Definition: Intimhygiene in der Pflege
Die Intimhygiene beschreibt die Reinigung und Pflege des Intimbereichs und gehört zur täglichen Körperpflege. (1)
Mit zunehmender Pflegebedürftigkeit benötigen manche Menschen dabei Unterstützung, etwa beim Toilettengang, der Versorgung einer Inkontinenz oder der Reinigung des Intimbereichs.
Da dies oft mit Scham verbunden ist, sollte Sie hier die Selbstständigkeit des Betroffenen fördern und nur so viel Hilfe wie nötig geben.
Hilfsmittel für die Intimhygiene
Unter der Dusche oder in der Badewanne können Pflegebedürftige sich selbst reinigen: Hilfsmittel wie ein Duschhocker oder ein Badewannensitz können Ihren Angehörigen dort bei der Intimpflege unterstützen. Genauso praktisch sind diese Hilfsmittel aber auch, wenn Sie helfen oder die Intimhygiene ganz übernehmen. Die Intimhygiene ist aber auch im Liegen möglich.
Bei der Intimpflege stets Hygienemaßnahmen einhalten: Einmalhandschuhe tragen und benutzte Handtücher sowie Waschlappen sofort bei mindestens 60 °C waschen, nicht mehrfach verwenden. (1)
Pflegeprodukte für die Intimhygiene
Der Intimbereich ist eine sehr empfindliche Körperregion. Herkömmliche Seifen und Produkte mit ätherischen Ölen oder auf Alkoholbasis sind nicht geeignet.
Verwenden Sie für die Intimpflege deshalb nur klares Wasser oder spezielle Intim-Waschlotionen. (1)
Der pH-Wert im Intimbereich ist leicht sauer und liegt bei circa 4,5. Demzufolge sollten die verwendeten Pflegeprodukte wie zum Beispiel Intim-Waschlotionen auch diesem pH-Wert entsprechen. Achten Sie zudem darauf, dass die Produkte so wenig Konservierungsstoffe wie möglich enthalten und frei von Parfüm und Duftstoffen sind. Die können die empfindliche Haut im Intimbereich schnell reizen. Gut verträglich und pflegend sind Produkte, die Aloe Vera, Vitamin E oder pflegende Milchsäurebakterien enthalten.

Intimpflege bei Inkontinenz
Besonders bei Inkontinenz müssen Sie auf Intimhygiene achten, da Urin oder Stuhl die Haut angreifen und schädigen kann. (1) Reinigen Sie die Haut deshalb möglichst nach jeder Ausscheidung. Sie können dafür hautschonende Feuchttücher verwenden, sogenannte Intimpflegetücher. Alternativ können Sie auf Öltücher zurückgreifen.
Wenn Sie den Intimbereich von anal inkontinenten Pflegebedürftigen reinigen, können Sie mit Körpersekreten in Kontakt kommen: Tragen Sie deshalb Schutzkleidung, wie einen Schutzkittel oder eine Schürze.
Tragen Sie nach der Reinigung eine Intimpflegecreme auf. Geeignet sind einfache, weiche Zinkpasten. Hautschutzsalben oder aber Vaseline sind ebenfalls gute Pflegeprodukte. Spezielle Inkontinenzprodukte, die einen Schutzfilm auf der Haut bilden, erhalten Sie in der Apotheke.
10 Tipps für die Intimhygiene bei Pflegebedürftigen
Bevor Sie mit der Intimhygiene beginnen, sollten Sie für eine behagliche Umgebung sorgen. Schließen Sie Fenster und Türen, ziehen Sie Gardinen zu und achten Sie darauf, dass Raum- und Wassertemperatur für die pflegebedürftige Person angenehm ist.
Wenn möglich, führen Sie die Intimhygiene alleine durch. Es sollten keine weiteren Personen im Raum anwesend sein. So wird die Situation für Ihren Angehörigen etwas angenehmer.
