Viele Forschungsinitiativen haben sich die Heilung der Krankheit als Ziel gesetzt.
Gibt es ein Medikament gegen Demenz?
Demenz ist derzeit nicht heilbar. Medikamente wie Antidementiva und nicht-medikamentöse Therapien wie Ergotherapie können das Fortschreiten der Krankheit jedoch verzögern. Es werden weltweit zahlreiche neue Wirkstoffe und Medikamente gegen Demenz in klinischen Studien erprobt.
Ist Leqembi als Medikament gegen Alzheimer zugelassen?
Ja, Leqembi wurde in Deutschland am 15.04.2025 zur medikamentösen Behandlung von Menschen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen und im Frühstadium der Alzheimer-Demenz zugelassen.





