Demenzwoche 2021: "Derselbe Mensch" – Aktionswoche Demenz von pflege.de

Demenzwoche

Wenn ein Mensch an Demenz erkrankt, kommen viele Fragen auf und Betroffene sowie deren Familien stehen vor einer großen Herausforderung. Der Welt-Alzheimertag am 21. September soll für mehr Aufklärung sowie Akzeptanz sorgen und Betroffenen helfen, ihre Krankheit besser zu verstehen. Aus diesem Anlass veranstaltete pflege.de in der Woche vom 20. September bis zum 24. September eine Aktionswoche zu Demenz unter dem Motto „Derselbe Mensch“. Neben spannenden Interviews mit Fachpersonen aus der Demenzwelt fand eine kostenlose Online-Veranstaltung statt, in der eine Demenzexpertin Ihre Fragen beantwortete.

Inhaltsverzeichnis

Warum ist die Demenzwoche so wichtig?

In der Demenzwoche sollen Menschen besser über die Demenzerkrankung aufgeklärt werden. pflege.de informiert bereits in einer eigenen Themenwelt über das Krankheitsbild sowie den Pflegealltag bei Demenz und möchte pflegende Angehörigen dazu ermutigen, eventuelle Unterstützungsleistungen so früh wie möglich zu nutzen. Aufklärung ist wichtig, damit sich pflegebedürftige Menschen sowie deren sorgende An- und Zugehörige einen Überblick darüber verschaffen können, was ihnen möglicherweise gesetzlich zusteht.

Das Wichtigste in Kürze: Aktuelle Zahlen zur Demenz

  • Aktuell leben rund 1,6 Millionen Menschen mit Demenz in Deutschland.(1)
  • Das Risiko für eine Demenzerkrankung steigt mit dem Alter. Zwei Drittel aller Demenzerkrankten sind über 80 Jahre alt und die meisten davon weiblich.(1)
  • Zwei Drittel der Betroffenen leben zuhause und werden im Alltag meist durch ihre Angehörigen unterstützt und/oder gepflegt.(2)
  • Die meiste Unterstützung fällt in den Lebensbereichen der hauswirtschaftlichen Versorgung und Körperpflege an.(3)
  • Die Betreuung und Pflege von demenzerkrankten Menschen ist für Angehörige oft eine große Herausforderung: 78 Prozent der Angehörigen sind damit zeitlich sowie psychisch überfordert, 59 Prozent kommen an ihre körperlichen Grenzen und 30 Prozent wünschen sich mehr finanzielle Unterstützung.(3)
Expertenmeinung
Lars  Kilchert
Lars Kilchert
pflege.de-Gründer

Immer mehr Menschen erkranken an Demenz. Es ist eine Krankheit, die den Menschen im gesamten Umfeld viel abverlangt. Wir wollen mit unserer Aktionswoche helfen, Zusammenhänge besser zu verstehen und damit den Betroffenen und deren Angehörige Unterstützung im Alltag geben.

„Derselbe Mensch“ – Aktionswoche Demenz bei pflege.de: Programmübersicht

In der Demenzwoche 2021 ging pflege.de für Sie in den Austausch mit unterschiedlichen Fachpersonen aus der Demenzwelt. Jeden Tag startete um 15 Uhr eine virtuelle Aktion, die für Sie kostenlos war. Wir hoffen, dass Sie aus dieser Demenzwoche praktische Tipps für Ihren persönlichen Pflegealltag mitnehmen konnten!

Umgang mit Demenzerkrankten: Im Gespräch mit Pflegefachdozent Tobias Münzenhofer

Tag 1: Montag, 20. September 2021 um 15 Uhr

Was sollten pflegende Angehörige im Umgang und in der Kommunikation mit Demenzerkrankten beachten? Wie können Pflegende reagieren, wenn sich die demenzerkrankte Person nicht mehr waschen möchte? Sollten Pflegende ihre Umgangsform an die verschiedenen Phasen der Demenzerkrankung (leicht, mittel, schwere Demenz) anpassen? Diese Fragen und mehr beantwortet Tobias Münzenhofer (gerontopsychiatrischer Fachpfleger und Praxisanleiter) in einem Interview mit pflege.de zum Thema Umgang und Leben mit Demenz.

