Betreutes Wohnen

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Selbstbestimmt in der eigenen Wohnung leben und trotzdem Hilfe und Unterstützung jederzeit auf Abruf: Beim betreuten Wohnen profitieren Senioren von einem privaten, altersgerechten Wohnumfeld, nützlichen Dienstleistungsangeboten und Gemeinschaftsaktivitäten. Damit gewinnen Senioren ein Plus an Sicherheit und Betreuung und bewahren sich dennoch ihre Eigenständigkeit. Lesen Sie hier, welche Formen des Betreuten Wohnens es gibt, für wen es sich eignet und worauf Sie bei der Auswahl achten müssen.

Inhaltsverzeichnis

Definition: Was ist betreutes Wohnen?

Für das Wohnkonzept „betreutes Wohnen“ im Alter gibt es bislang keine geschützte Definition. Das sollten Sie vor Augen haben, wenn Sie sich für das Thema interessieren. Häufig wird Betreutes Wohnen mit Service-Wohnen gleichgesetzt, was allerdings nicht ganz richtig ist. Betreutes Wohnen ist in Deutschland überaus beliebt, schließlich verbindet es das eigenständige Leben mit den Vorteilen einer Gemeinschaft: Ältere Menschen leben in ihrer eigenen Wohnung und können einen oft umfangreichen Service in Anspruch nehmen (s. u.). Einige Einrichtungen des betreuten Wohnens sind dabei Einrichtungen der Altenpflege angeschlossen und stehen auf dem Gelände von Pflegeheimen / Seniorenheimen. Dies hat den großen Vorteil, dass die Bewohner im Falle einer Pflegebedürftigkeit oder Behinderung auch professionelle pflegerische Hilfe bekommen und ein Umzug in ein Heim gar nicht mehr notwendig ist.

Beim Service-Wohnen hingegen werden meist barrierearme Wohnungen mit einfachen Dienstleistungen für Senioren wie Alltagshilfen für Wäsche, Hausnotrufsysteme, Besuchsdienste und einem Menübringdienst (Essen auf Rädern) sowie einem ambulanten Dienst angereichert. Einen professionellen Pflegebereich gibt es beim Service-Wohnen jedoch nicht, so dass bei höherem Pflegebedarf ein weiterer Umzug ins Heim nötig wird.

Voraussetzungen & Kriterien für betreutes Wohnen

Überlegen Sie sich daher im Vorfeld genau, welche Leistungen Sie sich vom betreuten Wohnen für Ihren Angehörigen wünschen. Gleichen Sie Ihre Vorstellungen bei der Auswahl einer Einrichtung des betreuten Wohnens für Senioren genau mit dem jeweiligen Angebot ab. Grundsätzlich ist das betreute Wohnen durch folgende Kriterien gekennzeichnet:

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  1. Eigenes behindertengerechtes Apartment
  2. Hausnotruf-System
  3. Gemeinsame Veranstaltungen
  4. Evtl. gemeinsamer Mittagstisch
  5. Betreuung bei Schriftverkehr mit Versicherungen und Verwaltungen
  6. Fahr- und Begleitdienste
  7. Behörden- und Botengänge
  8. Gemeinschaftsräume
  9. Serviceleistungen wie Reinigung, Wäsche, Vollpension
  10. Ambulante Pflegeleistungen

Betreutes Wohnen: Für wen ist es geeignet?

Beim betreuten Wohnen liegt der Schwerpunkt auf der Eigenständigkeit der Bewohner. Die Betreuungsleistungen beim betreuten Wohnen sind nur als Unterstützung gedacht und dienen dazu, die Selbstständigkeit der Bewohner möglichst lange zu erhalten. Schwere Pflegebedürftigkeit kann im Umfeld des betreuten Wohnens abgedeckt werden, wenn der Anlage spezielle Pflegeeinrichtungen angegliedert sind. Schauen Sie sich daher als Angehöriger am besten ein paar Anlagen in Ihrer Nähe an und entscheiden Sie dann, ob es die richtige Wohnform für Ihren Betreuungsbedürftigen ist. Bedenken Sie dabei, dass die mögliche Pflegebedürftigkeit im Alter oft zunimmt, so dass eine entsprechend intensive Pflege und Betreuung für den Fall der Fälle abrufbar sein sollte.


