Osteoporose: Test & Diagnose

Osteoporose Diagnose

Eine Osteoporose lässt sich heute sicher diagnostizieren. Es gibt dafür verschiedene Verfahren, die schnell und schmerzfrei sind. Je mehr Verfahren miteinander kombiniert werden, desto eindeutiger kann Osteoporose diagnostiziert werden. pflege.de informiert über die Diagnostik-Methoden, mit denen Ärzte eine Osteoporose feststellen.

Inhaltsverzeichnis

Wie stellt man Osteoporose fest?

Inzwischen weiß die Medizin, dass die Knochendichte und das Risiko, einen Knochenbruch zu erleiden, miteinander in Beziehung stehen (s. Quelle 1). Je geringer die Knochendichte, desto höher das Bruchrisiko. Allerdings kann durch eine Knochendichtemessung allein nicht vorausgesagt werden, wie hoch das Risiko für einen Bruch ist. Hierzu ist es wichtig, die körperliche Verfassung des Patienten mitsamt seiner Vorerkrankungen sowie Risikofaktoren zu erheben.

Die Basisdiagnostik von Osteoporose setzt sich laut Dachverband Osteologie (DVO) aus folgenden Verfahren zusammen:

  1. Als Erstes sollte der Arzt die Krankengeschichte (auch: Anamnese) und den klinischen Befund sorgfältig erheben. Die Kenntnis über Vorerkrankungen sowie aktuellen Medikamenteneinnahmen ist wichtig, um festzustellen, welche Therapien oder Medikamente bei einem Patienten nicht angewendet werden dürfen (sog. Kontraindikationen). Hierfür fragt der Arzt mögliche Risikofaktoren für Osteoporose ab. Eine körperliche Untersuchung gibt Aufschluss über mögliche Bewegungseinschränkungen, Fehlhaltungen und Hinweise auf Wirbelkörperbrüche. Bei Patienten über 70 Jahren wird zusätzlich das Sturzrisiko ermittelt.
  2. Sind Anzeichen einer Osteoporose zu erkennen und äußert der Patient evtl. sogar Schmerzen, können Röntgenbilder weiterhelfen. Häufig werden bei einem Osteoporose-Verdacht Röntgenaufnahmen der Wirbelsäule gemacht, denn hierüber lassen sich Wirbelkörperbrüche schnell feststellen. Generell gehören bildgebende Verfahren nicht zur routinemäßigen Diagnosestellung. Mit ihnen kann bei Bedarf abgeklärt werden, wie alt oder stabil ein Bruch ist (s. Quelle 2).
  3. Im Labor werden das Blutbild und der Urin untersucht. Dieses sog. Basislabor ist wichtig, um eine mögliche sekundäre Osteoporose zu diagnostizieren oder um Risikofaktoren zu erkennen, die in der klinischen Untersuchung noch nicht aufgedeckt wurden. Auf Grundlage der Laborergebnisse kann u. a. auch ermittelt werden, welche Medikamente nicht verordnet werden sollten. Außerdem lassen sich so auch die Nierenfunktion sowie der Knochenstoffwechsel überprüfen, weil im Blut der Spiegel von Kalzium, Phosphat, Vitamin D und anderen Werte bestimmt werden kann.
  4. Wesentlicher Teil der Basisdiagnostik ist die Knochendichtemessung (auch: Osteodensitometrie). In diesem Verfahren ermittelt der Arzt den Mineralsalzgehalt der Knochen und kann anhand dieser Werte überprüfen, ob eine Osteoporose nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorliegt. Zusätzlich kann mithilfe einer Knochendichtemessung das Risiko für Knochenbrüche besser beurteilt werden (s. Quelle 3).
Tipp
Diagnosestellung bei Osteoporose-Verdacht: Mehr als nur Röntgenbilder

Zu einer umfassenden Diagnostik einer Osteoporose gehört mehr als nur eine Röntgenaufnahme. Kombiniert der Arzt die obengenannten Verfahren, kann er eine sichere Diagnose stellen.

