Lagerung und Lagerungshilfsmittel

Ist ein häufig liegender oder sitzender Pflegebedürftiger gefährdet, sich ein Druckgeschwür (Dekubitus) an kaum  bewegten Gliedmaßen zuzuziehen oder weist sein Körper an exponierten Stellen (Fersen, Steißbein, Schulterblätter etc.) bereits Anzeichen Dekubiti auf, empfiehlt der Expertenstandard Dekubitusprophylaxe des Deutschen Netzwerks für Qualität in der Pflege (DNQP) spezielle Lagerungstechniken und Lagerungshilfsmittel. Diese kommen auch bei Prophylaxe und Pflege eines Unterschenkelgeschwürs (Ulcus cruris) zum Einsatz.

Lagerungstechniken

  • Bei der 30-Grad-Schräglagerung des Patienten werden zwei große Kissen unter Wirbelsäule rechts oder links bzw. unter dem entsprechenden Oberschenkel geschoben, um exponierte Körperstellen des Pflegebedürftigen vom Druck zu entlasten.
  • Die 135-Grad-Lagerungwird insbesondere bei Druckgeschwüren im Bereich des Steißbeins empfohlen. Hier wird ein Kissen unter eine Hälfte des Oberkörpers gebracht, ein weiteres unter die entsprechende Hüftseite und den entsprechenden Oberschenkel.
  • Die Mikrolagerung kann bei allen Patienten angewendet werden, die sich nur noch mit Hilfe anderer bewegen können. Durch Unterlegen einiger weniger gerollter oder dreifach gefalteter Handtücher und deren häufigen Positionswechsel erreicht man eine schmerzlindernde Druckverteilung z. B. an Schultern, Hüfte und Fersen des Patienten.
  • Die V-Lagerung empfiehlt sich bei Patienten mit Hautschädigungen an der Wirbelsäule: Zwei zu einem Schiffchen geformte Kissen werden im Bereich des Oberkörpers überlappend zu einem V geformt, dessen Spitze oberhalb des Steißbeins liegt. Diese Lagerung funktioniert auch bei sitzenden Patienten.
  • Freilagerung:Als Druckentlastung für dekubitusgefährdete Extremitäten wie Fersen ist die Freilagerung eine gute Möglichkeit. Mit Hilfe einer kleinen weichen Handtuchrolle unter dem Unterschenkel sowie einer weiteren Handtuchrolle unter dem Knie wird z. B. Fuß frei gelagert. Auf keinen Fall darf die Freilagerung die Blutzirkulation beeinträchtigen. Daher sind Sitzringe aus Schaumstoff oder Gummi dafür ungeeignet.

Prinzipiell wird zwischen drei Arten von Lagerungssystemen unterschieden:

  • Weichlagerungs-Systeme(Schaumstoffmatratzen, Gel-Auflagen, Luftkissen etc.): Diese Art der Lagerung hat laut Studien gewisse unerwünschte Nebenwirkungen wie Verlangsamung der Feinmotorik.
  • Wechseldruck-Systeme: Verschieden angeordnete Luftkissen in der Matratze werden abwechselnd mit Luft aufgepumpt. Nachteile: Der Musikeltonus des Patienten wird erhöht, Spasmen können auftreten. Bei wahrnehmungsgestörten Patienten (Demenzkranke, Schlaganfallpatienten etc.) und Schmerzpatienten wird vom Einsatz der Wechseldrucksysteme eher abgeraten.
  • Micro-Stimulations-Systeme gelten als modernstes Lagerungshilfsmittel. Sie fördern im Gegensatz zu Weichlagerungssystemen die Eigenwahrnehmung und Eigenbewegung des Patienten, was seine Schmerzen lindert. Daher eignen sich diese Systeme besonders gut bei Schmerzpatienten, Demenzkranken, bei Patienten mit Körperbildstörungen (Multiple Sklerose, Morbus Bechterew, Schädel-Hirn-Trauma, Querschnitt etc.) und bei Schlaganfallpatienten.

Wichtiger Hinweis:Die Pflegewissenschaft rät inzwischen vom Einsatz von Fellen, Wassermatratzen, Sitzringen und Watteverbände bei der Dekubitusprophylaxe ab.

Stetig aktualisierte Informationenzu Lagerung und Lagerhilfsmitteln finden Sie bei folgenden anerkannten Institutionen:

  • Deutsches Netzwerk für Qualität in der Pflege (DNQP, Universität Osnabrück):www.dnqp.de
  • Deutsche Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung: www.dgfw.de
  • Institut für Innovationen im Gesundheitswesen und angewandte Pflegeforschung e. V. : www.igap.de
  • Initiative chronische Wunden: www.icwunden.de
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