Tagespflege und Nachtpflege: Entlastung für pflegende Angehörige

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Tagespflege Nachtpflege

Die Angebote zur Tagespflege und Nachtpflege können häusliche Pflegesituationen stabilisieren, weil pflegende Angehörige Auszeiten nehmen können, um sich zu erholen, und ihren Angehörigen dennoch in guten Händen wissen. Tagespflege und Nachtpflege sind Leistungen der Pflegeversicherung und werden in § 41 Sozialgesetzbuch Elf (SGB XI) geregelt. pflege.de klärt über diese beiden Formen der Pflege auf und gibt pflegenden Angehörigen hilfreiche Tipps für die Praxis.

Inhaltsverzeichnis

Pflegende Angehörige können auch weiterhin berufstätig bleiben und Beruf, Familie & Pflege vereinbaren, wenn sie ihr pflegebedürftiges Familienmitglied in guten Händen wissen. Als Gäste einer Tagespflege sind pflegebedürftige Menschen gut versorgt und vor allem nicht einsam, da sie tagsüber unter Gleichgesinnten sind und bedarfsgerechte Angebote der Einrichtung nutzen können. Manche Pflegesituationen können aber auch eine Betreuung während der Nacht, die sog. Nachtpflege, erfordern. Diese Form der Pflege eignet sich zum Beispiel für Menschen mit Demenz, die nachts besonders aktiv sind und deren Angehörige deshalb unter akutem Schlafmangel leiden, oder für Patienten, die auch nachts medizinisch behandelt oder überwacht werden müssen. Für diese Pflegesituationen gibt es die Angebote der Tagespflege und Nachtpflege.

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TAGESPFLEGE

Definition Tagespflege: Was ist Tagespflege für Senioren?

In Anlehnung an §41 des Sozialgesetzbuchs Elf (SGB XI) werden Tagespflege und Nachtpflege folgendermaßen definiert:

Pflegebedürftige haben Anspruch auf teilstationäre Pflege in Einrichtungen der Tages- oder Nachtpflege, wenn häusliche Pflege nicht in ausreichendem Umfang sichergestellt werden kann oder wenn dies zur Ergänzung oder Stärkung der häuslichen Pflege erforderlich ist. Die teilstationäre Pflege umfasst auch die notwendige Beförderung des Pflegebedürftigen von der Wohnung zur Einrichtung der Tagespflege oder der Nachtpflege und zurück.

Viele Angehörigen kümmern sich um ihre betreuungs- oder pflegebedürftigen Partner, Eltern oder Großeltern, wenn sie mehr und mehr Unterstützung im Alltag brauchen. Berufstätige können ihre Angehörigen aber oft nur in ihrer Freizeit versorgen und machen sich daher Sorgen, dass sich während ihrer Arbeitszeit oft niemand um ihre Angehörigen kümmert. Sie befürchten, dass sich in der Zeit ihrer Abwesenheit die betroffenen Angehörigen nicht ausreichend selbst versorgen – also genug essen und trinken – oder ihren Tag nicht mehr selbstständig strukturieren können. Deshalb suchen berufstätige Angehörige für ihre pflege- oder betreuungsbedürftigen Familienmitglieder geeignete Betreuungsangebote für den Tag. Viele pflegebedürftige Menschen wohnen alleine, sind ganz auf sich gestellt und bekommen ein- oder zweimal täglich Besuch vom ambulanten Pflegedienst. Wenn sie Hilfe beim Toilettengang benötigen, können sie damit aber nicht bis zum Besuch einer Pflegekraft warten. Auch für sie ist eine durchgehende Betreuung am Tag, wie sie die Tagespflege bietet, ideal.

Tipp
Ideal für Betreuungsbedürftige, die zuhause wohnen bleiben wollen

Tagespflege ist ideal für Senioren, die betreuungsbedürftig sind, aber weiterhin in ihrem heimischen Umfeld wohnen und ihre Lebensumstände nicht grundsätzlich ändern wollen. Sie halten sich tagsüber in der Tagespflegeeinrichtung auf und sind abends bzw. nachts wieder in ihrer bekannten Umgebung. Es ist das perfekte Bindeglied zwischen ambulanter und stationärer Pflege.