Befolgen Sie bei der Intimhygiene dann folgende Schritte:
- Planen Sie, besonders bei Betroffenen mit Inkontinenz, einen Toilettengang vor der Waschung ein. (2)
- Legen Sie alle benötigten Utensilien für die Intimhygiene griffbereit: zum Beispiel Einmal-Waschlappen, eine pH-neutrale Waschlotion und Handtücher.
- Tragen Sie bei der Intimhygiene Ihres Angehörigen Einmalhandschuhe und achten Sie auch auf den Schutz Ihrer Kleidung: Verwenden Sie dafür bei Bedarf Schutzschürzen. Wenn Sie die Intimhygiene im Bett vornehmen, sollten Sie das Bett mit Bettschutzeinlagen vor Wasser schützen.
- Informieren Sie Ihren Angehörigen über jeden Pflegeschritt und sprechen Sie auch über andere Themen zur Ablenkung. Lassen Sie ihn möglichst viel selbst tun und motivieren Sie ihn zu kleinen Aufgaben – das stärkt sein Selbstwertgefühl.
- Reinigen Sie die Intimregion nur bei starker Verschmutzung mit Seife oder Waschgel, sonst reicht Wasser. Klären Sie vorab ärztliche Empfehlungen, besonders bei Dekubitus oder Inkontinenz.
- Achten Sie auf wunde Stellen und säubern Sie um Wunden herum. Stellen, an denen Hautfalten aneinander reiben, sind häufige Entzündungsherde – zum Beispiel an der Po-Falte, der sogenannte Analfalte.
- Verwenden Sie kein Intimspray.
- Trocknen Sie die Haut nach der Intimpflege gut ab und pflegen Sie sie mit einer hautverträglichen Lotion. Beachten Sie auch dabei, dass Sie Pflegeprodukte verwenden, die Ihr Angehöriger gerne mag oder früher vielleicht selbst gerne verwendet hat.
Intimpflege: Schritt für Schritt Anleitung
Grundsätzliche Schritte der Intimpflege sind bei Mann und Frau gleich: (4)
- Verwenden Sie für die Intimpflege frisches Wasser: Wechseln Sie es gegebenenfalls aus, sollten Sie andere Körperregionen vorher schon gewaschen haben.
- Decken Sie den Intimbereich auf und entkleiden Sie ihn.
- Leeren Sie gegebenenfalls den Urinbeutel.
- Trocknen Sie nach der Reinigung den Intimbereich sorgfältig ab und ziehen Sie der pflegebedürftigen Person frische Kleidung an.
Im Detail unterscheidet sich die Intimpflege jedoch je nach Geschlecht.
Geben Sie Ihrem pflegebedürftigen Angehörigen das Gefühl, dass diese Zeit der Intimpflege/Körperpflege eine ganz besondere Zeit nur für ihn ist: voller Liebe und Aufmerksamkeit nur für ihn. Schaffen Sie eine ruhige, warme Umgebung. Wirken Sie nicht gehetzt. Führen Sie ruhige Bewegungen aus und wahren Sie die Intimsphäre: Schließen Sie die Vorhänge und machen Sie sanftes Licht an. Eine ruhige Atmosphäre wirkt sicher und respektvoll.

Intimpflege bei der Frau
Bei der Reinigung des Intimbereichs einer Frau gehen Sie wie folgt vor: (1) (4)
- Bedecken Sie bei der Intimpflege im Bett Oberkörper und Beine mit Decke oder Handtuch. So bleibt die Person warm und fühlt sich wohler. Im Stehen bleibt der Oberkörper bekleidet.
- Säubern Sie zunächst die Bauchdecke, Leisten und Oberschenkel mit lauwarmem Wasser und einem Waschlappen und trocknen Sie sie danach gut ab. Achten Sie jedoch darauf, nicht zu stark zu rubbeln, damit die Haut nicht verletzt wird.
