Diabetes Test / "Screening" - Werte & Diagnose

Diabetes Test

Sind Symptome wie vermehrter Durst, ungewollter Gewichtsverlust oder häufiges Wasserlassen aufgetreten, die Sie nachdenklich machen oder gibt es in Ihrer Familie Menschen, die an Diabetes mellitus erkrankt sind? Dann sollten Sie über einen Diabetes-Test, umgangssprachlich auch „Diabetes-Screening“ genannt, nachdenken. Diesen können Betroffene beim Arzt machen. Menschen, bei denen Diabetes mellitus bereits diagnostiziert wurde, behalten ihre Blutzuckerwerte durch regelmäßige Blutzuckermessungen im Auge. pflege.de erklärt Ihnen die Messung zur Früherkennung und Diagnose von Diabetes mellitus sowie die Methoden zur langfristigen Kontrolle der Werte nach der Diagnose.

Inhaltsverzeichnis

So berechnen Sie kostenfrei Ihren Pflegegrad
Pflegegrad berechnen

Diabetes-Tests

Werten Sie die Anzeichen von Diabetes mellitus wie beispielsweise ein starkes Durstgefühl, häufige Harnwegsinfekte oder starke Müdigkeit nicht einfach als Anzeichen einer Erschöpfung. Häufig deuten diese Symptome auf eine Störung des Zuckerstoffwechsels hin. Gehen Sie also auf Nummer sicher und werden Sie umgehend aktiv.

  1. Risiko einschätzen: Im Internet gibt es viele Tests, mit denen Sie Ihr persönliches Diabetes-Risiko einschätzen können. Wichtig: Diese Tests liefern keine Diagnose, sondern geben nur Hinweise auf eine mögliche Erkrankung an Diabetes.
  2. Sichere Diagnose beim Arzt: Nur durch eine Blutabnahme mit Labortest und einem oralen Glukosetoleranztest (oGTT) beim Arzt können Sie eine sichere Diabetes-Diagnose erhalten.
  3. Kontrolle der Blutwerte: Sollte eine Diagnose vorliegen, werden die Blutwerte regelmäßig durch Arzt und Patient kontrolliert.
Info

Die Verwendung des Begriffs Screening

Als Screening bezeichnet man eigentlich eine Routineuntersuchung einer Personengruppe in einem bestimmten Alter. Die Mammographie zur Brustkrebsvorsorge beispielsweise wird allen Frauen in Deutschland zwischen 50 und 69 Jahren angeboten. Umgangssprachlich wird der Begriff „Screening“ auch für die Blutuntersuchung, zum Beispiel bei Menschen mit Diabetes bezeichnet.

„Früherkennung“: Diabetes-Tests zur Risikoeinschätzung von Diabetes

Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) stellt im Internet einen Test zur Risikoeinschätzung für Diabetes bereit: den sogenannten DIFE – Deutscher Diabetes-Risiko-Test (DRT). Der Test besteht aus wenigen Fragen, die Sie in fünf Minuten beantworten können. Am Ende bekommen Sie einen ersten Hinweis darauf, wie gefährdet Sie sind, innerhalb der nächsten fünf Jahre an einem Typ-2-Diabetes (Altersdiabetes) zu erkranken. (1)

Auch die Deutsche Diabetes Stiftung (DDS) stellt einen Online-Fragebogen zur Risikoeinschätzung zur Verfügung: den sogenannten FINDRISK-Fragebogen. (2)

Beide Diabetes-Tests werden für die erste Risikoeinschätzung von Experten empfohlen. (3)

Wichtiger Hinweis Risiko-Test liefert keine Diagnose

Der Diabetes-Risiko-Test gibt nur einen ersten Hinweis. Er ersetzt keinesfalls den Besuch bei Ihrem Arzt, wenn Sie weitere mögliche Hinweise auf einen Typ-2-Diabetes feststellen.

 

Auf frühe Warnhinweise eines Diabetes achten

Ein Diabetes mellitus, auch bekannt als Zuckerkrankheit, lässt sich Zeit – und Ihnen damit auch. Von den ersten Symptomen bis zur wirklichen Erkrankung kann es Jahre dauern. Das ist ein kleiner Vorteil, denn so haben Betroffene Zeit, um frühzeitig zu reagieren.

