Mehrgenerationenhaus und Mehrgenerationenwohnen

Mehrgenerationenhaus

Ein Mehrgenerationenhaus ist die moderne Interpretation der Großfamilie: Menschen aus allen Generationen begegnen sich, verbringen ihre Freizeit miteinander und helfen einander. Rund 530 Mehrgenerationenhäuser (2) gibt es inzwischen in Deutschland. Was ist Sinn und Zweck dieses nachbarschaftlichen Miteinanders? pflege.de stellt das Konzept von Mehrgenerationenhaus und Mehrgenerationenwohnen vor und beschreibt den Unterschied zwischen beiden Wohnformen.

Inhaltsverzeichnis

Mehrgenerationenhaus: Definition

Vielleicht haben auch Sie schon irritiert zur Kenntnis genommen, dass es bei einem Mehrgenerationenhaus gar nicht ums gemeinsame Wohnen geht, sondern um eine Begegnungsstätte. Tatsächlich hält das Bundesfamilienministerium eine klare Definition für ein „Mehrgenerationenhaus“ bereit:

Mehrgenerationenhäuser sind Begegnungsorte, an denen das Miteinander der Generationen aktiv gelebt wird. Sie bieten Raum für gemeinsame Aktivitäten und schaffen ein nachbarschaftliches Füreinander in der Kommune. (2)

Leistungen im Mehrgenerationenhaus

Das Angebot in einem Mehrgenerationenhaus ist meist sehr umfassend und besteht zum Beispiel aus:

  • Mittagstisch
  • Betreuungs- und Unterstützungsangebote für Pflegebedürftige
  • Krabbelgruppen für Babys, Betreuung für Kleinkinder und Hausaufgabenbetreuung für schulpflichtige Kinder
  • Weiterbildungskurse für den (Wieder-)einstieg in den Beruf und
  • Sprachkurse für Migranten.

Ein solches „Mehrgenerationenhaus“ soll das Leben in der Nachbarschaft nachhaltig und generationenübergreifend bereichern. Fast 20.000 Freiwillige sorgen deutschlandweit dafür, dass die Idee des „Miteinanders der Generationen“ funktioniert. Am 1. Januar 2021 startete das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend dazu das Bundesprogramm „Mehrgenerationenhaus. Miteinander – Füreinander„. Dabei sollen in den nächsten acht Jahren die rund 530 Mehrgenerationenhäuser bundesweit gefördert werden. (3)

Mehrgenerationenwohnen: Definition

Wenn ältere Menschen mit ihren Kindern und Enkelkindern oder guten Freunden aus mehreren Generationen unter einem Dach wohnen, ist das zwar auch ein Mehrgenerationenhaus, aber eben nicht im Sinne der Politik. Vielmehr ist in diesem Zusammenhang immer vom „Mehrgenerationenwohnen“ die Rede.

Das Mehrgenerationenwohnen verfolgt dabei wie das Mehrgenerationenhaus dasselbe Prinzip: Die gegenseitige Unterstützung von Jung und Alt. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird jedoch das Konzept des Mehrgenerationenwohnens mit dem Begriff „Mehrgenerationenhaus“ gleichgesetzt.

Das Konzept Mehrgenerationenwohnen

Beim Mehrgenerationenwohnen leben mehrere Parteien – egal ob Familienmitglieder, Freunde oder Gleichgesinnte – jeweils in ihrer eigenen Wohnung, sind aber (fast) jederzeit ansprechbar und unterstützen sich gegenseitig. Tatsächlich haben viele Menschen diesen Traum und es gibt auch eine ganze Reihe erfolgreicher Wohnprojekte. Die Umsetzung ist dabei gar nicht so einfach, schließlich müssen die unterschiedliche Interessen von Jung und Alt unter einen Hut gebracht werden.

Die sechs wichtigsten Überlegungen zum Mehrgenerationenwohnen sind:

  1. Bewohner – Wer möchte beim Mehrgenerationenwohnen mitmachen?
  2. Wohnobjekt – Wie groß ist das Haus oder die Wohnanlage?
  3. Lage – Wo liegt das Haus oder die Wohnanlage? Müssen Sie eventuell in eine andere Stadt dafür ziehen?
  4. Besitz – Besitzen die Bewohner bereits eine geeignete Immobilie oder möchten sie eine Immobilie dafür erwerben?
  5. Kosten – Welche Kosten kommen auf die Bewohner zu?
  6. Hausregeln – Sind Pflichten und Verantwortungen des Zusammenlebens klar geregelt?
Info

Was, wenn Sie oder Angehörige pflegebedürftig werden?

