Demenzwoche 2021: "Derselbe Mensch" – Aktionswoche Demenz von pflege.de

Demenzwoche

Wenn ein Mensch an Demenz erkrankt, kommen viele Fragen auf und Betroffene sowie deren Familien stehen vor einer großen Herausforderung. Der Welt-Alzheimertag am 21. September soll für mehr Aufklärung sowie Akzeptanz sorgen und Betroffenen helfen, ihre Krankheit besser zu verstehen. Aus diesem Anlass veranstaltete pflege.de in der Woche vom 20. September bis zum 24. September eine Aktionswoche zu Demenz unter dem Motto „Derselbe Mensch“. Neben spannenden Interviews mit Fachpersonen aus der Demenzwelt fand eine kostenlose Online-Veranstaltung statt, in der eine Demenzexpertin Ihre Fragen beantwortete.

Inhaltsverzeichnis

Warum ist die Demenzwoche so wichtig?

In der Demenzwoche sollen Menschen besser über die Demenzerkrankung aufgeklärt werden. pflege.de informiert bereits in einer eigenen Themenwelt über das Krankheitsbild sowie den Pflegealltag bei Demenz und möchte pflegende Angehörigen dazu ermutigen, eventuelle Unterstützungsleistungen so früh wie möglich zu nutzen. Aufklärung ist wichtig, damit sich pflegebedürftige Menschen sowie deren sorgende An- und Zugehörige einen Überblick darüber verschaffen können, was ihnen möglicherweise gesetzlich zusteht.

Das Wichtigste in Kürze: Aktuelle Zahlen zur Demenz

  • Aktuell leben rund 1,6 Millionen Menschen mit Demenz in Deutschland.(1)
  • Das Risiko für eine Demenzerkrankung steigt mit dem Alter. Zwei Drittel aller Demenzerkrankten sind über 80 Jahre alt und die meisten davon weiblich.(1)
  • Zwei Drittel der Betroffenen leben zuhause und werden im Alltag meist durch ihre Angehörigen unterstützt und/oder gepflegt.(2)
  • Die meiste Unterstützung fällt in den Lebensbereichen der hauswirtschaftlichen Versorgung und Körperpflege an.(3)
  • Die Betreuung und Pflege von demenzerkrankten Menschen ist für Angehörige oft eine große Herausforderung: 78 Prozent der Angehörigen sind damit zeitlich sowie psychisch überfordert, 59 Prozent kommen an ihre körperlichen Grenzen und 30 Prozent wünschen sich mehr finanzielle Unterstützung.(3)
Expertenmeinung

Immer mehr Menschen erkranken an Demenz. Es ist eine Krankheit, die den Menschen im gesamten Umfeld viel abverlangt. Wir wollen mit unserer Aktionswoche helfen, Zusammenhänge besser zu verstehen und damit den Betroffenen und deren Angehörige Unterstützung im Alltag geben.

Lars  Kilchert
Lars Kilchert
pflege.de-Gründer

Programmübersicht der Demenzwoche 2021 (ein Rückblick)

In der Demenzwoche 2021 ging pflege.de für Sie in den Austausch mit unterschiedlichen Fachpersonen aus der Demenzwelt. Jeden Tag startete um 15 Uhr eine virtuelle Aktion, die für Sie kostenlos war.

pflege.de hofft, dass Sie aus der Demenzwoche 2021 praktische Tipps für Ihren persönlichen Pflegealltag mitnehmen konnten!

Umgang mit Demenzerkrankten: Im Gespräch mit Pflegefachdozent Tobias Münzenhofer

Tag 1: Montag, 20. September 2021 um 15 Uhr

Was sollten pflegende Angehörige im Umgang mit Demenzerkrankten beachten? Wie können Pflegende reagieren, wenn sich die demenzerkrankte Person nicht mehr waschen möchte? Sollten Pflegende ihre Umgangsform an die verschiedenen Phasen der Demenzerkrankung (leicht, mittel, schwere Demenz) anpassen?

Diese Fragen und mehr beantwortet Tobias Münzenhofer (unter anderem gerontopsychiatrischer Fachpfleger und Praxisanleiter) in einem Interview zum Umgang mit Demenzerkrankten.

Kostenlose Online-Veranstaltung live um 19 Uhr: Ihre Fragen an Laura Mey von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft

Tag 2: Dienstag, 21. September 2021 um 19 Uhr

In einer kostenlosen Online-Veranstaltung beantwortete Demenzexpertin Laura Mey von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) Ihre Fragen rund um den Alltag und Kommunikation mit Demenzerkrankten.

Expertin Laura Mey ist studierte Soziologin und arbeitete einige Jahre in einer Pflegeeinrichtung mit Menschen mit Demenz. Seit 2015 ist sie als Beraterin am Alzheimer-Telefon der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e. V. Selbsthilfe Demenz tätig. Zudem lehrt sie als Honorardozentin im Lernfeld Pflege von Menschen mit Demenz.