Experten-Info
Michael Loy
Zertifizierter Pflegeberater & Diabetesberater

Die Erkrankung an Diabetes mellitus Typ 2 geht meist mehreren Faktoren wie Bluthochdruck, erhöhten Blutfettwerten, einem gestörten Zuckerstoffwechsel und Übergewicht (Taillenumfang: Männer mehr als 94 Zentimeter, Frauen mehr als 80 Zentimeter) voraus. Diese Faktoren werden auch als metabolisches Syndrom beschrieben, das in der Folge zu einer Diabetes Erkrankung führt.

alle Informationen zu Michael Loy

Diabetes-Diagnostik beim Arzt

Für die Diagnostik eines Diabetes mellitus und die Bestimmung des Diabetes-Typen folgt jeder Arzt in Deutschland einer Leitlinie, in der Empfehlungen ausgesprochen werden. (3)

  1. Anamnese: Zuerst erfolgt ein ausführliches Gespräch, in dem sich der Arzt nach Ihren Symptomen, Ihren Lebensgewohnheiten sowie über Vorerkrankungen von Ihnen und Ihrer Familie erkundigt.
  2. Untersuchung: Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei der unter anderem das Gewicht, die Größe, der Hüft- und Taillenumfang sowie der Blutdruck gemessen und meistens ein Elektrokardiogramm (kurz: EKG) geschrieben wird.
  3. Blutwerte: Schließlich erfolgt eine Blutuntersuchung bei der unter anderem Ihr aktueller und Ihr langzeitiger Blutzuckerwert (HbA1c) bestimmt wird. Bei dieser Blutuntersuchung möchte der Arzt meist eine Nüchtern-Blutzuckerbestimmung vornehmen. Denn nur die Feststellung des Nüchtern-Wertes ermöglicht eine gesicherte Diagnose. Für Sie heißt das:
  • Spätestens acht Stunden vor der Untersuchung dürfen Sie keine Nahrung mehr zu sich nehmen.
  • Trinken Sie nur noch ungesüßte oder kalorienfreie Getränke (Tee oder Wasser).

Oraler Glukosetoleranztest (oGTT)

Um herauszufinden, wie gut Ihr Körper Zucker verarbeitet, wird ein oraler Glukosetoleranztest (oGTT) durchgeführt. Ihr Arzt wird Sie hierfür bitten, morgens nüchtern in seine Praxis zu kommen. Da die Blutuntersuchung in der Regel morgens stattfindet, können Sie den Nahrungsverzicht gut durch Schlaf überbrücken.

  1. Beim oralen Glukosetoleranztest wird im ersten Schritt Blut abgenommen.
  2. Im zweiten Schritt trinken Sie ein Glas konzentrierte Zuckerlösung. Diese setzt sich aus 75 Gramm Traubenzucker auf 300 Milliliter Wasser zusammen.
  3. Nach zwei Stunden wird im dritten und letzten Schritt erneut Blut abgenommen.

Diabetes-Test beim Arzt

Vor Ihrer Blutuntersuchung sollten Sie sich normal und ausgewogen ernähren. Machen Sie also am besten nicht gerade eine Fastenkur und verzichten Sie am Vorabend auf eine üppige Mahlzeit. Dies verfälscht das Ergebnis und ist am Ende des Tages nicht unbedingt Sinn der Blutuntersuchung. Denken Sie auch daran, dass Medikamente Ihr Testergebnis ebenfalls beeinflussen können. Besprechen Sie daher am besten vorab mit Ihrem Arzt, ob Sie unter Umständen ein bestimmtes Medikament am Vortag weglassen sollen beziehungsweise dürfen.

Diabetes: Verlaufskontrolle / Werte

Beim Diabetes kommt es vor allem auf einen Wert an: die Menge von Glukose im Blut, den sogenannten Blutzuckerwert. Gemessen wird unter anderem der Blutzuckerspiegel auf nüchternen Magen, der sogenannte Nüchtern-Blutzuckerwert. Interessanterweise gibt es einen Ost-West-Unterschied in Deutschland bei der Maßeinheit, in der gemessen wird:

  • In Westdeutschland wird in der Regel in Milligramm pro Deziliter (mg/dl) gemessen.
  • In Ostdeutschland wird vielfach in Millimol pro Liter (mmol/l) gemessen.