Bevor Sie mit mehreren Generationen unter ein Dach ziehen, sollten Sie auch besprechen, was geschieht, wenn Sie oder eines Ihrer Familienmitglieder pflegebedürftig werden. Können Sie Ihr Konzept des Mehrgenerationenwohnens dann noch in der Wohnung oder dem Haus fortführen? Gäbe es zum Beispiel auch Möglichkeiten zum barrierefreien Umbau des Wohnraums für die pflegebedürftigen Mitbewohner? Können sich jüngere Mitbewohner vorstellen, die häusliche Pflege zu übernehmen? Ein großer Vorteil der Wohnform des Mehrgenerationsnwohnens ist ja, dass die Pflege im Idealfall auf mehreren Schultern verteilt werden und Unterstützung auf kurzem Wege geleistet werden kann. Dennoch ist es sinnvoll und wichtig, einmal vor Einzug auch über solche Themen miteinander zu sprechen.

Aufgaben- und Kostenverteilung im Mehrgenerationenwohnen

Genauso sollten Sie sich aber gemeinsam vor Einzug darüber unterhalten, wie Sie mit Aufgaben und Kosten des täglichen Lebens umgehen und wie Sie diese auf die Bewohner verteilen möchten. So können Konflikte vermieden werden bevor sie entstehen. Dazu zählen vor allem alltägliche Fragen der Haushaltsführung, Kosten für Reparaturen und die Verteilung des Besitzes. Klären Sie unbedingt im Vorfeld mit den anderen Bewohnern Fragen wie:

  • Kosten – Wer zahlt welche Reparaturen, Nebenkosten und so weiter?
  • Auszug– Was geschieht, wenn jemand aus dem Mehrgenerationenhaus auszieht?
  • Reinigung und Instandhaltung – Sind Aufgaben wie Treppenhausreinigung, Gartenpflege und Winterdienst klar verteilt?
  • Auto – Wenn Autos gemeinsam genutzt werden: Wer trägt die Kosten für Versicherung, Wartung, Reparatur und so weiter?
  • Gemeinschaftsräume – Gibt es gemeinsame Räume und Nutzflächen?
  • Privatsphäre und Raumaufteilung – Wie viel Privatsphäre räumen sich die Parteien gegenseitig ein? Wie kann Privatsphäre durch Raumaufteilung und Verhaltensregeln garantiert werden?

Mehrgenerationenhäuser: Vor- und Nachteile

  • Alle Parteien bewahren sich ihre Unabhängigkeit und Privatsphäre
  • Ältere Menschen können länger zuhause wohnen bleiben und fühlen sich sicher
  • Mit zunehmendem Unterstützungs- oder Pflegebedarf können jüngere Bewohner die Pflege für Ältere unter sich aufteilen und organisieren
  • Ältere Bewohner können Jüngere zum Beispiel bei der Kinderbetreuung entlasten
  • Für ältere Bewohner ist die Unterbringung kostengünstiger als in einer Einrichtung
  • Im Falle eines anerkannten Pflegegrads erhalten Bewohner Fördermittel für zum Beispiel den barrierefreien Umbau des Badezimmers
  • Die räumliche Nähe birgt auch Konfliktpotential
  • Häufig Belastung für die „Sandwich-Generation“, die sich sowohl um die Älteren als auch um die Kinder kümmert und dabei ihre eigenen Bedürfnisse vernachlässigt
  • Inanspruchnahme professioneller ambulanter Pflege wird häufig zu lange hinausgezögert
Tipp
Notrufsystem gibt Alt und Jung Sicherheit

Mit zunehmendem Alter steigt bei vielen Senioren die Angst, dass sie stürzen und keine Hilfe erhalten könnten. Damit sich ältere Menschen auch dann sicher fühlen, wenn die jüngeren Bewohner tagsüber zur Arbeit gehen oder abends alleine ausgehen, lohnt sich die Anschaffung eines Notrufsystems. Diese Systeme gibt es als mobile Version, mit App für Angehörige oder als klassischen Hausnotruf inklusive Verbindung zu einer 24h-Notrufzentrale. So werden auch jüngere Bewohner und Partner psychisch entlastet, da sie wissen, dass ihre Angehörigen zu jeder Zeit Hilfe erhalten, selbst wenn sie nicht rund um die Uhr zuhause sind.

Kosten für Ihr eigenes Mehrgenerationenhaus

Vielleicht überlegen Sie, ob Sie für Ihr Vorhaben des Mehrgenerationenwohnens Ihre Eltern zu sich in Ihr Haus holen oder gemeinsam ein Haus kaufen, in dem Sie zusammenleben können. Eine solche Investition kann sich steuerlich lohnen. Wenn Kinder zum Beispiel eine Immobilie kaufen und ihre Eltern darin eine abgeschlossene Wohnung anmieten, hat das steuerliche Vorteile für die Hausbesitzer. Sie können einen Teil der Anschaffungs- und Renovierungskosten der Immobilie von der Steuer absetzen.