Diagnose und Verlauf bei Demenz: Im Gespräch mit Psychiater Dr. Hans Förstl

Tag 3: Mittwoch, 22. September 2021 um 15 Uhr

Was bedeutet es für Betroffene und deren Angehörige, wenn plötzlich die Diagnose Demenz im Raum steht? Wie ist der Verlauf der Erkrankung und was passiert im Gehirn des Erkrankten?

In einem Interview zur Diagnose Demenz und ihrem Verlauf sprechen Pflegeexpertin Martina Rosenberg und Experte Dr. Hans Förstl über die verschiedenen Formen von Demenz und klären, ob es sogar möglich ist, die Erkrankung zu heilen oder ihren Verlauf zu verzögern. Ein weiteres Thema ist die Überforderung der pflegenden Angehörigen: Wann sollte ich die Pflege abgeben?

Herr Dr. Förstl ist Professor i. R. und Facharzt für Neurologie und Psychiatrie/Geriatrie Autor und Herausgeber zahlreicher Publikationen mit einem Schwerpunkt auf Gedächtnis und Demenz.

Rechtliche Fragen bei Demenz: Im Gespräch mit Rechtsanwalt Markus Karpinski

Tag 4: Donnerstag, 23. September 2021 um 15 Uhr

Rechtliche Fragen bei Demenz kommen über die Zeit viele auf. Nicht immer werden wichtige Vorsorgedokumente rechtzeitig aufgesetzt. Ist ein Mensch erst einmal dement und kann nicht mehr selbst für sich entscheiden, kann es für die ganze Familie schwierig werden. Was darf ich als Angehöriger entscheiden und was kann ich tun, wenn Vollmachten fehlen? Kann ich als pflegender Angehöriger auch die Betreuung zurückgeben und wie muss ich reagieren, wenn beispielsweise ein Elternteil uneinsichtig ist und verwahrlost wirkt?

In einem Interview zu den rechtlichen Grundlagen bei Demenz liefert Rechtsanwalt Markus Karpinski aus Lüdinghausen hilfreiche Antworten und nützliche Tipps.

Entlastungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige: Im Gespräch mit Pflegeberaterin Isabella Schüling

Tag 5 : Freitag, 24. September 2021 um 15 Uhr

Für die Pflege zuhause, insbesondere bei der Pflege von dementiell erkrankten Angehörigen, benötigen Pflegepersonen viel Kraft. Um nicht selbst krank zu werden, ist frühzeitige Entlastung wichtig. Diese können Pflegepersonen stundenweise oder auch tageweise in Anspruch nehmen.

In einem Podcast zu den Entlastungsmöglichkeiten bei Demenz mit Martina Rosenberg erklärt Pflegeberaterin Isabella Schüling: Welche Möglichkeiten der Demenzhilfe für pflegende Angehörige gibt es und wie können Sie diese nutzen?

Film MITGEFÜHL: Interviews mit der Regisseurin und der Pflegeheimgründerin & weitere Filmempfehlungen zum Thema Demenz

Tag 5 : Freitag, 24. September 2021 um 15 Uhr

Mittelpunkt des dänischen Dokumentarfilms „MITGEFÜHL“ ist Dagmarsminde – ein Pflegeheim für Demenzerkrankte. Hier wird vor allem auf Mitgefühl als Behandlungsmethode gesetzt.

pflege.de hat mit der Gründerin von Dagmarsminde May Bjerre Eiby über ihr Langzeitpflegekonzept gesprochen und die Regisseurin von „MITGEFÜHL“ Louise Detlefsen zum Film befragt. Dabei entstanden sind zwei spannende Magazinbeiträge.

Welche Filme ebenfalls das Thema Demenz interessant aufgreifen, erfahren Sie in einem weiteren Magazinbeitrag mit entsprechenden Filmempfehlungen.

Alle hier entstandenen Magazinbeiträge finden Sie weiter unten.

Grundwissen zu Demenz

Sie möchten sich erstmal grundlegend zum Thema informieren? pflege.de gibt Ihnen gerne einen ersten Überblick zu Demenz. In einzelnen Ratgebern können Sie sich zu verschiedenen Demenzformen informieren. Hierzu eine schnelle Übersicht:

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Erstelldatum: 1202.80.62|Zuletzt geändert: 2202.70.4
(1)
Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. (DAlzG) (2020)
www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/Alz/pdf/factsheets/infoblatt1_haeufigkeit_demenzerkrankungen_dalzg.pdf (letzter Abruf am 23.08.2021)
(2)
Bundesministerium für Gesundheit (BMG) (2020)
www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Pflege/Broschueren/190429_BMG_RG_Demenz.pdf (letzter Abruf am 23.08.2021)
(3)
Statista (2015)
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/469926/umfrage/verteilung-von-pflegeleistungen-durch-pflegende-angehoerige-in-deutschland/ (letzter Abruf am 23.08.2021)
(4)
Bildquelle
©iStock.com/PIKSEL
(5)
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© Dirk Kaltenhäuser
(6)
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© Sif Meincke
(7)
Bildquelle Detlefsen
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Interview

Dänisches Demenzpflegeheim: Hintergründe zur alternativen „Dagmarsminde-Methode“. Ein Interview mit Gründerin May Bjerre Eiby

May Bjerre Eiby
Im Interview
May Bjerre Eiby
Gründerin vom dänischen, alternativen Demenzpflegeheim Dagmarsminde

May Bjerre Eiby ist Gründerin und Inhaberin des dänischen Pflegeheims Dagmarsminde, welches Demenzerkrankte mit einem alternativen Langzeitpflegekonzept betreut. In ihren Büchern „Wenn Pflege die beste Medizin ist“ und „Das Pflegemanifest“ beschreibt sie ihr Pflegekonzept – die „Dagmarsminde-Methode“ – und gibt praktische Tipps zur Umsetzung.

