Rechtsherzinsuffizienz

Rechtsherzinsuffizienz

Geschwollene Knöchel an beiden Füßen? Die geliebten Straßenschuhe passen nicht mehr? Hinter diesem Phänomen kann eine ernsthafte Erkrankung stecken: die Rechtsherzinsuffizienz.

Die Rechtsherzinsuffizienz ist eine spezifische Form von Herzinsuffizienz/Herzschwäche. Ursache für die verminderte Herzleistung und das dadurch geschwächte Herz ist die rechte Herzhälfte. pflege.de klärt auf über Symptome, Ursachen und Therapiemöglichkeiten bei Rechtsherzinsuffizienz.

Inhaltsverzeichnis

Rechtsherzinsuffizienz: Definition

Die Rechtsherzinsuffizienz ist – wie die Linksherzinsuffizienz – eine Unterform der Herzinsuffizienz (Herzschwäche). Bei einer Rechtsherzinsuffizienz arbeitet die rechte Herzhälfte nicht mehr richtig. Ihre Aufgabe ist es, das sauerstoffarme Blut zurück zur Lunge zu schicken, um es dort wieder mit Sauerstoff anzureichern. Ist die rechte Herzhälfte aber zu schwach, kommt es zum Rückstau vom Blut in den Venen. Der Venendruck erhöht sich so stark, dass Flüssigkeit in das Gewebe gepresst wird und es zu Wassereinlagerungen im Körper kommt.

Hintergrundwissen: Der Blutkreislauf des Herzens

Die wesentliche Aufgabe des Herzens ist, das sauerstoffarme Blut in der Lunge mit Sauerstoff anzureichern und anschließend den gesamten Körper mit sauerstoffreichem Blut zu versorgen. Der Blutkreislauf des Herzens verläuft im Normalfall wie folgt:

Über die obere und untere Hohlvene gelangt das sauerstoffarme Blut in den rechten Vorhof. Entspannt sich der Herzmuskel, strömt das Blut über die Herzklappe in die rechte Herzkammer. Der Herzmuskel spannt sich an und das sauerstoffarme Blut wird über die sog. Pulmonalarterie in die Lunge gepumpt, wo es mit Sauerstoff angereichert wird. Das sauerstoffreiche Blut strömt anschließend über die Pulmonalvene in den linken Vorhof. Über die Herzklappe gelangt das sauerstoffreiche Blut in die linke Herzkammer. Von der linken Herzhälfte aus wird das sauerstoffreiche Blut in den Körper getrieben.

Ursachen einer Rechtsherzinsuffizienz

Sehr häufig ist eine Rechtsherzinsuffizienz die Folge einer chronischen Linksherzinsuffizienz. Dann spricht man von einer Globalinsuffizienz. Der Grund: Bei einer chronischen Linksherzinsuffizienz staut sich das Blut in der Lunge. Infolgedessen kann die Lunge dann auch kaum Blut aus der rechten Herzkammer aufnehmen, um es mit frischem Sauerstoff anzureichern.

Auch Lungenerkrankungen können v. a. die rechte Herzhälfte schädigen: Akute oder chronische Lungenerkrankungen wie Asthma, Emphysem, COPD oder ein krankhaft erhöhter Blutdruck im Lungenkreislauf (pulmonale Hypertonie) erschweren dem Herzen die Arbeit und der Lungenkreislauf gerät ins Stocken. Auch eine Lungenembolie, der Verschluss von einer oder mehreren Lungenarterien, kann eine Rechtsherzinsuffizienz auslösen.

Eher seltener liegt die Ursache für eine Rechtsherzinsuffizienz in einem Herzklappenfehler oder einer Herzmuskelerkrankung.

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Das Lungenherz

Das sog. Lungenherz (cor pulmonale) bezeichnet eine überlastete rechte Herzhälfte, die sich ausgedehnt und erweitert hat, weil eine erkrankte Lunge (z. B. durch COPD) mehr Widerstand gegen das einströmende Blut aus dem Herzen aufweist.

