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Probleme bei der Übergabe

Der Artikel beschreibt eine in Australien durchgeführte, empirische Studie. Auf einer 30-Betten Station eines Krankenhauses in Sydney wurden 23 verschiedene Pflegeübergaben, die alle Schichten einschlossen, erfasst, transkribiert und kodiert. Die Forscher wollten herausfinden, welche Inhalte die mündliche Übergabe enthält, und ob diese ebenso in schriftlichen Dokumentationsquellen zur Verfügung stehen bzw. stehen könnten.

Abstrakt im Original (Englisch)

Nursing handovers: do we really need them? Von Sexton, A.C, Chan, C., Elliott, M., Stuart, J., Jayasuriya R. & Crookes, P.
 
Department of Public Health, University of Wollongong, Wollongong, NSW, Australia.

Aim:
This study attempts to address the content of nursing handover when compared with formal documentation sources.

Background:
The nursing handover has attracted criticism in the literature in relation to its continuing role in modern nursing. Criticisms include those related to time expenditure, content, accuracy and the derogatory terms in which patients are sometimes being discussed.

Methods:
Twenty-three handovers, covering all shifts, from one general medical ward were audio-taped. Their content was analysed and classified according to where, within a ward's documentation systems, the information conveyed could be located.

Findings:
Results showed that almost 84.6 % of information discussed could be located within existing ward documentation structures and 9.5 % of information discussed was not relevant to ongoing patient care. Only 5.9% of handover content involved discussions related to ongoing care or ward management issues that could not be recorded in an existing documentation source.

Limitations:
The results of this study are representative of only one ward in one Australian Hospital. Specific documentation sources were also not checked to determine their content.

Conclusion:
Streamlining the nursing handover may improve the quality of the information presented and reduce the amount of time spent in handover.

Interpretation

Die Ergebnisse der Literaturrecherche lassen vermuten, dass die mündlichen Übergaben in der Regel unstrukturiert sind und nur wenig Relevanz für die Bedürfnisse der Patienten haben.

Die Resultate der Studie scheinen die vorangegangenen Annahmen zu verstärken: Die Übergaben sind unstrukturiert, teilweise bzgl. des Inhalts unklar. 84,6 % der besprochenen Inhalte hätten genauso gut in vorhandenen Dokumentationssystemen schriftlich fixiert werden können, 9,5 % waren für die eigentliche Pflege der Patienten nicht relevant, und nur 5,9 % der ausgetauschten Informationen hätten in den vorhandenen Dokumentationssystemen nicht festgehalten werden können.

Im weiteren Verlauf diskutieren die Autoren mögliche Erklärungen. Sie nehmen an, dass der Ablauf einer planlosen Übergabe die vorangegangene Schicht widerspiegelt. Dies komme durch knappes Pflegepersonal und Zeitmangel zustande. Die Pflegenden führen nur die „wesentlichen“ Arbeiten durch, andere Aufgaben, wie beispielsweise das Aktualisieren von Pflegeplanungen, komme zu kurz. Außerdem wird angenommen, dass viel Zeit gespart werden könne, wenn die Dokumentationssysteme auf dem Laufenden gehalten werden würden. Die Übergaben könnten verkürzt und die übrige Zeit in das Lesen der schriftlichen, strukturierten Übergaben bzw. die direkte Pflege gesteckt werden. Hier muss allerdings eingeräumt werden, dass die Inhalte der spezifischen Dokumentationsunterlagen in dieser Studie gar nicht untersucht wurden!

Weiterhin wird der Mangel der zur Verfügung stehenden strukturierten Leitlinien kritisiert, die den Pflegenden hinsichtlich der Übergaben zur Verfügung stehen.

Die Autoren erkennen allerdings die Grenzen ihrer Studie, wie z. B. die Frage nach der Aussagekraft der Forschung, die sich lediglich auf eine Station beschränkt.

Es wird zu weiteren Forschungstätigkeiten in diesem Bereich angeregt. Grundsätzlich wird eine Neubewertung der Rolle der pflegerischen Übergabe empfohlen.

Beurteilung

Der Artikel beschreibt sehr genau die angewandten Methoden sowie die Literaturrecherche und geht kritisch mit der Studie – wie z. B. der äußerst kleinen Stichprobe – um. Darüber hinaus fallen weitere Grenzen auf. So könnte z. B. die Qualität der Übergaben durch das Wissen der Pflegenden, beobachtet zu werden, beeinflusst worden sein. Auch die Frage, nach welchen Kriterien die Untersuchenden die Einteilung in „für die Pflege relevant“ bzw. „irrelevant“ vornahmen, bleibt offen. Aber selbst im Bewusstsein verschiedener Kritikpunkte und auch, wenn einem beim Lesen der Überschrift klar ist: „Ja, natürlich brauchen wir Pflegeübergaben!“, geben die Einwände der Literatur sowie die Ergebnisse der Studie zu denken, und so manche miterlebte und -gestaltete Übergabe zieht noch einmal am inneren Auge vorbei. Um die eingangs gestellte Frage allerdings tatsächlich zu beantworten, ist noch einiges an Forschung nötig.

Für die Praxis ergeben sich zudem weitere Fragen. So z. B., ob bei guter Dokumentation tatsächlich alles noch einmal besprochen werden muss. Ist es wirklich effizienter, wenn das Pflegepersonal die Dokumentation nur noch liest? Ist das bei der Betreuung sehr vieler Patienten überhaupt möglich? Und ist ein pures Lesen von Informationen wirklich genauso aussagekräftig wie das Hören und Besprechen? Welche Übergabestrukturen sind tatsächlich noch sinnvoll und effizient?

Zumindest, was die Struktur und den Umfang der Berichte betrifft, ließe sich oftmals einiges verbessern. Im Gegenzug darf aber nicht vergessen werden, dass, wie auch die Autoren es erwähnen, eine Übergabe im Alltag mehr bedeutet als pure Informationsvermittlung.

Übersetzt und kommentiert von Dipl. PW Susanne Dürr

(nm)

 

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