Kostenlose Online-Veranstaltung live um 19 Uhr: Ihre Fragen an Laura Mey von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft

Tag 2: Dienstag, 21. September 2021 um 19 Uhr

Demenzexpertin Laura Mey von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) beantwortet Ihre Fragen rund um den Alltag und Kommunikation mit Demenzerkrankten. Die Teilnahme an dieser Online-Veranstaltung ist für Sie kostenlos.

Expertin Laura Mey ist studierte Soziologin und arbeitete einige Jahre in einer Pflegeeinrichtung mit Menschen mit Demenz. Seit 2015 ist sie als Beraterin am Alzheimer-Telefon der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e. V. Selbsthilfe Demenz tätig. Zudem lehrt sie als Honorardozentin im Lernfeld Pflege von Menschen mit Demenz.

Diagnose und Verlauf bei Demenz: Im Gespräch mit Psychiater Dr. Hans Förstl

Tag 3: Mittwoch, 22. September 2021 um 15 Uhr

Was bedeutet es für Betroffene und deren Angehörige, wenn plötzlich die Diagnose Demenz im Raum steht? Wie ist der Verlauf der Erkrankung und was passiert im Gehirn des Erkrankten? Im Interview sprechen der Psychiater und Neurologe Dr. Hans Förstl und Martina Rosenberg über die verschiedenen Formen von Demenz und klären, ob es sogar möglich ist, die Erkrankung zu heilen oder ihren Verlauf zu verzögern. Ein weiteres Thema ist die Überforderung der pflegenden Angehörigen: Wann sollte ich die Pflege abgeben?

Experte Dr. Hans Förstl, Professor i. R., ist Facharzt für Neurologie und Psychiatrie/Geriatrie, Autor und Herausgeber zahlreicher Publikationen mit einem Schwerpunkt auf Gedächtnis und Demenz.

Rechtliche Fragen bei Demenz: Im Gespräch mit Rechtsanwalt Markus Karpinski

Tag 4: Donnerstag, 23. September 2021 um 15 Uhr

Rechtliche Fragen bei Demenz kommen über die Zeit viele auf. Nicht immer werden Vollmachten und Verfügungen rechtzeitig aufgesetzt. Ist ein Mensch erst einmal dement und kann nicht mehr selbst für sich entscheiden, kann es für die ganze Familie schwierig werden. Was darf ich als Angehöriger entscheiden und was kann ich tun, wenn Vollmachten fehlen? Kann ich als pflegender Angehöriger auch die Betreuung zurückgeben und wie muss ich reagieren, wenn beispielsweise ein Elternteil uneinsichtig ist und verwahrlost wirkt? Die Fragen und mehr beantwortet Rechtsanwalt Markus Karpinski in einem Interview mit Martina Rosenberg.

Experte Markus Karpinski, Fachanwalt für Sozialrecht und Medizinrecht sowie Experte für Pflegerecht kennt die Tücken des Gesetzes. Er unterhält eine Kanzlei für Pflegerecht und berät auch zu Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung.

Entlastungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige: Im Gespräch mit Pflegeberaterin Isabella Schüling

Tag 5 : Freitag, 24. September 2021 um 15 Uhr

Für die Pflege zuhause, insbesondere bei der Pflege von dementiell erkrankten Angehörigen, benötigen Pflegepersonen viel Kraft. Um nicht selbst krank zu werden, ist frühzeitige Entlastung wichtig. Diese können Sie stundenweise oder auch tageweise in Anspruch nehmen. Welche Möglichkeiten es gibt und wie Sie Entlastungsmöglichkeiten nutzen können, erklärt Pflegeberaterin Isabella Schüling in einem Interview mit Martina Rosenberg.

Expertin Isabella Schüling, Pflegeberaterin und Pflegesachverständige, berät seit vielen Jahren Menschen, die mit der Pflege konfrontiert werden und ist selbst pflegende Angehörige. Außerdem leitet sie einen monatlichen Demenzzirkel zum Austausch zwischen den Angehörigen.

Film MITGEFÜHL: Interviews mit der Regisseurin und der Pflegeheimgründerin & weitere Filmempfehlungen zum Thema Demenz

Tag 5 : Freitag, 24. September 2021 um 15 Uhr

Mittelpunkt des dänischen Dokumentarfilms „MITGEFÜHL“ (Kinostart am 23.09.2021) ist Dagmarsminde – ein Pflegeheim für Demenzerkrankte. Hier wird vor allem auf Mitgefühl als Behandlungsmethode gesetzt. pflege.de hat mit der Gründerin von Dagmarsminde May Bjerre Eiby über ihr Langzeitpflegekonzept gesprochen und die Regisseurin von „MITGEFÜHL“ Louise Detlefsen zum Film befragt. Welche Filme ebenfalls das Thema Demenz spannend thematisieren, erfahren Sie in einem Magazinbeitrag über Filmempfehlungen zum Thema Demenz von der pflege.de-Redaktion.