Der Arzt wird sich ein umfassendes Bild von seinem Patienten machen. Dazu wird er ihn körperlich untersuchen und im Gespräch möglichst viele Risikofaktoren erfassen:

Das bringt der Arzt in Erfahrung Hintergrund
Wie alt ist der Patient und welches biologische Geschlecht hat er? Frauen sind nach der Menopause häufiger betroffen als Männer, ältere Menschen häufiger als jüngere.
Wie ist der Lebensstil? Unausgewogene Ernährung, zu wenig Bewegung sowie übermäßiger Alkohol- und/oder Tabakkonsum beeinträchtigen die Knochendichte.
Wie viel bewegt sich der Patient im Alltag?  Sitzende Tätigkeiten, Beschwerden durch Erkrankungen der Muskeln und Gelenke schränken die Bewegungsmöglichkeiten ein, wodurch das Osteoporose-Risiko steigt.
Welche Vorerkrankungen oder relevante Operationen liegen vor? Chronische Erkrankungen, eine Schilddrüsenüberfunktion oder die operative Entfernung der Eierstöcke können Osteoporose begünstigen.
Welche Medikamente nimmt der Patient ein? Bestimmte Medikamente können sich nachteilig auf die Knochendichte auswirken. Dazu gehören bspw. Schilddrüsen-Hormontabletten oder kortisonhaltige Arzneimittel.
Liegen in der Familie bereits Osteoporose-Erkrankungen vor? Leiden Familienmitglieder unter einem Rundrücken oder haben im Alter erheblich an Körpergröße verloren? Osteoporose kann erblich veranlagt sein. Die Veranlagung ist ein Risikofaktor.

Wie wird die Knochendichte gemessen?

Knochendichtemessung ist der Begriff, der am häufigsten fällt, wenn es um die Diagnose einer Osteoporose geht. Dabei wird der Mineralsalzgehalt des Skeletts gemessen und verschiedene Areale durchleuchtet, z. B. mit Röntgenstrahlen oder Ultraschallwellen. In der Regel wird die Knochendichte an der Lendenwirbelsäule, der Hüfte oder den Unterarmknochen ermittelt.

Das empfohlene Standardverfahren der Weltgesundheitsorganisation und dem Dachverband Osteologie ist das sog. DXA-Verfahren. Beim DXA-Verfahren (Dual Energy X-Ray Absorptiometry = Doppel-Röntgen-Absorptiometrie) werden die Lendenwirbelsäule und Hüfte mithilfe zweier Röhren geröntgt (s. Quelle 1 & 3).

Weitere Untersuchungstechniken, mit denen die Knochendichte gemessen werden kann, sind

  • Quantitative Computertomografie – QCT: Mithilfe von Röntgenschichtaufnahmen kann ein veränderter Knochenstoffwechsel erkannt werden.
  • Quantitative Ultraschallmessung – QUS: In diesem neuen Verfahren wird ermittelt, wie intensiv die Ultraschallenergie abgeschwächt wird.

Der Standard zur Knochendichtemessung: Doppel-Röntgen-Absorptiometrie – DXA

Beim Röntgen des Knochens nach der DXA-Methode wird gemessen, wie hoch der Mineralsalzgehalt im Knochen ist. DXA kommt aus dem Englischen und steht für „Dual Energy X-Ray Absorptiometry“. Mediziner führen die Messung an zwei Bereichen mit unterschiedlicher Strahlenenergie durch, meist an der Lendenwirbelsäule und Hüfte.

Röntgenstrahlen gelangen leichter durch die Knochen hindurch, wenn ihre enthaltene Kalziummenge niedrig ist. Je geringer der Mineralsalzgehalt in Form von Kalzium, desto poröser der Knochen, d. h. desto höher das Bruchrisiko.

