Ganzheitliche Pflege

Die Anwendung von ganzheitlicher Pflege wird immer öfter gefordert, doch eine genaue Definition dieses Begriffes gibt es nicht. Jeder hat seine eigene Vorstellung davon, was „ganzheitlich“ eigentlich zu bedeuten hat. Das Wort selbst scheint den Anspruch des Absoluten zu verdeutlichen, des uneingeschränkten „Ganzen“. Doch ist das überhaupt möglich? Kann die Pflege sich tatsächlich um alles kümmern, alles berücksichtigen, alles behandeln?

Natürlich nicht. Vielmehr handelt es sich bei der ganzheitlichen Pflege um ein Konzept, welches den Patienten in erster Linie als Menschen sieht, und nicht als Kranken. Bei der Pflege sollen Körper, Geist und Seele des Menschen als Einheit berücksichtigt werden, nicht nur sein Gesundheitszustand allein.

 

Warum kann ganzheitliche Pflege erfolgreich sein?

  • Die Menschen werden in ihrer ganzen Situation wahrgenommen, dadurch werden mögliche Komplikationen schneller erkannt.
  • Jemand, der als Ganzes wahrgenommen wird, kann seinem Gegenüber schneller vertrauen, dies sorgt für ein vertrauensvolles Verhältnis.
  • Je mehr Vertrauen da ist, desto weniger emotionale Widerstände werden aufgebaut. Widerstände gegen die Behandlung sind aber eine der schweren Belastungen in Pflegesituationen.
  • Durch die ganzheitliche Betrachtung werden überflüssige Pflegehandlungen vermieden.
  • Ein ganzheitlicher Ansatz versucht, zuerst zu verstehen, wer das Gegenüber ist, und plant dann. Nur so kann man die Bedürfnisse der Patienten auch wirklich verstehen. Auf diese Art wird eine bessere Compliance (Kooperationsbereitschaft) erreicht.
  • Pflegefehler werden schneller entdeckt.
  • Es ist leichter, die Mitarbeit des Patienten zu gewährleisten, da dieser ja schon in die Planung der Pflege eingebunden ist, versteht er eher, was das Ziel der Pflegemaßnahmen ist. Gerade Menschen, die vergesslich sind, bekommen so eine Hilfestellung zur Erinnerung.
  • Durch die Berücksichtigung der persönlichen Vorlieben können auch Leistungen wegfallen.
  • Ganzheitliche Pflege ist ein Medium, um aktivierende Pflege für Patienten verständlich zu machen. Im Rahmen der Planung sehen sie über die Zielvereinbarung, warum sie kooperieren sollen.
  • Ganzheitliche Pflege zeigt die Ressourcen der Patienten besser auf, dadurch kann man auch ungewöhnliche Wege der Mobilisation und Aktivierung wählen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Ganzheitliche Pflege kann auch bedeuten, dass man Menschen wieder aktiviert, vor allem die Älteren. Die Fähigkeiten von älteren Menschen werden kaum genutzt, statt dessen werden sie meist in Heime abgeschoben, was zudem mit einer Entmündigung gleichkommt. Älteren fehlt der Platz innerhalb der Gesellschaft, vielen wird die Möglichkeit verwehrt, sich aktiv in ihrer Stadt oder Gemeinde zu engagieren.

Allgemein gilt: geistiges wie körperliches Training fördert die ganzheitliche Gesundheit des Menschen. Auch in der Pflege sollte dieses Prinzip angewendet werden, indem die Bereiche, die noch funktionieren, gefördert werden, statt sie abzubauen. Die Beschäftigung im Altersheim sollte nicht allein dem Zweck dienen, die Bewohner einfach irgendwie zu beschäftigen, damit sie ruhig sind. Diese haben oft große Potenziale, zum Beispiel im hauswirtschaftlichen oder handwerklichen Bereich, die nicht genutzt werden. Mag sein, dass ein von Arthritis geplagter 70-Jähriger selbst keinen Hammer mehr in die Hand nehmen sollte, aber er könnte es anderen immer noch beibringen.

(nm)

 

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