In beiden Fällen geht es darum, herauszufinden, ob der Blutzuckerwert im Normalbereich liegt. Dies kann von einigen Faktoren abhängen:

  • Nach einem gehaltvollen Essen ist der Wert höher als im nüchternen Zustand (wenn Sie nichts gegessen oder getrunken haben).
  • Bei älteren Menschen liegen die Blutzuckerwerte in der Regel höher als bei jüngeren.
  • Während einer Fastenkur wird der Blutzuckerwert niedriger sein.
Info

HbA1c-Wert als Langzeitwert zur Bestimmung von Diabetes

Ein weiterer wichtiger Wert ist der sogenannte HbA1c. Bei der Abkürzung „Hb“ handelt es sich um den roten Blutfarbstoff Hämoglobin. Die roten Blutkörperchen werden nach acht bis zwölf Wochen im Körper abgebaut. Der Arzt kann also sehen, wie sich der HbA1c-Wert in dieser Zeitspanne entwickelt hat. Damit ist der HbA1c-Wert ein Diabetes-Langzeitwert.

Wertetabellen für Diabetiker

Die nachfolgenden zwei Tabellen geben Ihnen eine Übersicht über die verschiedenen Blutzuckerwerte und ab welchem Wert sie kritisch zu bewerten sind (Stand: 2020). (3) Zum leichteren Verständnis vorab:

  • mg/dl steht für die Maßeinheit Milligramm Zucker pro Deziliter Blut
  • mmol/l steht für die Maßeinheit Millimol Zucker pro Liter Blut

Nüchtern-Blutzuckerwerte & oGTT-Werte

Befund Normaler Wert
(kein Diabetes)
Gestörter Zuckerstoffwechsel
(Prädiabetes)
Wahrscheinlich Diabetes
Bemerkungen Die nachfolgenden Messwerte können nach einer üppigen Mahlzeit kurzfristig auftreten. Die nachfolgenden Messerwerte werden an mehreren Tagen gemessen.
Blutzuckerwert

(Nüchtern-Wert)

< 100 mg/dl
< 5,6 mmol/l
100 bis 125 mg/dl
5,6 bis 6,9 mmol/l
≥ 126 mg/dl
≥ 7,0 mmol/l
oGTT

(2-Stunden-Wert)

< 140 mg/dl
< 7,8 mmol/l
140 bis 199 mg/dl
7,8 bis 11,0 mmol/l
≥ 200 mg/dl
≥ 11,1 mmol/l

HbA1c-Werte

Befund Normaler Wert (kein Diabetes) Gestörter Zuckerstoffwechsel (Prädiabetes) Wahrscheinlich Diabetes
HbA1c

(Blutzucker-Langzeitwert)

4,5 bis 5,7 % 5,7 bis 6,4 % ≥ 6,5 %

Regelmäßige Kontrolle zur Vorbeugung von Diabetes-Folgeerkrankungen

Personen mit einer diagnostizierten Diabetes-Erkrankung müssen darauf achten, ihre Blutzuckerwerte im Normalbereich zu halten, um schlimme Folgen der Zuckerkrankheit zu verhindern.

Ein schlecht oder gar nicht behandelter Diabetes mellitus kann zu Wunden beispielsweise an den Füßen führen, dem sogenannten diabetischen Fuß. Diabetiker sollten ihren Füßen daher besonders viel Aufmerksamkeit schenken. Bereits milde Symptome wie trockene Haut und Hornhautbildung am Fuß können auf ein sogenanntes diabetisches Fußsyndrom hindeuten. In dem Fall sollten Betroffene mit ihrem Arzt sprechen und klären, ob eine medizinische Fußpflege zur Prävention in Frage kommt. Wenn der Arzt eine medizinische Notwendigkeit sieht, werden die Kosten der medizinischen Fußpflege in der Regel von der Krankenkasse übernommen. Daher ist es wichtig, die Werte, vor allem den HbA1c-Wert, regelmäßig zu kontrollieren.

Letztlich muss aber der Arzt den persönlichen Normalwert-Bereich festlegen. Die Ursachen eines Diabetes sind unterschiedlich. Menschen mit Diabetes können nicht nur einen erhöhten, sondern auch einen verminderten Blutzuckerwert haben. Der Arzt spricht dann von einer sogenannten Hypoglykämie. Wichtig ist daher auch, dass Betroffene einer Unterzuckerung vorbeugen. Die Unterzuckerung wird oftmals unterschätzt. Sinkt der Blutzuckerspiegel auf unter 70 mg/dl (3,9 mmol/l) droht Betroffenen eine Bewusstlosigkeit oder sogar Koma. Bei häufigen Unterzuckerungen steigt ab einem Alter von 65 Jahren auch das Risiko eine Demenz zu entwickeln. (4)