Wie können Demenzerkrankte mit Menschlichkeit, Respekt und Mitgefühl gepflegt werden? Welche neuen Wege können in der Pflege von Demenzerkrankten gegangen werden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der dänische Dokumentarfilm MITGEFÜHL, der am 23.09.2021 in den deutschen Kinos erschienen ist. Der Film begleitet Gründerin des Pflegeheims „Dagmarsminde“ May Bjerre Eiby, die Bewohner und Pflegekräfte in ihrem Alltag. Er zeigt den besonderen Umgang zwischen Bewohnern und Pflegekräften, der zu Eibys Langzeitpflegekonzept gehört. pflege.de hat mit May Bjerre Eiby gesprochen und sie zu ihrem Heim und Pflegekonzept befragt.

pflege.de: Sie sind die Gründerin des Pflegeheims Dagmarsminde, welches demenzerkrankte Personen mit einem besonderen Langzeitpflegekonzept betreut. Was bewegte Sie dazu, Dagmarsminde zu gründen?

May Bjerre Eiby: Ich habe jahrelang in der öffentlichen Altenpflege in Dänemark in Krankenhäusern, Pflegeheimen und in der häuslichen Pflege gearbeitet. Dort erlebte ich vor allem Vernachlässigung und mangelnde Pflege. Der Fokus lag immer auf medizinischen Lösungen, Instrumenten und Technologie.

Nach einigen Jahren beschloss ich, mein eigenes Pflegeheim zu gründen. Zur gleichen Zeit erkrankte mein Vater an Demenz und musste in ein Pflegeheim umziehen, wo er nach kaum einem halben Jahr an der gleichen Art von Vernachlässigung starb, die ich als Angestellte im Gesundheitswesen erlebt hatte.

Sieben Jahre lang arbeitete ich daran, genug Geld für einen Bankkredit aufzutreiben, um den Ort, den ich mir vorgestellt hatte – nämlich die Renovierung einer alten Schreinerei – aufbauen zu können. Schlussendlich gelang es mir, ein Bankdarlehen zu bekommen und das Haus zu eröffnen.

Ich habe mich dafür entschieden, eine Einrichtung für ältere Menschen mit schwerer Demenz zu schaffen, weil ich fand, dass sie in unserem System am zerbrechlichsten und bedürftigsten sind – und auch eine sehr hohe Qualität der Betreuung und fortschrittliche Pflege benötigen.

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pflege.de: Ihre Methode bezeichnen Sie als „Mitgefühl als Behandlung“. Was bedeutet dies konkret in der praktischen Umsetzung?

May Bjerre Eiby: Das bedeutet, dass wir uns hauptsächlich auf das Mitgefühl oder den fürsorglichen Teil der Arbeit konzentrieren. Wir glauben daran, dass die uns umgebende Natur, die Einrichtung und die Atmosphäre um die Bewohner herum, Teil der Behandlung sind. Wir achten darauf, die Sinne der Bewohner ständig zu stimulieren, indem wir auf den Geräuschpegel, den Einsatz verschiedener Arten von Musik im Hintergrund, den Duft des Essens und der ätherischen Öle, die frische Luft und das Licht achten. Wir gehen jeden Tag in unserem Garten spazieren, schauen uns die Blumen an, riechen an den Kräutern, spüren die Luft, schauen in den Kamin – und wir gehen sehr oft in den nahegelegenen Wald, wo wir die alten Bäume betrachten und berühren.

Wir glauben daran, dass die uns umgebende Natur, die Einrichtung und die Atmosphäre um die Bewohner herum, Teil der Behandlung sind.
May Bjerre Eiby

Der andere Teil unserer Behandlung ist der „klassische“ Pflegeteil: Wir nutzen unsere Hände, unsere Augen, unsere Intuition und unsere Erfahrungen, anstatt uns in erster Linie auf Fakten und Wissenschaft zu stützen. Zum Beispiel sprechen wir mit den Bewohnern nie über die Demenzdiagnose und wir interessieren uns auch nicht für die Vorgänge im Gehirn, die „typischen Verhaltensweisen“ und so weiter. Stattdessen arbeiten wir intensiv mit dem Wert, dass jeder Bewohner ein besonderes menschliches Wesen ist, das zerbrechlich und abhängig ist – aber wir als Personal sind auch von ihm abhängig, da wir uns als Menschen entwickeln, wenn wir zusammen sind.

