Herzinfarkt: EKG, Test & Diagnose

Herzinfarkt Diagnose

Wenn ein Patient mit der Diagnose Herzinfarkt ins Krankenhaus kommt, ist Schnelligkeit das wichtigste Behandlungskriterium. Doch zunächst muss genau geklärt werden, um welche Art von Herzinfarkt es sich handelt. Dabei können Ärzte einen Herzinfarkt verlässlich diagnostizieren, wenn die Patienten rechtzeitig zu ihnen kommen.

pflege.de erklärt Ihnen in diesem Ratgeber, was es bei der Diagnostik eines Herzinfarkts zu beachten gibt und welche Tests und Methoden zur Verfügung stehen.

Inhaltsverzeichnis

Diagnose: Herzinfarkt

Rechtzeitig ist bei der Herzinfarkt-Diagnose DAS Stichwort: Nach einem Herzinfarkt beziehungsweise im medizinischen Sinne „Myokardinfarkt“ ist der Handlungszeitraum für eine erfolgreiche Behandlung auf nur wenige Stunden begrenzt. Denn verstopfte Gefäße können Ärzte nur bis zu circa 1,5 Stunden nach einem Infarkt wieder öffnen.

Häufig legen die massiven Symptome eines Herzinfarkts wie Schmerzen und Engegefühl in der Brust bereits nahe, dass es sich um einen Herzinfarkt handelt. Aber fast jeder zweite Herzinfarkt verläuft stumm, zeigt also keine klaren Symptome.

 

Diese Informationen braucht der Arzt für die Diagnose Myokardinfarkt

Für eine klare Herzinfarkt-Diagnose brauchen die Ärzte deshalb grundlegende Patienteninformationen:

  1. Wie sieht das Gesamtbild des Patienten aus (sogenannte Anamnese)?
  2. Wie sieht das Elektrokardiogramm (EKG) aus?
  3. Was sagen die Blutwerte?

Schnelle Herzinfarkt-Diagnostik ist wichtig

Da es bei einer Herzinfarkt-Versorgung auf jede Minute ankommt, muss die Diagnostik schnell erfolgen. Je länger der Herzinfarkt zurückliegt, desto massiver sind die Schäden. Schon nach rund vier Stunden können sie ein bedenkliches Ausmaß angenommen haben.

Eine frühe Herzinfarkt-Diagnose bleibt in vielen Fällen aus, weil die ersten Symptome eines Herzinfarkts unterschätzt werden.

Viele Herzinfarkt-Patienten berichten von einem leichten Unwohlsein und einem diffusen Druck im Brustbereich. Aus Scham vor den vermeintlich harmlosen Schmerzen wird leider in vielen Fällen auf den Arztbesuch verzichtet. Wachen Betroffene dann eines Morgens mit heftigen Oberbauchschmerzen auf, so fällt nicht selten die Diagnose Herzinfarkt .

Tipp
Nehmen Sie körperliche Veränderungen ernst

Besonders ältere Menschen bewerten Symptome wie etwa Schwindel, Müdigkeit oder allgemeine Schlappheit häufig mit ihrem Alter oder tun es als unbedenkliche Nebenwirkung ihres Medikaments ab. Dass sich dahinter mögliche Symptome eines schwachen Herzens verbergen können, ziehen nur leider wenige in Betracht. In der Folge kann eine Herzschwäche (medizinisch: Herzinsuffizienz) still voranschreiten und unter unbehandelten Umständen zu einem Herzinfarkt führen. Wenn Sie Veränderungen bei sich oder einem Angehörigen feststellen, die den selbstständigen Alltag zunehmend erschweren, suchen Sie am besten frühzeitig das offene Gespräch mit einem Arzt. Nur so kann die Ursache früh und sicher abgeklärt werden. Gegebenenfalls haben Sie sogar Anspruch auf einen Pflegegrad und damit verbundene Leistungen der Pflegekasse. Nutzen Sie gerne unseren kostenlosen Pflegegradrechner und prüfen Sie Ihren voraussichtlichen Anspruch.

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Herzinfarkt erkennen mit einem EKG

Glücklicherweise sind Herzinfarkt-Untersuchungen wie ein Elektrokardiogramm (kurz: EKG) in Minutenschnelle erledigt, sodass die Herzinfarkt-Behandlung direkt anschließen kann. Das EKG ist die wichtigste Untersuchung bei einem akuten Herzinfarkt und sollte bestenfalls innerhalb der ersten zehn Minuten durchgeführt werden.(1)

Mit einem EKG lässt sich ein Herzinfarkt erkennen und bestimmen,

  • wo das Gewebe geschädigt ist,
  • wie massiv die Auswirkungen sind,
  • wann der Infarkt stattgefunden hat
  • und wie er zu klassifizieren ist.