Das Konzept: Tagespflege für Senioren

Das Konzept Tagespflege ist ein Angebot für Menschen, bei denen eine kontinuierliche Anwesenheit notwendig ist, eine durchgehende Pflege aber nicht: Dann reichen die zeitlich begrenzten Besuche der ambulanten Pflegedienste zu Hause nicht aus, eine stationäre Pflege im Pflegeheim braucht der Pflegebedürftige aber (noch) nicht. Tagespflegeangebote können Menschen in Anspruch nehmen, die

  • alleinstehend und im höheren Alter sind. Ohne soziale Kontakte vereinsamen ältere Menschen. Sie entwickeln oft Depressionen, vernachlässigen sich und oft auch ihren Haushalt zusehends und verlieren ohne regelmäßigen Austausch mit anderen Menschen viele wichtige Fähigkeiten, die für ein selbstständiges Leben notwendig sind. Dazu gehören z. B. die zeitliche Orientierung, die Fähigkeit, den Tag zu strukturieren und ihren Haushalt zu führen (z. B. Aufräumen und Geschirr abwaschen).
  • mit zunehmendem Alter immer seltener Hunger und Durst verspüren. Das kann dazu führen, dass ältere Menschen, ausgelöst durch Schwächeanfalle und Mangelernährung, leichter stürzen und sich verletzen. Flüssigkeitsmangel kann außerdem dafür sorgen, dass sie verwirrt und orientierungslos sind.
  • kognitiv beeinträchtig sind (z. B. bei Demenz) und ohne Beaufsichtigung sich und andere Menschen in Gefahr bringen können, weil sie bspw. vergessen, den Herd auszuschalten, den Wasserhahn zuzudrehen oder die Zigarette auszudrücken.
  • alltagstypische Fähigkeiten erhalten oder wiedergewinnen möchten.
  • mit körperlichen Bewegungsbeeinträchtigungen ihren Alltag, also Haushalt, Kochen, Einkaufen, nicht mehr allein bewältigen können.
  • transportfähig sind. Das bedeutet: Sie dürfen nicht bettlägerig sein. Da Tagespflege-Einrichtungen barrierefrei sein müssen, ist der Besuch im Rollstuhl allerdings kein Problem. Der pflegebedürftige Gast einer Tagespflege sollte aber in der Lage sein, mehrere Stunden sitzend verbringen zu können.


Diese Leistungen bietet eine Tagespflege für Senioren

Neben speziellen Tagespflege-Einrichtungen bieten auch viele ambulante Pflege-Dienste oder Pflegeheime eine Tagespflege an. Die Einrichtungen orientieren ihr Angebot an den nachgefragten Leistungen in ihrem Umfeld: Manche Tagespflegeanbieter agieren besonders flexibel. Dann gibt es z. B. die Möglichkeit, nur am Mittagstisch teilzunehmen oder sogar am Wochenende für ein paar Stunden die Tagespflege-Einrichtung zu besuchen. Wenn der Leistungskatalog der Tagespflege nicht genau dem entspricht, was Sie für Ihren Pflegebedürftigen und Ihre Betreuungssituation benötigen, dann fragen Sie ruhig nach, schildern Sie die Umstände und Ihren Bedarf. Viele Tagespflegeeinrichtungen sind bereit, im Rahmen ihrer Möglichkeiten passende Lösungen für Ihre Betreuungssituation zu finden. Die meisten Tagespflege-Einrichtungen bieten

  • stunden- oder tageweise Betreuung in Gruppen von jeweils 10 bis 12 Tagesgästen.
  • oft mehrere Mahlzeiten, abhängig von den Öffnungszeiten: Frühstück, Mittagessen, Nachmittagskaffee, manchmal auch ein Abendessen.
  • Pflege und Betreuung: Leistungen der Grundpflege wie Hilfe beim Essen, beim Toilettengang und oft auch spezielle Betreuung von gerontopsychiatrischen Patienten (z. B. Demenz).
  • Freizeit- und Beschäftigungsprogramm: Gymnastik, Gedächtnistraining, gemeinsames Zeitunglesen, Kochen, Spiele & Beschäftigung, Singen, Spaziergänge, Ausflüge usw.
  • Fahrdienste (nicht immer, deshalb bitte nachfragen): In einem Rollstuhl-geeigneten Fahrzeug holt ein Mitarbeiter der Tagespflegeeinrichtung die pflegebedürftigen Gäste morgens ab und bringt sie abends wieder nach Hause.

