Herzinfarkt: Folgen, Therapie & Reha Behandlung

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Herzinfarkt, Notarzt, Intensivstation – dank schneller Hilfe überleben viele Menschen heute einen Herzinfarkt. Nach einem akuten Infarkt folgt eine Therapie, oft auch eine Reha. Für viele Menschen stellt sich die Frage: Wie lebe ich nach dem Herzinfarkt weiter? pflege.de informiert Sie über Folgen, Therapiemöglichkeiten und Reha-Behandlungen bei Herzinfarkt.

Inhaltsverzeichnis

Ein Herzinfarkt ist ein erschütterndes Ereignis, das einen großen Einschnitt im Leben der Betroffenen bedeutet. Dank guter medizinischer Hilfe sind die Überlebenschancen heute aber sehr hoch. Schon der Notarzt beginnt mit der Behandlung des Herzinfarktes, denn Zeit ist nun kostbar. Je länger die Durchblutung der Herzkranzgefäße gestört ist, umso massiver können die Folgen eines Herzinfarkts sein.
Ob akuter Vorderwand- oder Hinterwandinfarkt: Therapie & Behandlung sind hier dieselben. Der Unterschied besteht auch eher in dem Ort des Geschehens und den unterschiedlichen Symptomen eines Herzinfarkts.

Therapie & Behandlung bei Herzinfarkt

Schon der Notarzt leitet die Behandlung bei einem akuten Herzinfarkt ein. Er wird bei Schmerzen im Brustkorb schmerzlindernde Medikamente geben, um diese zu lindern. Außerdem erfolgt bei einem zu niedrigen Sauerstoffgehalt im Blut die Gabe von Sauerstoff mit einer Nasensonde oder einer Maske.

Medikamentöse Behandlung

  • Blutgefäße erweitern: Auch kann die Gabe von Medikamenten wie Nitroglycerin sinnvoll sein, um die Blutgefäße zu erweitern.
  • Blutgerinnung hemmen: Bei der Therapie kommen oft Arzneimittel wie Acetylsalicylsäure (ASS) zum Einsatz, welche die Blutgerinnung hemmen. Somit soll verhindert werden, dass sich ein weiteres Gerinnsel bildet und in den Herzkranzgefäßen festsetzt.

Die genaue Therapie hängt jedoch von der Erkrankungsgeschichte des Einzelnen ab, wird vom Arzt individuell festgelegt und kann um weitere Medikamente wie z. B. Betablocker ergänzt werden.

Herzinfarkt-Behandlung: Ergreifen Sie diese Sofort-Maßnahmen

Wer die Anzeichen eines Herzinfarkts kennt, kann besonders schnell handeln:

  1. Rufen Sie die 112 an und bitten Sie andere Personen um Hilfe!
  2. Öffnen Sie beengende Kleidung.
  3. Lagern Sie den Oberkörper des Betroffenen hoch.
  4. Beruhigen Sie die Person und lassen Sie sie nicht allein!
  5. Ist die Person bewusstlos und kann auch nicht durch Ansprechen oder Kneifen geweckt werden oder atmet sie nicht? Dann beginnen Sie nach dem Notruf unverzüglich mit der Herzdruckmassage.
  • Legen Sie die bewusstlose Person flach auf den Rücken auf einen möglichst harten Untergrund bzw. eine harte Unterlage und knien Sie sich seitlich neben den Brustkorb.
  • Legen Sie Ihre Handfläche auf den Handrücken Ihrer anderen Hand und verschränken Sie die Finger ineinander. Drücken Sie mit dem Handballen der unteren Hand nun auf die Mitte des Brustkorbs der Person. Wichtig: Seien Sie nicht zu zaghaft! Es ist wichtig, dass Sie 5 bis 6 Zentimeter tief drücken.
  • Drücken Sie nun durch Gewichtsverlagerung mit einer Frequenz von ca. 100 Mal/Minute auf die Mitte des Brustkorbs. Das entspricht dem Refrain des Liedes „Stayin‘ Alive“ von den Bee Gees. Achten Sie dabei darauf den Brustkorb gezielt zu be- und entlasten.
  • Ist ein Defibrillator zur Hand, müssen Sie den Sprachanweisungen des Gerätes einfach folgen.
Info