Was kostet betreutes Wohnen?

Das hängt zunächst einmal davon ab, ob Sie sich in einer Einrichtung für betreutes Wohnen im Alter einmieten oder -kaufen möchten. Ausschlaggebend sind u. a. Ausstattungs-, Angebotsqualität und Lage. Meist liegen die Miet- und Kaufpreise über dem örtlichen Immobilienpreisniveau. Zuschläge von bis zu 20 Prozent sind durchaus üblich. Es gibt jedoch auch betreutes Wohnen mit Wohnberechtigungsschein / Paragraph-5-Schein.

Zu den reinen Wohnkosten kommt beim betreuten Wohnen in aller Regel eine Betreuungspauschale. Hinzu gesellen sich die Kosten für Zusatzleistungen wie für Hilfe und Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst. Mehr darüber erfahren Sie im Beitrag Kosten für betreutes Wohnen auf pflege.de.

Betreutes Wohnen Kosten
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Kosten für betreutes Wohnen

Betreutes Wohnen: Starke Leistung!

In einer guten Einrichtung für betreutes Wohnen leben Senioren in einer angemessen großen, barrierefreien Wohnung. Die Anlage befindet sich idealerweise in einer attraktiven Wohngegend mit solider Infrastruktur: Öffentliche Verkehrsmittel, Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte, Friseur und Fußpflege sind einfach zu erreichen. Senioren gestalten ihren Alltag beim betreuten Wohnen eigenverantwortlich, können aber jederzeit auf Hilfsdienste, Dienstleistungen für Senioren und Freizeitangebote zugreifen. Es gibt ein gutes Angebot an Gemeinschaftseinrichtungen wie einem Lokal oder Café, Hobbyräumen und Wasch- und Trockenräumen. Die Außenanlagen und Flure sind ansprechend gestaltet, Sitzgelegenheiten stehen bereit.

Was die Versorgung der Senioren betrifft: Sie bezahlen beim betreuten Wohnen einen monatlichen Abschlag für den Grundservice, der mindestens folgende Leistungen enthalten sollte.

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Leistungen des Grundservices im betreuten Wohnen:

  • Hausmeisterservice
  • 24-Stunden-Hausnotruf
  • Betreuungsbüro mit festen Sprechzeiten
  • Reinigung Ihrer Wohnung
  • aktuelle Informationen über Freizeitaktivitäten
  • Förderung des Gemeinschaftslebens
  • Nutzung der Gemeinschaftseinrichtungen
  • Vermittlung und Organisation von Hilfsleistungen.

Die sog. Wahlleistungen können Sie beim betreuten Wohnen nach Bedarf abrufen, dabei sollten Ihnen aber zumindest folgende Leistungen zur Verfügung Ihnen stehen.

Leistungen nach Bedarf im Betreuten Wohnen:

Verträge für das betreute Wohnen – Darauf sollten Senioren und Angehörige achten

 

Wenn Sie sich für eine bestimmte betreute Wohnanlage entschieden haben und sich dort einmieten oder -kaufen möchten, müssen Sie zwei wichtige Vertragsdokumente unterzeichnen: Den Kauf- oder Mietvertrag sowie den Betreuungsvertrag. Ersteren schließen Sie mit dem Betreiber der Wohnanlage ab. Achten Sie beim Kaufvertrag im Besonderen darauf,

  • …dass keine überhöhten Preise verlangt werden,
  • …dass die Nebenkosten im Mietvertrag transparent aufgelistet sind und nicht im Betreuungsvertrag auftauchen und
  • …dass eine Kündigung wegen Eigenbedarfs ausgeschlossen ist.
Betreuungs- und Heimvertrag
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Den Betreuungsvertrag für betreutes Wohnen schließen Sie mit dem Betreuungsträger. Lassen Sie sich dessen Pflegequalifikation durch Referenzen belegen. Klären Sie vorab, was beim Eintritt von Schwerstpflegebedürftigkeit mit Ihnen geschieht. Gibt es z. B. eine angeschlossene Pflegestation?

