Linksherzinsuffizienz

Linksherzinsuffizienz

Ist das Herz durch eine verminderte Herzleistung schwach, spricht der Volksmund von der sog. Herzschwäche. Diese ernstzunehmende Erkrankung ist unter Medizinern als Herzinsuffizienz bekannt. Wenn die linke Herzhälfte die Herzschwäche verursacht, handelt es sich um eine sog. Linksherzinsuffizienz.
Diese spezielle Form der Herzinsuffizienz bringt besondere Symptome zum Vorschein. Wenn das Atmen schwerfällt, vor allem bei körperlicher Anstrengung, kann dahinter durchaus mehr stecken als mangelnde Fitness. Gerade die Atemnot bei Belastung ist ein – oft übersehenes – Warnzeichen für eine ernste Erkrankung. pflege.de klärt auf über Symptome, Ursachen und Therapiemöglichkeiten bei Linksherzinsuffizienz.

Inhaltsverzeichnis

 Linksherzinsuffizienz: Definition

Bei einer sog. Linksherzinsuffizienz ist, wie der Name schon sagt, nicht das gesamte Herz betroffen wie bei der Globalherzinsuffizienz, sondern die linke Herzhälfte. Ihre Aufgabe ist es, das sauerstoffreiche Blut in die Arterien zu pumpen, um alle Körperbereiche – vom Hirn bis zum kleinen Zeh – mit sauerstoffreichem Blut zu versorgen.

Bei der Linksherzinsuffizienz lassen sich zwei Formen unterscheiden:

  1. Die systolische Herzinsuffizienz: Der Herzmuskel ist so geschwächt, dass er sich nicht ausreichend zusammenziehen (kontrahieren) kann, um genügend sauerstoffreiches Blut in den Körper zu treiben. Es kommt zwar noch genügend Blut in die Kammer, doch sie kann es nicht mehr vollständig in den Körper abgeben.
  2. Die diastolische Herzinsuffizienz: Die linke Herzkammer hat ihre Elastizität verloren (z. B. durch das Sterben von Muskelzellen nach einem Infarkt). Sie kann nicht mehr genügend Blut aufnehmen. Es wird somit weniger Blut ins Herz und damit in den Körper gepumpt.

Ist die linke Herzkammer geschwächt, staut sich das Blut in der linken Herzkammer bis zurück zur Lunge (sog. Stauungslunge). Die Lunge kann diese Blutflüssigkeit nur begrenzt aufnehmen. Folglich überschwemmt sie das umliegende Bindegewebe und Zellzwischenräume mit dieser Flüssigkeit. Es kommt zum sog. Lungenödem.

Hintergrundwissen: Der Blutkreislauf des Herzens

Aufgabe des Herzens ist, das sauerstoffarme Blut in der Lunge mit Sauerstoff anzureichern und anschließend den Körper mit sauerstoffreichem Blut zu versorgen. Der Blutkreislauf des Herzens verläuft im Normalfall wie folgt:

Das sauerstoffarme Blut gelangt über die obere und untere Hohlvene in den rechten Vorhof. Entspannt sich der Herzmuskel, strömt das Blut über die Herzklappe in die rechte Herzkammer. Der Herzmuskel spannt sich an und das sauerstoffarme Blut wird über die sog. Pulmonalarterie in die Lunge gepumpt, wo es mit Sauerstoff angereichert wird. Anschließend strömt das sauerstoffreiche Blut über die Pulmonalvene in den linken Vorhof. Über die Herzklappe gelangt das sauerstoffreiche Blut in die linke Herzkammer. Von der linken Herzhälfte aus wird das sauerstoffreiche Blut in den Körper getrieben.

Systole und Diastole

Die Systole beschreibt die Phase, in der sich das Herz zusammenzieht (sog. Kontraktionsphase). Während dieser Kontraktion wird das Blut aus dem Herzen in den Lungen- und Blutkreislauf gepumpt.

Die Diastole ist die Phase, in der sich der Herzmuskel entspannt (sog. Erschlaffungsphase). In dieser Phase strömt das Blut aus den Vorhöfen in die Herzkammern.

Ursachen einer Linksherzinsuffizienz

Die Herzinsuffizienz wird auch häufig als Herzmuskelschwäche bezeichnet, denn tatsächlich beginnt jede Herzschwäche in der linken Herzhälfte, oftmals durch

  • Bluthochdruck
  • koronare Herzerkrankungen
  • Herzmuskelentzündungen
  • Herzklappenerkrankungen
  • Herzrhythmusstörungen

Symptome einer Linksherzinsuffizienz: akute und chronische Formen

Wie jede Herzinsuffizienz kann auch eine Linksherzinsuffizienz chronisch oder akut verlaufen.