Herz-Lungen-Wiederbelebung

Das Deutsche Roten Kreuz (DRK) informiert in einer bebilderten Anleitung, wie Sie die Herz-Lungen-Wiederbelebung korrekt durchführen: drk.de/hilfe-in-deutschland/erste-hilfe/herz-lungen-wiederbelebung/

Tipp
Holen Sie sich Hilfe, wenn Sie Wiederbelebungsmaßnahmen durchführen müssen

Haben Sie keine Angst etwas falsch zu machen! Ihr Einsatz kann Leben retten. Bitten Sie in jedem Fall andere Personen um Hilfe. So können Sie sich abwechseln und gegenseitig unterstützen.

Herzinfarkt-Therapie im Krankenhaus

Im Krankenhaus wird die Behandlung des Infarktpatienten weitergeführt. Auch hier sind die Ziele klar definiert:

  1. Schmerzbekämpfung: Gabe von schmerzstillenden Medikamenten, um die Belastung zu reduzieren
  2. Atemerleichterung: bei Bedarf Sauerstoffgabe, um die Luftnot zu bekämpfen
  3. Angstbekämpfung: beruhigende Medikamente, um die Herzbelastung zu senken

Über allem aber stehen die Bemühungen, die verschlossenen Gefäße wieder durchlässig zu machen. Die erste Wahl, um ein verschlossenes Herzkranzgefäß wieder zu öffnen, ist die Behandlung mit einem Herzkatheter. Dieser sehr dünne Kunststoffschlauch wird bis zum Herzen vorgeschoben. Eine örtliche Betäubung der Einstichstelle (zumeist der Leistengegend oder alternativ der Ellenbeuge) macht diese Behandlung für den Betroffenen weitgehend schmerzfrei.

Die Lage des Schlauchs wird während der Untersuchung mit Hilfe eines Röntgengeräts kontrolliert. Anschließend wird i. d. R. ein Kontrastmittel in die Herzkranzgefäße gespritzt, um zu erkennen, wo die Durchblutung verhindert wird. Ist das verschlossene Gefäß gefunden, kann mit dem Herzkatheter direkt die Behandlung beginnen.

Behandlung & Therapie nach Herzinfarkt: Ballondilatation & Stent

  • Ballondilatation nach Herzinfarkt: Von der Einstichstelle wird ein nur wenige Millimeter dicker Ballonkatheter an die Gefäßverengung geschoben. Einmal vor Ort, wird der Ballon kurz und kräftig aufgeblasen. Das verengte Gefäß weitet sich und das Blut kann wieder ungehindert zum Herzen fließen.
  • Stent nach Herzinfarkt: Bei einem Stent wird zunächst die Engstelle im Gefäß aufgeweitet. Um sie weiterhin offen zu halten, wird ein kleines röhrenförmiges Metallgitter eingesetzt (Stent), das an Ort und Stelle verbleibt und verhindern soll, dass sich das Gefäß wieder schließt. Da das Gefäß jedoch auch mit einem Stent oft wieder zuwächst, werden seit einigen Jahren Gefäßstützen eingesetzt, welche lokal und über einen längeren Zeitraum gerinnungshemmende Medikamente abgeben.
  • Lysetherapie: Eine weitere Möglichkeit der Infarktbehandlung ist die Lysetherapie. Sie wird meist eingesetzt, wenn eine Herzkatheteruntersuchung nicht (mehr) möglich ist. Bei dieser Therapie wird ein hochdosiertes gerinnungshemmendes Medikament über die Vene verabreicht, welches die Blutgerinnsel auflösen soll.
Info

Hinweis auf Gerinnungshemmer im Portemonnaie haben

Wer einen Stent bekommen hat, sollte den Hinweis darauf immer im Portemonnaie haben. Denn zur Nachbehandlung einer Stent-Operation gehört die Einnahme von gerinnungshemmenden Mitteln – bei einem Unfall ist es z. B. lebenswichtig, dass die Retter wissen, dass der Verunfallte Gerinnungshemmer einnimmt. Die Deutsche Herzstiftung bietet einen kostenlosen Stentpass an (https://www.herzstiftung.de/Stent-Pass.html).