Tipp
Bundestagswahl am 26. September 2021: Auch ein Thema bei Demenz

Politik ist auch ein Thema bei Demenz. Am Sonntag, den 26. September findet die Bundestagswahl 2021 statt. pflege.de fasst für Sie die Forderungen der Parteien für die Pflege zusammen.

Grundwissen zu Demenz

Sie möchten sich erstmal grundlegend zum Thema informieren? pflege.de gibt Ihnen gerne einen ersten Überblick zu Demenz. In einzelnen Ratgebern können Sie sich zu verschiedenen Demenzformen informieren. Hierzu eine schnelle Übersicht:

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

/ 5 Bewertungen

Sie haben bereits bewertet.
Vielen Dank!
Wir haben Ihre Bewertung erhalten.
Vielen Dank für Ihre Anmerkungen!
Haben Sie noch Anmerkungen oder Verbesserungsvorschläge?



Erstelldatum: 1202.80.62|Zuletzt geändert: 1202.21.22
(1)
Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. (DAlzG) (2020)
www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/Alz/pdf/factsheets/infoblatt1_haeufigkeit_demenzerkrankungen_dalzg.pdf (letzter Abruf am 23.08.2021)
(2)
Bundesministerium für Gesundheit (BMG) (2020)
www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Pflege/Broschueren/190429_BMG_RG_Demenz.pdf (letzter Abruf am 23.08.2021)
(3)
Statista (2015)
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/469926/umfrage/verteilung-von-pflegeleistungen-durch-pflegende-angehoerige-in-deutschland/ (letzter Abruf am 23.08.2021)
(4)
Bildquelle
©iStock.com/PIKSEL
(5)
Bildquelle Karpinski
© Dirk Kaltenhäuser
(6)
Bildquelle Eiby
© Sif Meincke
(7)
Bildquelle Detlefsen
© Marie Hald
Pflegegradrechner
Services
Einfach, schnell und kostenlos zum persönlichen Ergebnis
Curabox Kostenlose Pflegehilfsmittel
Services
Kostenlose Pflegehilfsmittel bequem liefern lassen
Notruflotse Serviceteaser
Services
Der Notruflotse - Geräte, Anbieter & Preise vergleichen!
Pflegeberatung Paragraph 37.3
Services
Kostenlose Pflegeberatung - Pflicht bei Pflegegeld-Bezug!
24 Stunden Pflege finden Small
Services
24-Stunden-Pflegekraft ganz einfach legal anstellen
Interview

Dänisches Demenzpflegeheim: Hintergründe zur alternativen „Dagmarsminde-Methode“. Ein Interview mit Gründerin May Bjerre Eiby

May Bjerre Eiby
Im Interview
May Bjerre Eiby
Gründerin vom dänischen, alternativen Demenzpflegeheim Dagmarsminde

May Bjerre Eiby ist Gründerin und Inhaberin des dänischen Pflegeheims Dagmarsminde, welches Demenzerkrankte mit einem alternativen Langzeitpflegekonzept betreut. In ihren Büchern „Wenn Pflege die beste Medizin ist“ und „Das Pflegemanifest“ beschreibt sie ihr Pflegekonzept – die „Dagmarsminde-Methode“ – und gibt praktische Tipps zur Umsetzung.

Wie können Demenzerkrankte mit Menschlichkeit, Respekt und Mitgefühl gepflegt werden? Welche neuen Wege können in der Pflege von Demenzerkrankten gegangen werden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der dänische Dokumentarfilm MITGEFÜHL, der am 23.09.2021 in den deutschen Kinos erschienen ist. Der Film begleitet Gründerin des Pflegeheims „Dagmarsminde“ May Bjerre Eiby, die Bewohner und Pflegekräfte in ihrem Alltag. Er zeigt den besonderen Umgang zwischen Bewohnern und Pflegekräften, der zu Eibys Langzeitpflegekonzept gehört. pflege.de hat mit May Bjerre Eiby gesprochen und sie zu ihrem Heim und Pflegekonzept befragt.

pflege.de: Sie sind die Gründerin des Pflegeheims Dagmarsminde, welches demenzerkrankte Personen mit einem besonderen Langzeitpflegekonzept betreut. Was bewegte Sie dazu, Dagmarsminde zu gründen?