Wie funktioniert ein EKG?

Unser Herz schlägt dank elektrischer Impulse. Diese lassen sich in einem EKG messen und mithilfe einer Kurve abbilden.

Ein gesundes Herz bildet ein bestimmtes Muster, das sich regelmäßig bei jedem Herzschlag wiederholt. Auf dem Elektrokardiogramm zeigen sich dann Wellen, Zacken und Strecken. Sie werden zur besseren Unterscheidbarkeit mit Buchstaben bezeichnet.

Gemessen werden die elektrischen Impulse ganz einfach mit Elektroden, die auf die Haut geklebt werden. Bereits nach circa einer Minute zeigt sich ein klares Bild – und das ist bei einem Herzinfarkt oft charakteristisch verändert.

STEMI-Infarkt im EKG

Die Abkürzung STEMI kommt aus dem Englischen (ST-Elevation myocardical Infarction) und bedeutet übersetzt ST-Streckenhebungsinfarkt.(1)

Beim sogenannten STEMI-Herzinfarkt zeigt sich ein anderes Bild im EKG: Hier sind vor allem die Strecken zwischen den Wellen und Zacken verändert. Statt sich als Grundlinie abzubilden, ist die Strecke angehoben (sogenannte ST-Hebung).

Der Grund: Die abgestorbenen Herzmuskelzellen können sich nicht wie gewohnt zusammenziehen und die elektrischen Impulse weiterleiten.

Ein STEMI-Herzinfarkt kann als STEMI-Hinterwandinfarkt oder als STEMI-Vorderwandinfarkt auftreten.

Info
Häufigkeit von STEMI

Im klinischen Alltag kommen STEMI-Infarkte verhältnismäßig häufiger bei:(2)

  • jüngeren statt älteren Menschen vor.
  • männlichen statt weiblichen Personen vor.

NSTEMI-Infarkt im EKG

Beim NSTEMI, dem Nicht-ST-Streckenhebungsinfarkt, zeigt sich wiederum keine Veränderung der Strecke.

Es können hier jedoch andere Abweichungen wie beispielsweise bei den Wellen und Zacken auftreten.(1)

Wenn das EKG unauffällig ist, aber die Symptomatik den Verdacht auf Herzinfarkt nahelegt, helfen die Laborwerte weiter.

Lässt sich ein Herzinfarkt im EKG rückwirkend erkennen?

Teilweise sind Veränderungen durch einen Herzinfarkt im EKG ein Leben lang nachweisbar. Vor allem stumme Herzinfarkte zeigen sich noch nach Jahren im EKG. Auch wenn die Beschwerden so gering waren, dass sie gar nicht wahrgenommen wurden – es wurde Herzmuskelgewebe zerstört und genau das kann sich an Veränderungen der Zacken im EKG zeigen.

Diagnose nach Herzinfarkt-Typen

Mithilfe eines EKGs lässt sich der Typ des Herzinfarktes bestimmen. pflege.de gibt Ihnen in dieser Tabelle einen schnellen Überblick zu den verschiedenen Herzinfarkt-Typen:

Typ Beschreibung
Herzinfarkt Typ 1 Spontaner Herzinfarkt aufgrund eines teilweisen oder vollständigen Gefäßverschlusses
Herzinfarkt Typ 2 Herzinfarkt aufgrund eines Ungleichgewichts zwischen Sauerstoffbedarf und Sauerstoffangebot (zum Beispiel bei einer Verkrampfung der Koronararterien)
Herzinfarkt Typ 3 Plötzlicher Herztod
Herzinfarkt Typ 4a Herzinfarkt aufgrund einer Operation zur Erweiterung von verengten Arterien
Herzinfarkt Typ 4b Herzinfarkt aufgrund des Verschlusses eines Stents (Stent-Thrombose)
Herzinfarkt Typ 5 Herzinfarkt im Zusammenhang mit einem Bypass

Wichtige Blutwerte bei einem Herzinfarkt

Kann man einen Herzinfarkt am Blutbild erkennen? Die Antwort lautet: Ja. Die Diagnose Herzinfarkt kann durch die Untersuchung des Blutes gesichert werden. Denn wenn Gewebe abstirbt, wie das bei einem Herzinfarkt der Fall ist, entstehen Abfallprodukte, die im Blut nachweisbar sind.

