Aufstehhilfen

Aufstehhilfe / Aufrichtehilfe

Das Sofa zu tief, der Sessel zu weich und das Bett zu niedrig – so manches geliebte Möbelstück erweist sich mit steigendem Alter als wahres Problem: Es wird zunehmend schwer, von ihm hochzukommen. In dem Fall können Aufstehhilfen zum Einsatz kommen. Sie bieten eine komfortable Unterstützung beim Aufstehen und entlasten Pflegepersonen sowie Senioren. So können Betroffene möglichst lange selbstständig und mobil bleiben. pflege.de gibt einen Überblick der Aufstehhilfen für Bett, Sofa, Sessel und Toilette.

Inhaltsverzeichnis

Aufstehhilfen: Definition

Aufstehhilfen leisten mobil eingeschränkten oder schwachen Personen wertvolle Unterstützung, wenn sie aus eigener Kraft nicht mehr aus dem Bett, dem Stuhl oder der Badewanne aufstehen können. Ziel einer jeden Aufstehhilfe ist, dass sie Kräfte und Gelenke schont – und Betroffenen trotzdem zu einem sicheren und stabilen Stand verhilft. Anders als bei Personenliftern setzen Aufstehhilfen allerdings noch ein wenig Kraft im Oberkörper, besonders in den Armen, voraus.

Selbstständig sein – dazu gehört auch, dass bewegungseingeschränkte Personen nicht immer jemanden rufen müssen, um sich aus dem Bett oder dem Sessel zu erheben. Schließlich ist Mobilität nicht immer nur eine Frage der körperlichen Kraft, sondern oft eine der geschickt genutzten technischen Unterstützung. Zur Produktgruppe 22 der „Mobilitätshilfen“ im Hilfsmittelverzeichnis gehören neben den Umsetz- und Hebehilfen auch die Aufstehhilfen /- vorrichtungen für Sessel/Stühle.(1) Für jede Situation im Alltag eignet sich dabei eine andere Aufstehhilfe. pflege.de gibt einen Überblick über die verschiedenen Varianten.

Aufstehhilfen für das Bett

Für das Bett des Betroffenen kommen folgende Aufstehhilfen in Frage:

Haltegriff:

Gerade für Betten gibt es sehr einfache Aufstehhilfen in Form eines Haltegriffs, dessen unterer Teil unter die Matratze gelegt und am Lattenrost verankert wird. Damit sind die Haltegriffe sicher verankert, helfen beim Aufstehen und Umdrehen im Bett – und lassen sich sogar mit auf Reisen nehmen.

Seitengitter:

Eine ebenso hilfreiche Aufstehhilfe ist ein Seitengitter, das sich an viele Betten montieren lässt. Es bietet nicht nur Schutz vor Stürzen, sondern zugleich einen festen Halt für die Hände, wenn der Betroffene aus dem Bett aufstehen möchte.

Boden-Decken-Stange:

Wenn ein Griff am Bett zu unbequem scheint oder sich nicht montieren lässt, kann eine Boden-Decken-Stange zum Einsatz kommen. Diese Teleskopstange lässt sich zwischen Boden und Decke des Zimmers einspannen, dabei sorgt eine Gasdruckfeder für die komfortable Bedienung. Solche Boden-Decken-Stangen lassen sich mit Haltegriffen ausstatten, sodass man sich daran hochziehen kann. Sie sind schnell befestigt, denn die Montage erfordert weder Bohren, Dübeln noch Schrauben.

Bettleiter oder Trapezgriff:

Eine Bettleiter oder ein Trapezgriff, die fest am Fußende des Bettes verankert werden, leisten hilfreiche Unterstützung beim Aufstehen oder zunächst beim Aufrichten, indem sich der Betroffene über die Leiter beziehungsweise den Griff aus der Liege- in die Sitzposition zieht.