May Bjerre Eiby: Ich habe jahrelang in der öffentlichen Altenpflege in Dänemark in Krankenhäusern, Pflegeheimen und in der häuslichen Pflege gearbeitet. Dort erlebte ich vor allem Vernachlässigung und mangelnde Pflege. Der Fokus lag immer auf medizinischen Lösungen, Instrumenten und Technologie.

Nach einigen Jahren beschloss ich, mein eigenes Pflegeheim zu gründen. Zur gleichen Zeit erkrankte mein Vater an Demenz und musste in ein Pflegeheim umziehen, wo er nach kaum einem halben Jahr an der gleichen Art von Vernachlässigung starb, die ich als Angestellte im Gesundheitswesen erlebt hatte.

Sieben Jahre lang arbeitete ich daran, genug Geld für einen Bankkredit aufzutreiben, um den Ort, den ich mir vorgestellt hatte – nämlich die Renovierung einer alten Schreinerei – aufbauen zu können. Schlussendlich gelang es mir, ein Bankdarlehen zu bekommen und das Haus zu eröffnen.

Ich habe mich dafür entschieden, eine Einrichtung für ältere Menschen mit schwerer Demenz zu schaffen, weil ich fand, dass sie in unserem System am zerbrechlichsten und bedürftigsten sind – und auch eine sehr hohe Qualität der Betreuung und fortschrittliche Pflege benötigen.

Curabox Kostenlose Pflegehilfsmittel
Diese Hygieneprodukte zahlt die Pflegekasse

Nutzen Sie Ihren Anspruch auf zuzahlungsfreie Pflegemittel wie Desinfektionsmittel und Mundschutz.

– Für jeden mit Pflegegrad 1-5

– Versandkostenfrei nach Hause

– Monatlich bis zu 40 € sparen 

In 4 Minuten zur Wunschbox

pflege.de: Ihre Methode bezeichnen Sie als „Mitgefühl als Behandlung“. Was bedeutet dies konkret in der praktischen Umsetzung?

May Bjerre Eiby: Das bedeutet, dass wir uns hauptsächlich auf das Mitgefühl oder den fürsorglichen Teil der Arbeit konzentrieren. Wir glauben daran, dass die uns umgebende Natur, die Einrichtung und die Atmosphäre um die Bewohner herum, Teil der Behandlung sind. Wir achten darauf, die Sinne der Bewohner ständig zu stimulieren, indem wir auf den Geräuschpegel, den Einsatz verschiedener Arten von Musik im Hintergrund, den Duft des Essens und der ätherischen Öle, die frische Luft und das Licht achten. Wir gehen jeden Tag in unserem Garten spazieren, schauen uns die Blumen an, riechen an den Kräutern, spüren die Luft, schauen in den Kamin – und wir gehen sehr oft in den nahegelegenen Wald, wo wir die alten Bäume betrachten und berühren.

Wir glauben daran, dass die uns umgebende Natur, die Einrichtung und die Atmosphäre um die Bewohner herum, Teil der Behandlung sind.
May Bjerre Eiby

Der andere Teil unserer Behandlung ist der „klassische“ Pflegeteil: Wir nutzen unsere Hände, unsere Augen, unsere Intuition und unsere Erfahrungen, anstatt uns in erster Linie auf Fakten und Wissenschaft zu stützen. Zum Beispiel sprechen wir mit den Bewohnern nie über die Demenzdiagnose und wir interessieren uns auch nicht für die Vorgänge im Gehirn, die „typischen Verhaltensweisen“ und so weiter. Stattdessen arbeiten wir intensiv mit dem Wert, dass jeder Bewohner ein besonderes menschliches Wesen ist, das zerbrechlich und abhängig ist – aber wir als Personal sind auch von ihm abhängig, da wir uns als Menschen entwickeln, wenn wir zusammen sind.