Zu diesen Abfallprodukten zählen:

  • CKMB: Bestimmte Eiweiße (sogenannte Enzyme), die nur im Herzmuskelgewebe vorkommen
  • GPBB: Ein Enzym, das unter anderem im Herz vorkommt
  • Kardiales Troponin: Ein Eiweißstoff, der bei Herzschädigungen freigesetzt wird

Diese Enzyme lassen sich im Blut nachweisen und ermöglichen – zusammen mit dem EKG – eine Sicherung der Diagnose, denn diese Werte sind bei einem Herzinfarkt verändert.

Info
Blutwerte zur Herzinfarkt-Diagnostik

Die Blutwerte beziehungsweise Laborwerte sind bei einem Herzinfarkt – neben der Symptomatik und dem EKG – die wichtigste Säule der Diagnostik. Zu beachten ist jedoch, dass der Troponin-Wert auch aufgrund von anderen Körperfunktionsstörungen oder sogar nach einer stärkeren körperlichen Belastung kurzzeitig ansteigen kann. Für eine verlässliche Herzinfarkt-Diagnose ist die Betrachtung aller Faktoren wichtig.

Herzinfarkt-Schnelltest

Der Troponin-Test ist ein wichtiger Herzinfarkt-Schnelltest in der Medizin. Mit diesem Test können Ärzte innerhalb einer Stunde die Diagnose Herzinfarkt sichern oder ausschließen.

Empfohlen wird der Test bei Patienten mit Verdacht auf einen Herzinfarkt, bei denen das EKG keine eindeutigen Rückschlüsse zulässt. In diesen Fällen werden vor allem weitere Laborwerte untersucht. Das sogenannte kardiale Troponin ist ein besonders wichtiger Laborwert. Denn hierbei es handelt sich um einen Eiweißstoff, der bei einem Herzinfarkt ins Blut gelangt.

Bei Troponinwerten in einem konstant unbedenklichen Bereich, ist ein Herzinfarkt eher unwahrscheinlich.

Erhöhte Troponinwerte im Blut deuten jedoch auf eine Herzschädigung hin. Allerdings liegt die Ursache nicht immer bei einem Infarkt. Auch andere Erkrankungen und schädigende Ereignisse können den Troponin-Spiegel erhöhen. So etwa bestimmte Herzrhythmusstörungen, eine Lungenembolie oder auch ein septischer Schock.(3)

Die konkrete Ursache kann im Krankenhaus jedoch dank medizinischer Möglichkeiten meist schnell gefunden sowie behandelt werden. Also zögern Sie bei Herz-Beschwerden nicht lange und suchen Sie frühzeitig einen Arzt auf. Nur so kann Ihnen geholfen werden.

Blutdruck bei einem Herzinfarkt

Bluthochdruck (auch Hypertonie) ist zwar ein Risikofaktor für einen Herzinfarkt, jedoch ist er für die Feststellung eines Herzinfarkts nicht wirklich aussagekräftig. Tatsächlich kann der Blutdruck vor einem Herzinfarkt niedrig oder normal sein, sich aber auch aufgrund der stressigen Situation erhöhen.

Info
Ein erhöhter Blutdruck ist immer ein Herzinfarkt-Risikofaktor

Ein dauerhaft hoher Blutdruck (Hypertonie) ist immer ein Herzinfarkt-Risikofaktor, weil er zu Schäden an den Gefäßwänden führt.

Puls bei einem Herzinfarkt

Einen Herzinfarkt am Puls zu erkennen ist schwierig.

Ebenso wie der erhöhte Blutdruck ist ein schneller oder langsamer Puls kein Indiz für das Vorliegen eines Herzinfarktes.

Durch den unmittelbaren Stress, der durch die lebensbedrohliche Infarkt-Situation ausgelöst wird, kann der Betroffene Herzrasen verspüren und einen schnelleren Puls haben. Ebenso kann sich der Puls bei Herzinfarkt verlangsamen.

Weitere Herzinfarkt-Diagnostik

Für eine gesicherte Herzinfarkt-Diagnose durch EKG und Laborwerte erfolgen manchmal weitere Untersuchungen, um die Situation in den Herzkranzgefäßen darzustellen:

  • Koronarangiografie: Ein flexibler Schlauch wird in die Herzkranzgefäße eingeführt. Mit einem Kontrastmittel lassen sich dann die Koronararterien darstellen. Der Arzt erkennt auf diese Weise, wo eine Verengung oder gar ein Verschluss vorliegt. Dieses Verfahren kann auch zur Herzinfarkt-Therapie genutzt werden.
  • Echokardiografie: Auch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens liefert Aufschlüsse über das Geschehen im Herzen.
  • Magnetresonanztomografie (MRT): Im MRT lassen sich die Organe des Körpers detailgenau darstellen, sodass auch kleine Veränderungen gut erkennbar sind.

