Zur nachhaltigen Verbesserung der Situation pflegebedürftiger und pflegender Menschen in Rheinland-Pfalz hat die Sozial- und Gesundheitsministerin des Landes, Malu Dreyer (SPD) die Initiative „Menschen pflegen“ 2002 ins Leben gerufen, die alle wesentlichen, mit Pflege von Menschen befassten Organisationen und Verbände im Lande vereint. Auch die Rahmenbedingungen und Strukturen für die professionelle Pflege will die Initiative verbessern und „das häusliche, private und berufliche Pflegepotenzial“ im Lande erhöhen.
Für die Ministerin hat Rheinland-Pfalz „als erstes Bundesland“ den Auftrag des Pflegeversicherungsgesetzes (SGB XI) erfüllt, eine umfassende pflegerische Infrastruktur flächendeckend und bedarfsgerecht aufzubauen. Tatsächlich entwickelten sich in Rheinland-Pfalz ein dichtes Netz zur ambulanten pflegerischen Grundversorgung Pflegebedürftiger (416 ambulante Pflegedienste 2009), ein großes stationäres Pflegeangebot (478 Pflegeheime 2009) und das deutschlandweit dichteste Netz an Pflegestützpunkten (135) zur Beratung von Pflegebedürftigen und Angehörigen.
Die Initiative sieht jedoch noch Handlungsbedarf für die 70 Prozent aller Pflegebedürftigen in Rheinland-Pfalz, die zu Hause gepflegt werden, sowie demenzkranke und psychisch kranke Menschen, die zwar betreuungsbedürftig, aber nicht pflegebedürftig im Sinne von SGB XI sind. Zu Hause gepflegt werden wollen bei Bedarf die meisten Bürger/innen.

Qualitätsziele
Oberstes Ziel der Initiative „Menschen pflegen" ist eine qualitativ hochwertige, individuelle pflegerische Versorgung aller Pflegebedürftigen in Rheinland-Pfalz. Folgende Qualitätsziele hat sie sich gesetzt:
- Die Strukturen und Rahmenbedingungen der Pflege sollen kontinuierlich weiterentwickelt werden.
- In unterschiedlichen Gremien, der Landespflegekonferenz und dem Landespflegeausschuss erarbeiten wir gemeinsam wirksame Lösungen für bestehende Probleme und tragfähige Konzeptionen für die Zukunft.
- Die im Landespflegeausschuss vereinbarten Leitsätze für die Pflege in Rheinland-Pfalz sollen flächendeckend umgesetzt werden. Auch die Zielvereinbarung ist ein wichtiges Instrument zur Verbesserung der Pflegequalität.
- Auf Grundlage der Leitsätze hat eine Clearingstelle, der Pflegeeinrichtungen, Pflegekassen, Sozialhilfeträger, Medizinischem Dienst der Krankenversicherung (MDK), Dachverband der Pflegeorganisationen Rheinland-Pfalz e. V. und der Beratungs- und Prüfbehörde angehören, ihren Ergebnisberecht zu den Themen „Fachliche Überprüfung der Pflege und Fachbegleitung – Risikomanagement“, Einarbeitung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, „Aufnahme von Menschen mit Pflegebedarf“ und „Sicherstellung der sozialen Betreuung in stationären Pflegeeinrichtungen“ erarbeitet.
- Die Strukturen und Rahmenbedingungen für die professionelle Pflege will die Initiative sichern und sinnvoll weiterentwickeln. Dabei soll der Grundsatz „ambulant vor stationär“ des Pflegeversicherungsgesetzes besser verwirklicht werden und die Teilhabe pflege- und hilfebedürftiger Menschen am Leben in der Gemeinschaft weiterverfolgt werden. Auch die Pflegequalität, die Ausbildung von Alten- und Krankenpflegekräften will das Bündnis weiterentwickeln.
- Gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen und Verhaltensweisen für Pflegekräfte zu fördern, Pflegekräfte und Organisationen der Pflegeeinrichtungen besser für die bedürfnisgerechte Versorgung demenzkranker Menschen zu qualifizieren sowie Familien mit pflegebedürftigen Mitgliedern stärker zu informieren, situationsgerecht zu unterstützen und zu entlasten sind ihre weiteren Ziele.
Situation der Pflege in Rheinland-Pfalz
Aussagekräftige Daten zur Situation der Pflege in Rheinland-Pfalz veröffentlichte die Initiative auf ihrer Homepage.
Danach leben in Rheinland-Pfalz ca. 106.000 Menschen, die Leistungen der Pflegeversicherung erhalten. Zudem gibt es viele hilfebedürftigen Menschen oder Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz, die pflegerische Hilfen und Unterstützung brauchen, ohne einen Leistungsanspruch zu haben. Allein an mittlerer oder schwerer Demenz leiden dort etwa 70.000 Menschen.
Die steigende Überalterung der Gesellschaft und gesellschaftliche Veränderungen, wie die Zunahme von Single-Haushalten oder die steigende Erwerbstätigkeit von Frauen, erhöhen den Bedarf an professioneller Pflege und sozialräumlich orientierten Pflegestrukturen, meint die Initiative.
Daher wirbt sie intensiv um Berufsnachwuchs in der Pflege. Attraktiv seien die Pflegeberufe, da sie hervorragende Zukunftschancen, vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten und gute Aufstiegschancen böten. Qualifiziertes Pflegepersonal wird in Krankenhäusern, in ambulanter und stationärer Pflege und von vielen anderen Arbeitgebern dringend gesucht.
Um die Gesundheits- und Kinderkrankenpflegeausbildung aufzuwerten, regelte das Land, dass Absolventinnen und Absolventen mit dem Abschluss automatisch über die allgemeine Fachhochschulreife in Rheinland-Pfalz verfügen. Das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung in Koblenz bescheinigt ihnen die Gleichwertigkeit ihres Abschlusses mit der Fachhochschulreife.
Meilensteine
Hier die „Meilensteine“ in der Entwicklung der Initiative „Menschen pflegen“:
Die Landespflegekonferenz beschließt am 28. Februar 2002 eine umfassende „Bildungs- und Fachkräfteoffensive Pflege für Rheinland-Pfalz“ und die Initiative „Menschen pflegen“ wird offiziell gestartet.
Im Januar 2003 verabschiedet der Landespflegeausschuss seine „10 Leitsätze für die Pflege“.
- In ihrer Regierungserklärung „Für mehr Lebensqualität im Alter - Innovative Pflegemodelle in Rheinland-Pfalz“ bekräftigt Ministerin Malu Dreyer im Oktober 2005 die Bedeutung der Pflegepolitik für das Land.
- Am 6. Oktober 2005 wird der „1. Rheinland-pfälzische Pflegekongress“ in Mainz veranstaltet.
- Anfang 2006 tritt das „Landesgesetz zur Sicherung und Weiterentwicklung der pflegerischen Angebotsstrukturen“ in Kraft.
- Im Mai 2007 schließen Landespflegeausschuss, Leistungserbringer und Kostenträger eine Zielvereinbarung über die Verbesserung der Pflegequalität nach dem SGB XI für die ambulante und die stationäre Pflege.
- Das „Pflege-Weiterentwicklungsgesetz“ des Bundes, die erste Reform der Pflegeversicherung seit ihrem Start am 1. Januar 1995, stärkt ab Juli 2008 die häusliche Versorgung und fördert die Einrichtung von ortsnahen Pflegestützpunkten zur Beratung von Pflegebedürftigen und Angehörigen.
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