Der Betreuungsvertrag für betreutes Wohnen sollte sich aus zwei Teilen zusammensetzen: den Grundleistungen und den Wahlleistungen. Die Grundleistungen werden in der Regel pauschal pro Monat abgezogen. Die Wahlleistungen können bedarfsgerecht hinzu gebucht werden. Gezahlt wird hier nur, was auch in Anspruch genommen wird. Achten Sie auf folgende Punkte:

  • Lassen Sie sich nicht auf Pauschalangebote ein. Akzeptieren Sie keine Kopplung von Mietvertrag und Wahlleistungen. Achten Sie auf genaue Leistungsaufschlüsselung.
  • Lassen Sie festschreiben, wie der maximal mögliche Pflegeumfang aussieht, ob er vor Ort abgedeckt werden kann und was das kostet.
  • Lassen Sie sich ein lebenslanges Wohnrecht garantieren. So kann Ihnen nicht wegen plötzlicher Pflegebedürftigkeit gekündigt werden.
Tipp

Musterverträge für betreutes Wohnen finden Sie im Internet, bspw. auf den Internetseiten des Kuratoriums Deutsche Altershilfe.

Betreutes Wohnen im eigenen Zuhause

Betreutes Wohnen in einer entsprechenden Wohnanlage ist grundsätzlich mit der häuslichen Pflege durch einen ambulanten Dienst vergleichbar. Das heißt: Ambulant betreutes Wohnen ist im Grunde nichts anderes als das Wohnen zuhause, da auch in einer betreuten Wohnanlage jeder Bewohner für sich in seiner Wohneinheit, seinem „Zuhause“, selbstständig lebt.

Die Voraussetzung dafür ist, dass die eigene Wohnung zumindest halbwegs für barrierefreies Wohnen und pflegegerecht ausgestattet ist. Außerdem muss vor Ort ein entsprechender ambulanter Dienst verfügbar sein, mit dem Sie für Ihren Angehörigen einen Betreuungsvertrag abschließen können. Dieser enthält ähnliche Grund- und Wahlleistungen, wie sie in einer Anlage für betreutes Wohnen  angeboten werden.

Der Vorteil des betreuten Wohnens im eigenen Zuhause ist, dass die Betroffenen in ihrem gewohnten Umfeld wohnen bleiben können und oft mehr Platz für sich haben als in einer betreuten Wohnanlage. Jedoch sind die häuslichen Wohnräume oft enger und nicht so barrierearm wie in einem Apartment für betreutes Wohnen im Alter. Dort nämlich finden Bewohner geräumige Bäder, komfortable Wohnräume, aber bestimmt keine Schwellen und Hürden vor.

Im Vergleich zur Versorgung im eigenen Zuhause sind Bewohner im betreuten Wohnen meist in guter Gesellschaft und können sich mit den anderen Bewohnern austauschen. Zudem gibt es zahlreiche Beschäftigungsangebote, die die Bewohner aktiv halten.

Entscheidungshilfe: Betreutes Wohnen in einer Anlage vs. ambulante Betreuung zuhause