- Spreizen Sie zuerst mit den Fingern die inneren Schamlippen und reinigen Sie Harnröhre sowie Vaginaleingang, dann die äußeren. Waschen Sie stets von vorne nach hinten. Achtung: Den Anus zuletzt reinigen, um Keimübertragung zu vermeiden.
- Waschen Sie danach auch die äußeren Schamlippen ab und tupfen Sie sie danach trocken nach. Es gilt dabei immer der Grundsatz: von innen nach außen reinigen.
- Wenn Sie den Intimbereich im Liegen reinigen, helfen Sie beim Drehen auf die Seite und waschen Gesäß sowie Anus von vorn nach hinten. Anschließend vorsichtig trocken tupfen, besonders in Hautfalten, um Irritationen zu vermeiden.
Gerüche im Intimbereich entstehen meist durch Bakterien, Urin- und Stuhlreste oder wenn sich zwischen Hautfalten Feuchtigkeit hält. Reinigen Sie den Intimbereich daher am besten nach jeder Ausscheidung sorgfältig. Achten Sie auch darauf, restliche Feuchtigkeit in den Leisten, in der Gesäßfalte, im Hodensack oder zwischen den Schamlippen sanft, aber gründlich zu trocknen. Idealerweise tupft man die Haut an den sensiblen Stellen nur mit einem Tuch vorsichtig trocken.

Intimpflege beim Mann
Bei der Pflege des Intimbereichs eines Mannes gehen Sie wie folgt vor: (1) (4)
- Bedecken Sie bei der Intimpflege im Bett Oberkörper und Beine mit Decke oder Handtuch, damit Ihr Angehöriger warm bleibt und sich wohler fühlt. Im Stehen bleibt der Oberkörper durch Kleidung bedeckt.
- Beginnen Sie, die Bauchdecke, Leisten und Oberschenkel mit lauwarmem Wasser und einem Waschlappen zu reinigen. Trocknen Sie die Haut danach gut ab, aber rubbeln Sie nicht zu stark. Das könnte die Haut verletzen.
- Waschen Sie danach die Hoden sanft und trocknen Sie sie ab.
- Schieben Sie zum Waschen des Penis die Vorhaut, falls vorhanden, sanft zurück und waschen Sie eventuell angesammelten Belag vorsichtig ab. Schieben Sie anschließend die Vorhaut wieder vorsichtig zurück.
- Waschen Sie zuletzt die Anal- und Gesäßregion, indem Sie mit einem Waschlappen und lauwarmem Wasser vom Damm zur Analregion waschen und sie danach gut abtrocknen.
Umgang mit Scham
Eine eventuelle Erektion bei der Intimpflege, Kot und Urin in Hose oder Bett – solche Erlebnisse bringen pflegende Angehörige an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Seien Sie unbesorgt, wenn Ihnen das auch schon einmal so ergangen ist: Auch professionelle Pflegekräfte müssen erst lernen, mit ihren Schamgefühlen umzugehen, wenn sie den Intimbereich anderer Menschen reinigen.
Hier kann es helfen, sich bewusst zu machen, dass der Intimbereich eines Menschen sensibel ist und sensibel auf Berührungen reagiert. Körperreaktionen wie Erektionen und plötzliche Ausscheidungen passieren unwillkürlich. Sie sind dem Pflegebedürftigen meistens mindestens so peinlich wie Ihnen als Pflegeperson. Machen Sie sich deshalb bewusst: Das ist nichts Sexuelles – das ist Pflege.

In der professionellen Ausbildungsliteratur gibt es dazu einige Tipps, die Ihnen weiterhelfen können: (4)
- Fragen Sie, ob und was Ihr Angehöriger noch selbst tun möchte: Lassen Sie so viele Reinigungsschritte wie möglich vom Betroffenen eigenständig erbringen, besonders bei der Intimpflege.
- Ziehen Sie, wenn möglich, die Körperpflege am Waschbecken der im Bett vor und unterstützen den Betroffenen bei Bedarf: Auch das unterstützt die Selbstständigkeit.