Wir können fast alle Medikamente, die die Bewohner bei ihrem Einzug bei uns einnehmen, reduzieren.
May Bjerre Eiby

Wir reduzieren fast alle Medikamente, die die Bewohner bei ihrem Einzug bei uns einnehmen. Im Moment liegt der Durchschnitt in Dagmarsminde bei einer halben Tablette pro Tag, verglichen mit acht Tabletten pro Tag im Rest des Landes. Wir geben unseren Bewohnern niemals antipsychotische Medikamente oder Beruhigungsmittel – nur im sehr späten palliativen Stadium einige Tage vor ihrem Tod. Wir reduzieren die Medikamente in Zusammenarbeit mit dem Arzt, dem Bewohner und seinen Angehörigen.

Wir haben jeden Tag ein wiederholendes Programm mit verschiedenen Aktivitäten und sorgen zusätzlich dafür, dass die Bewohner auch tagsüber zur Ruhe kommen.
May Bjerre Eiby

Wir arbeiten mit dem zirkadianen Rhythmus und das bedeutet, dass die Bewohner in der Nacht 11 bis 13 Stunden Schlaf brauchen. Das stellen wir sicher, indem wir jeden Tag ein sich wiederholendes Programm mit verschiedenen Aktivitäten anbieten – zum Beispiel mit Vorlesen, Bewegung oder gemeinsamem Essen. Wir sorgen dafür sorgen, dass die Bewohner auch tagsüber zur Ruhe kommen. Fast alle Aktivitäten sind Teil der Gemeinschaft, aber wir machen jeden Tag individuelle Aktivitäten, weil die Bewohner natürlich auch besondere Bedürfnisse haben.

Ratgeber
Demenz-Tests: zur Früherkennung einer Demenz

pflege.de: War es schwer, andere von Ihrem Konzept zu überzeugen?

May Bjerre Eiby: Ja, es war sehr schwer. Der Pflegesektor in Dänemark ist über viele Jahre hinweg aufgebaut worden und hat seine eigenen Gewohnheiten. Diese basieren hauptsächlich auf der Medizin und neuen „Wunder“-Technologien sowie den besonderen Bedürfnissen des Personals und der Angst vor unangemessenem Verhalten seitens der Bewohner.

Man könnte sagen, dass unser Pflegesektor an einer Menge blinder Flecken leidet.
May Bjerre Eiby

Es ist schwierig, den öffentlichen Altenpflegesektor von unseren Methoden zu überzeugen, denn es erfordert, dass er tatsächlich an einen neuen Weg glaubt und Fantasie und Kreativität einsetzt, um seine Denkweise zu ändern. Man könnte sagen, dass unser Pflegesektor an einer Menge blinder Flecken leidet.

pflege.de: Wie sieht bei Ihnen der Betreuungsschlüssel aus? Wie viele Demenzerkrankte kommen auf einen Betreuenden?

May Bjerre Eiby: Bei uns kommen auf einen Betreuer durchschnittlich fünf (4,8) Demenzerkrankte.

pflege.de: Im Film „MITGEFÜHL“ merken Sie an, dass Dagmarsminde nicht für reiche Menschen gemacht ist und alle Bewohner von der staatlichen dänischen Rente leben. Denken Sie, dass sich Ihr Konzept auch mit den aktuellen Bedingungen in Deutschland umsetzen lassen würde?

May Bjerre Eiby: Obwohl ich den deutschen Altenpflegesektor nicht im Detail kenne, würde ich trotzdem sagen: Ja, das sollte überall möglich sein und muss überall möglich sein.

Anmerkung der Redaktion: Das Interview wurde auf Englisch geführt und von pflege.de ins Deutsche übersetzt.

Tipp
Interview mit „MITGEFÜHL“-Regisseurin Louise Detlefsen

In ihrem Dokumentarfilm „MITGEFÜHL“ hat Louise Detlefsen den Alltag der demenzerkrankten Menschen und des Pflegeteams in Dagmarsminde begleitet. Hintergründe zu den Dreharbeiten lesen Sie im Interview mit Louise Detlefsen

Neugierig auf den Film geworden? Lesen Sie im Magazinbeitrag Demenz & Film die Filmbeschreibung und schauen den Kinotrailer. 