Wir können fast alle Medikamente, die die Bewohner bei ihrem Einzug bei uns einnehmen, reduzieren.
May Bjerre Eiby

Wir reduzieren fast alle Medikamente, die die Bewohner bei ihrem Einzug bei uns einnehmen. Im Moment liegt der Durchschnitt in Dagmarsminde bei einer halben Tablette pro Tag, verglichen mit acht Tabletten pro Tag im Rest des Landes. Wir geben unseren Bewohnern niemals antipsychotische Medikamente oder Beruhigungsmittel – nur im sehr späten palliativen Stadium einige Tage vor ihrem Tod. Wir reduzieren die Medikamente in Zusammenarbeit mit dem Arzt, dem Bewohner und seinen Angehörigen.

Wir haben jeden Tag ein wiederholendes Programm mit verschiedenen Aktivitäten und sorgen zusätzlich dafür, dass die Bewohner auch tagsüber zur Ruhe kommen.
May Bjerre Eiby

Wir arbeiten mit dem zirkadianen Rhythmus und das bedeutet, dass die Bewohner in der Nacht 11 bis 13 Stunden Schlaf brauchen. Das stellen wir sicher, indem wir jeden Tag ein sich wiederholendes Programm mit verschiedenen Aktivitäten anbieten – zum Beispiel mit Vorlesen, Bewegung oder gemeinsamem Essen. Wir sorgen dafür sorgen, dass die Bewohner auch tagsüber zur Ruhe kommen. Fast alle Aktivitäten sind Teil der Gemeinschaft, aber wir machen jeden Tag individuelle Aktivitäten, weil die Bewohner natürlich auch besondere Bedürfnisse haben.

Ratgeber
Demenz-Tests: zur Früherkennung einer Demenz

pflege.de: War es schwer, andere von Ihrem Konzept zu überzeugen?

May Bjerre Eiby: Ja, es war sehr schwer. Der Pflegesektor in Dänemark ist über viele Jahre hinweg aufgebaut worden und hat seine eigenen Gewohnheiten. Diese basieren hauptsächlich auf der Medizin und neuen „Wunder“-Technologien sowie den besonderen Bedürfnissen des Personals und der Angst vor unangemessenem Verhalten seitens der Bewohner.

Man könnte sagen, dass unser Pflegesektor an einer Menge blinder Flecken leidet.
May Bjerre Eiby

Es ist schwierig, den öffentlichen Altenpflegesektor von unseren Methoden zu überzeugen, denn es erfordert, dass er tatsächlich an einen neuen Weg glaubt und Fantasie und Kreativität einsetzt, um seine Denkweise zu ändern. Man könnte sagen, dass unser Pflegesektor an einer Menge blinder Flecken leidet.

pflege.de: Wie sieht bei Ihnen der Betreuungsschlüssel aus? Wie viele Demenzerkrankte kommen auf einen Betreuenden?

May Bjerre Eiby: Bei uns kommen auf einen Betreuer durchschnittlich fünf (4,8) Demenzerkrankte.

pflege.de: Im Film „MITGEFÜHL“ merken Sie an, dass Dagmarsminde nicht für reiche Menschen gemacht ist und alle Bewohner von der staatlichen dänischen Rente leben. Denken Sie, dass sich Ihr Konzept auch mit den aktuellen Bedingungen in Deutschland umsetzen lassen würde?

Erstelldatum: 1202.90.42|Zuletzt geändert: 1202.21.31
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Interview

Demenz-Dokumentarfilm „MITGEFÜHL“ – Regisseurin Louise Detlefsen im Interview mit pflege.de

Louise Detlefsen
Im Interview
Louise Detlefsen
Regisseurin und Drehbuchautorin

Louise Detlefsen ist eine dänische Regisseurin und Drehbuchautorin. In ihrem Filmen behandelt die Dänin oft gesellschaftlich relevante Themen, mit denen sie zum Nachdenken anstoßen will.

Kann man Demenz mit Mitgefühl behandeln? Diese Frage stellt sich der dänische Dokumentarfilm MITGEFÜHL, der am 23.09.2021 in den deutschen Kinos gestartet ist. Der Film dokumentiert das Leben und den Alltag im Demenzpflegeheim Dagmarsminde und zeigt, dass ein Leben mit Demenz ein glückliches sein kann. pflege.de hat mit Louise Detlefsen, der Regisseurin des Dokumentarfilms, gesprochen und ihr Fragen zum Film gestellt.

pflege.de: Der Film „MITGEFÜHL“ hat uns sehr gefallen und berührt. Demenz und der Umgang mit Demenzerkrankten ist kein einfaches Thema. Wie kamen Sie auf die Idee, einen Film über das alternative Pflegeheim Dagmarsminde zu machen?

