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| Multiple Sklerose (MS) |
Seite 1 von 7 Stellen Sie sich vor, Sie gehen spazieren, und Sie merken, wie ihr linkes Bein immer schwerer und tauber wird, bis es quasi gelähmt ist. Ein paar Monate später lesen Sie die Zeitung und können immer schlechter die Buchstaben erkennen, weil sie vor Ihren Augen verschwimmen. Nach ein paar Wochen ist Ihre Sehkraft zwar wieder in Ordnung, aber dafür fühlen Sie sich ständig müde und kraftlos. All diese scheinbar nicht in Relation zueinander stehenden Ereignisse können zusammen Merkmale einer Krankheit sein: Multiple Sklerose (kurz: MS). Bei Multipler Sklerose handelt es sich um eine chronische Entzündung des Zentralen Nervensystems, bestehend aus Gehirn und Rückenmark. Eine Autoimmunreaktion ist mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit dafür verantwortlich. Das heißt, dass das eigene Abwehrsystem die Nervenhüllen, die so genannten Myelinscheiden, angreift, was die Entzündungen hervorruft. Dadurch werden diese Myelinschichten allmählich zerstört. Der Name „Multiple Sklerose“ bedeutet „vielfache Vernarbungen“, weil die Entzündungen oftmals kleine Narben hinterlassen. Multiple Sklerose wird häufig auch als Muskelschwund bezeichnet, doch das ist falsch. Es sind zwei verschiedene Krankheiten. Während MS die Nerven angreift, ist Muskelschwund eine fortschreitende Form von Muskelschwäche. Ein „legitimer“ Name für Multiple Sklerose ist hingegen „die Krankheit mit den 1000 Gesichtern“, was sich auf die vielfältigen Symptome bezieht. In Deutschland leben etwa 130.000 MS-Patienten, und es kommen pro Jahr etwa 3-5.000 neue hinzu. Die Betroffenen sind vornehmlich – aber nicht ausschließlich – Frauen mit heller Hautfarbe zwischen 20 und 40 Jahren. Selten erkranken Kinder und ältere Menschen. Die Krankheit taucht vor allem in Nordeuropa, Nordamerika, Neuseeland und Südostaustralien auf, also in der gemäßigten Klimazone. Hingegen erkranken in den Tropen und Subtropen die wenigsten Menschen an MS. Multiple Sklerose zählt zu den Erbkrankheiten, doch eigentlich wird nicht die Krankheit selbst vererbt, sondern die „Empfänglichkeit“ dafür. Ein Ausbruch muss bei nahen Verwandten nicht zwangsläufig erfolgen. Das Risiko ist zwar höher als bei anderen, nicht erblich vorbelasteten Menschen, doch mit 1 bis 2 % kann man es immer noch als äußerst gering einstufen. Entgegen der weitläufigen Meinung ist MS nicht ansteckend. Weniger als 10 % sterben in Folge der Erkrankung, beziehungsweise ihrer Komplikationen.
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