 

Erstelldatum: 1202.90.42|Zuletzt geändert: 1202.21.31
(1)
Bildquelle
Copyright Sif Meincke
Interview

Demenz-Dokumentarfilm „MITGEFÜHL“ – Regisseurin Louise Detlefsen im Interview mit pflege.de

Louise Detlefsen
Im Interview
Louise Detlefsen
Regisseurin und Drehbuchautorin

Louise Detlefsen ist eine dänische Regisseurin und Drehbuchautorin. In ihrem Filmen behandelt die Dänin oft gesellschaftlich relevante Themen, mit denen sie zum Nachdenken anstoßen will.

Kann man Demenz mit Mitgefühl behandeln? Diese Frage stellt sich der dänische Dokumentarfilm MITGEFÜHL, der am 23.09.2021 in den deutschen Kinos gestartet ist. Der Film dokumentiert das Leben und den Alltag im Demenzpflegeheim Dagmarsminde und zeigt, dass ein Leben mit Demenz ein glückliches sein kann. pflege.de hat mit Louise Detlefsen, der Regisseurin des Dokumentarfilms, gesprochen und ihr Fragen zum Film gestellt.

pflege.de: Der Film „MITGEFÜHL“ hat uns sehr gefallen und berührt. Demenz und der Umgang mit Demenzerkrankten ist kein einfaches Thema. Wie kamen Sie auf die Idee, einen Film über das alternative Pflegeheim Dagmarsminde zu machen?

Louise Detlefsen: Eigentlich kam mir die Idee ganz spontan. Es dauerte nur ein paar Monate vom ersten Gedanken, bis ich in Dagmarsminde war, um zu recherchieren und einige der ersten Szenen zu drehen. Die Idee kam mir, als ich die Gründerin von Dagmarsminde – May Bjerre Eiby – in einem Radiointerview über die Behandlung von Demenz hörte. Die Art und Weise, wie sie über die Bewohner von Dagmarsminde und ihre Lebensqualität sprach, überraschte mich. Sie wies darauf hin, dass Demenz eine Erkrankung ist, dass das Leben mit Demenz aber glücklich sein und auch Spaß machen kann, wenn man sich richtig um die Betroffenen kümmert. Im Augenblick zu leben ermöglicht, die Welt um einen herum auf eine neue Art und Weise zu sehen, zu fühlen und aufzunehmen.

Demenz ist schwer und Menschen mit Demenz brauchen eine Menge spezieller Pflege, aber sie eröffnet auch eine Möglichkeit, in der Welt präsent zu sein. Und all die grundlegenden Dinge des Lebens zu schätzen, die wir „normalen“, vielbeschäftigten Menschen zu vergessen pflegen: Jemandem in die Augen zu schauen, die Berührung einer Hand, die Farben und Formen einer Blume, eine Katze zu streicheln und einfach nur mit anderen Menschen zusammen zu sein und sich in einer Gemeinschaft sicher zu fühlen. Ich verspürte einfach den Drang, einen Dokumentarfilm über das Leben mit Demenz zu drehen, der viel Hoffnung und sogar Spaß bietet.

Erstelldatum: 1202.90.42|Zuletzt geändert: 1202.90.72
(1)
Bildquelle
Copyright Marie Hald
News

Demenz & Film: Empfehlungen der pflege.de-Redaktion

Weiterleiten

Demenz ist eine Erkrankung, die die Lebenswelten von betroffenen Menschen und ihren Angehörigen maßgeblich beeinflusst und verändert. Nicht verwunderlich also, dass die Thematik bereits in vielen Filmen ­– ob fiktional oder dokumentarisch – verarbeitet wurde. Passend zur Aktionswoche Demenz empfiehlt Ihnen pflege.de spannende Filme, die sich mit Demenz auseinandersetzen.

Erstelldatum: 1202.90.42|Zuletzt geändert: 1202.90.42
(1)
Bildquelle
mikrofilm.dk/Per Fredrik Skiöld
Das könnte Sie auch interessieren
Alzheimer-Demenz
Alzheimer
Alzheimer – Definition, Symptome & mehr
Vaskuläre Demenz
Vaskuläre Demenz
Vaskuläre Demenz: Morbus Binswanger & mehr
Demenz Test Übersicht
Demenz-Tests
Demenz-Test: Früherkennung von Alzheimer
Umgang mit Demenzerkrankten
Umgang
Wie reagieren? Tipps zum Umgang mit Demenz
Frontotemporale Demenz
Frontotemporale Demenz
Frontotemporale Demenz / Morbus Pick
Hilfe für Angehörige
Demenz-Hilfe
Demenz-Hilfe » Entlastung für Angehörige