Hospiz- und Palliativgesetz (HPG)

Weiterleiten
Palliativgesetz

Die große Mehrheit der Deutschen möchte ihre letzten Lebenstage zuhause verbringen und medizinisch gut betreut, ohne Schmerzen zu erleiden, auch in den eigenen vier Wänden sterben. Bei bestimmten Krankheiten ist ein schmerzfreies Lebensende nur dank einer palliativmedizinischen Betreuung möglich. Ob diese jedoch zugänglich ist, hängt stark vom Wohnort ab. Denn die Versorgung durch Palliativmediziner und ambulanten Pflege- oder Hospizdienste ist regional sehr unterschiedlich gut ausgebaut, besonders in ländlichen Regionen ist sie häufig gar nicht zugänglich. Und auch Pflegeheime mit Palliativstation oder Hospize können die Nachfrage nicht decken. Um die Versorgungsstrukturen zu verbessern, trat Ende 2015 das Hospiz- und Palliativgesetz (HPG) in Kraft. pflege.de klärt über Inhalte und wesentliche Neuerungen des Gesetzes auf, welche Ansprüche Patienten haben und wo Betroffen und Angehörige Beratung und Informationen zur palliativen Versorgung finden können.

Inhaltsverzeichnis

Hospiz- und Palliativgesetz – Definition

Am 8. Dezember 2015 trat das ‚Gesetz zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland‘ – kurz ‚Hospiz- und Palliativgesetz‘ (HPG) – in Kraft. Das Gesetz enthält einen Maßnahmenkatalog, der den flächendeckenden Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung in ganz Deutschland fördern soll, besonders in strukturschwachen und ländlichen Regionen. Ziel ist es, Menschen in der letzten Lebensphase jegliche medizinische, pflegerische, psychologische und seelsorgerische Hilfe zur Verfügung zu stellen, die sie benötigen. Neben dem Ausbau des palliativmedizinischen Angebots für Betroffene zu Hause, im Krankenhaus, im Pflegeheim oder im Hospiz sollen auch Informations- und Beratungsleistungen verbessert werden. Den Krankenkassen stehen zur Umsetzung der Maßnahmen jährlich zusätzlich 200 bis 300 Millionen Euro zur Verfügung, so dass das gesamte Budget nun bei 600 bis 700 Millionen Euro liegt.

Palliativpflege
Ratgeber
Palliativpflege: Ratgeber für Familienangehörige

Die inhaltlichen Schwerpunkte des Hospiz- und Palliativgesetzes lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Die Palliativversorgung wurde Bestandteil der gesetzlichen Regelversorgung durch die Krankenkassen.
  • Ärzte, Pflegedienste und Hospize sollen sich stärker vernetzen, um eine umfassende Versorgung zu gewährleisten.
  • Die Palliativversorgung in ländlichen Regionen soll ausgebaut werden.
  • Ambulante und stationären Hospizversorgung wird finanziell stärker durch die Krankenkassen gefördert.
  • Krankenkassen müssen Versicherte über die palliative Versorgung informieren und beraten.
  • Die „Hospizkultur“ in Pflegeheimen und Krankenhäusern soll gestärkt werden.
  • Die ärztliche Versorgung in stationären Pflegeeinrichtungen soll verbessert und vertraglich gesichert werden.
  • Sterbebegleitung wird ausdrücklicher Bestandteil des Versorgungsauftrags der sozialen Pflegeversicherung.
Info

Palliativpflege

Palliativpflege wird dann notwendig, wenn bei Menschen mit unheilbaren, i. d. R. weit fortgeschrittenen Erkrankungen eine kurative – also heilende –  Therapie keinen Erfolg mehr verspricht. In solchen Fällen ist die wichtigste medizinische Aufgabe, die Schmerzen des Patienten zu lindern. Daneben sind auch Palliativpflege sowie die psychosoziale Begleitung der Betroffenen Bestandteil der Palliativversorgung, um die letzte Lebensphase lebenswert zu gestalten und ein Sterben in Würde zu ermöglichen.