Vor- und Nachteile des betreuten Wohnens
  • Verbesserung der Wohnqualität durch Barrierefreiheit und pflegegerechte Einrichtung
  • Beratung, Information, Betreuung jederzeit und täglich verfügbar
  • Umfangreiches Serviceangebot mit Grund- und Wahlleistungen
  • Organisation der benötigten Hilfsleistungen
  • Gemeinschaftszentren, Geselligkeit, Freizeitgestaltung
  • Umzug erforderlich
  • Wenig durchmischtes Wohnumfeld, hauptsächlich Senioren in der Nachbarschaft
  • häufig teuer
  • wenn die Anlage keine angeschlossene Pflegestation hat, ist u. U. ein weiterer Umzug erforderlich
Vor- und Nachteile des betreuten Wohnens zuhause
  • man kann in der eigenen Wohnung und im vertrauten Umfeld bleiben
  • regelmäßige Betreuung und Beratung, wie die Selbstständigkeit möglichst lange gefördert, verbessert und erhalten werden kann
  • verlässliche, vertraglich fixierte Leistungen
  • regelmäßige (wenigstens zweiwöchentliche) Besuche von einer qualifizierten Betreuungsperson
  • Vermittlung der benötigten Hilfen
  • Wohnung u. U. nicht pflegegerecht und barrierearm
  • Bei abnehmender Mobilität Gefahr der Vereinsamung
  • keine Angebote zur Freizeitgestaltung
  • keine Gemeinschaftsräume
  • keine aktive Förderung von Geselligkeit
  • bei Pflegebedürftigkeit ist ein Umzug erforderlich
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 Senioreneinrichtungen in Deutschland

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Interview

„Wir würden lieber heute als morgen ausziehen!“ – Im Gespräch mit vier Bewohnern eines Seniorenhauses

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Jeder der vier Bewohner hatte seinen persönlichen Beweggrund, der ihn veranlasste, aus seiner alten Mietwohnung oder dem eigenen Haus auszuziehen und in das neu gebaute Haus speziell für Senioren einzuziehen. Der eine sehnte sich nach der Gesellschaft Gleichgesinnter, der andere ließ sich von der Aussicht auf einen Fahrstuhl verleiten. Seit knapp einem Jahr wohnen die vier Senioren in ihren neuen Wohnungen – und doch sind alle vier langfristig wieder auf der Suche nach einer neuen Bleibe. pflege.de hat mit vier Bewohnern von Seniorenwohnungen gesprochen und versucht herauszufinden, welche Wünsche Senioren im Alter zwischen 75 und 85 Jahren an die Wohn- und Lebensform stellen.

Betreutes Wohnen Interview

Die Namen der Interviewpartner wurden von der pflege.de-Redaktion geändert.

Die Wohnungen, die Sie sich selbst gesucht haben und in denen Sie jetzt wohnen, wurden als „Seniorenwohnungen“ ausgeschrieben. Welche Erwartungen hatten Sie an eine Seniorenwohnung?

Mir ist es wichtig, mich in meinen vier Wänden wohl zu fühlen, aber auch Gleichgesinnte und Gleichaltrige um mich zu haben.
Frau Fischer

Frau Fischer: Ich habe mir eine ruhige, altersgerechte Wohnung in einer intakten Gemeinschaft gewünscht. Mir ist es wichtig, mich in meinen vier Wänden wohl zu fühlen, aber auch, meinen Lebensabend in Gesellschaft Gleichgesinnter und vor allem Gleichaltriger zu verbringen. Ich bin selbst noch fit, bin viel unterwegs, aber wünsche mir dennoch eine Hausgemeinschaft, in der man auch mal etwas zusammen unternimmt und sich gegenseitig unterstützt.

Herr Richter: Mein Beweggrund für den Umzug war einzig und allein der Fahrstuhl. Ich habe über 30 Jahre in meiner alten Wohnung gewohnt und durch einen Krankenhausaufenthalt konnte ich vor ein paar Jahren einmal drei Wochen die Treppe nicht nutzen und mich nicht mehr zwischen den Etagen bewegen. Das hat mir Angst gemacht, so dass ich unbedingt in eine Wohnung mit einem Fahrstuhl ziehen und selbstständig bleiben wollte. Das hat mich zu dem Umzug bewegt.