  • Bypass: Lässt sich die verengte Stelle im Herzkranzgefäß nicht mehr öffnen, kann sie auch umgangen werden. Dazu entnehmen die Ärzte während einer Operation in der Regel eine Beinvene und setzen sie so ein, dass sich ein Umgehungskreislauf um das verengte Gefäß bildet.
Info

Herzschrittmacher mit Herzinfarkt?

Es ist durchaus möglich, mit einem Herzschrittmacher einen Herzinfarkt zu erleiden. Die elektrischen Signale, die der Schrittmacher wahrnimmt, brauchen einen Herzmuskel, der sie umsetzt. Ist aber der Herzmuskel durch einen massiven Infarkt geschädigt, kann er keine Impulse mehr empfangen.

Leichter, stummer Infarkt – Therapie & Behandlung

Bei einem akuten leichten oder stummen Infarkt ist das Ziel von Therapie und Behandlung das gleiche: die Verengung in den Herzkranzgefäßen zu beseitigen, z. B. durch Lysetherapie oder den Herzkatheter.

Das Problem in der Therapie eines leichten oder stummen Infarkts besteht allerdings darin, dass die Betroffenen ihn i. d. R. gar nicht wahrnehmen bzw. zu spät zum Arzt gehen. Dann sind die entscheidenden Stunden, die das Herzmuskelgewebe retten können, bereits vertan.

Oft ist die Diagnose stummer Herzinfarkt auch nur ein Zufallsbefund bei einem EKG, das evtl. Jahre später gemacht wird. Eine Behandlung ist dann nicht mehr möglich. Für die Betroffenen aber ist die Erkenntnis, einen Infarkt gehabt zu haben, dennoch wichtig. Sie können ihren Lebensstil ändern, sich herzgesünder verhalten und damit Ursachen und Risikofaktoren für einen erneuten Infarkt vorbeugen.

Tipp
Lernen Sie mehr über typische Alterskrankheiten

Wissen ist die beste Prävention! Lesen Sie sich schlau und erfahren Sie, wie typische Krankheiten im Alter wie Thrombose, Diabetes oder Schlaganfall entstehen und was Sie für eine gute Prävention tun können.

Herzinfarkt-Folgen und -Komplikationen

Welche Folgen ein Herzinfarkt nach sich zieht, hängt davon ab, wie schnell die Durchblutung des Herzens wiederhergestellt wird. Denn je länger ein Abschnitt der Herzkranzgefäße nicht mit Blut versorgt wird, desto mehr Gewebe stirbt ab. Dies kann langfristige Folgeerkrankungen und Komplikationen mit sich bringen, welche wiederum ärztlich behandelt werden müssen. Hierzu zählen neben Rhythmusstörungen auch die langfristige Schwäche des Herzens. Diese wird als Herzinsuffizienz bezeichnet. Bei einem umgangssprachlich leichten Herzinfarkt muss daher i. d. R. mit weniger einschneidenden Folgen gerechnet werden.

Lebenserwartung nach Herzinfarkt

Wie lange kann man nach einem Herzinfarkt noch leben und mit welchen Einschränkungen muss man rechnen? Die Antwort auf diese Frage fällt höchst unterschiedlich aus und ist abhängig vom Alter des Betroffenen, den weiteren Vorerkrankungen und dem Body-Mass-Index (BMI). Zudem ist entscheidend, wie schnell die Blutversorgung des Herzmuskels wiederhergestellt wurde. Der wichtigste Faktor für das Überleben ist daher, ob die durchgeführte Katheter-Behandlung erfolgreich war.

Schlussendlich ist die Frage nach der Lebenserwartung nicht pauschal zu beantworten. Ein gesunder Lebensstil mit körperlicher Bewegung z. B. in Herzsportgruppen, mit einer ausgewogenen Ernährung sowie eine geringe Stressbelastung wirken sich jedoch in jedem Fall positiv auf die Lebenserwartung aus und können schwerwiegende Folgen eines Herzinfarkts vermeiden.

Reha nach Herzinfarkt

Nach dem Klinikaufenthalt führt der Weg der Patienten in eine Reha-Klinik, wo die körperliche Genesung gefördert wird. Vor allem die Psyche braucht nach einem Herzinfarkt Unterstützung, aber auch ein neuer Lebensstil muss eingeübt werden: mehr Sport, ausgewogene, fett- und salzarme Ernährung und weniger Stress. Das ist für manche Menschen eine große Umstellung, bei der die Reha gut helfen kann.

