Was ist ein Herdwächter?
Ein Herdwächter ist ein technisches Gerät mit Sensoren, die gefährliche Entwicklungen auf einem Kochherd erkennen. Wird eine kritische Situation festgestellt, trennt der Herdwächter den Herd vom Strom und entschärft so die Situation, bevor ein Brand überhaupt entstehen kann.
Ein Herdwächter oder „Herdsicherung“ wird meistens nachträglich in einen Herd eingebaut. Wenn ein Herd über eine „integrierte Abschaltautomatik“ verfügt, ist damit meistens nur die Abschaltung nach einer bestimmten Dauer gemeint. Das allein bietet nur geringe Sicherheit.
Denn auf einem Herd kann sehr schnell ein Feuer entstehen: Man stellt aus Versehen etwas Brennbares auf eine heiße Platte oder vergisst ein köchelndes Gericht über längere Zeit. Dann ist schnell die ganze Wohnung voll mit gefährlichen Rauchgasen – oder steht sogar schon lichterloh in Flammen.
Für wen ist ein Herdwächter geeignet?
Dass man mal etwas auf dem Herd vergisst – das kann jedem mal passieren. Das Risiko steigt aber stark, wenn Menschen mit neurodegenerativen Erkrankungen im Haushalt leben. Dazu gehören insbesondere Alzheimer und Demenz, aber zum Teil auch Parkinson oder andere Nervenerkrankungen.
Durch diese Erkrankungen werden die Betroffenen vergesslicher und achten manchmal nicht auf die Folgen ihres Handelns. Und wenn es tatsächlich zu einer gefährlichen Situation kommt, reagieren sie oft falsch. Hier kann ein Herdwächter eine besonders geeignete Lösung sein.
Funktionsweisen von Herdwächtern
Alle Herdwächter bestehen aus einer Kombination von Sensoren und einem Gerät zum Abschalten des Herds. Allerdings gibt es Unterschiede bei den Sensoren. Im Idealfall gibt es einen Hitzesensor, doch manche Modelle setzen auch rein auf „Präsenzerkennung“, also eine Art Bewegungsmelder.
Deutlich weniger Sicherheit bieten Herde mit zeitbasierter Abschaltautomatik. Sie schalten den Strom nach einer längeren Zeit ab – doch was in der Zwischenzeit bereits passiert, können sie nicht erkennen.
Im Folgenden erfahren Sie mehr zu allen drei Varianten:
- Hitzeerkennung
- Präsenzerkennung
- Zeitbasiertes Abschalten
Hitzeerkennung
Ein Hitzesensor kann zu jeder Zeit erkennen, ob bestimmte Temperaturen auf dem Herd überschritten werden. Dafür arbeiten die Geräte mit Thermo- und Infrarotsensoren, die genau zwischen unbedenklichen und kritischen Temperaturen unterscheiden können.
Die Hitzesensoren müssen dafür über dem Herd platziert werden. In der Regel also entweder unten an einer Dunstabzugshaube oder an der Wand hinter dem Herd. Manche Geräte arbeiten dabei mit Batterien und sind per Funk mit der Abschaltung verbunden, sodass keine Kabel nötig sind.
Sobald kritische Temperaturen erreicht werden, erklingt zunächst ein Alarmton. So bleiben einige Sekunden Zeit, um die Situation selbst zu entschärfen. Passiert das nicht, wird der Herd automatisch vom Strom getrennt. Später kann der Strom dann per Knopfdruck wieder eingeschaltet werden.
Präsenzerkennung
Die sogenannte „Präsenzerkennung“ registriert mit einer Art Radar-System, ob sich im Raum eine Person befindet. Der Sensor muss dafür nicht über dem Herd platziert werden und auch nicht sichtbar im Raum. Er kann zum Beispiel elegant in einem Küchenschrank neben dem Herd versteckt werden.
