Sturzgefahr erkennen und Sturzrisiko einschätzen

Sturzrisiko und Sturzgefahr

Stürze können viele Ursachen haben. Manchmal sind es Stolperfallen zuhause, manchmal körperliche Einschränkungen, Erkrankungen oder Medikamente. Wichtig ist, mögliche Risiken früh zu erkennen und richtig einzuschätzen.

pflege.de erklärt, welche Ursachen und Risikofaktoren eine Rolle spielen, woran sich eine erhöhte Sturzgefahr erkennen lässt und wie Sie das persönliche Sturzrisiko einschätzen lassen können.

Inhaltsverzeichnis

Ein Service von pflege.de
So berechnen Sie kostenfrei Ihren Pflegegrad
Pflegegrad berechnen

Das bedeutet Sturzrisiko/Sturzgefahr

Wie wahrscheinlich ist es eigentlich, dass ich stürze? Genau darum geht es beim persönlichen Sturzrisiko. Umgangssprachlich ist häufig von Sturzgefahr die Rede.

Das Risiko zu stürzen ist von Person zu Person unterschiedlich.

Ursachen und Risikofaktoren: Was erhöht die Sturzgefahr?

Sturzursachen sind vielfältig und häufig kommen mehrere Risikofaktoren zusammen. (1)

Für einen einfachen Überblick haben wir die Risikofaktoren in vier Bereiche gegliedert:

  • Körper und Mobilität: Beispielsweise Probleme mit dem Gleichgewicht, nachlassende Muskelkraft, schlechter werdende Beweglichkeit oder auch Gangunsicherheit
  • Gesundheit: Zum Beispiel nachlassendes Sehvermögen, Kreislaufprobleme, bestimmte Erkrankungen
  • Umgebung: Beispielsweise schlechte Beleuchtung, Stolperstellen, fehlende Haltegriffe
  • Medikamente: Zum Beispiel Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen
Info
Risikofaktoren: Wie wird Sturzgefahr fachlich eingeordnet?

Fachlich werden Risikofaktoren unterschiedlich eingeteilt. Der Expertenstandard des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege unterscheidet beispielsweise in personen-, medikamenten- und umgebungsbezogene Risikofaktoren. (2)

Vielleicht kennen Sie das: Sie sind schon einmal fast gestürzt, konnten sich aber gerade noch einmal fangen.

Solche „Beinahe-Stürze“ sind zwar streng genommen keine Stürze, sie spielen aber bei der Risikoeinschätzung eine Rolle. (2) Auch frühere Stürze können relevant sein.

Ein Service von pflege.de
Eine ältere Damen fährt mit einem Sitzlift
Treppenlifte vergleichen und sparen

Die Umbau-Experten von pflege.de helfen Ihnen den besten & günstigsten Treppenliftanbieter für Ihre Bedürfnisse zu finden.

  • Vergleichen Sie bis zu 4 Anbieter mit nur einer Anfrage!
  • Kostenlos und unverbindlich
  • Individuelle Fördermittelberatung

Erhöhte Sturzgefahr erkennen

Für ein erhöhtes Sturzrisiko kommen mehrere Faktoren zusammen. Deshalb lässt sich das persönliche Sturzrisiko nicht an einem einzelnen Merkmal festmachen.

Genauer hinschauen sollten Sie aber bei folgenden Alltagsbeobachtungen: (3)

  • Das Gehen wirkt unsicher
  • Aufstehen oder Hinsetzen fällt schwerer
  • Das Gleichgewicht geht häufiger verloren
  • Es gab bereits einen Sturz oder Beinahe-Sturz (2)
  • Beim Gehen wird zunehmend Halt gesucht, zum Beispiel an Möbeln oder einer Gehhilfe

Natürlich bedeuten einzelne Auffälligkeiten noch nicht, dass eine hohe Sturzgefahr besteht. Sie können aber ein Anlass sein, das persönliche Sturzrisiko genauer einzuschätzen.