Frau Becke: Ich hatte ein kleines Reihenhäuschen, habe keine Familie und wollte vorausschauend in eine altersgerechte Wohnung ziehen mit der Aussicht auf Gesellschaft und Betreuung – falls ich einmal hilfsbedürftig werde. Wenn man alleine wohnt und weiß, dass mit zunehmendem Alter schnell etwas passieren kann, ist das ein ungutes Gefühl. Daher habe ich mich nach einer passenden Wohnform für mich umgesehen und bin nach langer Suche hier in der Seniorenwohnanlage gelandet.

Und, wurden Ihre Erwartungen an eine Seniorenwohnung erfüllt? Wie geht es Ihnen in Ihrem neuen Umfeld?

Frau Fischer: Nein, meine Erwartungen wurden enttäuscht und ich bin aktuell schon wieder auf der Suche nach einer neuen Wohnung. Durch die fehlende feststehende Begriffsdefinition von „Seniorenwohnung“, „Seniorenwohnanlage“ und „betreutem Wohnen“ weiß man vorher nicht so richtig, was wirklich auf einen zukommt. Ich hatte mich vorab einfach nicht gut genug informiert, was hier wirklich geboten wird, und mich von der Aussicht auf Gemeinschaft zu sehr blenden lassen. Ich bezahle hier einen Haufen Geld und bekomme einfach nicht das, was ich brauche und was ich erwartet habe. Ich bin im Alltag noch nicht wirklich auf fremde Hilfe angewiesen, würde aber ab und an die Unterstützung eines Hausmeisters für handwerkliche Tätigkeiten in Anspruch nehmen und vermisse die Gemeinschaft mit anderen Bewohnern, die jedoch aufgrund fehlender Gemeinschaftsräume gar nicht zustande kommt. Ich bezahle hier eine überdurchschnittlich hohe Miete und zusätzlich rund 100 Euro für Betreuungsleistungen pro Monat. Was ich dafür bekomme, ist eigentlich lächerlich: einen Hausnotruf-Service sowie Hausmeistertätigkeiten. Der Hausmeister ist aber nie erreichbar und wenn ich ihn einmal erwische, muss ich doch alles separat bezahlen, da es laut seiner Aussage nicht unter die sog. „Grundleistungen“ fällt. Für das Geld könnte ich mir in einer anderen Wohnung einfach viel mehr Komfort wie z. B. ab und zu mal eine Putzhilfe leisten.

Durch die fehlende Begriffsdefinition von betreutem Wohnen weiß man vorher nicht so richtig, was wirklich auf einen zukommt.
Frau Fischer

Herr Meyer: Mir geht es ähnlich. Die angepriesenen Seniorenwohnungen sind meines Erachtens nach nicht altersgerecht und nicht durchdacht. Ich kann mich aktuell noch gut alleine versorgen, dennoch ist die Wohnung meines Erachtens nicht seniorengerecht und ich bin enttäuscht. Manche Dinge sind einfach nicht zu Ende gedacht. Die Türen sind nicht breit genug für einen Rollstuhl und der Fahrstuhl wäre – im Pflegefall – nicht für einen Krankentransport geeignet. Vor Einzug hat uns der Vermieter versprochen, dass auch die Pflege im Pflegefall möglich sein wird, heute weiß ich, dass das nicht stimmt, da keine Betreuungskräfte und kein Pflegedienst an das Seniorenhaus angeschlossen sind.

Frau Becke: Hätte ich gewusst, was mich hier erwartet, hätte ich mir besser eine altersgerechte Wohnung in meiner alten Umgebung gesucht und mir Zusatzleistungen separat hinzugebucht. Den Hausnotrufknopf, der uns hier gestellt wird, kann ich in jede Wohnung bestellen und wenn ich einmal Pflege oder Betreuung brauche, kommt die einfach von außen dazu. Ich bin zu blauäugig in diese Wohnanlage gezogen und hätte mich vorab besser informieren bzw. mir überlegen sollen, was ich wirklich brauche. Der Begriff „Seniorenwohnung“ klingt im ersten Moment so verlockend und schreit nach Komfort, jedoch gibt es in Wirklichkeit große Unterschiede, so dass man die Vor- und Nachteile genau für sich abwägen sollte.