Louise Detlefsen: Eigentlich kam mir die Idee ganz spontan. Es dauerte nur ein paar Monate vom ersten Gedanken, bis ich in Dagmarsminde war, um zu recherchieren und einige der ersten Szenen zu drehen. Die Idee kam mir, als ich die Gründerin von Dagmarsminde – May Bjerre Eiby – in einem Radiointerview über die Behandlung von Demenz hörte. Die Art und Weise, wie sie über die Bewohner von Dagmarsminde und ihre Lebensqualität sprach, überraschte mich. Sie wies darauf hin, dass Demenz eine Erkrankung ist, dass das Leben mit Demenz aber glücklich sein und auch Spaß machen kann, wenn man sich richtig um die Betroffenen kümmert. Im Augenblick zu leben ermöglicht, die Welt um einen herum auf eine neue Art und Weise zu sehen, zu fühlen und aufzunehmen.

Demenz ist schwer und Menschen mit Demenz brauchen eine Menge spezieller Pflege, aber sie eröffnet auch eine Möglichkeit, in der Welt präsent zu sein. Und all die grundlegenden Dinge des Lebens zu schätzen, die wir „normalen“, vielbeschäftigten Menschen zu vergessen pflegen: Jemandem in die Augen zu schauen, die Berührung einer Hand, die Farben und Formen einer Blume, eine Katze zu streicheln und einfach nur mit anderen Menschen zusammen zu sein und sich in einer Gemeinschaft sicher zu fühlen. Ich verspürte einfach den Drang, einen Dokumentarfilm über das Leben mit Demenz zu drehen, der viel Hoffnung und sogar Spaß bietet.

Ich verspürte einfach den Drang, einen Dokumentarfilm über das Leben mit Demenz zu drehen, der viel Hoffnung und sogar Spaß bietet.
Louise Detlefsen

pflege.de: Haben Sie bei den Dreharbeiten besondere Maßnahmen getroffen, um auf die Bedürfnisse der Bewohner einzugehen? Waren die Dreharbeiten schwieriger als sonst?

Louise Detlefsen: Ja, es war ganz anders als alles, was ich bisher gefilmt habe. Wir haben als kleines Team gearbeitet, nur ich als Regisseurin und Tontechnikerin und der Kameramann. So konnten wir uns auf die Tageszeit, die Atmosphäre vor Ort und die Stimmung der Bewohner einstellen, die wir als Hauptpersonen filmten. Aber wenn wir morgens durch das Tor kamen, wurden wir oft von Inge empfangen, die sowohl neugierig ist als auch gerne redet. Sie begegnete uns, als hätte sie uns noch nie gesehen, und fragte uns, wer wir waren und was wir drehten.

Das Gleiche gilt für viele der anderen Bewohner, so dass wir immer mehrmals am Tag unsere Dreharbeiten erklären mussten. Vor den Dreharbeiten hatte ich jedoch Treffen mit den Angehörigen arrangiert und alle Familien der Bewohner besucht, die in dem Film eine größere Rolle spielen. Ich fühlte mich also sicher, dass ich die Erlaubnis der Angehörigen hatte, und fragte natürlich in Worten oder mit Körpersprache, ob die Bewohner damit einverstanden waren, dass wir sie in den verschiedenen Situationen filmten. Aber nach einer Weile, auch wenn sie uns nicht erkannten, konnten sie spüren, dass wir uns dort zuhause fühlten, und sie achteten nicht wirklich auf die Kamera, als ob wir nur ein Teil des Hausmeisterteams wären.

Wir wollten sowohl den freudigen als auch den schmerzhaften und schwierigen Teil eines Pflegeheims für Menschen mit schwerer Demenz zeigen.
Louise Detlefsen

Natürlich haben wir zwischen den Dreharbeiten auch viel Zeit damit verbracht, uns mit den Bewohnern zu unterhalten oder einen Spaziergang im Garten zu machen. So hatten wir das Gefühl, dass wir sie auch auf einer freundschaftlichen Ebene kennengelernt haben. Aber all das wäre nicht möglich gewesen ohne das Vertrauen von May Bjerre Eiby und ihren Mitarbeitern, die von Anfang an ihren Besprechungsraum öffneten und sich mit Respekt vor den Bewohnern sehr bemühten, uns in die täglichen Abläufe einzubeziehen. May Bjerre Eiby und ich hatten von Anfang an über den Wert der Offenheit gesprochen, um sowohl den freudigen als auch den schmerzhaften und schwierigen Teil eines Pflegeheims für Menschen mit schwerer Demenz zeigen zu können.

pflege.de: Wie haben Sie selbst den Umgang mit den Demenzerkrankten dort wahrgenommen?

Louise Detlefsen: Als ich mit den Dreharbeiten begann, war ich neugierig, aber auch ein wenig skeptisch, wie ich es am Anfang eines solchen Prozesses immer bin. Konnte es wirklich sein, dass May Bjerre Eiby und ihre Mitarbeiter in Dagmarsminde ein gutes und freudiges Leben für die Menschen mit Demenz schaffen können, indem sie diese Mitgefühlsbehandlung anwenden und gleichzeitig bei den neuen Bewohnern die Medikamente reduzieren? Wie haben sie das gemacht?