Info

Erwerb einer Immobilie innerhalb der Familie

In vielen Familien ist es eher die ältere Generation, die über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, um eine Immobilie zu erwerben. So können auch Eltern erwägen, ihren Kindern den Kaufbetrag für die Immobilie vorzuschießen. Mal als Darlehen, sodass die Kinder die Zinsen steuerlich geltend machen können, mal als zinslosen Kreditvertrag.

Abzugsfähige Kosten eines Mehrgenerationenhauses

So oder so kann es sich für Familien lohnen, gemeinsam eine Immobilie zu erwerben und darin zusammen zu wohnen. Zwar müssen die Mieteinnahmen versteuert werden, aber die jungen Hausbesitzer können als Eigentümer auch alle Aufwendungen, die mit Erwerb und Instandhaltung der vermieteten Wohnung anfallen, als Werbungskosten absetzen. Übersteigen diese Werbungskosten die eingenommene Miete, können diese Kosten als Verluste bei der Steuer geltend gemacht werden.

  • Kreditzinsen
  • Renovierungsmaßnahmen
  • Betriebskosten
  • Abschreibung des Objekts: Je nach Alter 2 bis 2,5 Prozent der Anschaffungskosten (ohne Grundstück) pro Jahr.
Tipp
Nutzen Sie Steuervorteile!

Wenn Ihre Eltern und Sie miteinander im selben Haus, aber in abgeschlossenen Wohnungen wohnen, brauchen Sie beide ein ordentliches Mietverhältnis, damit Sie Steuervorteile nutzen können. Dazu gehören ein Mietvertrag und die regelmäßige Überweisung der Miete.

Kosten für ein öffentliches Mehrgenerationenhaus

Sofern Sie als Familie keine eigene Immobilie besitzen, die sich für das Konzept des Mehrgenerationenwohnens eignet, können Sie sich auch über öffentliche Mehrgenerationenhäuser informieren. Oft steht hinter solch öffentlich angebotenen Wohnprojekten eine Genossenschaft, die den Bau oder Umbau plant und sich auch um die gemeinsame Verwaltung kümmert. Diese Mehrgenerationenhäuser oder Wohnanlagen bieten einige Vorteile, die für Sie vielleicht interessant sind:

  • Sie sind in der Regel altersgerecht und barrierefrei umgebaut, so dass Sie barrierefrei wohnen können.
  • Sie verfolgen das Konzept der gegenseitigen Hilfe: Jung hilft Alt und Alt hilft Jung.
  • Haushaltsführung, Menüplanung, Freizeitgestaltung und so weiter können gemeinsam organisiert werden.
Tipp
Ein Mehrgenerationshaus in Ihrer Nähe suchen

In vielen Städten und Gemeinden gibt es Häuser und Wohnanlagen, in denen mehrere Generationen gemeinsam unter einem Dach wohnen. Hier können Sie nach einem Mehrgenerationenhaus in Ihrer Nähe suchen. 

Zusätzliche Kosten bei öffentlichen Mehrgenerationenhäusern

Im Vergleich zu den Kostenvorteilen, die eine eigene Immobilie innerhalb Ihrer Familie mit sich bringt, müssen Sie sich bei öffentlich angebotenen Mehrgenerationenhäusern auf etwas höhere Kosten als die ortsübliche Miete einstellen. Zur eigentlichen Miete können folgende Kostenpunkte noch hinzukommen:

  • Wenn Sie Mitglied in einer Genossenschaft werden, kann eine einmalige Einlage durchaus mehre tausend Euro betragen. Damit erwerben Sie Anteile an der Wohnanlage, die Sie im Regelfall vererben oder verkaufen können.
  • Bei einem Neubauvorhaben müssen Sie bedenken, dass Sie anteilig auch für alle Bau- und Baunebenkosten verantwortlich sind.
  • Sie tragen später neben den Nebenkosten Ihrer eigenen Wohnung auch anteilig jene für Gemeinschaftsräume, Gartenarbeiten und Dienstleistungen wie Reinigung, Hausmeisterdienste und so weiter.

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Erstelldatum: 6102.20.5|Zuletzt geändert: 1202.50.13
(1)
Bildquelle
© David Pereiras / Fotolia.com
(2)
Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)
www.mehrgenerationenhaeuser.de/mehrgenerationenhaeuser/was-ist-ein-mehrgenerationenhaus (letzter Abruf am 25.05.2021)
(3)
Bundesprogramm Mehrgenerationenhäuser. Füreinander - Miteinander.
www.mehrgenerationenhaeuser.de/fileadmin/Daten/Bundesprogramm/Publikationen/Programmflyer/BMFSFJ_MGH_Flyer_de_RZ_BF.pdf (letzter Abruf am 27.05.2021)
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