Info
Darum ist auch ein „Beinahe-Sturz“ wichtig

Sie konnten sich gerade noch abfangen? Auch solche Beinahe-Stürze können Hinweise auf bestehende Risikofaktoren geben, zum Beispiel auf Gleichgewichtsprobleme. (2) Wer sein Sturzrisiko erkennen möchte, sollte deshalb auch Beinahe-Stürze ernst nehmen. Sie können ein Anlass sein, genauer zu prüfen zu lassen, ob eine Person sturzgefährdet ist.

Sturzgefahr zuhause: Stolperfallen und Wohnumfeld

Teppichkanten, herumliegende Kabel oder glatte Böden: Stolperfallen und andere ungünstige Bedingungen im Wohnumfeld können Ihr Sturzrisiko erhöhen.

Deshalb lohnt es sich, Ihr eigenes Zuhause einmal genauer anzusehen – zum Beispiel den Weg durch den Flur:

  • Sind die Wege frei?
  • Gibt es Stolperfallen wie Schwellen oder lose Teppiche?
  • Liegen Gegenstände oder Kabel im Laufweg?

Für die Sturzgefahr zuhause spielt natürlich das gesamte Wohnumfeld eine Rolle, vom Wohn- und Schlafzimmer über das Badezimmer bis in die Küche. Darüber hinaus gibt es auch Stolperfallen im Treppenhaus.

Sturzrisiko-Check für Ihr zuhause

Sie möchten Ihre persönliche Sturzgefahr besser einschätzen können und Ihr Zuhause Raum für Raum prüfen?

Mit unserem kostenlosen Zuhause-Check können Sie mögliche Gefahren festhalten und Auffälligkeiten für ein Beratungsgespräch notieren.

Bonus
Zuhause-Check: Wie sicher ist mein Wohnraum?
  • Raum für Raum mögliche Risiken erkennen
  • Stolperstellen und unsichere Bereiche gezielt prüfen
  • Praktische Hinweise für mehr Sicherheit zuhause

Sturzrisiko einschätzen: So gehen Fachpersonen vor

Ob Sie stürzen, hängt meist nicht von einer einzigen Ursache ab. Häufig kommen mehrere Faktoren zusammen, zum Beispiel eine unsichere Umgebung, nachlassende Muskelkraft, Sehprobleme oder bestimmte Medikamente. (4)

Wenn Ärztinnen, Ärzte oder andere Fachpersonen Ihr persönliches Sturzrisiko einschätzen, betrachten sie deshalb verschiedene Bereiche: (3)

  • Fragen und Beobachten: Sind Sie bereits gestürzt? Wie sicher können Sie gehen, aufstehen und sich hinsetzen?
  • Beweglichkeit prüfen: Dafür können standardisierte Tests eingesetzt werden.
  • Gesamtsituation berücksichtigen: Auch Erkrankungen, Medikamente, das Wohnumfeld und weitere Risikofaktoren spielen eine Rolle.

Je nach Situation können sie dabei unterschiedliche Tests und Sturzrisiko-Skalen einsetzen, zum Beispiel: (3)

  • Timed Up and Go: Dabei stehen Sie auf, gehen eine festgelegte Strecke, drehen sich um, gehen zurück und setzen sich wieder hin.
  • Tinetti-Test: Hier werden Ihr Gleichgewicht und Gang anhand verschiedener Aufgaben beurteilt.
  • Berg Balance Scale: Die Skala prüft verschiedene Aspekte des Gleichgewichts.

Solche Tests sind für die fachliche Einschätzung gedacht und sollten nicht auf eigene Faust zuhause durchgeführt oder ausgewertet werden. Wenn Sie unsicher sind, ob bei Ihnen oder einem Angehörigen ein erhöhtes Sturzrisiko besteht, ist die Hausarztpraxis eine gute erste Anlaufstelle.

Info
Was ist ein Sturzrisiko-Assessment?

Ein Assessment ist eine strukturierte Einschätzung. Beim Sturzrisiko können dafür Angaben zur Vorgeschichte, Beobachtungen und standardisierte Tests zusammengeführt werden.

