Es gibt wohl nur wenige Menschen, die in einem Alten-, Pflege- oder Behindertenheim wohnen wollen. Dies führt nicht selten dazu, dass der Umzug in ein solches Heim wenig geplant und unsystematisch vorgenommen wird. Dabei ist der Umzug in ein Pflegeheim deutlich komplexer als ein Wohnungswechsel.
Deshalb ist die „Augen zu und durch“-Einstellung jetzt sicher nicht die Richtige. Eine sorgsame Planung kann viel Kummer ersparen.
Schon in der Vorbereitungsphase ist es wichtig, die Hobbys und Wünsche, beziehungsweise Interessen und Einstellungen des zukünftigen Bewohners zu berücksichtigen. Die alleinige Berücksichtigung des kurzen Anfahrtsweges der Angehörigen führt nicht selten dazu, dass das zweitbeste oder im schlimmsten Fall das schlechteste, beziehungsweise das am wenigsten passende Pflegeheim ausgewählt wird. Ein Angehöriger, der Blumen liebt, wird Wert auf einen schönen Park oder einen Botanischen Garten legen. Für einen Autoliebhaber wird dies eher zweitrangig sein. Ein Schachklub im Haus kann wiederum für einen begeisterten Spieler ein wahres Highlight sein.
Gehen Sie also sorgfältig vor und überlegen Sie schon zu Hause für Sie wichtige Fragen. Nicht selten werden die Gespräche im Pflegeheim gar nicht oder schlecht vorbereitet, und deshalb werden wichtige Aspekte und Kriterien nicht angesprochen. Machen Sie sich dazu am besten eine Liste. Es geht in vielen Fällen um einen Umzug eines oder zweier Menschen für einige Jahre, da sollte eine gute Planung nicht zu viel verlangt sein. Wenn Sie für sich selbst ein Heim aussuchen, reden Sie mit dem Pflegepersonal und den Betreuern. Berücksichtigen Sie dabei folgende Fragen:
- Werde ich ernst genommen?
- Habe ich das Gefühl, kompetente Antworten zu bekommen?
- Besteht die Möglichkeit, mit den Personen zu sprechen, die hinterher auch für meine Pflege zuständig sind? Wenn jetzt keine Zeit dafür da ist, mit ihnen zu sprechen, wann dann?
- Werden meine Wünsche ernst genommen, oder bekomme ich nur oberflächliche Antworten wie: „Das wird sich schon geben“, „So wichtig ist das auch nicht“ usw.
- Gefällt mir die Umgebung?
- Sind mir die Menschen sympathisch?
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Auch Angehörige sollten diese Punkte so weit wie möglich berücksichtigen. Die folgenden Punkte sollen eine Checkliste für Angehörige und zukünftige Bewohner darstellen.
- Machen Sie eine Stationsbesichtigung und schauen Sie sich an, wie die Bewohner sich im Heim bewegen. Wenn schon bei einer ersten Besichtigung Missstände offensichtlich werden, spricht das nicht unbedingt für hohe Qualitätsstandards. Allerdings kann es auch in guten Heimen zu Pannen kommen, und so ist der erste Eindruck nicht immer der Richtige.
- Lassen Sie sich anhand des aktuellen Dienstplanes zeigen, welche Qualifikation das Personal hat. Wenn die Quote des Fachpersonals deutlich unter 70 Prozent liegt, ist es ratsam, Ihre Angehörigen dort nicht unterbringen. An dieser Stelle ist zu beachten, dass die Bezeichnung: „Schwester“ nicht geschützt ist. Fragen Sie gezielt nach, ob das Personal mit dieser Bezeichnung eine Pflegeausbildung hat, und vor allem welche.
- Lassen Sie sich zeigen, welches Beschäftigungskonzept vorhanden ist. Ist es an den Bedürfnissen der Patienten ausgerichtet? Besteht nur eine einseitige Ausrichtung, zum Beispiel nur Basteln, nur Ikebana etc., wird sich der Pflegebedürftige sicher bald langweilen.
- Informieren Sie sich über die Fortbildungen, welche das Personal in der letzten Zeit gemacht hat. Sind keine Fortbildungen gemacht worden, oder wurden die Fortbildungen plan- und konzeptlos durchgeführt, nützt die schönste Eingangshalle wenig.
- Jedes Heim ist aufgrund der aktuellen Gesetzeslage verpflichtet, eine Pflegediagnose zu erstellen und mit einem aktuellen Pflegeplan Probleme anzugehen. Lassen Sie sich eine anonymisierte Lösung zeigen.
- Sprechen Sie mit einem Bewohner der Einrichtung.
- Achten Sie auf Spezialisierungen des Hauses. Ist Ihr Angehöriger der erste Alzheimer Patient, beziehungsweise Demenzkranke in dieser Einrichtung? Gibt es möglicherweise bereits ein Konzept zum Umgang mit dieser Gruppe? Sie sollten auf jeden Fall auf einem Konzept bestehen, mit dem das Personal auf die Situation vorbereitet wird.
- Wie ist die Haltung des Personals gegenüber den Besuchern? Werden Angehörige als störend betrachtet? Gibt es systematische Lösungen, um mit Problemen umzugehen?
- Schon bei der Einweisung ist es ratsam, auf den Umgang mit Patientenverfügungen zu achten. Hat Ihr Angehöriger eine Patientenverfügung gemacht, sollten Sie Ihn auch nur in ein Pflegeheim vermitteln, das eine positive Einstellung dazu hat. So vermeiden Sie bittere Auseinandersetzungen. Gerade in diesem Punkt ist es für keine der beiden Seiten leicht, sich zwingen zu lassen.
Die Rechtsstreitigkeiten entstehen meist, weil dieses Thema im Vorfeld nicht angesprochen worden ist. Wird diese Situation jedoch berücksichtigt, gibt es hinterher auch weniger Probleme.
- Vorsicht bei Pflegeeinrichtungen, die keinen direkten Kontakt zum Pflegepersonal zulassen. Wird das Personal von der Leitung nicht für kontakt- und kommunikationsfähig gehalten, ist das eine sehr kritische Beurteilung des eigenen Personals. Wenn der Pflegedienstleiter dem eigenen Pflegepersonal so ein Gespräch nicht zutraut, warum sollen Sie dann dem Pflegepersonal trauen? Können diese sich dann in einer kritischen Situation mit Ihnen oder Ihrem Angehörigen unterhalten bzw. angemessen handeln?
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Fazit: Unstimmigkeiten wird es überall geben: Auf ein Beispiel einer aktuellen Pflegeplanung, oder ein persönliches Gespräch mit verschiedenen Leuten aus dem Pflegeteam und einem Repräsentanten der Bewohner sollten Sie auf keinen Fall verzichten. Auch der Punkt der Patientenverfügung sollte nach dem Erstgespräch kein Thema mehr sein. Anke Trautrims (nm) |