Symptome: chronische Linksherzinsuffizienz

Bei einem chronischen Verlauf bleiben die Symptome zunächst eher unbemerkt, weil der Verlauf meist langsam ist:

  • Kurzatmigkeit
  • Müdigkeit und Schwäche
  • Husten
  • kalte Finger und Zehen

Klagt der Betroffene über Atemprobleme beim Liegen, kann es sich möglicherweise um eine Linksherzinsuffizienz im fortgeschrittenen Stadium handeln.

Info

Anspruch auf Hilfsmittel sichern

Linksherzinsuffizienz ist eine gesundheitliche Herausforderung, die symptomatisch an COPD erinnert. Patienten mit einer Linksherzinsuffizienz haben teilweise dieselben Einschränkungen, die das Leben im Alter bereithält. Deswegen sind Hilfsmittel für Senioren und Menschen mit Herzinsuffizienz gleichermaßen passend: Wird das Treppensteigen zu anstrengend, kann es nützlich sein, einen Treppenlift einbauen zu lassen. Die Pflegekasse kann bei anerkanntem Pflegegrad einen Zuschuss von bis zu 4.000 Euro gewähren. Prüfen Sie Ihren Anspruch.

Das Fatale an einer chronischen Linksherzinsuffizienz ist, dass auch die andere Herzhälfte in Mitleidenschaft gezogen werden kann (Rechtsherzinsuffizienz). Kann der Körper bei einer chronischen Linksherzinsuffizienz die Funktionsstörungen nicht mehr ausgleichen (kompensieren), droht dem Betroffenen eine sog. akute Krise, er wird ein akuter, medizinischer Notfall.

 

Info

Kompensierte und dekompensierte Herzinsuffizienz

Bei einer kompensierten Herzinsuffizienz kann der Körper die Funktionsstörungen ausgleichen (kompensieren). Diese Störungen machen sich meist bei stärkerer körperlicher Belastung bemerkbar. Bei einer dekompensierten Herzinsuffizienz kann der Körper die Störungen selbst in Ruhe nicht mehr kompensieren, beispielsweise bei Wasseransammlungen (sog. Ödemen) oder Luftnot.

Symptome: akute Linksherzinsuffizienz

Im Falle der akuten Herzinsuffizienz treten Symptome, die Folge eines Lungenödems sind, innerhalb weniger Minuten auf:

  • gesteigerte, sehr schnelle Atemfrequenz
  • zunehmende Atemnot, die sich verstärkt, wenn der Betroffene liegt
  • Husten
  • Herzrasen, Herzrhythmusstörungen
  • hörbare Rasselgeräusche beim Atmen
  • niedriger Blutdruck
  • kalter Schweiß
  • Blässe, evtl. auch Blaufärbung der Haut (wegen Sauerstoffmangel)

Eine akute Linksherzinsuffizienz kann z. B. auch nach einem Herzinfarkt auftreten, ohne dass zuvor eine chronische Linksherzinsuffizienz vorlag.

 

Info

Schnelles Handeln kann Leben retten!

Bei solch dramatischen Symptomen müssen Sie sofort den Notruf wählen und den Betroffenen ins Krankenhaus bringen lassen. Das Absetzen des Notrufs kann auch über ein intelligentes Notrufsystem erfolgen. Es zählt jede Sekunde, denn das überforderte Herz kann jederzeit komplett versagen. Außerdem wird der Körper des Betroffenen nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Wird das Gehirn nicht mehr ausreichend durchblutet, kann der Betroffene bewusstlos werden.

Diagnose einer Linksherzinsuffizienz

Die Diagnose erfolgt wie bei jeder Herzinsuffizienz: Mit einer ausführlichen Anamnese, einer umfassenden körperlichen Untersuchung, Laborwerten und bildgebenden Verfahren.

Zunächst müssen die Mediziner abklären, ob eine systolische oder diastolische Linksherzinsuffizienz vorliegt, denn an der Ursache orientiert sich die Therapie.

Diagnose von diastolischer Linksherzinsuffizienz

Eine diastolische Linksherzinsuffizienz ist schwer diagnostizierbar.