 

Tipp

Aufstehhilfen am Bett erweisen gute Dienste, wenn Sie oder Ihr pflegebedürftiger Angehöriger über den Umgang mit ihnen Bescheid wissen. Schwieriger wird es, wenn Sie einen Menschen mit Demenz pflegen. Eine Aufstehhilfe, über deren Sinn und Zweck er nicht genau Bescheid weiß, kann manchmal wie ein Hindernis wirken.

Aufstehhilfen für Stühle und Sessel

Katapultsitze:

Die Bezeichnung „Katapultsitz“ ist auf den ersten Blick ein wenig irreführend: Personen werden natürlich nicht mit Schwung herausgeschleudert, sondern im Gegenteil sanft angehoben, sodass sie mit wenig Kraft in einen stabilen Stand kommen. Damit bietet diese Aufstehhilfe vom Stuhl eine große Unterstützung, die auch Krankenkassen auf ärztliche Verordnung hin erstatten.

Katapultsitze sind eine Art Sitzauflage, lassen sich gut transportieren und in verschiedene Stühle legen. Der Stuhl (oder Sessel) sollte aber Armlehnen haben, sodass Sie oder Ihr Angehöriger sich während des „Katapultierens“ festhalten können. Manche Katapultsitze sind sogar mit einem kleinen Motor ausgestattet.

Elektrischer Motor:

Manch Sessel lässt sich auch mit einer Unterkonstruktion versehen, die Sie per Fernbedienung betätigen, wenn Sie aufstehen wollen. Ein kleiner Motor bewegt Ihren Sessel sanft und langsam nach vorn, sodass Sie wie von selbst zum Stehen kommen.

Aufrichtstühle-/oder Sessel werden nicht von der Krankenkasse bezuschusst, da sie „Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens“ und „keine Hilfsmittel im Sinne der Gesetzlichen Krankenversicherung“ sind. Einzige Ausnahme ist, wenn Sie ein ausführliches Attest haben, mit dem Sie den therapeutischen oder medizinischen Nutzen speziell für sich beziehungsweise Ihren Angehörigen nachweisen können.

Tipp
Sprechen Sie vor dem Kauf mit dem Pflegebedürftigen

Ob Katapultsitz oder elektrischer Motor für den Sessel: Bevor Sie solche Aufstehhilfen bestellen (und über Ihre Krankenkasse finanzieren lassen), sollten Sie sich damit vertraut machen. Mancher mag es nicht, wenn sich sein Sessel oder ein Sitz unter ihm – fast wie von Zauberhand – bewegt. Das kann Schwindel auslösen. Sprechen Sie einmal mit einem Pflegeberater: Es gibt oft die Möglichkeit, eine bestimmte Aufstehhilfe ein paar Tage lang auszuprobieren.

Aufstehhilfen für das Sofa

Gerade von Sofas fällt das Aufstehen vielen schwer, weil die Sitzbreite sehr tief ist und nur eine Armlehne zur Verfügung steht. Dafür gibt es speziell fahrbare Aufstehhilfen: Ein Untergestell wird unter dem Sofa eingeklemmt, ein Griff sorgt für den sicheren Halt beim Aufstehen, ein Tablett (bei manchen Modellen) bietet sogar noch Ablagemöglichkeiten für ein Glas und den Snack beim TV-Programm.

Kissen als Aufstehhilfe

Manchmal muss es weder ein neuer Stuhl, noch eine neue Couchgarnitur sein – schon das richtige Kissen ist für Sie vielleicht die ideale Aufstehhilfe. Es gibt extra hohe Sitzkissen mit einer festen Füllung. So sitzen Sie stabil und einfach etwas höher. Das Aufstehen fällt dementsprechend leichter.

Wichtig ist, dass Sie das passende Sitzkissen finden. Darauf sollten Sie achten:

  • Es sollte komfortabel für Sie sein,
  • gut in den Sessel oder auf den Stuhl passen,
  • waschbar und
  • mit einem Tragegriff ausgestattet sein.