Sobald für einen vorher festgelegten Zeitraum keine Person mehr in der Nähe des Herdes ist, trennt der Herdwächter mit Präsenzerkennung den Herd vom Strom. Bei vielen Modellen wird der Strom auch gleich automatisch wieder eingeschaltet, wenn eine Person in den Raum zurückkehrt.
Herdwächter mit Präsenzerkennung sorgen dafür, dass ein eingeschalteter Herd nicht unbeaufsichtigt bleibt. Die Systeme erkennen aber nicht, ob die Person überhaupt wach, bei Bewusstsein oder in der Lage dazu ist, den Herd sicher zu bedienen. Theoretisch kann also trotzdem ein Brand entstehen.
Gerade bei veränderter Wahrnehmung, wie etwa durch eine Demenzerkrankung, werden Gefahrenquellen wie ein überhitzter Herd nicht immer erkannt. Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass selbst angebranntes Essen oft unbemerkt bleibt, obwohl die Person direkt in der Küche ist. Reine Präsenzerkennung bietet deshalb häufig nicht ausreichend Sicherheit.

Zeitbasiertes Abschalten
Das zeitbasierte Abschalten ist technisch viel einfacher als die Hitze- oder Präsenzerkennung, weil es keine Sensoren gibt. Sondern im Grunde nur eine Zeitschaltuhr: Nach einer bestimmten Zeit wird der Herd vom Strom getrennt. Wer weiter kochen will, schaltet den Strom dann eben wieder ein.
Das heißt aber auch: Ob der Herd längst eine kritische Temperatur erreicht hat, ob ein Mensch anwesend ist oder ob vielleicht schon längst alles in Flammen steht, kann diese Abschaltautomatik nicht erkennen. Zuverlässige Sicherheit bietet das zeitbasierte Abschalten also nicht.
Gerade neue Herde werden oft mit „integrierter Abschaltautomatik“ verkauft. Damit ist aber meistens nur ein zeitbasiertes Abschalten gemeint. Erkundigen Sie sich vor dem Kauf gerne beim Händler oder beim Hersteller, was bei dem konkreten Modell mit der integrierten Abschaltautomatik gemeint ist.
Zeitbasierte Abschaltungen können eine einfache Unterstützung sein, wenn es vor allem darum geht, gelegentliches Vergessen abzufangen. In der Praxis zeigt sich jedoch: Bei Demenz oder eingeschränkter Gefahrenwahrnehmung reicht diese Lösung oft nicht aus, da kritische Situationen unabhängig von der Zeit entstehen können.

Kosten für Herdwächter
Die Kosten für einen Herdwächter hängen vor allem von den verwendeten Sensoren ab:
- Herdwächter mit Hitzesensor kosten etwa 300 bis 600 Euro.
- Herdwächter mit Präsenzmelder kosten ungefähr 150 bis 400 Euro.
- Zeitbasierte Abschaltautomatik zum Nachrüsten kostet ungefähr 150 bis 300 Euro. Ist die Automatik bereits in den Herd integriert, ist das meistens günstiger und es entstehen keine zusätzlichen Anschlusskosten.
Dazu kommen in der Regel noch ungefähr 200 bis 300 Euro für einen Elektriker, der die Abschaltvorrichtung anschließt. Denn Herde sind in der Regel an 400 Volt angeschlossen, also an den umgangssprachlichen „Starkstrom“. Das ist eine Sache für Fachleute.
Unter bestimmten Voraussetzungen übernimmt die Pflegeversicherung die Kosten für den Herdwächter. Und wenn sie das tut, dann gehören auch die Handwerkerkosten dazu. Mehr dazu im folgenden Abschnitt.
Herdwächter als Pflegehilfsmittel
Herdwächter sind anerkannte technische Pflegehilfsmittel. Das heißt, dass in bestimmten Fällen die Pflegeversicherung die Kosten für die Anschaffung und den Einbau eines Herdwächters übernimmt. Grundvoraussetzung ist ein Pflegegrad und dass die Pflege hauptsächlich zuhause stattfindet.