Der gemessene Wert wird dann mit einem Normwert verglichen, also dem Wert, der bei einem gesunden, jüngeren Menschen durchschnittlich vorliegt. Die Abweichung vom Normwert ergibt den sog. T-Wert. Weicht dieser T-Wert bis zu -1 vom Normwert ab, liegt weder eine Osteopenie noch eine Osteoporose vor. Bei einem Wert von -2,5 oder niedriger, gilt die Diagnose Osteoporose als gesichert. Die Weltgesundheitsorganisation hat die T-Werte für die DXA-Messung definiert, woraus sich die verschiedenen Osteoporose-Stadien ableiten.

Osteoporose-Stadien nach Definition der Weltgesundheitsorganisation

Mediziner unterscheiden bei der Knochendichtemessung zwischen drei Osteoporose-Stadien sowie der Vorstufe Osteopenie. Die T-Werte orientieren sich an der Knochendichtemessung nach dem DXA-Verfahren:

Grad Einteilung T-Wert weitere Auffälligkeiten
0 Osteopenie (Vorstufe der Osteoporose) -1,0 bis -2,49 keine Brüche
1 Osteoporose <-2,5 keine Brüche
2 manifeste Osteoporose <-2,5 Wirbelkörperbrüche ohne Sturz
3 fortgeschrittene Osteoporose <-2,5 mehrfache Wirbelkörperbrüche und auch weitere Knochenbrüche
Info

Goldstandard für Knochendichtemessung

Nur das DXA-Verfahren wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem Dachverband Osteologie (DVO) empfohlen und gilt damit als Goldstandard unter den Methoden zur Knochendichtemessung. Es ist eine vielfach erprobte Methode, für die viele Daten und somit auch viele Vergleichswerte vorliegen. Dadurch lässt sich das Messergebnis sehr genau einordnen (s. Quelle 3).

Vorteile der DXA-Messung

  • Die Strahlenbelastung ist gering.
  • Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten, etwa zwischen 10 und 15 Minuten.
  • Die Untersuchung ist für den Patienten schmerzfrei.
  • Die Kosten werden i. d. R. bei Hinweisen auf Osteoporose von den Krankenkassen getragen.
  • Die Verlässlichkeit der Diagnose – Osteopenie oder Osteoporose – ist sehr hoch.
Tipp
DXA-Messung maximal alle zwei Jahre

Wenn auch die Strahlenbelastung bei der DXA-Messung als gering einzuschätzen ist, sollte diese Knochendichtemessung nur max. alle zwei Jahre durchgeführt werden.

Quantitative Computertomografie – QCT

Bei der sog. quantitativen Computertomografie (QCT) werden Röntgenschichtaufnahmen von der Lendenwirbelsäule angefertigt. Eine Stärke dieses Verfahrens ist, dass es die unterschiedlichen Knochenbestandteile getrennt voneinander abbilden kann. Auf diesem Weg kann eine erhöhte Stoffwechselaktivität im Inneren der Wirbelkörper bspw. ermittelt werden. Dieser veränderte Knochenstoffwechsel ist ein typisches Merkmal für Osteoporose, bei der mehr Knochenzellen abgebaut als aufgebaut werden.

Soll das Bruchrisiko von Lendenwirbelsäule und Hüfte eingeschätzt werden, ist das Verfahren laut Dachverband Osteologie (DVO) genauso gut geeignet wie das DXA-Verfahren. Im Vergleich zum DXA-Standardverfahren ist die Strahlenbelastung der Computertomografie (CT) für den Patienten aber um ein Vielfaches höher und birgt damit ein mögliches Gesundheitsrisiko (s. Quelle 3).

Quantitative Ultraschallmessung – QUS

Die sog. quantitative Ultraschallmessung (QUS) ist eine neuere Methode, mit der die Knochendichte ohne Strahlenbelastung gemessen wird. Es wird gemessen, wie stark die eingehenden Schallwellen vom Knochen abgeschwächt werden. Der gemessene Wert lässt auf den Mineralsalzgehalt rückschließen.