 

Hospiz- und Palliativgesetz: Der Hintergrund

Unheilbar kranken Menschen ist bisher nicht immer möglich, ihre letzte Lebensphase und auch ihr Sterben nach ihren Wünschen zu gestalten, weil ihnen eine angemessene Palliativversorgung nicht zugänglich ist. So verbringt die Mehrheit der Menschen die letzte Lebensphase ohne umfassende und gleichzeitige medizinische, pflegerische und psychosoziale Betreuung in Pflegeheimen oder Krankenhäusern – obwohl sie sich wünschen, diesen Abschnitt zu Hause oder im Hospiz zu verbringen. Um dies zu ermöglichen, müssen überall ausreichende Angebote der Palliativmedizin, der Palliativpflege und der hospizlichen Sterbebegleitung geschaffen werden und die Menschen über Angebote und Möglichkeiten der Versorgung und Begleitung in der letzten Lebensphase informiert werden. Das Hospiz- und Palliativgesetz soll dies ermöglichen.

Info

Unterschiede von Hospiz- und Palliativversorgung

Die Hospizversorgung und die Palliativbetreuung betreffen beide die medizinische und pflegerische Betreuung von Menschen mit stark begrenzter Lebensdauer. Sie überschneiden und ergänzen sich, haben jedoch unterschiedliche Schwerpunkte.

  • Eine Palliativversorgung kann stationär oder ambulant erfolgen und zielt auf eine vorübergehende intensive medizinische Versorgung zur Linderung starker Schmerzen ab. Die Palliativstationen von Krankenhäusern entlassen Patienten, nachdem sie stabilisiert wurden, i. d. R. nach Hause oder in ein Hospiz.
  • Eine Hospizversorgung – also die Versorgung in Hospizen – wird Sterbenden in ihrer letzten Lebensphase bis zum Tod zuteil. Der Schwerpunkt liegt dabei nicht auf der medizinischen Versorgung, sondern es gilt, den Patienten Lebensqualität und ein würdevolles Sterben zu ermöglichen. Die Verweildauer fällt sehr unterschiedlich aus: Einige Patienten versterben nach wenigen Tagen, andere verbringen im Hospiz Wochen und Monate.

 

 

Tipp
Überblick über Pflegegesetze & Pflegereformen

Damit Angehörige und Betroffene bei allen Pflegereformen und neuen Pflegegesetzen der letzten Jahre auf dem neuesten Stand bleiben, liefert pflege.de einen Überblick über die wichtigsten Pflegegesetze und Pflegereformen rund um Pflege und Betreuung.

Hospiz- und Palliativgesetz: Die Neuerungen

Das Hospiz- und Palliativgesetz soll die Grundlage dafür schaffen, dass die Palliativversorgung flächendeckend ausgebaut wird und so mehr betroffenen Menschen zur Verfügung steht. Wesentliche Positionen des Gesetzes sind:

  • Palliativversorgung als Teil der Regelversorgung
    Ein zentraler Satz im HPG lautet: „Zur Krankenbehandlung gehört auch die palliative Versorgung der Versicherten“. Damit wird klargestellt, dass Versicherte einen Rechtsanspruch auf eine palliative Versorgung als Teil der Krankenbehandlung haben (§ 27 Absatz 1 Satz 1 SGB V) und sie damit Bestandteil der sog. Regelversorgung ist.
  • Ambulante Palliativversorgung wird finanziell gefördert
    Für palliativmedizinische Leistungen und entsprechende Qualifizierungen von Medizinern und Pflegepersonal werden zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt. Ambulante Dienste können ihre palliativen Leistungen direkt mit der Krankenkasse abrechnen.
Ambulante Pflege
Ratgeber
Ambulante Pflege
  • Stärkere Vernetzung der medizinischen, pflegerischen und hospizlichen Begleitung
    Ärzte, Pflegedienste und Hospize sollen künftig stärker vernetzt sein: z. B. durch Kooperationsverträge zwischen Ärzten und Pflegeeinrichtungen sowie eine engere Zusammenarbeit von stationären Pflegeeinrichtungen mit ambulanten Hospizdiensten. Dies soll den Betroffenen eine umfassendere Palliativversorgung gewährleisten.
  • Ausbau der Palliativversorgung in ländlichen Regionen
    Die palliative Versorgung soll in ländlichen und strukturschwachen Gebieten weiter ausgebaut werden. Um hier die sog. spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) zu fördern, wird ein Schiedsverfahren für Versorgungsverträge der Krankenkassen mit den versorgenden SAPV-Teams eingeführt.
Info

Allgemeine Palliativversorgung (AAPV) vs. Spezialisierte Palliativversorgung (SAPV)

Anhand des Betreuungsaufwands wird zwischen allgemeiner und spezialisierter Palliativversorgung unterschieden.