Als ich nach und nach ihren Tagesablauf verfolgte und May Bjerre Eibys Bücher las, erfuhr ich, dass die Kraft des menschlichen Kontakts, der Natur, der „klassischen“ Werte und der vielen Aktivitäten während des Tages Dagmarsminde zu einem völlig anderen Pflegeheim machten als alle anderen, die ich je erlebt hatte. Ich fühlte mich wie zuhause, die Möbel stammten aus normalen Häusern, nicht aus einer Einrichtung, es roch nach frischen Blumen und Kuchen, und ein Hund und eine Katze lagen auf dem Boden oder auf dem Schoß eines Bewohners und trugen zu diesem friedlichen und entspannten Gefühl bei. Die Bewohner schlafen Seite an Seite in Massagesesseln direkt neben dem Essbereich, während andere auf dem Sofa sitzen und ein Pfleger aus einem Buch vorliest.

Ich war oft von kleinen Situationen berührt, wenn wir gedreht haben. Und viele dieser Momente sind in dem fertigen Film zu sehen.
Louise Detlefsen

Das Personal gibt sich wirklich Mühe, allen bei der Körperpflege zu helfen, diejenigen zu unterstützen, die nicht selbst gehen können, das Essen zu servieren und einige der Bewohner zu füttern. Aber sie tun es so, dass man das Gefühl hat, dass sie einfach nur da sind, um zu helfen, und nicht als Profis, die einfach nur ihren Job machen. Ich konnte wirklich spüren, dass das Personal die Bewohner sehr gut kennt – ihre Persönlichkeit und ihre Gewohnheiten. Auf eine – immer noch professionelle – Art und Weise lieben sie sie und tragen sie in ihren Herzen. Ich war oft von kleinen Situationen berührt, wenn wir gedreht haben. Und viele dieser Momente sind in dem fertigen Film zu sehen.

pflege.de: Ihre Filme vermitteln oft eine bestimmte Botschaft. Was war Ihre Intention für den Dreh dieses Filmes? Was ist Ihre Botschaft?

Louise Detlefsen: Ich bin mir nie einer Botschaft bewusst, wenn ich mit einem neuen Dokumentarfilm beginne. Ich bin in irgendeiner Weise von den Personen berührt oder betroffen, oder das Thema ist etwas, mit dem ich mich emotional verbunden fühle. Aber ich habe das Gefühl, dass ich als Dokumentarfilmerin hinausgehe, um einen Konflikt, einen emotionalen Zustand oder einen besonderen Ort wie Dagmarsminde zu untersuchen oder zu studieren. Aber ich weiß vorher nie, was ich herausfinden werde oder wie der Film ausfallen wird. Ich habe eine Vorstellung von der Dramaturgie und den persönlichen Geschichten, denen ich folgen will, aber ansonsten lasse ich mich von der Realität beeinflussen.

Ich hoffe, dass der Film andere inspirieren wird, sich mehr auf Mitgefühl, menschlichen Kontakt und Empathie zu konzentrieren.
Louise Detlefsen

In den meisten meiner Dokumentarfilme habe ich versucht zu zeigen, wie wichtig wir als Menschen füreinander sind. Dass wir uns gegenseitig von Scham befreien können, dass wir uns gegenseitig unterstützen können, aus einem sozialen Erbe auszubrechen, dass Zugehörigkeit ein Grundbedürfnis von uns allen ist. Gemeinschaft ist also sehr wertvoll und hat einen größeren Stellenwert, als wir in unserer westlichen und sehr individuell ausgerichteten Gesellschaft oft anerkennen. Nachdem ich den Film nun beendet habe, hoffe ich, dass er andere dazu inspirieren wird, sich mehr auf Mitgefühl, menschlichen Kontakt und Empathie zu konzentrieren als nur auf Technologien und Medikamente.

pflege.de: Gibt es einen Moment, der Ihnen von diesem Dreh noch besonders in Erinnerung geblieben ist?

Louise Detlefsen: Es gibt so viele Momente, die für mich besonders sind. Einer davon ist, als eine neue Bewohnerin, Grethe, zusammen mit zwei anderen Bewohnern und May und der Pflegerin Lotte im Wald ist. Sie wurde stark mit Medikamenten behandelt, aber nach und nach wurden drei Morphin- oder morphinähnliche Medikamente zusammen mit den Alzheimer-Medikamenten abgesetzt, so dass diese zerbrechliche und sensible Frau jetzt die Natur spüren kann.

Grethes Demenz ist so schwerwiegend, dass sie kaum noch sprechen kann, aber die Freude und das Funkeln in ihren Augen, als sie zu der Baumkrone aufschaut und „schön, schön“ sagt, das war ein absolut erstaunlicher Moment.
Louise Detlefsen

Sie möchte aus dem Rollstuhl aufstehen und May fragt sie, ob sie sich einem der großen drei Bäume nähern möchte. Langsam gehen sie durch das Laub und May hilft Grethe, ihre Arme um den Baum zu legen und ihn zu umarmen. Grethes Demenz ist so schwerwiegend, dass sie kaum noch sprechen kann, aber die Freude und das Funkeln in ihren Augen, als sie zu der Baumkrone aufschaut und „schön, schön“ sagt, das war ein absolut erstaunlicher Moment. Die Dreharbeiten waren so intensiv und im Film ist das für mich ein sehr berührender Moment.

pflege.de: Denken Sie, die Methode von May Bjerre Eiby „Mitgefühl als Behandlung“ ist zukunftsweisend?