Welche Kriterien muss Ihrer Meinung nach eine „Seniorenwohnung“ erfüllen?

Alle: Die Wohnung sollte altersgerecht bzw. barrierefrei sein (v.a. das Bad), gute Betreuung und Pflege auf Abruf sowie eine nette und intakte Gemeinschaft mit den anderen Bewohnern bieten. Dass jemand für einen da ist, wenn man hilfsbedürftig wird.

Man wünscht sich, dass jemand für einen da ist, wenn man hilfsbedürftig wird.
alle

Frau Becke: Für mich gehören auch Kleinigkeiten zu einer Seniorenwohnung wie zum Beispiel, dass der Türspion, die Haltegriffe im Bad sowie die Küchenzeile auf einer altersgerechten Höhe angebracht sind und nicht für 1,90m große Menschen konzipiert sind. Ich habe mir die Küchenschränke in meiner Wohnung zum Beispiel für viel Geld anpassen und heruntersetzen lassen. Sonst kann ich sie ja gar nicht nutzen.

Herr Meyer: Ich erwarte von einer Seniorenwohnanlage, dass auch wirklich nur alte Leute im Haus wohnen. Ich habe nichts gegen junge Leute, das Haus wurde aber ausschließlich mit Seniorenwohnungen beworben und aktuell sind mehr Wohnungen an junge als an alte Leute vermietet, dadurch gibt es keine Gemeinschaft und es ist oft laut. Es ist nicht das, was ich mir vorgestellt habe. Ich bin davon ausgegangen, dass es ein Haus für Senioren ist, in dem man eine Gemeinschaft hat, sich austauscht, und in dem es auch Gemeinschaftsräume gibt. Das trifft hier nicht zu.

Herr Richter: Für mich muss bei einer Seniorenwohnung unbedingt auch die Verkehrsanbindung stimmen. Das ist mir sehr wichtig.

Was ist in Ihren Wohnungen gegeben? Was finden Sie gut?

Herr Meyer: Die Wohnungen sind alle zwischen 45 und 60 qm groß, das Bad ist ausreichend groß, barrierearm und die Türen sind 100 cm breit. Das ist altersgerecht, für einen Rollstuhl wären sie jedoch zu schmal. Der Hausnotruf-Service funktioniert gut und wenn ich einmal vergesse, die „Mir geht es gut“-Taste zu drücken, um der Zentrale zu signalisieren, dass ich wohlauf bin, stehen die auf der Matte und schauen nach mir. Der Fahrstuhl ist allerdings zu klein, falls einer der Bewohner einmal liegend transportiert werden müssen. Viele Dinge in den Wohnungen sind leider nicht durchdacht. Das sollte man sich vorher überlegen – jetzt bin ich auch schlauer und weiß, worauf ich bei der nächsten Wohnung achten werde und was mir für meine jetzige Lebenssituation wichtig ist.

Welche Wohnform suchen Sie jetzt für sich? Sie sagen ja alle vier, dass Sie hier nicht zufrieden sind und früher oder später noch einmal umziehen möchten. Welche Kriterien muss die nächste Wohnung für Sie erfüllen?

Herr Richter: Ich wünsche mir eine schöne, altersgerechte Wohnung in einem ruhigen Umfeld und in einer Seniorenwohnanlage. Ich wünsche mir eine Gemeinschaft mit Gleichgesinnten und dass ich auf Betreuung und Pflege zugreifen kann, wenn ich einmal hilfsbedürftig werde. Ich möchte so lange wie möglich zuhause wohnen bleiben, so dass der nächste Umzug hoffentlich der letzte ist. Daher achte ich jetzt bei der Auswahl der nächsten Wohnung ganz genau darauf, was geboten wird und was ich wirklich brauche.