Symptome einer Rechtsherzinsuffizienz

Die rechte Herzhälfte sorgt beim gesunden Menschen dafür, dass das verbrauchte, mit Kohlendioxid gesättigte Blut zur Lunge gepumpt wird, um dort mit frischem Sauerstoff versorgt zu werden. Tritt aber nun eine Schwächung der rechten Herzhälfte auf, gerät dieses fein austarierte System ins Stocken: Das verbrauchte Blut staut sich vor dem rechten Vorhof des Herzens. Die geschwächte rechte Herzhälfte kann die Mengen an zurückströmendem Blut aber nicht bewältigen. Das Blut verbleibt in den Venen, setzt die Gefäßwände unter Druck und schließlich gehen die flüssigen Bestandteile des Blutes ins umliegende Gewebe über. Schwellungen durch Wassereinlagerungen (sog. Ödeme) entstehen im Körper wie z. B. an den Knöcheln. Zudem wird der gesamte Körper nur unzureichend mit Sauerstoff versorgt, während zu viel Kohlendioxid vorhanden ist. Deshalb zeigt sich eine Rechtsherzinsuffizienz u. a. an folgenden Symptomen:

  • beidseitig geschwollene Knöchel, Fußrücken und Beine
  • allgemeine Schwäche und verminderte Belastbarkeit
  • Kurzatmigkeit
  • erhöhter Puls
  • Gewichtszunahme (relativ plötzlich, mehr als 2 kg/Woche) durch Wasseransammlungen im Gewebe
  • gestaute oder erweiterte Blutgefäße am Hals
  • häufiges nächtliches Wasserlassen (sog. Nykturie), weil die Herzleistung im Liegen noch ausreicht, um die Wassereinlagerungen wieder vermehrt auszuscheiden
  • Vergrößerung der Leber und der Milz
  • Flüssigkeitsansammlung in der Bauchhöhle (sog. Aszites), die zu Atemnot und sichtbarer Zunahme des Bauchumfangs führen kann
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Symptom: Geschwollene Beine

Bei einer Rechtsherzinsuffizienz sind immer beide Beine oder Knöchel geschwollen. Tritt eine Schwellung im Bein einseitig auf, handelt es sich möglicherweise um eine Thrombose, die umgehend ärztlich behandelt werden muss.

Die Rechtsherzinsuffizienz ist meist schon chronisch, ehe sie überhaupt entdeckt wird, da die Anfangssymptome relativ unspezifisch sind. Typische Schwellungen am Hals oder an beiden Beinen treten nämlich erst dann auf, wenn das Herz dem ständigen Druck des Blutes nicht mehr gewachsen ist und sich in Folge der ständigen Überlastung vergrößert und verändert.

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Nächtliches Wasserlassen kann möglicherweise auf Rechtsherzinsuffizienz hinweisen

Vor allem häufiges nächtliches Wasserlassen (sog. Nykturie) kann ein Hinweis auf eine chronische Rechtsherzinsuffizienz sein. Während der nächtlichen Liegephase des Körpers wird das geschwächte Herz so weit entlastet, dass der Körper die Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe abbauen (also über die Nieren ausscheiden) kann.

Komplikation: Die dekompensierte Rechtsherzinsuffizienz

Eine Rechtsherzinsuffizienz verläuft normalerweise über einen langen Zeitraum von Monaten oder sogar Jahren fast unmerklich. Oftmals ist es eine akute Krise (sog. Dekompensation), die den Betroffenen auf die schwere Erkrankung aufmerksam macht. Zu den Symptomen einer dekompensierten Rechtsherzinsuffizienz gehören:

  • akute Überlagerung mit Flüssigkeit
  • Atemnot und Kurzatmigkeit
  • Herzrhythmusstörungen
  • Schweregefühl in den Armen und Beinen
  • niedriger Blutdruck
  • Verschiebungen im Elektrolythaushalt, z. B. niedriger Natriumgehalt oder zu niedriger bzw. zu hoher Kaliumgehalt im Blut
  • Anstieg des Drucks im Lungenkreislauf (sog. Cor pulmonale)
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Kompensierte und dekompensierte Herzinsuffizienz

Bei einer kompensierten Herzinsuffizienz kann der Körper die Funktionsstörungen ausgleichen (kompensieren). Diese Störungen machen sich meist erst bei stärkerer körperlicher Belastung bemerkbar. Bei einer dekompensierten Herzinsuffizienz wiederum kann der Körper die Störungen selbst in Ruhe nicht mehr kompensieren.

Eine dekompensierte Rechtsherzinsuffizienz kann zum plötzlichen Herztod führen. Umso wichtiger ist es, dass bereits bei den ersten Anzeichen (z. B. Nykturie, starke Gewichtszunahme, Atemnot) sofort ein Arzt aufgesucht bzw. ggf. ein Rettungsdienst gerufen wird.

Diagnose einer Rechtsherzinsuffizienz

Die Diagnostik besteht aus einem ganzen Maßnahmenbündel. Von einer gründlichen Anamnese über die körperliche Untersuchung, bildgebenden Verfahren und Laborparametern. Eine zuverlässige Auskunft über das Vorliegen einer Rechtsherzinsuffizienz gibt z. B. ein EKG.