Dieses Verfahren bietet zum jetzigen Stand allerdings nur eine Orientierung: DXA- und QCT haben eine höhere Aussagekraft (s. Quelle 4).

Wer sollte seine Knochendichte messen lassen?

Eine Knochendichtemessung sollte veranlasst werden, wenn

  • der Verdacht auf Osteoporose besteht, z. B. bei Abnahme der Körpergröße, Rückenschmerzen ohne eindeutigen Ursprung, Gelenkerkrankungen mit eingeschränkter Beweglichkeit oder bei Brüchen nach der Menopause.
  • ein oder mehrere Risikofaktoren vorliegen: Frauen haben generell ein erhöhtes Osteoporose-Risiko. Aus diesem Grund sollten Frauen auch schon unter 65 Jahren eine mögliche Osteoporose überprüfen lassen, bei denen Risikofaktoren bestehen. Aber auch bei einer längeren Hormontherapie wird empfohlen, eine Knochendichtemessung durchzuführen. Weitere Risikofaktoren sind bspw. eine Nierenschwäche, Rauchen, Untergewicht oder die langfristige Einnahme von knochenschädigen Medikamenten wie z. B. Kortison.
Tipp
Ein Notrufsystem für den Ernstfall

Osteoporose birgt ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche – unabhängig davon, ob Ihnen die Diagnose bereits gestellt wurde. Im Ernstfall ist schnelle Hilfe wichtig, z. B. dann, wenn Sie stürzen. Mit einem Seniorennotruf können Sie mit nur einem Knopfdruck einen Notruf tätigen.

Kostenübernahme für die Knochendichtemessung

Bislang übernehmen die Krankenkassen die Kosten für eine Knochendichtemessung i. d. R. dann, wenn

  • ein Bruch ohne offensichtlichen Grund vorliegt und er somit auf Osteoporose hindeutet.
  • durch gegebene Risikofaktoren der Verdacht auf Osteoporose besteht.
  • ein Patient eine medikamentöse Therapie bei Osteoporose erhalten soll.

Eine Kostenübernahme, die lediglich der Vorsorge bzw. Früherkennung dient oder die ein Patient aus eigenem Interesse machen möchte, wird nicht von den Krankenkassen erstattet. In diesem Fall müsste der Patient eine sog. individuelle Gesundheitsleistung (auch IGeL) in Anspruch nehmen und die Kosten selbst tragen.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) beurteilt den Nutzen und Schaden von Gesundheitsleistungen. Es rät Personen unter 65 Jahren davon ab, diese Untersuchung ohne ersichtlichen Grund oder Risikofaktor in Anspruch zu nehmen (s. Quelle 5).

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Erstelldatum: 0202.60.51|Zuletzt geändert: 0202.80.81
(1)
Bildquelle
©crevis - stock.adobe.com
(2)
Quelle 1: Osteoporose Selbsthilfegruppen Dachverband e. V. (OSD)
www.osd-ev.org/osteoporose/knochendichtemessung/ (letzter Abruf 15.06.2020)
(3)
Quelle 2: Osteoporose Selbsthilfegruppen Dachverband e. V. (OSD)
www.osd-ev.org/osteoporose/osteoporosediagnose/ (letzter Abruf 15.06.2020)
(4)
Quelle 3: Dachverband Osteologie e. V. (DOV)
http://dv-osteologie.org/uploads/Leitlinie%202017/Finale%20Version%20Leitlinie%20Osteoporose%202017_end.pdf (letzter Abruf 15.06.2020)
(5)
Quelle 4: Osteoporose Selbsthilfegruppen Dachverband e. V. (OSD)
www.osd-ev.org/osteoporose/knochendichtemessung/osteodensitometrie/ (letzter Abruf 15.06.2020)
(6)
Quelle 5: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
www.iqwig.de/de/presse/pressemitteilungen/2012-oder-frueher/messung-der-knochendichte-bei-osteoporose-iqwig-veroeffentlicht-vorlaeufige-ergebnisse.2411.html (letzter Abruf 15.06.2020)
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