Bei den Berufskrankheiten stehen in der Altenpflege Hauterkrankungen an erster Stelle. Durch langjähriges Heben und Tragen schwerer Lasten verursachte, bandscheibenbedingte Lendenwirbelsäulenerkrankungen folgen an zweiter Stelle. An dritter Stelle kommen Infektionserkrankungen wie Hepatitis B und C und Tuberkulose vor psychischen Erkrankungen wie Burnouts. Darüber gibt die Studie „Demographischer Wandel in der Pflege - Konzepte und Modelle für den Erhalt und die Förderung der Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit von Pflegekräften“ vom Mai 2009 Auskunft, die das Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) gefördert haben.
In Krankenhäusern machten Haut- und Infektionskrankheiten wie Hepatitis B und C, Tuberkulose, HIV und AIDS einen vergleichsweise größeren Anteil der Berufskrankheiten aus. Zudem treten dort verstärkt Atemwegserkrankungen auf.
Der Krankenstand aller Pflegekräfte von 4,5 Prozent der Jahresarbeitszeit zählt den höchsten Raten unter allen Arbeitnehmern (Durchschnitt: 3,5 Prozent), heißt es im Gesundheitsreport 2009 der Barmer Ersatzkasse. Die meisten Fehltage in allen Krankenpflegeberufen verursachten 2003 Erkrankungen am Muskel- und Skelettsystem (24,6 Fehltage im Jahr), Krankheiten der Atemwege (14,6), psychische Störungen wie Burnouts und Verhaltensstörungen (11,2), aber auch Verletzungen und Vergiftungen (10,2).

Unter dem Motto „Aufbruch Pflege“ bietet die die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) seit 2007Altenpflegekräften, Heimen und ambulanten Pflegediensten Programme zur Gesundheitsförderung an. Damit gelte es die „alarmierend hohe Fehlzeiten“ von Altenpflegekräften von durchschnittlich 21 Arbeitstagen im Jahr zu vermeiden.
Nur wenn die Pflegekräfte selbst und ihre Arbeitgeber gemeinsam die Gesundheit Pflegender erhalten und fördern, könne man krankheitsbedingten Fehltagen und der frühzeitigen Berufsaufgabe von Pflegenden abbauen, betont BGW-Geschäftsführer Prof. Dr. Stephan Brandenburg.
Laut der BGW als gesetzlicher Unfallversicherung für Pflegekräfte liegen die Fehlzeiten wegen Krankheit in der Altenpflege um fast 20 Prozent höher als im Bevölkerungsmittel. Folge: Die Mehrbelastung von Pflegekräften aufgrund von krankheitsbedingten Personalausfällen fördere dann auch die Entstehung von Burnouts. Um 62 Prozent über dem Durchschnitt liege die Arbeitsunfähigkeit von Altenpflegekräften aufgrund von psychischen Erkrankungen.
Burnouts sind unter Pflegenden weit verbreitet, ergab die Auswertung der europaweiten NEXT-Studie zum Berufsausstieg von Pflegenden für Deutschland 2005: Typische Burnout-Symptome wie Erschöpfung, verminderte Leistungsfähigkeit etc. wiesen in Alten- und Pflegeheimen 44,2% der Pflegekräfte auf, in ambulanten Diensten 40,8% und in Krankenhäusern 36,4% der Pflegenden. Ursachen seien u. a. der regelmäßige Umgang mit aggressiven, unfreundlichen Patienten, persönliche Unzufriedenheiten im Privatleben, der Arbeits-Familien-Konflikt, ein schlechter allgemeiner Gesundheitszustand und erhöhte Arbeitsunzufriedenheit.
Zur Vorbeugung vor Burnouts empfehlen Fachleute Pflegekräften und deren Arbeitgebern u. a. belastungsreduzierende Angebote wie Supervisionen, flexible Arbeitskonzepte und ‐bedingungen, mitarbeiterfreundliche Arbeitsablauforganisationen, differenzierte Wiedereinstiegsoptionen sowie eine altersgerechte Arbeitsgestaltung. Auf diese Weise ließe sich auch die Berufszufriedenheit erhöhen, Fluktuation und Berufsausstieg zu reduzieren.
Gegen Rückenbeschwerden wie Schmerzen in der Lendenwirbelsäulevon Pflegekräften bietet die BGW ihr kostenloses, individuell zugeschnittenes Präventionsprogramm „Rückenkolleg“ an. Dabei begleitet eine BGW-Fachkraft Pflegende an ihrem Arbeitsplatz und berät sie zu praktikablen gesundheitsfördernden Verfahren und Abläufen. In einem Abschlussgespräch legen BGW-Kraft, Pflegekraft und Arbeitgeber dann fest, mit welchen Methoden Rückenbeschwerden künftig vorgebeugt werden soll.
Auch viele gesetzliche Krankenkassen bieten für ihre Versicherten kostenlose Trainingsprogramme bei Rückenbeschwerden mit zertifizierten Rückentrainern an. Häufig motivieren sie Versicherte mit dem Erlass der Praxisgebühren für ein Jahr oder der Ermäßigung des Krankenkassenbeitrags für die Teilnahme.
Auch bei anderen weit verbreiteten chronischen Krankheiten wie Diabetes Mellitus I und II, Asthma, chronisch obstruktiver Lungenkrankheiten (COPD) und koronaren Herzkrankheiten bieten Krankenkassen ihren Versicherten Präventionsprogramme bzw. freiwillige Disease Management Programme an.
Wissenschaftler gehen davon aus, „dass durch Zunahme multimorbider Pflegebedürftiger auch die beruflichen, insbesondere die psychischen Belastungen der Fachkräfte zunehmen werden“. Das ergab das Symposium „Demographischer Wandel und Pflegeberufe“ im Juli 2009 in Eisenach. Daher müsse alles getan werden, um die Berufszufriedenheit Pflegender zu höhen, Fluktuation und Berufsausstieg zu reduzieren.
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