Rechtsherzinsuffizienz: Therapie & Behandlung

Wenn klar ist, welche Ursache die Rechtsherzinsuffizienz hat, kann die Therapie erfolgen.

  1. Dem Herzen die Arbeit erleichtern – Ursachen beheben

So werden Ursachen wie Asthma oder COPD möglichst gut eingestellt, um der geschwächten rechten Herzhälfte die Arbeit zu erleichtern.

  1. Das Herz stärken – Medikation

Gleichzeitig braucht das Herz eine Stärkung, damit es seine Pumpfunktion wieder besser ausüben kann und die Sauerstoffsättigung im Blut steigt. Zudem müssen die Flüssigkeitseinlagerungen möglichst verschwinden bzw. vermindert werden. Zur Therapie bzw. Behandlung einer Rechtsherzinsuffizienz verordnet der Arzt je nach Krankheitsstadium daher in der Regel einzelne Medikamente oder eine Kombination aus Präparaten wie z. B.:

  • ACE-Hemmer, um den Blutdruck zu senken, Veränderungen am Herzen zu vermeiden sowie die Atemnot zu lindern
  • Betablocker, um den Puls und den Blutdruck zu senken sowie Herzrhythmusstörungen vorzubeugen
  • Aldosteron-Antagonisten, um Ödeme abzubauen
  • Diuretika, um die Flüssigkeitseinlagerungen zu vermindern

Je nach Patient können weitere Medikamente als Ergänzung zur Basismedikation sinnvoll sein. Dies ist z. B. der Fall, wenn eine Unverträglichkeit gegen ein Arzneimittel vorliegt oder eine anhaltende Symptomatik trotz Basismedikation besteht. Über die Verordnung und Einnahme entscheidet Ihr behandelnder Arzt.

In schweren Fällen kann auch das Einsetzen eines Herzschrittmachers oder eines Defibrillators nötig sein, um Herzrhythmusstörungen vorzubeugen. Das letzte Mittel der Wahl ist eine Herztransplantation.

 

Rechtsherzinsuffizienz: Was Patienten selbst tun können

Vor allem, wenn die Rechtsherzinsuffizienz noch nicht stark ausgeprägt ist, kann der Patient selbst nach ärztlicher Absprache einiges tun, um seine Symptome zu lindern:

  • Nikotin- und Alkoholgenuss einstellen
  • Stress vermeiden
  • gesunde, abwechslungsreiche Kost
  • salzarme Kost
  • Flüssigkeitszufuhr nach ärztlicher Anordnung begrenzen (z. B. auf max. 1,5 Liter täglich)
  • angemessene Bewegung (keine Überlastung)
  • regelmäßiger Check-Up beim Kardiologen
  • Gewichtskontrolle
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Akute Dekompensation – Schnelles Handeln rettet Leben!

Die langfristige Therapie unterscheidet sich von der Behandlung bei einer akuten Dekompensation, also wenn der Körper die Funktionsstörungen nicht mehr kompensieren kann. Im Falle einer akuten Dekompensation sollte der Betroffene schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen, der ggf. ins Krankenhaus einweisen kann.

Pflege bei Rechtsherzinsuffizienz

Eine Rechtsherzinsuffizienz ist eine schwere Erkrankung, die auch zu den Krankheiten im Alter zählt und das gesamte Leben des Betroffenen ändert. Wie bei jeder Herzinsuffizienz ist es daher nötig, gemeinsam mit dem Hausarzt, den Fachärzten und der Familie angemessene und wohltuende Lebensumstände zu schaffen, die dem Betroffenen eine angemessene Lebensweise ermöglichen.

 

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Anspruch auf Hilfsmittel sichern

Rechtsherzinsuffizienz ist eine gesundheitliche Herausforderung, die symptomatisch an COPD erinnert. Patienten mit einer Rechtsherzinsuffizienz haben teilweise dieselben Einschränkungen, die das Leben im Alter bereithält. Hilfsmittel für Senioren und Menschen mit Herzinsuffizienz sind dementsprechend gleichermaßen passend: Wird das Treppensteigen zu anstrengend, kann es nützlich sein, einen Treppenlift einbauen zu lassen. Die Pflegekasse kann bei anerkanntem Pflegegrad einen Zuschuss von bis zu 4.000 Euro gewähren. Prüfen Sie Ihren Anspruch.

Als technisches Hilfsmittel gelten auch intelligente Notrufsysteme: Sie geben Menschen, die an einer Herzinsuffizienz leiden, Sicherheit in ihrem Zuhause. So können sie im Notfall schnell und einfach Hilfe rufen.

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Erstelldatum: 9102.01.22|Zuletzt geändert: 0202.70.7
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