Experten-Info
Michael Loy
Zertifizierter Pflegeberater & Diabetesberater

Der HbA1c-Wert wird in der Regel quartalsmäßig beim Hausarzt oder Diabetologen bestimmt. Nach einer gestellten Diabetes-Diagnose werden die Blutzuckerwerte auch in kürzeren Abständen kontrolliert, um den möglichen Therapieerfolg zu überprüfen.

alle Informationen zu Michael Loy

Diabetes: Selbstmessung

Je nach Blutzuckerwert und Diabetes-Typ ordnet der Arzt zur regelmäßigen Kontrolle auch eine Selbstmessung durch den Betroffenen an. Diese erfolgt meist mehrmals täglich vor den Mahlzeiten mittels einer kleinen Blutentnahme am Finger oder Ohr oder mittels eines modernen Sensors im Unterhautfettgewebe. Die Messung und Kontrolle ist insbesondere für Insulinpatienten unumgänglich. Vor jeder Insulininjektion muss der aktuelle Blutzuckerwert bestimmt werden, um Unterzuckerungen zu vermeiden.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

/ 5 Bewertungen

Sie haben bereits bewertet.
Vielen Dank!
Wir haben Ihre Bewertung erhalten.
Vielen Dank für Ihre Anmerkungen!
Haben Sie noch Anmerkungen oder Verbesserungsvorschläge?



Erstelldatum: 9102.70.03|Zuletzt geändert: 1202.80.31
(1)
Deutsches Zentrum für Diabetesforschung (DZD) (2021)
https://www.dzd-ev.de/diabetes/diabetes-test/index.html (letzter Abruf am 17.05.2021)
(2)
Deutsche Diabetes Stiftung (2021)
https://www.diabetesstiftung.de/findrisk (letzter Abruf am 17.05.2021)
(3)
Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) (2020)
https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/fileadmin/user_upload/05_Behandlung/01_Leitlinien/Praxisempfehlungen/2020/dus_2020_S01_Praxisempfehlungen_Klassifikation-und-Diagnostik_Schleicher_01.pdf (letzter Abruf am 17.05.2020)
(4)
R. A. Whitmer, A. J. Karter, K. Yaffe, C. P. Quesenberry Jr. & J. V. Selby (2009)
Amerikanische Studie: Hypoglycemic Episodes and Risk of Dementia in Older Patients with Type 2 Diabetes Mellitus (deutsche Übersetzung: Hypoglykämische Episoden und Demenzrisiko bei älteren Patienten mit Typ-2-Diabetes mellitus)
(5)
Bildquelle
©istock.com/vgajic
Pflegegradrechner
Services
Einfach, schnell und kostenlos zum persönlichen Ergebnis
Treppenlift Vergleich
Services
Treppenlift-Angebote vergleichen & bis zu 30% sparen
Wanne zur Dusche umbauen
Services
Barrierefreie Dusche. Ihr Badumbau in wenigen Stunden.
Diabetes Ursachen
Ratgeber
Ursachen & Behandlungsmöglichkeiten von Diabetes mellitus
Notruflotse Serviceteaser
Services
Der Notruflotse - Geräte, Anbieter & Preise vergleichen!
Pflegeberatung Paragraph 37.3
Services
Kostenlose Pflegeberatung - Pflicht bei Pflegegeld-Bezug!
Abbildung
Services
Vergleiche, Beratung & mehr. Alle Services im Überblick.
24 Stunden Pflege finden Small
Services
24-Stunden-Pflegekraft ganz einfach legal anstellen
Das könnte Sie auch interessieren
Diabetes Ursachen
Ursachen & Behandlung
Diabetes mellitus: Ursachen & Behandlung
Diabetes-Typen
Diabetes-Typ 1, 2 & 3
Diabetes Typ 1, 2 & 3 im Detail
Diabetischer Fuß
Diabetischer Fuß
Was ist ein diabetischer Fuß?
Inkontinenzeinlagen
Inkontinenzeinlagen für Männer & Frauen
Inkontinenzeinlagen für Männer & Frauen
Entlastungsbetrag
Entlastungsbetrag
Betreuungs- und Entlastungsleistungen
Inkontinenzunterlagen
Inkontinenzunterlagen für Matratzen
Inkontinenzunterlagen