Aufstehhilfen für WC / Toilette

Damit das Aufstehen vom WC weniger mühsam ist, bietet zum Beispiel eine Boden-Decken-Stange Senioren gute Unterstützung und einen sicheren Halt direkt neben der Toilette. In manchen Fällen reicht auch eine WC-Sitzerhöhung aus, um Senioren das Aufstehen von der Toilette zu erleichtern.

Aufstehhilfen für das WC/Toilette sind beispielsweise:

  • Boden-Decken-Stange
  • WC-Sitzerhöhung

Aufstehhilfen für die Badewanne

Vielleicht kennen Sie den guten alten Haltegriff aus Edelstahl an der Badewanne. Der liegt meistens etwas ungünstig an der Wand, sodass Sie sich zum Hinübergreifen strecken müssen. Dabei gibt es auch eine ganze Reihe moderner Haltegriffe, die Ihrem Angehörigen dabei helfen, selbstständig in die Badewanne ein- und auszusteigen. Viele der Haltegriffe für die Badewanne lassen sich übrigens ganz ohne Bohren und Dübeln anbringen wie beispielsweise der Saughaltegriff. Weitere Hilfen für die Badewanne sind Badewannenlifter. Die gehören zwar laut Hilfsmittelverzeichnis nicht zu den Aufstehhilfen, erfüllen aber den gleichen Zweck und bieten in der Badewanne viel Komfort für körperlich eingeschränkte Personen.

Aufstehhilfen für die Badewanne sind zum Beispiel:

  • Haltegriff / Saughaltegriff
  • Haltegriff mit Klemm-Mechanismus
Tipp
Machen Sie Ihren Wohnraum barrierefrei

In manchen Fällen ist es mit einer Aufstehhilfe allein nicht getan. Oftmals ist es ratsam, den Wohnraum frühzeitig barrierefrei zu gestalten, sodass Betroffene möglichst lange und selbstbestimmt im eigenen Zuhause wohnen bleiben können. Für den Transport innerhalb des Wohnraums zwischen den Ebenen haben sich beispielsweise Treppenlifte als Hilfsmittel für körperlich eingeschränkte Menschen bewährt. Falls der Haltegriff für die Badewanne nicht genügend Sicherheit bietet, gibt es auch hier komfortable Lösungen. Mit einem Umbau von der Wanne zur Dusche oder dem Einbau einer Sitzbadewanne, können sich bewegungseingeschränkte Personen weiterhin selbstbestimmt der Körperpflege widmen.

Elektrische Aufstehhilfen

Elektrische Aufstehhilfen wie eine nachrüstbare Unterkonstruktion für Ihren geliebten Sessel sind das eine – das andere sind elektrisch betriebene Sessel. Auch hier bewegt sich der Sessel auf Knopfdruck langsam nach vorn und nach oben. Sie kommen also wie von selbst in den Stand – ganz ohne Mühe.

Soll der Sessel so bleiben, wie Sie ihn lieben und seinen Komfort schätzen, dann wäre für Ihren Angehörigen vielleicht eine elektrisch betriebene Aufstehhilfe interessant. Die besteht aus einer fahrbaren Plattform mit einer Haltesäule. Ganz ohne Hilfe einer zweiten Person kommen Sie mit einer solchen Aufstehhilfe allerdings nicht zurecht, schließlich muss die Aufstehhilfe zu Ihnen kommen und Bremse sowie Motor müssen manuell bedient werden. Für stark bewegungseingeschränkte Personen, die noch selbst stehen können, kann eine elektrisch betriebene Aufstehhilfe ideal sein. Bedenken Sie dabei jedoch, dass Sie Platz brauchen, vor allem im Badezimmer.