Louise Detlefsen: Sowohl ja als auch nein. Es ist bahnbrechend, weil Dagmarsminde wie ein Labor ist, in dem man die Kraft des Mitgefühls im wirklichen Leben sehen kann. Denn May Bjerre Eiby ist eine solche Persönlichkeit und setzt sich mit aller Kraft für die Erneuerung und Verbesserung der Behandlung von Menschen mit Demenz ein. Die Art und Weise, wie das tägliche Leben und die Pflege in Dagmarsminde organisiert sind, ist bis ins kleinste Detail durchdacht. Die Aktivitäten, die Beziehung zwischen den Bewohnern und den Pflegern, das Essen, das Interieur – alles zusammen ist bahnbrechend.

Aber jeder einzelne Teil dieser mitfühlenden Behandlung basiert auf altbekannten Pflegeprinzipien, die bis zu Florence Nightingale zurückreichen, so dass sie ohne Probleme von anderen Einrichtungen übernommen werden können. May Bjerre Eiby weist darauf hin, dass diese Mitgefühlsbehandlung auf altbekannten Pflegeprinzipien und der philosophischen Überzeugung aufbaut, dass wir als Menschen voneinander abhängig sind. Auch ist die Methode in May Bjerre Eibys zwei Büchern beschrieben, so dass der Einstieg leichtfällt.

Erstelldatum: 1202.90.42|Zuletzt geändert: 1202.90.72
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Demenz & Film: Empfehlungen der pflege.de-Redaktion

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Demenz ist eine Erkrankung, die die Lebenswelten von betroffenen Menschen und ihren Angehörigen maßgeblich beeinflusst und verändert. Nicht verwunderlich also, dass die Thematik bereits in vielen Filmen ­– ob fiktional oder dokumentarisch – verarbeitet wurde. Passend zur Aktionswoche Demenz empfiehlt Ihnen pflege.de spannende Filme, die sich mit Demenz auseinandersetzen.

„MITGEFÜHL – Pflege neu denken“ – Dokumentarfilm von Louise Detlefsen (2021)

Kann die Pflege von Demenzerkrankten neu gedacht werden? Dieser Frage geht der dänische Dokumentarfilm „MITGEFÜHL“ von Regisseurin Louise Detlefsen nach. Der Film begleitet die Bewohner und Pflegekräfte von Dagmarsminde – einem dänischen Pflegeheim für Demenzerkrankte. Verfolgt wird dort ein alternatives Langzeitpflegekonzept, bei dem Mitgefühl als Behandlungsmethode eingesetzt wird. Konkret heißt dies, dass besonderen Wert auf eine gemütliche, ruhige Atmosphäre, einen verständnisvollen Umgang, klare Tagesstrukturen und wenig Medikamente gesetzt wird.

Den ersten Eindruck, den man von Dagmarsminde im Film erhält, kann man nur als „hyggelig“ beschreiben: Es ist liebevoll eingerichtet und vermittelt viel eher das Gefühl von Zuhause anstatt eines Pflegeheims. Es laufen ein Hund und eine Katze umher, draußen gibt es einen Hühnerstall und im Wohnzimmer sitzen die Bewohner beim Stricken, Klavierspielen oder bei Kaffee und Kuchen zusammen.

Relativ schnell wird im Film deutlich, dass das Leben mit Demenz dort ein glückliches ist, aber auch der Tod Teil des Alltages ist. In einer der ersten Szenen wird ein weißer Sarg in die Wohnküche geschoben, in der die Bewohner versammelt am Küchentisch sitzen. Für die Verstorbene wird nun gesungen, Blumen auf ihren Sarg gelegt und auf sie angestoßen. Dieser liebvolle und respektvolle Umgang zieht sich durch den ganzen Film. Er ist eine Hommage an die Kraft der Menschlichkeit und absolut sehenswert für alle, die skeptisch sind, ob die Pflege von Demenzerkrankten respektvoll gelingen kann.

Kinostart 23.09.2021

Sehen Sie hier den Trailer zu „MITGEFÜHL – Pflege neu denken“

Ratgeber
Alzheimer – Definition, Symptome & Ursachen

„THE FATHER“ – Spielfilm mit Anthony Hopkins (2021)

Der britische Spielfilm „THE FATHER“ behandelt das Thema Demenz in einer dramatischen Vater-Tochter-Beziehung. Der Vater, gespielt von Anthony Hopkins, ist dement und wurde lange von seiner Tochter Anne (Olivia Coleman) umsorgt, die auch bei ihm in der Wohnung lebte. Nun möchte diese mit ihrem Lebensgefährten von London nach Paris ziehen. Sie engagiert Betreuerin Laura, um sich um ihren Vater zu kümmern. Dieser ist jedoch der Überzeugung, dass er gesund ist und keine Betreuung braucht. Zuerst ist der Vater nett zu Laura. Tochter Anne warnt diese aber, dass ihr Vater auch ganz anders kann.