Häufig gestellte Fragen

Wie erkennt man einen Herzinfarkt?

Typische Symptome bei einem Herzinfarkt sind ein starkes Engegefühl im Brustbereich. Oft verbunden mit stechenden und drückenden Schmerzen hinter dem Brustbein. Die Schmerzen strahlen teilweise auch in den rechten oder linken Arm, Hals Rücken und Oberbauch. Auch Übelkeit, kalter Schweiß sowie Kurzatmigkeit können bei einem Herzinfarkt auftreten.

Wie ist der Blutdruck bei einem Herzinfarkt?

Der Blutdruck gibt keine Rückschlüsse bezüglich eines Herzinfarkts. Oftmals sinkt der Blutdruck, was allerdings in Stresssituation oftmals der Fall ist. Ebenso kann der Blutdruck erhöht oder auch ganz normal sein.

Wie wird ein Herzinfarkt behandelt?

In der akuten Phase eines Herzinfarktes werden die Betroffenen medikamentös behandelt. Es ist wichtig, dass zum einen die Schmerzen reduziert werden sowie die Versorgung des Herzmuskels direkt verbessert wird. Auch der Bildung neuer Blutgerinnsel soll vorgebeugt werden. Hierzu werden verschiedene Medikamente wie Opiate, Nitrate sowie Acetylsalicylsäure eingesetzt. Um den Zeitpunkt des Herzinfarktes festzustellen, wird ein EKG (Elektrokardiodiagramm) durchgeführt.

Wie lange kann man einen Herzinfarkt nachweisen?

Die Veränderungen durch einen Herzinfarkt können ein Leben lang im EKG nachweisbar sein. Gerade stumme oder stille Herzinfarkte, die die Betroffenen nicht wirklich als Herzinfarkt wahrnehmen, sorgen für Schäden im Herzgewebe und sind daher noch Jahre im EKG erkennbar.

Wie sieht ein Herzinfarkt im EKG aus?

Das EKG ist eine grafische Darstellung der elektrischen Vorgänge am Herzen. Ein typisches Zeichen, das auf einen Herzinfarkt hinweist, sind Veränderungen des EKGs im Bereich der ST-Strecke. Im Normalfall verläuft die ST-Strecke flach. Ist diese erhöht, ist dies ein eindeutiges Zeichen für einen Herzinfarkt. Eine flache ST-Strecke bedeutet allerdings nicht direkt, dass kein Herzinfarkt vorliegt. Hier würden nach der EKG Untersuchung noch weitere Untersuchungen folgen.

Wie erkennt man einen Hinterwandinfarkt?

Bei einem Hinterwandinfarkt können auch die typischen Anzeichen wie Brustschmerzen, Beklemmungsgefühl, Schweißausbrüche oder Übelkeit auftreten. Auch Schulterschmerzen, Atemnot, Schwindel und Schwäche können ein Symptom für einen Hinterwandinfarkt sein. Bei vielen Hinterwandinfarkten treten oft nur wenig Symptome auf und es kommt zu einem sogenannten „stimmen Herzinfarkt“. Da der Hinterwandinfarkt nicht richtig erkannt und infolge dessen nicht behandelt wird, ist er sehr gefährlich.

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Erstelldatum: 9102.11.81|Zuletzt geändert: 2202.70.12
(1)
R. N. Sweis & A. Jivan: Akuter Myokardinfarkt (2018)
www.msdmanuals.com/de-de/profi/herz-kreislauf-krankheiten/koronare-herzkrankheit/akuter-myokardinfarkt-mi (letzter Abruf am 11.07.2022)
(2)
European Society of Cardiology (ESC) & Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK): Therapie des akuten Herzinfarktes bei Patienten mit ST-Streckenhebung (STEMI) (2017)
https://leitlinien.dgk.org/files/2018_Pocket_Leitlinie_STEMI_Internetversion_Neu.pdf (letzter Abruf am 11.07.2022)
(3)
Deutsche Herzstiftung: Herzinfarkt-Diagnose: neuer Schnelltest für mehr Therapiesicherheit (2022)
www.herzstiftung.de/service-und-aktuelles/presse/pressemitteilungen/archiv/herzinfarkt-diagnose-neuer-schnelltest-fuer-mehr (letzter Abruf am 14.07.2022)
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