  • Die allgemeine ambulante Palliativversorgung (AAPV) beinhaltet eine kontinuierliche Versorgung durch Ärzte und Pflegedienste, kann aber auch stationär in Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäusern stattfinden.
  • Patienten mit besonders aufwändigem Betreuungsbedarf benötigen dagegen eine spezialisierte Palliativversorgung (SAPV) – das ist ebenfalls stationär oder ambulant möglich. Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung beinhaltet eine eng verzahnte Zusammenarbeit von Ärzten, Pflegediensten und Seelsorgern in einem sog. Palliative Care Team (PCT) und gewährleistet so eine optimale palliative Betreuung. Die Verordnung spezialisierter ambulanter Palliativversorgung erfolgt durch einen Vertrags- oder Krankenhausarzt.
Tipp

Ein Krankenhausarzt kann die SAPV-Versorgung nur auf sieben Tage begrenzt verordnen, niedergelassene Vertragsärzte können dies hingegen für eine unbegrenzte Dauer tun. Die Krankenkassen genehmigen in der Regel maximal 30 Tage. Bedarf ein Patient auch anschließend einer SAPV-Versorgung, kann eine Folgeverordnung ausgestellt werden. Die Verordnung muss spätestens am dritten Tag nach Ausstellung bei der Krankenkasse vorgelegt werden. Zuzahlungen müssen gesetzlich Versicherte nicht leisten. ABER: Private Krankenversicherungen übernehmen die Kosten nur teilweise – Patienten sollten sich die Kostenübernahme vorher unbedingt genehmigen lassen.

  • Stärkere Förderung der ambulanten und stationären Hospizversorgung
    Das Gesetz zur Hospiz- und Palliativversorgung sichert den stationären Hospizen eine stärkere Förderung durch die Krankenkassen zu. Sie tragen die zuschussfähigen Kosten nun zu 95 Prozent unter Anrechnung von Leistungen der Pflegeversicherung. Auch der Mindestzuschuss pro Kalendertag wurde von sieben Prozent auf neun Prozent erhöht, von 198 Euro auf 261 Euro pro Tag. Die Erhöhung soll auch dazu beitragen, die Trauerbegleitung der Angehörigen zu unterstützen. Im Bereich der ambulanten Hospizarbeit durch Ehrenamtliche werden neben Personalkosten auch Sachkosten wie z. B. Fahrtkosten erstattet.
Prevago Patientenverfügung
Services
Geprüfte Patientenverfügung zum pflege.de-Tarif ab 39€/Jahr!
  • Anspruch auf individuelle Beratung und Hilfestellung
    Krankenkassen sind seit der Einführung des Palliativ- und Hospizgesetzes dazu verpflichtet, unheilbarkranke Menschen über die Möglichkeiten einer Palliativ- und Hospizversorgung zu informieren und sie dahingehend individuell zu beraten. Darüber hinaus haben Alten- und Pflegeheimbewohner den Anspruch auf eine allgemeine Vorsorgeplanung zu Themen wie Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung.
  • Stärkung der Palliativ- und Hospizversorgung in Krankenhäusern
    Pflegerische Sterbebegleitung ist nun ein gesetzlich festgelegter Bestandteil in stationärer und ambulanter Pflege, so auch in Alten- und Pflegeheimen. Dies soll die Verbesserung der Hospizkultur und Palliativversorgung in stationären Pflegeeinrichtungen bewirken. Seit 2017 können Krankenhäuser individuelle Zusatzentgelte für Palliativdienste und Konsiliardienste vereinbaren. Eine bundeseinheitliche Regelung soll es ab 2019 geben.
    Krankenhäuser können zudem ambulante Hospizdienste mit Sterbebegleitung beauftragen und die Leistungen über die Krankenkassen abrechnen.
Info

Ein palliativmedizinischer Konsiliardienst (PKD) kümmert sich um schwer erkrankte Patienten, die in einer Klinik behandelt werden, die über keine Palliativstation verfügt. Der PKD setzt sich zusammen aus Ärzten, Pflegekräften und anderen Fachkräften wie Sozialarbeitern oder Psychologen.