Der Film zeigt die Geschehnisse aus der Perspektive des demenzerkrankten Vaters. Der Zuschauer wird in seine Situation hineinversetzt, als seine Tochter auf einmal ganz anders aussieht und er sie nicht mehr erkennt. Empfehlenswert für alle, die gerne einen Perspektivwechsel einnehmen möchten – und die Gefühlslage von Demenzerkrankten besser verstehen wollen.

Kinostart: 26.08.2021

Sehen Sie hier den Trailer zu THE FATHER

„Das innere Leuchten“ – Dokumentarfilm von Stefan Sick (2019)

Ähnlich wie der dänische Film „MITGEFÜHL“ setzt sich auch der deutsche Film „Das innere Leuchten“ dokumentarisch mit dem Thema Demenz auseinander. Der Dokumentarfilm von Regisseur Stefan Sick zeigt das Leben in einem Heim für Demenzerkrankte, das von der Evangelischen Gesellschaft betrieben wird.

Protagonist des Filmes ist Manfred, ein Bewohner des Heims. Er ist unternehmenslustig und neugierig und scheint das Leben zu genießen. Auch wenn das meiste, was er sagt, für andere unverständlich bleibt, findet dennoch ein Austausch zwischen ihnen statt. Immer wenn sein Sohn Andreas kommt, am Klavier spielt und singt, bewegt sich Manfred glücklich zum Takt der Musik. Der Film taucht in die Erfahrungswelt der Bewohner und Pflegekräfte ein. Letztere kommunizieren mit den Erkrankten immer auf Augenhöhe, gehen auf ihre Wünsche ein und unternehmen unterhaltsame Aktivitäten – wie singen oder tanzen. Einfühlsam zeigt der Film, wie gute Pflege von Demenzerkrankten gelingen kann. Empfehlenswert für alle, die sehen wollen, wie gute Demenzpflege in Deutschland funktionieren kann.

Erschienen: 2019, erhältlich auf DVD oder zu streamen mit Abo bei Amazon Prime

Sehen Sie hier den Trailer zu „Das innere Leuchten“

„Still Alice“ – Spielfilm mit Juliane Moore (2014)

Im Filmdrama „Still Alice“ erhält die anerkannte Linguistin Dr. Alice Howland – gespielt von Juliane Moore – mit Anfang 50 die Diagnose Alzheimer. Dies ist ein Schock für die ganze Familie – besonders für ihre drei Kinder, die die genetische Veranlagung für die Krankheit geerbt haben könnten.

Der Film begleitet Alice und ihre Familie dabei, wie sie mit der voranschreitenden Erkrankung umgehen und welche Entscheidungen dabei anstehen. Wie lange kann Alice ihre Arbeit als Dozentin an einer Universität ausüben? Was kann man als Tochter tun, wenn die Mutter den hitzigen Streit am nächsten Tag bereits vergessen hat? Wie damit umgehen, dass diese aufgrund der Diagnose ihr Leben beenden möchte? Diesen und weiteren Fragen geht „Still Alice“ mit viel Feingefühl auf den Grund. Ein bewegender Film für alle, die sich dafür interessieren, wie eine Demenzerkrankung familiäre Dynamiken beeinflussen kann.

Erschienen: 2014, erhältlich auf DVD oder zu streamen bei Amazon Prime, YouTube & Apple TV

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„Vergiss mein nicht“ – Dokumentarfilm von David Sieveking (2012)

„Vergiss mein nicht“ ist ein deutscher Dokumentarfilm, in dem Filmemacher David Sieveking den Prozess der Alzheimer-Erkrankung seiner Mutter zeigt. Er fungiert als Erzähler und nimmt die Zuschauer mit auf eine Reise – denn als sein Vater nach jahrelangem Pflegen der Mutter am Rande der Belastbarkeit steht und dringend Urlaub braucht, zieht Sieveking vorübergehend wieder ins elterliche Haus ein. Dort dokumentiert er nicht nur das Zusammenleben mit seiner Mutter, sondern geht auch auf die Suche nach deren Vergangenheit, die sie selbst nicht mehr erzählen kann. So spürt er in Archiven Protokolle zu den früheren politischen Aktivitäten seiner Mutter auf und redet mit ihrem ehemaligen Liebhaber. Durch das Zusammenleben lernt Sieveking seine Mutter nochmals von einer ganz anderen Seite kennen. Ein empfehlenswerter Film, der zeigt, wie eine Demenzerkrankung familiäre Bindungen sogar stärken kann.

Erschienen: 2012, erhältlich auf DVD oder zu streamen mit Abo bei Amazon Prime

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Erstelldatum: 1202.90.42|Zuletzt geändert: 1202.90.42
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Bildquelle
mikrofilm.dk/Per Fredrik Skiöld
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