Sturzrisiko erkannt: Was jetzt wichtig ist

In unserem Ratgeber konnten Sie verschiedene Bereiche kennenlernen, die das persönliche Sturzrisiko beeinflussen können.

Welche Maßnahmen als Nächstes sinnvoll sind, hängt davon ab, wo bei Ihnen mögliche Risiken liegen:

  • Unsicherheit beim Gehen oder Aufstehen? Lassen Sie die Ursache beim Arzt oder Facharzt abklären.
  • Medikamente als möglicher Faktor? Ändern Sie die Einnahme nicht auf eigene Faust. Lassen Sie lieber Ihre Medikamente ärztlich überprüfen.
  • Gefahren zuhause entdeckt? Prüfen Sie, welche Anpassungen im Wohnumfeld sinnvoll sein könnten, zum Beispiel Hilfsmittel, kleinere Umbaumaßnahmen oder bei Treppen auch ein Treppenlift.
Tipp
Unterstützung bei der Treppenlift-Suche

Wenn Treppen im Alltag zunehmend zum Hindernis werden, kann ein Treppenlift eine mögliche Lösung sein. Mit unserem kostenlosen Treppenlift-Service können Sie passende Anbieter vergleichen und sich unverbindlich beraten lassen.

Ein Service von pflege.de
Ein Treppenlift an einer Treppe
Treppenlifte vergleichen und sparen

Die Umbau-Experten von pflege.de helfen Ihnen den besten & günstigsten Treppenliftanbieter für Ihre Bedürfnisse zu finden.

  • Vergleichen Sie bis zu 4 Anbieter mit nur einer Anfrage
  • Kostenlos und unverbindlich
  • Individuelle Fördermittelberatung

Manchmal können schon kleine Veränderungen dazu beitragen, Risiken im Alltag zu verringern.

Welche Maßnahmen helfen können, die Sturzgefahr zu minimieren und damit Stürzen vorzubeugen, erfahren Sie in unserem Ratgeber zur Sturzprophylaxe.

 

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Sturzrisiko? Was ist Sturzgefahr?

Das Sturzrisiko beschreibt, wie wahrscheinlich es ist, dass eine Person stürzt. Umgangssprachlich wird auch von Sturzgefahr gesprochen. Das Sturzrisiko hängt meistens nicht von einem einzelnen Merkmal ab, sondern vom Zusammenspiel verschiedener Risikofaktoren.

Welche Ursachen und Risikofaktoren erhöhen die Sturzgefahr?

Dazu können körperliche Einschränkungen, Erkrankungen, Medikamente und ungünstige Bedingungen im Wohnumfeld gehören. Häufig kommen mehrere Faktoren zusammen.

Woran erkennt man ein erhöhtes Sturzrisiko?

Hinweise können zum Beispiel unsicheres Gehen, Schwierigkeiten beim Aufstehen, Gleichgewichtsprobleme sowie frühere Stürze oder Beinahe-Stürze sein. Einzelne Auffälligkeiten bedeuten aber nicht automatisch, dass ein hohes Sturzrisiko besteht.

Wie lässt sich das persönliche Sturzrisiko einschätzen oder ermitteln?

Dafür werden unterschiedliche Informationen zusammen betrachtet: Zum Beispiel frühere Stürze, Beobachtungen von Gang und Beweglichkeit, gesundheitliche Faktoren, Medikamente und das Wohnumfeld. Je nach Situation können dabei standardisierte Tests oder sogenannte Sturzrisiko-Assessments eingesetzt werden.

Was ist ein Sturzrisiko-Assessment?

Ein Sturzrisiko-Assessment ist eine strukturierte Einschätzung des Sturzrisikos. Dabei können Angaben zur Vorgeschichte, Beobachtungen und standardisierte Tests zusammengeführt werden.

Welche Tests und Skalen gibt es für das Sturzrisiko?