Elektrische Aufstehhilfen sind zum Beispiel:

  • Unterkonstruktion für den Sessel
  • fahrbare Plattform mit Haltesäule
Info

Kostenübernahme / Zuzahlung der Krankenkasse

Aufstehhilfen gehören zu den Mobilitätshilfen und sind somit im Hilfsmittelverzeichnis gelistet, sodass in der Regel die Krankenversicherung für die Kosten aufkommt.(2) Voraussetzung ist, dass eine ärztlich Verordnung vorliegt. In manchen Fällen bewilligt die Krankenkasse zwar eine Aufstehhilfe, womöglich sogar den begehrten Sessel mit Fernbedienung, doch das kooperierende Sanitätshaus hält nur Standardware bereit. Was tun? Sprechen Sie mit Ihrer Krankenkasse. Oftmals zahlen Krankenkassen etwas dazu (bis zu 50 Prozent), wenn Sie auf eigene Kosten Ihren Wunschsessel ordern. Aber das sollten Sie immer vorab klären. Schließlich kostet so manch schöner Sessel mit Aufstehhilfe schnell mal über 1.000 Euro.

Aufstehhilfen vom Boden / Aufstehhilfen nach einem Sturz

Wenn Sie unfreiwillig auf dem Boden gelandet sind, ist vor allem eines wichtig: Bewahren Sie Ruhe! Sie werden eventuell nicht wieder allein hochkommen, haben aber vielleicht einen Hausnotruf und können den Notrufknopf drücken und auf Hilfe warten.

Wer sicher ist, dass er sich nichts gebrochen hat und genügend Kraft hat, sollte sich als erstes in den Vierfüßlerstand aufrichten. Das heißt: beide Hände und beide Knie berühren den Boden und der Blick zeigt zum Boden. Vielleicht können Sie nun langsam zu einem Stuhl oder einem stabilen Gegenstand in der Nähe krabbeln, an dem Sie sich hochziehen können.

Wer schwerer gestürzt ist und sich weh getan hat, dem helfen Hebekissen und Hilfspersonen beim Aufrichten. Der Betroffene kann auf das leere, gefaltete Kissen geschoben werden. Sobald er sicher liegt, wird per Knopfdruck Luft ins Kissen geblasen und er kommt langsam in einen stabilen Sitz oder – bei einer Hebematratze – in eine sichere Liegeposition.

Aufstehhilfen nach einem Sturz sind zum Beispiel:

  • Hebekissen
  • Hebematratze
Tipp
Wenden Sie das Hebekissen nicht unbedacht nach einem Sturz an

Ehe Sie ein Hebekissen bei einem Sturz einsetzen, sollten Sie zunächst überprüfen, ob die gestürzte Person bei Bewusstsein ist und ob sie eventuell über Schmerzen klagt wie etwa im Rücken, in den Armen oder Beinen. Wenn das der Fall ist oder die Person bewusstlos ist, sollten Sie das Kissen nicht mehr anwenden, sondern sofort einen Notarzt rufen. Bedenken Sie, dass sich gerade ältere Menschen leicht etwas brechen können und eine unachtsame Bewegung nach einem Sturz diesen Bruch verschlimmern kann.

Wartung und Reparatur von Aufstehhilfen

In der Regel erhalten Sie mit dem Kauf einer Aufstehhilfe einen Wartungsplan vom Hersteller und werden zum Beispiel durch Ihr Sanitätshaus bei der Wartung unterstützt. Die Kosten für die Reparatur und Wartung trägt normalerweise die Krankenkasse, es sei denn, Sie haben die Hilfe komplett selbst bezahlt. Dann sind Sie auch für die Kosten von Wartung & Reparatur allein verantwortlich.

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Erstelldatum: 6102.70.41|Zuletzt geändert: 1202.01.72
(1)
Hilfsmittelverzeichnis des GKV Spitzenverbandes 2018
https://hilfsmittel.gkv-spitzenverband.de/home/verzeichnis/37077c1f-51a3-40c8-bda4-a7e22d5c26a4 (letzter Abruf am 21.07.2021)
(2)
Sozialgesetzbuch (SGB V) Fünftes Buch - Gesetzliche Krankenversicherung - § 33 SGB V Hilfsmittel
www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbv/33.html (letzter Abruf am 22.06.2021)
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