- Decken Sie den Körper nur so weit auf, wie es für Intimhygiene nötig ist. Lassen Sie den Oberkörper bekleidet, wenn Sie die Intimpflege im Stehen oder Sitzen am Waschbecken durchführen.
- Sprechen Sie mit Ihrem Angehörigen über ein ganz anderes Thema, sodass die Intimpflege eher Nebensache wird.
- Sprechen Sie Ihr Schamgefühl an. Eine gute Möglichkeit dafür ist zum Beispiel ein Pflegekurs, wo auch andere Betroffene von ihren Erfahrungen berichten und ihr Pflegewissen teilen können.
Tipps für den Umgang bei der Reinigung von Harn und Stuhl
Besonders Harn- oder Kotverschmutzungen sind beiden unangenehm: sowohl dem Pflegebedürftigen, als auch dem pflegenden Angehörigen. Natürlich darf man sich auch mal ekeln, Sie sollten aber unbedingt respektvoll damit umgehen und das Thema nicht abwertend ansprechen. Ihre Scham sollte sie außerdem nicht davon abhalten, eine gründliche, sanfte und hygienische Intimpflege durchzuführen.
Folgende Tipps können Ihnen helfen:
- Handeln Sie ruhig und überlegt. Verschärfen Sie die Situation nicht noch durch unangemessene Äußerungen wie „Was für eine Schweinerei…“ oder ähnliches.
- Ziehen Sie Einmalhandschuhe an, nutzen Sie einen Einmalwaschlappen und gegebenenfalls eine Schutzschürze. Legen Sie verschmutzte Kleidung in einen Plastikbeutel, um sie nach der Waschung zu reinigen oder zu entsorgen.
- Informieren Sie Ihren Angehörigen vor jedem Schritt, was Sie gleich tun werden.
- Führen Sie die Intimhygiene sanft und ohne Zeitdruck durch.
- Ziehen Sie Ihrem Angehörigen nach der Intimhygiene frische Kleidung an und lüften Sie sein Zimmer gut durch: Das stärkt sein Wohlbefinden und das angenehme Gefühl von Sauberkeit.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht man unter Intimpflege?
Intimpflege, auch Intimhygiene genannt, gehört zur täglichen Körperpflege. Intimpflege umfasst die Reinigung des Intimbereichs sowie dessen Pflege durch Cremes.
Warum ist Intimpflege wichtig?
Die Intimpflege ist wichtig, um die Körperhygiene aufrechtzuerhalten: Wenn Sie den Intimbereich regelmäßig reinigen, beugen Sie Erkrankungen vor.
Wie reinigt man am besten den Intimbereich?
Den Intimbereich sollten Sie täglich reinigen: Am besten mit klarem Wasser. Bei Bedarf können Sie spezielle Intim-Waschlotionen verwenden. Herkömmliche Seifen, Produkte mit ätherischen Ölen oder Produkte auf Alkoholbasis sind nicht geeignet. Achten Sie darauf, den Intimbereich nach der Reinigung sanft und trotzdem gründlich zu trocknen.
Wie oft sollte man sich den Intimbereich waschen?
Den Intimbereich sollten Sie täglich waschen. Wenn Sie oder ein pflegebedürftiger Angehöriger an Inkontinenz leiden, sollten Sie den Intimbereich nach jeder Ausscheidung reinigen: Urin oder Stuhl kann die Haut sonst angreifen und schädigen. Zur Reinigung können Sie hautschonende Feuchttücher, sogenannte Intimpflegetücher, verwenden. Alternativ können Sie auf Öltücher zurückgreifen.
Welche Seife eignet sich für die Intimpflege?
Für die Reinigung des Intimbereichs verwenden Sie am besten klares Wasser. Bei Bedarf können Sie auf spezielle Intim-Waschlotionen zurückgreifen.