Die Räumlichkeiten einer Tagepflege sind meist sehr wohnlich ausgestattet und bieten Gemeinschaftsräume, aber auch Rückzugs- und Ruhemöglichkeiten.

Das betreuende Personal einer Tagespflegestätte besteht in der Regel aus examinierten Alten- oder Krankenpflegekräften, Pflegehilfskräften, Hauswirtschaftskräften, Betreuungskräften nach § 37b und nicht selten auch ehrenamtlich engagierten Helfern. Wie die jeweiligen Teams zusammengesetzt sind, kommt auf die Anzahl der Gruppen, deren Größe und den jeweiligen Angebotsumfang der Tagespflegeeinrichtung an.

Tipp für pflegende Angehörige: Testbesuch in der Tagespflegeeinrichtung

Als Angehöriger sollten Sie sich ausführlich beraten lassen. Noch bevor Sie mit Ihrem Betreuungs-, Pflegebedürftigen oder Demenzkranken darüber sprechen, sollten Sie sich selbst ein Bild von der Pflegeeinrichtung machen. Vereinbaren Sie einen Gesprächstermin, zu dem Sie am besten alleine gehen. Nutzen Sie unbedingt die Erfahrungen der Pflege- und Betreuungskräfte im Umgang mit schwierigen Gästen, wenn Ihrem Angehörigen die Betreuung in einer Gruppe nicht ganz geheuer oder er/sie von der Notwendigkeit nicht überzeugt ist. Fehlende Einsicht und Ablehnung haben häufig einen Grund: Ein Pflegebedürftiger oder Betroffener mit Demenz hat verständlicherweise Angst vor der ungewohnten Situation, will seinen bisherigen Alltag nicht aufgeben und fürchtet den Verlust seines selbstbestimmten Lebens.

Info

Testbesuch in der Tagespflege

Wenn Ihr pflegebedürftiger Angehöriger den Aufenthalt in einer Tagespflege kritisch sieht, hilft meist keine noch so ausgeklügelte Überzeugungsarbeit, es zählt das eigene Erleben. Besprechen Sie mit den Betreuungskräften, ob ein Testbesuch möglich ist und wie er sich vorbereiten lässt. Für Neuankömmlinge gibt es oft ein Begrüßungsritual und das Personal ist meist erfahren genug, um neue Gäste so freundlich und charmant in die Tagespflege-Gruppe zu integrieren, dass sie sich schnell wohlfühlen.

Tipp
Neuer Pflege-TÜV zur Bewertung von Pflegeheimen

Ab Herbst 2019 werden Benotungen für Pflegeheime über den neuen sogenannten Pflege-TÜV vorgenommen. Dabei wird die Ergebnisqualität der Pflege in den Fokus genommen. Es wird also danach gefragt, welche Ergebnisse die Pflege erzielt. 

Tagespflege: Kosten im Überblick

Ebenso wie der Leistungsumfang einer Pflegeeinrichtung, so fallen auch die Kosten für Tagespflege unterschiedlich aus – je nach Einrichtung, Region und Leistungspaket. Lassen Sie sich zu den Kosten der Tagespflege, möglichen Kostenerstattungen durch die Pflegeversicherung und über Angebotsvarianten ausführlich informieren.

Was kostet Tagespflege? Die Kosten für eine Tagespflege setzen sich aus verschiedenen Posten zusammen:

  • Für die Unterbringung und die Verpflegung zahlt der Tagesgast oder sein Angehöriger entweder eine Stunden- oder Tagespauschale.
  • Wird ein Fahrdienst angeboten, dann berechnet der Tagespflege-Anbieter entweder eine Pauschale oder die tatsächlich anfallenden Kilometer.
  • Für Anschaffung und Instandhaltung der für die Tagespflegeeinrichtung notwendigen Gebäude und Einrichtungsgegenstände verlangt die Tagespflege-Einrichtung üblicherweise anteilige Investitionskosten.