  • Verbesserung der ärztlichen Versorgung in stationären Pflegeeinrichtungen
    Stationäre Pflegeeinrichtungen sind angehalten, Kooperationsverträge mit Vertragsärzten und Hospizdiensten abzuschließen, um die ärztliche Versorgung in diesen Einrichtungen zu verbessern. Die teilnehmenden Ärzte erhalten dafür zusätzlich eine finanzielle Förderung. Die Sterbebegleitung ist zudem ausdrücklich Bestandteil des Versorgungsauftrages der sozialen Pflegeversicherung (§§28 und 75 SGB XI). Den Bewohnern von Pflegeheimen soll zudem eine Versorgungsplanung zur individuellen und umfassenden medizinischen, pflegerischen, psychosozialen und seelsorgerischen Betreuung in der letzten Lebensphase zur Verfügung stehen. Das Angebot wird von den Krankenkassen finanziert.
Soziale Pflegeversicherung
Ratgeber
Pflegeversicherung – Ratgeber für Versicherte

Kosten für die Palliativversorgung – Was ändert sich durch das Hospiz- und Palliativgesetz?

  • Palliativversorgung stationär:
    Unter Umständen können Betroffenen bei einer stationären Palliativversorgung Kosten entstehen, die nicht vollständig von den Krankenkassen gedeckt werden. Die Kosten für die Palliativpflege in Krankenhäusern werden von den Krankenkassen zu 100 Prozent übernommen. Bei einem Aufenthalt in einem Pflege- oder Altenheim zahlt die Krankenkasse zwar ebenfalls die Palliativversorgung, für Unterkunft und Verpflegung muss der Betroffene jedoch selbst aufkommen. Bei einer Versorgung in einem Hospiz fallen für Patienten keine Kosten an. Die Krankenkasse trägt in diesem Fall einen Anteil von 95 Prozent. Für den Rest kommt das Hospiz selbst auf und finanziert sich u. a. durch Spenden.
Pflegekasse Pflegerecht
Ratgeber
Pflegekasse & Pflegerecht – Der große Überblick
  • Palliativversorgung ambulant:
    Die Krankenkassen kommen ebenfalls für eine ambulante Palliativversorgung auf, die Pflegekassen bei vorliegendem Pflegegrad für die Sterbebegleitung. Kosten für die medizinische Versorgung sowie die häusliche Krankenpflege werden komplett von den Kassen getragen. Die ehrenamtliche Begleitung der Betroffenen und ihrer Familien durch ambulante Hospizdienste ist stets kostenfrei. Diese finanzieren sich u. a. durch Spendengelder.
Tipp

Weiterführende Informationen für Betroffene und Angehörige:

Info

Ein palliativmedizinischer Konsiliardienst (PKD) kümmert sich um schwer erkrankte Patienten, die in einer Klinik behandelt werden, die über keine Palliativstation verfügt. Der PKD setzt sich zusammen aus Ärzten, Pflegekräften und anderen Fachkräften wie Sozialarbeitern oder Psychologen

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

/ 5 Bewertungen

Sie haben bereits bewertet.
Vielen Dank! Haben Sie noch Anmerkungen oder Verbesserungsvorschläge?
Vielen Dank für Ihre Anmerkungen!
Erstelldatum: .52.017102|Zuletzt geändert: .52.609102
Pflegegradrechner
Services
Einfach, schnell und kostenlos zum persönlichen Ergebnis
Pflegeleistungen
Ratgeber
Pflegeleistungen: Der große Überblick
Kostenlose Pflegehilfsmittel small
Services
Kostenlose Pflegehilfsmittel monatlich nach Hause
Demenz-Beschäftigung / Demenz-Spiele
Ratgeber
Beschäftigung & Spiele für Demenzkranke
Außergewöhnliche Belastungen / Pflegekosten absetzen
Ratgeber
Pflegekosten als außergewöhnliche Belastung absetzen
Treppenlift Vergleich
Services
Treppenlift-Angebote vergleichen & bis zu 30% sparen
Wanne zur Dusche umbauen
Services
Barrierefreie Dusche. Ihr Badumbau in wenigen Stunden.
Abbildung
Services
Vergleiche, Beratung & mehr. Alle Services im Überblick.
Das könnte Sie auch interessieren