Im Hilfsmittelverzeichnis sind Herdwächter im Bereich 52.40.03.3 zu finden. Sie gehören also zu den „Pflegehilfsmitteln zur selbständigeren Lebensführung“ und dort zur Untergruppe „Produkte zum Erkennen von Risiken und Gefahren“. (3)
Kostenübernahme bei der Pflegeversicherung beantragen
Den Antrag auf Kostenübernahme stellen Sie direkt bei Ihrer Pflegekasse oder Ihrer privaten Pflicht-Pflegeversicherung. Am besten lassen Sie sich dazu vorher von einem Pflegeberater oder Ihrer Versicherung beraten. Dann hat Ihr Antrag bessere Erfolgschancen.
Wichtig ist: Die Pflegeversicherung muss in Ihrem Antrag klar erkennen können, dass die ungesicherte Bedienung des Herds durch die pflegebedürftige Person ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellt. Zum Beispiel aufgrund einer Demenzerkrankung mit entsprechenden Symptomen.
Mehr Informationen zum Thema „Hilfsmittel-Empfehlung“ und weitere Tipps zum Antrag finden Sie im pflege.de Ratgeber Technische Pflegehilfsmittel.
Herdwächter nachrüsten und anschließen
Richtige Herdwächter werden im Normalfall immer „nachgerüstet“, also nachträglich eingebaut. Denn die meisten Hersteller meinen bei Neugeräten mit „integrierter Abschaltautomatik“ nur das zeitbasierte Abschalten. Diese Funktion bietet leider nur eingeschränkte Sicherheit.
Da Herde in der Regel einen 400 Volt-Anschluss haben, also den umgangssprachlichen „Starkstrom“, sollte den Anschluss ein Elektriker übernehmen. Wenn die Pflegekasse die Kosten für den Herdwächter übernimmt, dann trägt sie auch für den Einbau die Kosten.
Häufig gestellte Fragen
Was ist ein Herdwächter?
Ein Herdwächter ist ein Sicherheitsgerät, das Küchenbrände verhindern soll. Er überwacht den Herd mit Sensoren und schaltet ihn automatisch ab, wenn eine Gefahr erkannt wird. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Pflegeversicherung die Kosten für einen Herdwächter übernehmen.
Wie funktioniert ein Herdwächter?
Ein Herdwächter besteht aus einem oder mehreren Sensoren und einem Gerät zur Unterbrechung des Stromkreises, an den der Herd angeschlossen ist. Die Sensoren überwachen die Temperatur und / oder die Anwesenheit von Personen und unterbrechen die Stromzufuhr, wenn es gefährlich wird.
Was ist der Unterschied zwischen einem Herdwächter und einer Abschaltautomatik?
Neuere Herde haben oft eine integrierte Abschaltautomatik. In der Regel ist damit ein zeitbasiertes Abschalten gemeint, zum Beispiel nach 90 Minuten. Im Unterschied dazu hat ein Herdwächter Sensoren wie eine Hitze- oder Präsenzerkennung und reagiert direkt auf Gefahrensituationen.
Was kostet ein Herdwächter?
Die Kosten für einen Herdwächter liegen bei ungefähr 150 bis 600 Euro. Dabei sind die Modelle mit Hitzesensor etwas teurer, aber sie bieten auch am meisten Sicherheit. Die fachgerechte und sichere Installation durch einen Elektriker kostet oftmals noch weitere 200 bis 300 Euro.
Zahlt die Pflegekasse für einen Herdwächter?
Ja, unter bestimmten Voraussetzungen kann die Pflegekasse einen Herdwächter als technisches Pflegehilfsmittel finanzieren. Wenn sie das tut, kommt sie auch für den fachgerechten Einbau des Geräts auf. Stellen Sie auf jeden Fall den Antrag bevor Sie das Gerät erwerben oder einbauen lassen.