Abhängig vom Pflegebedarf des Tagesgasts sind die Kosten für die Grundpflege (z. B. Unterstützung beim Toilettengang) oder Leistungen der Behandlungspflege (z. B. Medikamentengabe). Wer Leistungen ab Pflegegrad 2 erhält, der rechnet die pflegerische Versorgung direkt über die Pflegekasse bzw. Krankenkasse ab. Hier geht es zur ausführlichen Übersicht für Pflegeleistungen der Pflegekassen.

NACHTPFLEGE

Nachtpflege für Senioren – Erholung und Nachtruhe für pflegende Angehörige

Pflegeheime bieten für Pflegebedürftige, die zu Hause leben und versorgt werden, teilstationär Nachtpflege an, um pflegerische Leistungen wie Grundpflege und Krankenpflege auch in der Nacht fortzusetzen, wenn es der Gesundheitszustand des Pflegebedürftigen erfordert. Bedarf an Nachtpflege haben z. B. auch Intensivpflege-Patienten oder Patienten im Rahmen einer Palliativpflege. Sie enthält die gleichen Leistungen für Tagespflege mit dem einzigen Unterschied der Betreuungszeiten.

Spezialfall: Nachtpflege bei Demenz

Besonders wichtig ist das Angebot der Nachtpflege für pflegende Angehörige, die einen Angehörigen mit Demenz versorgen und betreuen. Je weiter die Krankheit fortschreitet, desto lückenloser muss die Beaufsichtigung und Betreuung einer Person mit Demenz sein. Denn Menschen mit Demenz können einfach weglaufen (sog. Lauftendenz) oder sich und andere Menschen sehr leicht in Gefahr bringen, weil sie vergessen, was sie tun oder nicht mehr abschätzen können, welche Folgen ihr Tun hat. Jedoch kann es kein Mensch leisten, sich rund um die Uhr um einen Menschen zu kümmern, ohne selbst krank zu werden. Dauerhafter Schlafmangel und Erschöpfung machen krank. In diesem Fall ist Nachtpflege eine Lösung.

Im Rahmen der Nachtpflege für Senioren wird der Pflegebedürftige stundenweise in der Nacht von Pflegern in einem Pflegeheim versorgt, welche die Aufgaben des pflegenden Angehörigen zeitweise übernehmen. Pflegebedürftige können die Nacht z. B.  in einer stationären Einrichtung, die sich auf die besonderen Bedürfnisse von Personen mit Demenz (z. B. Umkehr von Tag-Nacht-Rhythmus) spezialisiert hat, verbringen. Einige Heime bieten für die Betreuung von nachtaktiven Personen ein Demenz-Nachtcafé.

Demenz - Demenzformen
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Nachtpflege: Kosten im Überblick

Die Kosten für eine Nachtpflege setzen sich aus verschiedenen Posten zusammen:

  • Der Pflegebedürftige oder seine Angehörigen übernehmen die Kosten für Unterbringung und Verpflegung der Nachpflege.
  • Wird ein Fahrdienst angeboten, dann berechnet die Nachtpflege-Einrichtung entweder eine Pauschale oder die tatsächlich anfallenden Entfernungskilometer. Diese Kosten werden nach § 41 Abs. 1 SGB XI von der Pflegekasse übernommen.
  • Für die Anschaffung und Instandhaltung der für die Nachtpflege-Einrichtung notwendigen Räumlichkeiten und Einrichtungsgegenstände werden üblicherweise anteilige Investitionskosten erhoben.
  • Die Kosten für die grundpflegerische Versorgung (z. B. Unterstützung beim Toilettengang) und die Leistungen der Krankenpflege (z. B. Medikamentengabe) sind abhängig vom Pflegebedarf des Pflegebedürftigen. Wer Leistungen aus einem der fünf Pflegegrade erhält, kann einige dieser Kosten über die Pflegekasse abrechnen. Um die Leistungen bei der Krankenkasse einreichen zu können, benötigen Sie eine Arztverordnung.