Frau Fischer: Auch für mich sind die Gemeinschaft und das Betreuungsangebot sehr wichtig. Ich bin jetzt zwar noch fit und noch auf keine fremde Hilfe angewiesen, dennoch suche ich mir perspektivisch eine Wohnung, in der die Betreuung direkt im Haus ist und nicht von außen dazu kommen muss. Ich habe mich auch schon für ein neues Bauprojekt vormerken lassen, das in zwei Jahren bezugsfertig sein wird. Das Konzept umfasst neben den Wohnungen auch Gemeinschaftsräume und Gemeinschaftsveranstaltungen. Mir ist es sehr wichtig, dass man unter Seinesgleichen ist, auch vom Alter her.

Frau Becke: Für mich muss es nicht unbedingt eine Seniorenwohnanlage sein. Mir ist wichtiger, dass ich in meinen alten Stadtteil zurückziehe. Ich suche mir dort eine normale, altersgerechte Wohnung. Dort habe ich meine Freunde und viele Bekannte. Ich habe für mich gemerkt, dass ich in jede Wohnung ziehen kann, den roten Knopf kriege ich überall. Das, was ich im Pflegefall brauche, bekomme ich hier auch nicht, denn auch dann muss die Pflege von außen kommen.

Wir drücken Ihnen die Daumen, dass die nächsten Wohnungen die Kriterien erfüllen, die Sie sich vorstellen und für sich wünschen. Wenn wir Ihnen dieses Mal bei der Suche und Vermittlung helfen dürfen, dann melden Sie sich jederzeit gerne. Wir sind für Sie da!

Haben Sie abschließend noch Tipps für andere Senioren? Was würden Sie anderen Senioren gerne mit auf den Weg geben bzw. was hätten Sie gerne früher gewusst?

Herr Richter: Setzt euch unbedingt mit euren Erwartungen und Bedürfnissen auseinander, bevor ihr eure alte Wohnung und euer soziales Umfeld aufgebt. Was braucht ihr und was wünscht ihr euch? Und was sollte die neue Wohnung erfüllen, was eure aktuelle Wohnung nicht bietet? Hätte ich mich damit intensiver und früher auseinandergesetzt, hätte ich mir zum Beispiel einfach einen Treppenlift in meine alte Wohnung einbauen lassen, in der ich 350 Euro pro Monat weniger bezahlt hätte als hier. Für das Geld könnte ich mir den Notrufknopf, Essen auf Rädern, eine Putzfrau usw. zusätzlich gönnen. Der Umzug war für mich ein Fehler. Ich war von dem Fahrstuhl so geblendet. Dieser Gedanke, hier einzuziehen, hat alles andere erst mal ausgeblendet, man hat nur die Vorteile gesehen. Ich würde heute auch viel mehr mit anderen Leuten sprechen und diskutieren und mir mehr Hilfe von Beratungsstellen holen.

Tipp
Mein Tipp an andere pflege.de-Leser

Setzt euch unbedingt mit euren Erwartungen und Bedürfnissen auseinander, bevor ihr umzieht. Was braucht ihr und was wünscht ihr euch? Und was sollte die neue Wohnung erfüllen, was eure aktuelle Wohnung nicht bietet.

Frau Fischer: Das sag‘ ich meinen Bekannten auch. Bleibt da, wo ihr seid! Rührt euch nicht vom Fleck, solang es geht, und holt euch lieber Betreuungsleistungen und Hilfsmittel in die Wohnung. Zudem würde ich mir viel genauer ansehen, was die Einrichtung, in die ich ziehen möchte, wirklich bietet und was davon für mich relevant ist. Dabei hilft es, sich eine ganz einfache Liste zu machen, was man braucht und was man sich wünscht. Dann kann man die Punkte nach und nach durchgehen und für sich entscheiden, ob sich der Umzug lohnt und eine wirkliche Besserung im Vergleich zur jetzigen Wohnung bietet. Ziel ist es ja, eine gute Wohnung zu finden, in der man alles so bekommt, wie man es sich für den eigenen Lebensabend wünscht. Handeln Sie einfach nicht zu voreilig.

 

Erstelldatum: .01.507102|Zuletzt geändert: .82.509102
Bildquelle© kolotype / Fotolia.com
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