Bei Linksherzinsuffizienz handelt es sich um eine Krankheit im Alter: Vor allem ältere Menschen ab 70 Jahren sind betroffen, darunter mehr Frauen als Männer. Häufig liegt ein chronisch erhöhter Blutdruck vor, der den Herzmuskel erschlaffen lässt. In einigen Fällen verbergen sich auch Herzklappenfehler, Herzrhythmusstörungen oder andere koronare Erkrankungen hinter der Erkrankung.

Diagnose von systolischer Linksherzinsuffizienz

Die systolische Linksherzinsuffizienz betrifft wiederum häufiger Männer und tritt oftmals nach einem Herzinfarkt auf, der zum Absterben von Herzmuskelzellen geführt hat. Auch jahrelanger Bluthochdruck kann zu systolischer Linksherzinsuffizienz führen.

Therapie einer Linksherzinsuffizienz

Das erste Ziel der Therapie einer Linksherzinsuffizienz liegt in der Beseitigung der Ursachen:

  • Blutdruck richtig einstellen
  • Herzklappenfehler operativ beheben bzw. Herzklappen ersetzen, ggf. Schrittmacher-Implantation
  • Bypässe oder Stents bei koronaren Erkrankungen einsetzen

In einigen Fällen bedarf es keiner Operation, sondern spezieller Medikamente oder Veränderungen der Lebensweise. Je nach Stadium und Art der Linksherzinsuffizienz kann der behandelnde Arzt folgende Therapien empfehlen bzw. anordnen:

  1. nicht-medikamentöse Therapien
  • Körpergewicht reduzieren
  • auf Alkohol und Nikotin verzichten
  • auf eine salzarme Ernährung achten
  • Bewegung/Ausdauertraining (aber individuell je nach Stadium der Herzinsuffizienz)
  1. medikamentöse Therapien
  • ACE-Hemmer, um den Blutdruck zu senken, Veränderungen am Herzen zu vermeiden sowie die Atemnot zu lindern
  • Betablocker, um den Puls und den Blutdruck zu senken sowie Herzrhythmusstörungen vorzubeugen
  • Diuretika, um die Flüssigkeitseinlagerungen zu vermindern

Komplikation: Lungenödem

Sprechen Mediziner von sog. Ödemen, meinen sie damit Wassereinlagerungen im Körper. Im Fall eines Lungenödems befindet sich diese Einlagerung von Flüssigkeit in der Lunge. Ein kardiales Lungenödem ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, die sofortiger ärztlicher Hilfe bedarf. Bei Symptomen wie Atemnot, Rasselgeräuschen beim Atmen und schneller, flacher Atmung muss sofort gehandelt werden. Gerade im Rahmen einer Linksherzinsuffizienz kann ein Lungenödem auftreten. Mediziner unterteilen ein Lungenödem in vier Stadien:

Stadium Bezeichnung Beschreibung
I interstitielles Lungenödem Blutflüssigkeit fließt in die Zellzwischenräume des Lungengewebes.
II alveoläres Lungenödem Blutflüssigkeit fließt in die Lungenbläschen (Alveolen) und später auch in die Bronchien.
III Schaumbildung In den Bronchien bildet sich weißlicher Schaum, den die Betroffenen abhusten (wollen).
IV Asphyxie (Atemstillstand) Die mangelnde Sauerstoffversorgung des Körpers führt zu Atem- und Kreislaufstillstand.

Einer Linksherzinsuffizienz vorbeugen – das können Sie tun

Natürlich ist ein Herzklappenfehler nichts, dem Sie vorbeugen können. Doch anderen Risikofaktoren wie z. B. Bluthochdruck oder zu hohem Körpergewicht können Sie durchaus vermeiden:

  • Ernährung: Ernähren Sie sich kalorienbewusst und abwechslungsreich (die sog. mediterrane Kost mit viel frischem Obst, Gemüse und mehr Fisch als Fleisch ist eine gute Möglichkeit).
  • Stress: Achten Sie auf Ihren Stresspegel und gönnen Sie sich regelmäßig Auszeiten, damit sich Ihr Körper erholen kann.
  • Bewegung: Bewegen Sie sich ausreichend und Ihren Möglichkeiten entsprechend, z. B. beim Seniorensport (vielleicht mit Hilfe eines Schrittzählers, der Ihnen genau anzeigt, wie viele Schritte Sie pro Tag gehen – oder eben nicht).
  • Behandlung: Lassen Sie einen Bluthochdruck oder eine Fettstoffwechselstörung (z. B. einen hohen Cholesterinspiegel) nicht unbehandelt.

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Erstelldatum: 9102.01.22|Zuletzt geändert: 0202.70.7
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