Pflegeeinrichtungen in Deutschland

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Erstelldatum: .02.106102|Zuletzt geändert: .11.709102
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Interview

Ein Tag in einer Tagespflege-Einrichtung

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Stephanie Götze
Im Interview
Stephanie Götze
Altenpflegerin & Gedächtnistrainerin

Stephanie Götze ist examinierte Altenpflegerin und Gedächtnistrainerin. Nach ihrer Ausbildung zur Altenpflegerin hat sie zunächst neun Jahre im stationären Bereich in einem Pflegeheim gearbeitet. Seit drei Jahren betreut sie überwiegend Demenzkranke in einer Tagespflegeeinrichtung in Norddeutschland.

Die Tagespflege als teilstationäre Pflegeform soll die Pflegesituation in der Häuslichkeit stabilisieren und entlasten: Betreuungs- und Pflegebedürftige verbringen den Tag meist vom Frühstück bis zum späten Nachmittag in der Tagespflege-Einrichtung. Aus diesem Grund ist diese Form der Betreuung v. a. für Demenzkranke sinnvoll, die keine vollumfängliche Pflege brauchen, aber durchweg gute Betreuung. pflege.de hat mit der examinierten Altenpflegerin und Gedächtnistrainerin Stephanie Götze gesprochen, die seit drei Jahren in einer Tagespflege-Einrichtung arbeitet. Sie erzählt von ihrem Beruf und gibt einen Einblick in den Alltag der Tagespflege.

Die Tagespflege als teilstationäre Pflegeform soll die Pflegesituation in der Häuslichkeit stabilisieren und entlasten: Betreuungs- und Pflegebedürftige verbringen den Tag meist vom Frühstück bis zum späten Nachmittag in der Tagespflege-Einrichtung. Aus diesem Grund ist diese Form der Betreuung v. a. für Demenzkranke sinnvoll, die keine vollumfängliche Pflege brauchen, aber durchweg gute Betreuung. pflege.de hat mit der examinierten Altenpflegerin und Gedächtnistrainerin Stephanie Götze gesprochen, die seit drei Jahren in einer Tagespflege-Einrichtung arbeitet. Sie erzählt von ihrem Beruf und gibt einen Einblick in den Alltag der Tagespflege.

Liebe Frau Götze, Sie versorgen seit drei Jahren überwiegend Menschen mit Demenz in einer Einrichtung für Tagespflege. Wie bewerten Sie die Tagespflege als Bestandteil der häuslichen Pflege?

Meiner Meinung nach ist die Tagespflege die bestmögliche Ergänzung zur häuslichen Pflege, durch sie wird das ambulante Versorgungskonzept rund. In vielen Familien werden die Pflegebedürftigen morgens noch versorgt, gewaschen und angezogen – entweder von einem ambulanten Dienst oder Angehörigen. Danach werden die Betroffenen von unserem Fahrdienst abgeholt, sie verbringen den Tag bis zum späten Nachmittag bei uns und sind meistens gegen 17 Uhr wieder in ihrem Zuhause. Abends kommt oft noch einmal der ambulante Dienst, der sie bettfertig macht – damit ist die durchgehende Betreuung und Versorgung gewährleistet und das Konzept der Tagespflege ein sehr wertvoller Bestandteil für die häusliche Pflege.

Das Konzept der Tagespflege ist ein sehr wertvoller Bestandteil für die häusliche Pflege.
Stephanie Götze

Für viele Pflegebedürftige ist die Kombination aus Tagespflege und ambulanter Pflege auch die einzige Alternative zum Heimplatz. Sie möchten zuhause wohnen bleiben, benötigen aber tagsüber Betreuung. Viele Angehörige können das entweder psychisch oder beruflich nicht leisten, daher kommen die älteren Menschen zu uns. Wir sind für sie da – das gibt den Betroffenen ein gutes Gefühl und verschafft Angehörigen Entlastung und Freiraum. Das ist für alle Beteiligten wichtig.

Was leistet ein Tagespflege-Einrichtung?