Wie verändert sich das Leben nach einem Herzinfarkt?

Um einem weiteren Infarkt vorzubeugen, müssen nach einem Herzinfarkt oftmals Medikamente eingenommen werden. Diese Medikamente hemmen die Blutgerinnung, denn ein Herzinfarkt führt durch die eingeschränkte Durchblutung auch manchmal zu einer langfristigen Schädigung des Herzmuskelgewebes.

Tipp
Zwei effektive Präventionsmaßnahmen

Zwei einfache und effektive Präventionsmaßnahmen gegen viele Alterskrankheiten wie Thrombose, Diabetes, Arthritis oder Schlaganfall sind erstens eine gesunde und ausgewogene Ernährung im Alter sowie zweitens regelmäßige Bewegung und Seniorensport.

Das Leben nach einem gut überstandenen Herzinfarkt besteht nicht unbedingt aus Schonung, sondern aus einem individuellem Sporttraining – wer das gemeinsam mit anderen Betroffenen z. B. in einer Herzsportgruppe angeht, hat gute Chancen, sein Herzinfarktrisiko zu senken.

Grad der Behinderung (GdB) nach Herzinfarkt

Bei massiven Einschränkungen durch einen Herzinfarkt besteht dann Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis, wenn der Grad der Behinderung (GdB) mindestens 50 oder mehr beträgt. Gegebenenfalls hat der Betroffene durch seine Einschränkungen in der Selbstständigkeit auch ein Anrecht auf einen Pflegegrad. Jeder Fall wird jedoch individuell geprüft, sodass es keinen einheitlichen GdB oder Pflegegrad nach Herzinfarkt gibt.

Tipp
Nutzen Sie den Pflegegradrechner von pflege.de

Menschen mit körperlicher Einschränkung wissen oft nicht, dass sie einen gesetzlichen Anspruch auf Unterstützung haben. Dazu benötigen sie einen Pflegegrad. Nutzen Sie den kostenfreien Pflegegradrechner von pflege.de und gelangen Sie in nur wenigen Schritten zu Ihrem persönlichen Ergebnis.

Arbeiten nach Herzinfarkt?

Bei der Frage, ob man nach dem Herzinfarkt wieder arbeiten kann, ist entscheidend, wie körperlich belastend sie ist. Dann sollte der Betroffene eher länger mit der Arbeitsaufnahme warten. Bei einem Bürojob kann es sein, dass der Genesene schon nach wenigen Wochen wieder am Platz ist. Doch auch hier gilt: moderat einsteigen, Belastungen langsam steigern, bei Stress rechtzeitig reagieren und Entspannungstechniken anwenden.

Tipp
Nach dem Herzinfarkt: Gehen Sie es gelassen an

Ist der Herzinfarkt gut überstanden, sollten die Betroffenen langsam und gelassen zurück in ihren Alltag gehen. Das wichtigste Wort ist dann „moderat“ – also moderate Belastung, nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig.

Autofahren nach Herzinfarkt?

In der Regel dürfen Menschen mit einem überstandenen und behandelten Herzinfarkt durchaus wieder Autofahren. Manche sofort, andere erst nach einigen Wochen. Darüber entscheidet der behandelnde Arzt.

Sex nach Herzinfarkt?

Ein Herzinfarkt bedeutet nicht, dass Sex von nun an tabu ist. Vorausgesetzt, das Herz arbeitet normal, es tritt also kein Herzrasen auf oder gar Atemnot in Ruhe. In dem Fall sollten Sie das Gespräch mit dem Arzt suchen, um zu klären, ob Sex weiterhin möglich ist. Das gilt auch für den Fall, dass nach einem Herzinfarkt oder durch Medikamente Erektionsstörungen auftreten.

Fliegen nach Herzinfarkt?

Hier kann nur der Arzt weiterhelfen. Er kann gut abschätzen, ob ein Patient wieder ins Flugzeug steigen darf, noch warten sollte oder aber ganz auf Langstreckenflüge verzichten sollte.

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Erstelldatum: 9102.11.81|Zuletzt geändert: 0202.40.1
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