Je nach Situation können unterschiedliche Instrumente eingesetzt werden, zum Beispiel Timed Up and Go, der Tinetti-Test oder die Berg Balance Scale. Ein einzelner Test reicht jedoch nicht aus, um das persönliche Sturzrisiko vollständig zu beurteilen.

Warum sind Beinahe-Stürze wichtig?

Beinahe-Stürze gelten zwar nicht als Stürze, können aber Hinweise auf bestehende Risikofaktoren geben. Bei der Einschätzung der persönlichen Sturzgefahr sollten deshalb auch Situationen berücksichtigt werden, in denen sich eine Person gerade noch abfangen konnte.

Welche Gefahren zuhause können die Sturzgefahr erhöhen?

Dazu gehören zum Beispiel lose Teppiche, Schwellen, herumliegende Kabel oder Gegenstände im Laufweg und glatte Böden. Es lohnt sich, das eigene Wohnumfeld einmal Raum für Raum auf solche Stolperfallen zu prüfen.

Wie kann man das Sturzrisiko senken oder minimieren?

Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt von den eigenen Risikofaktoren ab. Möglich sind zum Beispiel die ärztliche Abklärung gesundheitlicher Ursachen, die ärztliche Überprüfung von Medikamenten sowie Hilfsmittel oder Anpassungen im Wohnumfeld.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

/ 5 Bewertungen

Sie haben bereits bewertet.
Vielen Dank!
Wir haben Ihre Bewertung erhalten.
Vielen Dank für Ihre Anmerkungen!
Haben Sie noch Anmerkungen oder Verbesserungsvorschläge?



Erstelldatum: 6202.01.2|Zuletzt geändert: 6202.01.2
(1)
Dachverband Ostelogie (2025): S3-Leitlinie „Körperliches Training zur Frakturprophylaxe“
https://register.awmf.org/assets/guidelines/183-002l_S3_Training_Frakturprophylaxe_2025-02_1.pdf (letzter Abruf am 25.08.2026)
(2)
Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (2022): Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege
https://www.dnqp.de/fileadmin/HSOS/Homepages/DNQP/Dateien/Expertenstandards/Sturzprophylaxe/Sturz_2Akt_Auszug.pdf (letzter Abruf am 25.08.2026)
(3)
Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (2026): S1-Leitlinie „Geriatrisches Assessment der Stufe 2, Living Guideline“
https://register.awmf.org/assets/guidelines/084-002l_S1_Geriatrisches-Assessment-Stufe-2_2026-02.pdf (letzter Abruf am 25.08.2026)
(4)
Lusardi, Michelle, et. al (2017): Determining Risk of Falls in Community Dwelling Older Adults: A Systematic Review and Meta-analysis Using Posttest Probability
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5158094/ (letzter Abruf am 25.08.2026)
(5)
Bildquelle
©CineLens/peopleimages.com – stock.adobe.com
Ein Angebot von pflege.de
Abbildung
curabox Pflege: Markenprodukte gratis für die Pflege zuhause
Anzeige
Pflegeberatung Paragraph 37.3
Kostenlose Pflegeberatung - Pflicht bei Pflegegeld-Bezug!
Ein Service von pflege.de
24 Stunden Pflege finden Small
24-Stunden-Pflegekraft ganz einfach legal anstellen
Das könnte Sie auch interessieren
Sturzprophylaxe
Sturzprophylaxe
Mit Sturzprophylaxe Stürzen vorbeugen
Körper- und Hautpflege
Körperpflege & Hautpflege
Hautpflege und Körperpflege in der Pflege
Mobilisation & Kinästhetik in der Pflege
Kinästhetik & Mobilisation
Kinästhetik und Mobilisation in der Pflege
Gangunsicherheit
Gangunsicherheit
Gangunsicherheit: Ursachen & Übungen
Prophylaxen in der Pflege
Prophylaxen in der Pflege
Vorbeugen mit System: Pflegeprophylaxen
Wechselwirkungen von Medikamenten
Wechselwirkungen von Medikamenten
Wechselwirkungen von Medikamenten