Tagespflege-Einrichtungen bieten vom Fahrdienst über therapeutische Anwendungen bis zu den Mahlzeiten eine große Bandbreite an Services an. Unser Fahrdienst berücksichtigt sogar den individuellen Zeitplan der Gäste, die morgens zu unterschiedlichen Uhrzeiten abholbereit sind. Unsere Transportfahrzeuge sind auch auf den Transport von Rollatoren und Rollstühlen ausgelegt, so dass Gäste ihre Gehhilfen und Mobilitätshilfen mitbringen können.

Wir versorgen die Gäste mit Frühstück, Mittagessen und Kaffee und Kuchen – die Mahlzeiten geben dem Tag eine feste Struktur und finden immer zur gleichen Zeit statt. Daneben bieten wir therapeutische Maßnahmen und Unterhaltung an. Unsere Gäste mögen zum Beispiel überhaupt nicht basteln, lieben es aber, Monopoly zu spielen. Manchmal machen wir Ausflüge an die Elbe oder auf den Spielplatz, gehen zusammen spazieren oder ein Eis essen. Ich bin zudem ausgebildete Gedächtnistrainerin und fordere unsere Gäste immer wieder kognitiv mit Gedächtnisübungen. Dabei herrscht keine Schulatmosphäre, aber es gibt anspruchsvolle Aufgaben für den Kopf. Das alles ergibt einen anregenden und abwechslungsreichen Tagesablauf.

Eine wichtige Aufgabe der Tagespflege ist aber auch, dass wir soziale Kontakte herstellen und Gleichgesinnte verbinden – unabhängig von körperlichen oder geistigen Einschränkungen. Manche Gäste setzen wir zusammen an einen Tisch und die passen einfach gut zusammen. Sie freunden sich an, treffen sich regelmäßig auch außerhalb der Einrichtung und laden sich gegenseitig zum Geburtstag ein.

Wie sieht ein klassischer Tagesablauf in einer Tagespflege-Einrichtung aus? Gibt es feste „Programmpunkte“?

Jeder Tag verläuft natürlich ein Stück weit anders, bei uns geben die Mahlzeiten jedem Tag aber eine feste Struktur. Frühstück, Mittagessen und Kaffee/Kuchen finden immer zur gleichen Uhrzeit statt, drumherum organisieren wir die einzelnen Aktivitäten wie therapeutische Anwendungen, Ausflüge, Spiele und kognitive Übungen halbwegs flexibel.

Die Gäste kommen zwischen 8 und 9:30 Uhr bei uns zum Frühstück an, um 12 Uhr gibt es Mittagessen und Kaffee und Kuchen tischen wir gegen 14:30 auf. Danach werden die Gäste wieder nach Hause gebracht. Zwischen den Mahlzeiten gestalten wir den Tag auch abgestimmt auf die Jahreszeiten und die Klientel, die sich immer mal wieder ändert. Bei gutem Wetter sitzen wir oft im Garten, gehen spazieren, machen mal einen Ausflug an die Elbe; im Winter spielen wir öfter drinnen oder backen Weihnachtsplätzchen.

Wer ist der klassische Besucher einer Tagespflege-Einrichtung?

90% unserer Gäste haben die Diagnose Demenz, die bei jedem Gast anders ausgeprägt ist. Fast alle wohnen noch zu Hause und werden durch einen ambulanten Pflegedienst und/oder Angehörige versorgt, am häufigsten übernehmen die Ehepartner die häusliche Pflege und Betreuung. Die Ehepartner kommen dann häufig auf uns zu mit der Bitte „Ich brauch mal ein bisschen Zeit für mich, ich schaffe das nicht mehr alleine. Ich kann sie/ihn nicht mit zum Einkaufen nehmen“. Eine kurze Auszeit und Zeit für persönliche Erledigungen sind der Hauptgrund, warum Angehörige ihre Betreuungsbedürftigen bei uns abgeben. Die meisten Gäste kommen ein bis drei Mal die Woche.

Die Ehepartner kommen häufig mit der Bitte „Ich brauch mal ein bisschen Zeit für mich, ich schaffe das nicht mehr alleine.
Stephanie Götze

Daneben kommen aber auch ein paar ältere Menschen aus dem Ort, die noch fit sind und keinen Pflegegrad haben, sich aber einfach ein bisschen Unterhaltung wünschen und neue Leute kennenlernen möchten. Die bezahlen die Versorgung bei uns dann privat, da sie ja keine Leistungen aus der Pflegekasse erhalten.

Gibt es Voraussetzungen, die die „Besucher“ erfüllen müssen?

Nein. Manche Tagespflege-Einrichtungen nehmen Gäste erst ab einem Alter von 70 Jahren auf, unsere Einrichtung ist diesbezüglich sehr offen. Wir haben aktuell z. B. einen 38-jährigen Gast, der an Demenz erkrankt ist und gut in die Gruppe aufgenommen wurde.

Wann geht der Pflegebedarf für die Tagespflege zu weit? Das heißt: Bei welchem Grad der Pflegebedürftigkeit muss eine andere Form der Versorgung gefunden werden?

Tagespflege-Einrichtungen sind häufig wie ein Wohnzimmer oder ein Café eingerichtet. Bei uns sieht es auch nicht nach Pflege aus.
Stephanie Götze

Pflegebedürftige können bei uns in der Tagespflege nicht mehr ausreichend versorgt werden, wenn sie sich hinlegen müssen, dabei auf ein richtiges Pflegebett angewiesen sind und medizinisch versorgt werden müssen. Wir haben einfach nicht die entsprechenden Mittel, sondern lediglich ein paar Sessel zum Schlafen. Wenn jemand nicht den ganzen Tag im Rollstuhl sitzen kann und komplett liegen muss, kann er in einer Einrichtung für Tagespflege in der Regel nicht mehr versorgt werden. Tagespflege-Einrichtungen sind häufig ja eher wie ein Wohnzimmer oder ein Café eingerichtet. Bei uns sieht es auch nicht nach Pflege aus.

Was sind Ihrer Meinung nach gute Gründe, die für die Betreuung in einer Tagespflege sprechen?

Eine Tagespflege ist meistens eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Die betreuungsbedürftigen Menschen sind tagsüber unter Gleichgesinnten, werden versorgt und unterhalten; für pflegende Angehörige ist es eine große Entlastung und eine kleine Auszeit von der anstrengenden Pflege. Vielen Angehörigen ermöglicht die Tagespflege überhaupt erst, weiterhin zur Arbeit zu gehen und etwas für sich zu machen.

Gerade für Demenzkranke ist der Austausch in einer Tagespflege wichtig, um nochmal ein neues Selbstbild von sich zu bekommen. Und zwar wenn sie mit vielen Gleichgesinnten zusammensitzen und sehen, dass sie nicht der einzige mit Defizit xy sind. Dann stärken sie sich gegenseitig. Bei manchen geht es so weit, dass sie die Gruppe als Familie sehen, die zusammenhalten muss. Da bildet sich eine richtige Bande. Die kennen sich, und auch wenn sie sich nicht an die Namen erinnern, erkennen sie die Gesichter und das schafft Vertrauen. Viele Angehörige erzählen uns, dass die Demenzkranken am Nachmittag entspannt nach Hause kommen. Das entlastet wiederum die Pflegesituation zu Hause.

Welche Herausforderungen warten auf Pflegekräfte in der Tagespflege wie Sie?

Die Herausforderung im Vergleich zu einer stationären Einrichtung besteht für mich darin, dass ich über Stunden mit den gleichen Leuten zusammen bin. 8 Stunden pro Tag, 5 Tage die Woche. Unsere Gruppe ist relativ klein und besteht aus 12 Leuten. Da braucht man mit jedem einzelnen viel Geduld und Ausdauer und muss auch in der Gruppe einen Weg finden, wie man jedem Gast individuell gerecht wird, aber auch eine Beschäftigung findet, die alle unterschiedlichen Bedürfnisse unter einen Hut bekommt. Du musst den Animateur spielen, das ist manchmal sehr herausfordernd.

Mir ist die Gruppendynamik sehr wichtig. Schließlich soll jeder gerne zu uns kommen und entspannt nach Hause gehen.
Stephanie Götze

In der stationären Einrichtung hast Du den einen Bewohner gepflegt, dann machst Du die Tür zu und gehst weiter. Auf Station hast Du deswegen Akkordarbeit und Druck. In der Tagespflege muss der Geduldsfaden echt dick und stabil sein.

Zudem ist mir die Gruppendynamik sehr wichtig, so dass Du auch darauf achten musst, dass sich die Gäste untereinander verstehen. Manchmal müssen wir auch als Streitschlichter agieren, und wenn es nur um den Sitzplatz geht. Schließlich soll jeder gerne zu uns kommen und entspannt nach Hause gehen.

Welche Rückmeldung bekommen Sie von Angehörigen?

Wir bekommen durchweg positives Feedback und die Angehörigen sind super dankbar. Bei uns gibt es einmal pro Monat einen Angehörigenabend. Da kommen die Angehörigen zusammen, tauschen sich untereinander aus, auch mit uns Pflegekräften, und unterstützen sich auch mal gegenseitig mit Tipps und Tricks.

Auch bei diesen Veranstaltungen bekommen wir oft das Feedback, dass die Pflege- und Betreuungsbedürftigen ausgeglichen nach Hause kommen und strahlen, was wieder für das Konzept der Tagespflege spricht. Es müsste eigentlich noch viel mehr Tagespflege-Einrichtungen in Deutschland geben, die Nachfrage ist noch immer größer als das Angebot. Für viele Pflegebedürftige schafft eine Tagespflege eben auch Freiräume und bietet Lebensqualität. Sie fühlen sich nicht bevormundet, haben ihr eigene Verabredung und erleben etwas.

Nun ein paar Fragen zu den „Konditionen“, weil viele pflege.de-Leser häufig danach fragen.

Gibt es feste Vertragslaufzeiten für eine Tagespflege oder kann man Pflege- oder Betreuungsbedürftige auch nur tageweise in die Einrichtung bringen?

Man kann die Tagespflege auch tageweise buchen. In der Regel kann man in allen Einrichtungen sowohl die Anzahl der Tage als auch die Tage frei wählen. Zudem sind die Plätze in Tagespflege-Einrichtungen jederzeit kündbar, wenn die Angehörigen diese Art der Pflege nicht mehr benötigen oder andere Versorgungslösungen gefunden haben.

Wie teuer ist die Tagespflege? Wie viel Geld steht Pflegebedürftigen von der Pflegekasse zur Verfügung?

Bei uns kostet ein Tag für Selbstzahler z. B. 85 Euro. Mit Pflegegrad 2, 3, 4 oder 5 haben Betroffene jedes Jahr Anspruch auf insgesamt 1.612 Euro für die Tagespflege und Nachtpflege. Die betroffenen Familien müssen dann nichts selbst bezahlen, wir verrechnen das direkt mit den Kassen.

Welche Öffnungszeiten hat eine Tagespflege üblicherweise? Sind Tagespflegeeinrichtungen auch am Wochenende geöffnet?

Das variiert von Einrichtung zu Einrichtung. Wir haben von Montag bis Freitag jeweils von 8 bis 16 Uhr geöffnet. Manche Einrichtungen bieten aber auch die stundenweise Betreuung an Wochenenden an. Das ist erfahrungsgemäß eher in Großstädten der Fall.

Was war Ihr bisher schönstes Erlebnis?

Mein schönes Erlebnis wiederholt sich in meinem Berufsalltag eigentlich relativ oft. Viele Demenzkranke oder Pflegebedürftige fühlen sich zu Beginn oft abgeschoben, wenn sie das erste Mal zu uns in die Tagespflege kommen. Sie möchten nicht in die zunächst fremde Umgebung, meckern anfangs viel und wehren sich zum Teil auch automatisch gegen Neues. Nach zwei bis drei Tagen merkt man aber dann, dass sie sich auf den Tag in der Einrichtung mit den anderen Gästen freuen, sie kommen strahlend an, knüpfen Kontakte und kommen an. Das ist für mich immer wieder das Zeichen, dass wir viel richtig machen und die Form der Tagespflege ihre Berechtigung und ihren Sinn hat. Dafür arbeite ich jeden Tag gerne.

Vielen Dank für das Gespräch!

Erstelldatum: .01.507102|Zuletzt geändert: .72.509102
Bildquelle© Katarzyna Bialasiewicz Photographee.eu
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